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10.5.1896 Zweites Blatt
 
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Nr» HO Zweites Blatt

Sonntag den 10. Mai

1896

vierteljähriger

Kenerat-Mnzeiger

Hratisöeikage: Gießener Aamitienötätter

Feuilleton

Ir»«hm« von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» ßchmden Tag erscheinenden Nummer bi« Sonn. 10 Uhr.

Alle Annoncm-Bureaux de« In« und Au-lande« nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amts- und Anzeigeblutt für den Tlveis Gieren.

diese verschiedenen schweren Schläge, diese Erschütterungen und Wirrnisse haben doch nicht vermocht, den Bestand des Reiche« ernstlich in Frage zu stellen, eS blüht und gedeiht vielmehr im Ganzen und in allen seinen Gliedern fröhlich weiter, Dank der Weisheit und Thalkraft Kaiser Wilhelm II., Dank der wahrhaft patriotischen Gesinnung der deutschen Fürsten, Dank dem Nationalgesübl, doS nach wie vor unter den deutschen Stämmen, im gelammten Volke, rege ist. Und nach außen steht Deutschland noch immer in seiner achtung« gebietenden Stellung da, al« die bewährte Vormacht deS DölkerfriedenS Europas, als Bahnbrecher und Bannerträger auf so manchem wichtigen Gebiete friedlicher culrureller und socialer Arbeit, als ein Reich, desien Kraft, deffen Einfluß und besten Fortschritte nach wie vor allenthalben auf dem Erden­rund bewundert und anerkannt werden.

Der festliche Tag des 10. Mai wird in der eigentlichen JubiläumSstadt dadurch seine besondere Weihe erhalten, daß an ihm dort die feierliche Enthüllung deS Denkmals Kaiser Wilhelms I. stattsindet und daß das deutsche Katscrpaar nebst dem Kronprinzen diesem solennen Acre beiwohnen wird. Die Blicke von ganz Deutschland werden daher an diesem Tage nach der ehemaligen freien Reichsstadt am Main und dem jetzigen blühenden HandelSemportum Süddeutschlands gerichtet sein und als gewiß dars eS gelten, daß die Frankfurter Feier in den Herzen aller guten Deutschen ihr freudiges Echo findet.

des WtndhauS'fchen Führers durch den Odenwald nöthig geworden, der, im Auftrage des Clubs herauSgegebeu, sich längst größter Beliebtheit und Verbreitung erfreut und alle anderen Bücher ähnlicher Art, soweit sie sich mit dem Oden­wald befassen, weit übertrifft. Die segeusvolle Thätigkeit deS Vereins macht sich namentlich in einer Steigerung des touristischen Verkehrs bemerkbar, denn aus allen Theilen Deutschlands, ja Europas, pilgern nun alljährlich Natur­freunde zu kürzerem oder längerem Aufenthalt in das hessische Bergland. Die Hauptsommerfrischen Jugenheim und Auer« bach sind schon jetzt von Sommergästen besiedelt, die sich durch die noch anfangs der Woche kalte Witterung nicht fern­halten ließen.

Zur Friedens feier der natiooalliberalen Vereine am Niederwalddenkmal am 14. Mai entsendet auch Darm­stadt eine stattliche Besucherschaar. Ja Mainz wird ein eigens für die Festtheilnehmer gemietheteS Dampfboot bereit liegen, das zur Hinfahrt nach Rüdesheim benutzt werden soll. Näheren Bericht über den Verlauf der Feier behalten wir unS für die nächste SonntagSnummer vor.

Auf ein neues Unternehmen, das nun auch in Darm­stadt ins Leben getreten ist, und wieder einen Schritt vor­wärts in der Entwickelung zur Großstadt bedeutet, sei heute noch htugewiesen. Es ist ein vegetarisches Speise- hauS, das in der Grafenstraße eröffnet wurde. Ob frei!'ch tu Darmstadt Bedürfniß nach einer derartigen Anstalt vor­liegt, muß erst die Zukunft lehren. Seither mußten die Darmstädter Vegetarianer hinaus nach dem lieblichen Traisa wandern, wenn sie einfleischreines" WirthShauS besuchen wollten. Dort hat ein begeisterter Anhänger der fleischlosen Kost ein solches unter dem NamenVilla Trautheim" seit längerer Zeit in Betrieb, der böse VolkSmund, der stets zu Spott aufgelegt ist, hat jedoch aus der V llaTrautheim" schon längst eineVilla Krautheim" gemacht, und im Csrne- valSzug fehlte es nicht an einer gelungenen Persiflage auf die übertriebene Innehaltung der sogenanntennaturgewäßrn" Lebensweise, namentlich derKnetpp'schen" Kur.

