Ausgabe 
10.7.1896 Zweites Blatt
 
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Freitag den 10. Juli

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Hralisöeilage: Gießener Kamikienökätter

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Unnahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für de, Atzenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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3' des Häuptlings Sike steht. Auf einem großen freien Platz, delcher sich ebenfalls in dieser Festung befindet, bietet sich ien Besuchern ein recht interessanter Anblick, da auf dem­selben die Schwarzen ihre Mahlzeiten bereiten. Sehr ivahlertsch oder gar sehr reinlich geht es hierbei gerade nicht : zu, aber es ist ein buntes Bkld, und wer die zahlreichen

r5§Z®«8 dem Kreise AlSfeld, 8. Juli. Gin solch schlechtes Bienstnj ahr, wie daS jetzige, gehört ebenso zu den Aus­nahmen, wie das vorjährige ganz vorzügliche dazu gehört. Allerdings folgt nach der Erfahrung der Imker niemals auf ein ausgezeichnetes Honigjahr gleich wieder ein solches. Die Schwärme haben seither so wenig Vorrath zu sammeln vermögen, daß fie in sehr vielen Fällen gefüttert werden mußten, sollten sie andern Falls nicht eingehen. Da, wo man He alten Völker voreilig zu stark geschleudert, vermögen dieselben nicht wieder den entnommenen Honig zu ersetzen und man wird vielleicht zum Futterzuschuß im Herbste greifen müssen. Wohl könnten die Bienen immer noch bei der jetzt blühenden Linde und dem zu erwartenden Sommerraps Honig eintragen,^allein es bleibt Thatsache, daß alle Blütheu in diesem Jahre sehr schwach honigen. Der neue Bienen­honig dürfte demgemäß in viel bescheidenerem Quantum auf dem Markte erscheinen, wie der vorjährige.

Vom nordwestliche« Vogelsberg. 8. Juli. Die Heu­ernte ist nun beendigt. DaS bestgedörrte Heu hat es noch in dieser Woche gegeben, indem seit Montag nach langer Zeit der Himmel wieder einmal wolkenlos blieb. DaS Ergebniß der Heuernte ist im Allgemeinen als ein gutes zu bezeichnen. Trotz der seither fast beständig trüben Witterung hat eS hier an Regen gefehlt, so daß eS dem Boden an Feuchtigkeit mangelt. Der Wasserspiegel an Bächen, Brunnen hat sich bemerklich gesenkt. Am meisten bedürftig deS Regens find

die Kartoffeln und Setzgewächse. Erstere stehen zur Zett im Stadium der Knollenbtldung, mangelt dann die Feuchtig­keit, so giebt es später meist geringe Erträgnisse. Der Ackerboden der Hackpflanzen ist so hart, daß er kaum mit der Hacke zu bearbeiten ist. Das Korn beginnt im Felde zu bleichen- in vierzehn Tagen dürste mit seinem Schnitt begonnen werden. Die Ernteausfichten find keinesfalls schlecht, doch wird die Sommerfrucht, Hafer und Gerste, wieder kurz im Halm bleiben, weil der Regen gemangelt hat. Sicher haben andere Gegenden weniger über die Trocknung zu klagen, da dort Gewitter niedergtngen, die unsere Gegend unberührt ließen.

sogar zu einer gewissen Meisterschaft gebracht haben, und benn es auch eine traurige Berühmtheit ist, welche diese Spitzbuben erlangt haben, so ist eS doch immerhin eine Be- rShwtheit, und fie brüsten sich sogar mit einer prahlerischen Frechheit damit, welche mir und meinen von der Cultur so