Abschiedsvorstellungen brachte die verfloffene Woche. Am Montag spielte Herr Edward zum letzten Male in Wilhelm Teil" und am DienStag sang Herr Thate zum letzten Male in AdamSPostillon". Beide scheidenden Künstler wurden durch Ovationen ehrendster Art von Setten deS Publikums erfreut. Nun wird nur noch das Benefiz für den PenfionSfondS der Hofmufik und die Abschiedsvorstellung für Fräulein Jungk folgen, dann treten die schon im letzten Briefe erwähnten Sommervergnügungen in ihr Recht, die gewiß jetzt, wo das Wettersaisongemäßer" zu werden ver­spricht, große Anziehungskraft ausüben werden.

Am Hofe ist es feit der Rückkehr des Herrscherpaares auS Coburg wieder lebhafter geworden, eS kam viel Besuch und die höchsten Herrschaften zeigten fich öfters in der Orffentl chkett. Die Nachricht von einem längeren Besuche deS Czaren und seiner Gemahlin, unserer Prinzessin Alix, nach der Krönung zu Moskau erhält sich; man spricht vielfach von den Spätsommermonaten alS Besuchszeit, doch läßt fich ja auf alle Nachrichten, die nicht auS officteller Quelle stammen, nicht viel geben.

Sehr interesfirt hat hier die Nachricht, daß Darmstadt wohl in nächster Zett Sitz eines militärischen GeneralcommandoS und Garnison eines neuen Jn- fanterie'RegtmemeS werden wird. Diese Thatsachen, die ja auch schon in Ihrem Blatte erwähnt wurden, dürsten für die weitere Fortentwickelung der in erfreulichstem Aufschwünge begriffenen Residenz von großer Wichtigkeit sein.

Die freudigst begrüßte Ankunft befferer Witterung lockt nun auch die wegen ihrer Wanderlust und touristischen Leistungsfähigkeit bekannten Refidenzler hinaus in die herr­lichen Gegenden unseres Odenwaldes. Die nimmer rastende Thätigkeit desOdenwaldclubS", der für Starkenburg dieselbe Rolle spielt, wie derVogelsberger Höhenclub" für Oberheffen, hat für Erneuerung und weitere Ausdehnung deS MarkirungSnetzes gesorgt, und die mit den farbigen MarkirungSltnien versehene Karte unseres heimischen Berg- landes ist auch in diesem Jahre in neuer Auflage erschienen. Ebenso ist für dieses Frühjahr abermals eine neue Auflage

Gießener Anzeig er

Zum Jubiläum

des Frankfurter Friedensvertrages.

Dir letzte große JubiläumStag auS Deutschlands großer ZeM ist gekommen der 10. Mai. An diesem Tage tiwDflibcl sich jetzt ein Vierteljahrhundert, daß in Frankfurt aav SDiiin der Friedensvertrag zwischen Deutschland und FijMkcelch unterzeichnet wurde, welcher die Errungenschaften deBbeueschen Volkes in seinem gewaltigen Kampfe mit dem frittlilch-n Erbfeind endgültig besiegelte.

D»S die deutschen Waffen in blutigen Schlachten erkämpft, w«t beittscher Heldenmuth und deutsche Ausdauer, deutsche VlimlaidSliebe und hingrbendste Opferwilligkeit eistritteu, daaS »hielt durch den Friedensvertrag in der alten KrönungS- 'laKi ber deutschen Kaiser seine völkerrechtliche Weihe, seine brifniiitio' Bestätigung. Elsaß und Lothringen, diese alten htmildicii Grenzprovinzen, waren nunmehr in aller Form mit deoMutuerlande wieder vereinigt, und auSgetilgr war hiermit Hili jahrhundertlange Schmack von Straßburg und Metz, die billigt in uralten alemannischen Lande zwischen Rhein und Motgtlm. sie gehörten nunmehr durch feierlichen Vertrag ullitibtriiti zu Deutschland. Aber der Friedensschluß von Fmaiksmit gab Deutschland nicht nur die in den Zeiten seines poMchln Verfalles verloren gegangenen Grenzprovinzen roiitbtr zurück, sondern er enthielt zugleich auch die sttll- scht»kigc»de Besiegelung und Anerkennung der neuen deutschen M'mhlfnvung, das auf den Schlachtfeldern Frankreichs ge- ßtiihbttt neue deutsche Kaiserreich schloß jetzt zum ersten Male einM in! emotionalen Vertrag von weittragender Bedeutung ab: unb somit bestätigte die Feder deS Diplomaten in erffiiwlichster Weise da-, was daS Schwert deS Soldaten ervrugev.

Seil jenem entscheidung-reichen 10. Mai 1871 sind sünHinbzavanztg Jahre im Strom der Zeit dahingerauscht, mit ihn ist ein Vierteljahrhundert voll mannigfacher schwerer innettr Kämpfe und tieferschütternder Ereignisse, ober auch voll glänzender Erfolge und sieghafter friedlicher Triumphe füll: la« neue Reich deutscher Nation verfloffen. Seine beiden erfiim unvergeßlichen Kaiser sanken in daS Grab, auch fast all 0 iie Heerführer und Staatsmänner, welche das Reick mit crrn tikn halfen, haben der Zeitlichkeit ihren Tribut entrichtet, 'ckcr« leit Jahren lenkt der ruhmvolle erste Kanzler des Reiichr nicht mehr deffen Geschicke, mancherlei Wirren und häßijMe iKämpfe der Parteien und Meinungen sind unserem neuiWlnien Vaterlande nicht erspart geblieben. Aber olle

dochendriese aus öer ResiSen).

(Originalbericht desGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 8. Mai. saiesmlhlluß im Hoftheater. Vom Hose. Odeuwaldclub.

Allerlei.

Rur noch wenige Tage und die Pforten unseres Musen- tem:apuli werden geschloffen sein. Während sonst daS Jntereffe ^eSlAdlikumS für das Theater gerade gegen daS Ende der ZpWüt hin merklich abzunehmen pflegt, war diesmal gerade :as üttzizentheil festzustellen. In erster L'nie mag daS der Zustmreastellung des SpielplanS in den letzten Wochen, in dem unfreundlichen und deshalb dem Theaterbesuch günMn, Wetter zuzuschreiben sein.

ReichesFaust" bewährte eine ganz ungewöhnliche Äuzstel^zSkraft und in den letzten Tagen der vergangenen und i hier Woche lockte die lange vorbereitete Aufführung bei INibelungenrtngeS von Richard Wagner die Musik- sremLlii in dichten Schaaren an. MitRheingold" begannen bie Mivgvorstellungen am Donnerstag voriger Woche in viel- ers^oitelider Weise. Leider brachte der Freitag, wo die ...WoDue" gegeben wurde, infolge der Heiserkeit eines Haupt- darstiiÄn-S eine nur zum Theil gelungene Aufführung und bam'ckteine Enttäuschung. Dagegen verliefen die Vorstellungen des l6ie|gfrteb", mit Herrn Bassermann in der Titelrolle, und lvü ^Götterdämmerung", wo Herr v. Bandrowski vomo Filrmkfurter Stadttheater den erkrankten Herrn Bär glücket vertrat, in so glanzvoller Weise, daß sie für die Entv'Ähivng vom Freitag wohl Ersatz zu bieten vermochten. Unfdta üuiblifum ist noch vor wenigen Jahren den Meister- werkiüt K!ichard WagnerS, wenigsten- denen seiner späteren SchcsßiillSsiieriode, nicht gerade mit großem Verständniß be- gegwitü, wie gründlich fich jedoch sein Geschmack inzwischen aeänxiiit Ijat, da- bewies der jubelnde Beifall, der sämmtliche AuffWumgen derNibelungen" begleitete. Auch interessante