land seine Nachbarn auf dem Gebiete der Bildung überholt hat. Die Wände bedecken vier mächtige Karten, auf welchen die Wege bezeichnet, welche deutsche Forscher im dunklen Erdtheil gewandert sind. Sie geben zugleich eine klare Ueberficht über Deutschlands Gebiete in Kamerun, Togo, in Deutsch Südweft und Ost-Afrika, sowie im Stillen Ocean. Die beiden Flügel dieser Moschee enthalten zum Theil sehr kostbare Sammlungen von Dr. Zintgraff aus Kamerun, von Lieutenant Dominik au» Togo, von Dr. Stuhlmann aus Ost-Afrika, von Dr. Zürich auS Südwest-Afrika rc. Die weitaus kostbarste und auch wissenschaftlich am höchststehendste ist die Sammlung des Afrtkareisenden Oscar Neumann. Die die Wände bedeckende ethnographische Sammlung dieses Forschers, die zahlreichen Jagdtrophäen und Waffen legen ein beredtes Zeugniß dafür ab, mit welchem Fleiß und welchem Verständniß besonders Oscar Neumann seinen Studien obgelegen hat. Auch tte zoologische Sammlung weift zahl­reiche interessante Beiträge des Herrn O. Neumann auf, so z. B. ist eine Sammlung vorhanden, welche sämmtliche Gehörne aller bis jetzt bekannten Antilopenarten Deutsch- OstafrtkaS umfaßt.

Die Firma Umlauf aus Hamburg hat einen kleinen, dreijährigen auSgestopften Elephanten ausgestellt, ebenso erwähnenswerth ist eine wundervolle, farbenprächtige Collection australischer Vögel, nicht zu vergessen die Ausstellung des botanischen Museums, welche die aufmerksame Beachtung aller Sachverständigen vollauf verdient.

Gegenüber von dieser wissenschaftlichen Ausstellung liegt die Colonialhalle, in welcher noch zwei sehr interessante Sammlungen untergebracht find; eS find dieses ein Theil der großen Sammlung des Gouverneurs v. Wißmann, sowie die deS bekannten CompagnteführerS Langfeld. Im Uebrigen find in der Colontalhalle vorwiegend die Erzeugnisse unserer für die Colonien thätigen Gesellschaften und Privatfirmen ausgestellt. So stellt z. B. die deutsch-ostafrikanische Gesell­schaft Berlin die Landesproducte Deutsch-OstafrikaS, sowie die Einfuhr-Artikel daselbst und einige ethnographische Gegen- stände aus. BeachtenSwerth ist auch die Ausstellung der Neu-Guinea-Gesellschaft, welche in vielen Modellen eine Ueberficht über ihre gesummten Anlagen im Kaiser Wilhelm- Land zu geben sucht. ES ist ein umfangreiches, belehrendes Material vorhanden, welches auch fernstehenden Kreisen Interesse bieten wird. Die Wohnhäuser der japanischen und chinesischen Arbeiter, der Beamten, die Feldetsenbahn bet Erimahafen rc., dies Alles wird gewiß auch Denjenigen interessiren, der sich mit unseren colonialen Bestrebungen bis jetzt noch wenig beschäftigt und aus diesem Grunde auch wenig befreundet hat. Außerdem befinden sich natürlich noch eine stattliche Anzahl von privaten Schaustellungen über daS Terrain der Sansibar-Stadt vertheilt, sodaß der Besucher bei einer eingehenderen Besichtigung sehr viel Neues und Interessantes kennen lernen wird.

vierteljähriger ASo»»e«e«ts»rei»t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

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Kchulstraße Hlr.7.

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Berlin. 6. Juli 1896.

Die deutsche Colouial-AussteLung.

Deutsch Oftasrika ist in der ColonialauSftellung unter Anderem durch einen sehr interessanten Festungsbau vertreten, welcher zugleich den Beweis dafür liefert, wie weit die Cultur dortselbst schon vorgeschritten ist. ES handelt sich um die Festung deS einst sehr angesehenen und zugleich mäch­tigen Häuptlings Sike. Die Nachbildung der Befestigung jQuikaru qua Sike* wird von Kennern als ganz vortrefflich bezeichnet und Sachverständige find erstaunt darüber, in welch außerordentlich practischer Weise diese Bastion angelegt ist. Unsere eigenen Truppen mußten eS leider in den Jahren 1892/93 erfahren, wie schwer es ist, eine solche befestigte Anlage zu stürmen, denn eS bedurfte erst wiederholter heißer Kämpfe, ehe es gelang, diesen Häuptlingssitz zu er­obern und Mister Sike und seine Sippe htnauSzuwerfen. Die Anlage dieser Festung ist, wie schon erwähnt, überaus sinnreich. Heber einen vielleicht 15 Fuß hohen Lehmwall tagt eine aus starken Stämmen gebildete Pallisadenmauer empor, von welcher zum Vergnügen der Eingeborenen zahl­reiche Todtenschädel erschlagener Feinde dem Ankommenden freundlich entgegengrinsen. Zahlreiche Schießscharten liefern hn Beweis, wie bedrohlich es ist, sich einer solchen feind­lichen Veste zu nähern. Der Lehmbewurf ist übrigens so stark, daß an demselben Geschosse eines Vorderladers ohne