aller Arten des Norddeutschen Lloyd aufgestellt, ferner Modelle deSVulkan" in Stettin, der Werft von Blohm u. Voß in Hamburg und der Werft F. Schichau in Danzig. An den Wänden bi finden sich graphische Darstellungen au- dem Betriebe de- Norddeutschen Lloyd. Unmittelbar vor dem Marinesaal öffnet sich tie gewaltige Dampfküche, aus­gerüstet mit allen Dampskochapparaten, welche genügen, um für 2000 Personen zu kochen. Zu beiden Seiten der Dampfküche befinden sich die Wohnräume für den Arzt, ferner die Apotheke, ein Hospital und eine Anzahl Bade­einrichtungen. Auf dem vorderen Theil des Hauptdecks liegen die Salons der Kaiserlichen Majestäten. Vom unteren Vorplatz aus führen zwei reich ornamentirte Treppen nach dem Promenadendeck. Von dem Vorplatz des Promenaden­decks gelangt man nach vorn in den für 100 Personen ein­gerichteten Speisesaal de- Schiffes. Eine Pantry (Anricktc- rauw) zeigt die außerordentlich practtfche Unterbringung dc- Geschirrs und die vielfachen Apparate, welche für die Be­reitung deS Kaffees :c. in Thätigkeit sind. In einer größeren Anzahl von Paffagtrcabinen erhält der Beschauer einen Ein­druck von der Bequemlichkeit, mit welcher heutzutage Ocean- reisen gemacht werden. Der prachtvoll in neuenglifchem Stil auSgrführte Damensalon, daS mächtige, ganz und gar mit Neu-Guinea-Holz getäfelte Rauchzimmer, alle auf dem Promenadendeck belegen, geben Zeugutß von dem Geschmack und der Pracht, welche an Bord der großen Dampfer des Lloyd herrschend geworden find. Die sämmtlichen Salon- an Bord deS Schiffes sind Werke der berühmten Berliner Möbelfirma I. C. Pfaff, Französifchestraße 33 (Fabrik Zeughofstraße 3). Tritt man aus dem Deckhaus heraus, so öffnet sich das breite Promenadendeck in einer Länge von beinahe 40 Meter 131 Fuß. (In Wirklichkeit ist daS Promenadendeck auf den Schiffen mehr als 100 Meter lang.) Heber dem Promenadendeck liegt das Brückendeck, auf welchem die Commandobrücke, die mächtigen Rettungsböte, das NavigationSzimmcr, die nautischen Instrumente und Telegraphen untergebracht find. Eine herrliche Aussicht über die Spree stromauf- und abwärts bietet fich dem Beschauer.

* Verschiedene Ansicht. Bewerber:Herr Meyer, ich komme in einer sehr ernsten Angelegenheit zu Ihnen, ich möchte um die Hand Ihrer Tochter bitten." Meyer:So, ich finde ober diese Angelegenheit im Gegenihetl sehr heiter."

* Malpropre. Unteroffizier:Schulze, ich glaube. Sie kriegten es fertig, mit ungeputzten Knöpfen und Stiefeln ans HimwelSthor zu klopfen!"

* Der Norddeutsche Lloyd in Cremen wird auf der Berliner Gewerbeausstellung durch ein AuSstellungS- object vertreten sein, wie eS btsher in dieser Größe noch niemals auf irgend einer Ausstellung vertreten war, nämlich durch einen in natürlicher Größe aufgebauten SchiffStheil. DaS Ausstellungsschiff soll ein genaues Abbild eines ter Coloffe geben, welche heute im Dienste deS Norddeutschen Lloyd den Verkehr auf dem Ocean vermitteln. Das AuS- stellungsschiff ist 88 Meter 288 Fuß lang, von der Wafferfläche auS 14 Meter 46 Fuß hoch und bildet genau die Hälfte eines Schiffes derjenigen Klaffe, von welcher der Norddeutsche Lloyd augenblicklich vier auf deutschen Werften erbauen läßt. Man betritt daS AuSstellungSsch^ff durch ein Schleusenthor und gelangt an einem Taucherbassin vorüber in das Oberdeck des Schiffes. Hier öffnet sich zunächst der Marinesaal. In ihm find Modelle von Schiffen

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