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Nr. 160 Zweites Blatt

* Kennzeichen für Pferdeknechte. Ein alter Bauer sagte einmal nach langer Erfahrung: Wenn ein Knecht sagt: Unferm Herrn seine Pferde", dann taugt er nichts, man gebe ihm seinen Lohn und jage ihn fort. Wenn ein Knecht sagt:Unsere Pferde", so kann man ihn behalten. Wenn aber ein Knecht sagt:Meine Pferde", dann ist er gut und nicht mit Geld zu bezahlen.

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Einzug der au», festzug.

stark beleckten, an Staatsordnung und Polizei gewöhnten Mitbürgern geradezu empörend erschien. Wo bleibt da die deutsch-ostafrikanische Gerechtigkeit, wo der deutsch-ostafrikanische Staatsanwalt?

Von hier aus gelangen wir in den wissenschaftlichen Theil der Colonialausstellung. Vorbei an der SanitätS- auSstellung deS auswärtigen Amtes, welche eingehend die gesammte Sanitätspflege in den Tropen veranschaulicht, führt unser Weg über eine Brücke, welche durch ein hoheö Brücken- thor begrenzt wird, zur sogenanntenSansibar-Stadt". Von hier aus hat man auch einen schönen Ausblick über das ge­sammte Terrain, über welches eine sehr große Anzahl von Bauten vertheilt, die alle im arabisch-indischen Style erbaut sind. Ein fesselndes Bild von gleichzeitig malerischer und origineller Wirkung! Zunächst fällt uns ein im T'vpenstyl errichteter Holzbau in die Augen, der sicher dazu bestimmt ist, al- GouvernementShauS für Togo zu dienen. In diesem befindet sich auch die Ausstellung der Colovialabtheilung des auswärtigen Amtes. Ein imposanter Anblick ist, den dieser zweistöckiger Bau, der von Veranden umgeben ist, bietet. Die untere Etage enthält die Ausstellung der Ein- und Ausfuhrartikel unserer unter Staatsverwaltung stehenden Colonien. Hier sieht man Körnerfrüchte, Gewürze, Zucker, Kaffee, Cacao, Tabak, Kautschuk, Gummi, Fett-, Färb- und Faserstoffe, auch Elfenbein, Schildpatt, Felle, Straußen­federn und viele andere Artikel find vertreten. Interessanter für den Laien dürfte die Besichtigung deS ersten Stockes des Tropenhauses fein, wo die Räume als Speisezimmer, Ossi- zierSmesse, ArbeitS- und Wohnzimmer, sowie als Schlaf- cabinet für unsere Colonialbeamten ausgestattet sind.

In einem Anbau am Tropenhause ist endlich der dritte Theil dieser Ausstellung, nämlich der deutsche Frauen­verein für Krankenpflege in den Colonien untergebracht, welcher in der Hauptsache eine größere Samm­lung von milden Gaben umfaßt, die für die dortigen Krankenhäuser bestimmt find. Von hier aus führt uns ein Weg weiter zu einem Gebäude, welches einer jetzt abgerissenen Moschee in Kilwa nachgebildet ist. ES besteht aus einer großen Halle mit Kuppelbau und zwei Seitenflügeln. Hier bietet sich dem Forscher wirklich interessantes Material, hier könnte man Tage lang verweilen, um in eifrigem Studium die sehr bedeutenden ethnographischen, geographischen, geologischen und botanischen Sammlungen kennen zu lernen. Betritt man daß Gebäude, so nimmt ein gewaltiger Globus, der einen Durchmesser von 2 Metern hat, die Mitte des Kuppelsaales ein. Die Coloffalfigur eines steinernen AtlaS dient als Träger der umfangreichen Erd- kugel, auf welcher man genaue Angaben über die Größe unserer Schutzgebiete, über die Vertheilung unserer Consular- vertretungen, über den Weltpoftverkehr rc. findet. Vier Pyramiden, welche sich zu beiden Seiten des Eingangs dem Riefenglobus gegenüber befinden, geben in schneller, faßlicher Form über die Entwickelung Deutschlands als See- und Handelsmacht, über die Besatzungsstärke auf den deutschen Kriegsschiffen Auskunft, ebenso darüber, wie weit Deutsch.

* Ms. Cassel, 8. Juli. Ein frecher Einbruch in deS Wortes strengster Bedeutung wurde hier von einem Un­bekannten gestern Vormittag 10 Uhr, also am hellen Tage, verübt, indem ein Strolch das Fenster der Süd­front der Synagoge eindrückte, ungehindert einstieg und die Opferbüchse erbrach und beraubte. Als er wieder heraus- stieg, wurde er zwar bemerkt, auch angehalten. Er erklärte, er sei Malergehilfe, sei irrthümlich beim Arbeiten am Tempel eingeschlossen worden, worauf man ihn laufen ließ.

Ms. Bad Wilduugen, 8. Juli. Der Bischof von Lüttich ist zu längerem Kuraufenthalt hier eingetroffen. Unsere Badesaison läßt sich dieses Jahr wieder sehr gut an, die Zahl der Kurgäste ist erheblich Häher als im Vorjahre.

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Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Mnmilienvläiter werden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt.

«ach oben steigenden Gerüche zu vertragen im Stande ist, soll nicht verfehlen, diesem merkwürdigen Schauspiele einmal tiizuwohnen. Bevölkert wird dieser umfangreiche Gebände- csmplex von verschiedenen Volksstämmen, nämlich von den Sraheli, Wakonden und den Maffais. Am. interessantesten (zidbienen mir hiervon die MassaiS, welche vom Kilimandscharo httftammen. Dieselben find als Räuber in ihrer Heimath berühmt und berüchtigt und ist der Vtchdtebftahl ihre eigentliche Specialität. In dieser Beziehung sollen fie es

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Weiteres abprallen. Durch wohlgeschützte Laufgräben und LefestigungSringe gelangen wir in das Innere der Festung, tt» V, ja tue t« Mittelpunkt das tu arabischem Style erbaute Haus

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Das erste Heft eines neuen Quarials der im dritten Jahr­gänge stehenden »Wahrheit (Halbmonatschrist zur Vertiefung in hie Fragen und Aufgaben deS Menschenlebens; Fr. Frommanns Verlag, Stuttgart. Preis vierteljährlich 1 Mk. 80 Pf.) bringt aus der Feder des Professors Dr jur. J.Kohler in Berlin einen lebhaft geschriebenen Artikel zur Frage nach dem Werthe der Gedichte derVolksdichterin" Ambrosius: eben diese Benennung wird als unrichtig zurückgewiesen. Der Würdigung zweier anderer Persönlichkeiten, Ruskins und Carlyles, ist ein Aufsatz von Jacob Teis in London unter dem Titel:Zwei Kämpfer für dieWerthung der Arbeit". Schrempf hat wiederum das Heft durch eine freie Wiedergabe einer seiner tiefdringenden Reden bereichert. Er verfolgt die Gefchichte der Taufe und gelangt zu dem Schluß, daß vielleicht nur die Privattaufe ein zweckmäßiges Mitel sei, sich aus den Widersprüchen der Kirche zu befreien.

Die »Rene Hamburger Zeitung* erläßt ein Prei»- ansschreiben mit drei Preisen von Mk. 500, 200 und 100. Es werden drei Themata zur Wahl gestellt: 1) Ein Feuilleton oder eine kurze Novelle, 2) eine Arbeit, die auf Hamburgische Verhältnisse Bezug hat, 3) ein Gedicht über ein Hamburgisches Thema. Die Annahme schließt am 15. August d. I. Ueber die näheren Be­dingungen giebt die Expedition derNeuen Hamburger Zeitung (Hamburg, Bleichenbrücke 25), Auskunft.

Feuilleton.

Berliner Ausstellungsbrirfr.

(Von unserem Correspondenten.)

(Nachdruck verboten.) XV.

iftigung aller Art. iftr, ßrmfels, n HemiMen, Hdje für KürM sie Md- sMenung. == esührt werden. 605?

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