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Der fir jener Anzeiger «rscheint täglich, »>' Ausnahme deS Montags.
Die Gießener
I.milienvlLlter Bttbtn dem Anzeiger »tqentlich dreimal bciflcUgt
Drittes Blatt. Sonntag den 9. August
1S96
Gießener Anzeig er
Keneral-Mnzeiger.
vierteljähriger ASonnemenlsprei»» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 W
Uedaction, GprediNa» und Druckerei:
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Kernlprecher 5L
oncei rlnrts- unb Anzeigeblatt für den ICtck Greben.
chratisöeilage: Gießener Aamikienötätter.
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«»nähme von Anzeigen zu der Nachmittags für den sUgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Nr. 14), und empfehlen Ihnen zur Vermeidung von RevifionS- bemerkungen genaue Befolgung dieser Vorschrift.
Die Revifionsverhandlungen zu den vorhergehenden Voranschlägen find bet Ausstellung deS neuen Voranschlags zu beachten.
Don der Ablieferung der Voranschläge an die Großh. Decauare wollen Sie uns demnächst und jedenfalls bis Mitte October Anzeige erstatten.
v. Gagern.
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♦ Gerichtskosten eiust und jetzt. Interessant, namentlich für Diejenigen, die schon einmal in der Lage waren, mit unserer heutigen Kostengesetzgebung practische Bekanntschaft zu machen, ist ein Rückblick auf das, was in dieser Beziehung früher Rechten- gewesen ist. So enthielt denn die Solms er Landesordnung darüber Folgendes: Dem Büttel, oder Gerichts Knecht, soll von jedem Vorgebot, so er nicht außer dem Flecken oder Dorff gehet, dreh Pfennig, So er aber in ein andern Flecken oder Dorff gehen muß, und allda vor- gebieten, vor die Verkündigung dreh Pfennig, und von jeder Meil viertzehn Pfennig gegeben werden- dem Gerichts- Schreiber aber soll gelohnet werden, wie folgt: Von einem jeden Blatt, so er beschreibt in mündlichen Vorträgen, soll ihm gegeben werden zehen Pfennig. . . . Gerichts- und Schultheißen-Belohnung. Dem Gericht aber soll von jedem Termin, so die Partheyen halten, ein halb Viertel Wein gegeben werden. Diese Weintaxen bilden eine ganz besondere Eigenthümlichkeit. Sie kommen auch noch öfter vor, z. B. als Gebühr für die Steinsetzer. — Von bestechender Kürze und Deutlichkeit find die nun folgenden Vorschriften über Gebühren der Rechtsanwälte, der Zeugen und der obsiegenden Partei. Sie lauten: Im Fall auch die Sachen dermaßen beschaffen, daß die Parthehen darin Fürsprecher oder Advokaten brauchen müssen, und deren nicht entrathen möchten: So soll derselbtg Kost, auch der Billigkeit nach, gemäßiget, und einem Redner, der einen zimlichen Vortrag thut, jedes Gerichts- Tags an Ort eines Güldes, wo aber der Vortrag gering, weniger taxirt. Die Schriften aber sollen, nach dem darin Fleiß angewandt, und durch den Richter, ob solche Schrift vöthig oder nicht nöthig gewesen, geschähet werden- im Fall auch der gewinnend Thetl, dem der Kosten zuerkaunt, über Feld von Hauß ziehen und derhalben zehren hätte müffen: So soll thme für jede« Tages Zehrung fünfthalb Albus: — also auch einem Zeugen, so in Zehrung und Versäumniß gesetzt worden - es wäre denn, daß einer nicht schlechten Standes, zu Roß geritten kommen, mag der Richter nach Gelegenheit ein höhere Tax setzen.
* Reue Krankheit. Patient: „Bitte, untersuchen Sie mich doch einmal, Herr Doctor- ich glaube, ich habe den Krebs im Gehirn!" — Doctor: „Woraus schließen Sie denn bQ6 — Patient: „Mit meiner Gehirnthätigkeit ist es in der letzten Zeit stark rückwärts gegangen!"
** Bon einem Salzschlirfer Kurgast werden wir um Aufnahme des nachstehenden, gleichfalls von einem Salzschlirfer Gaste verfaßten Gedichts gebeten:
»ad Salzschlirf.
Nicht mehr bist du weltverloren, Wie man vormals dich genannt,*) Denn selbst in den fernsten Ländern Bist du Salzschlirf jetzt wohl bekannt. Stellen dir doch Nord und Süden, Ost und West ihr Contingent, Kennet man doch deinen Namen Auf dem ganzen Conttoent.
Kommt man doch zu dir gezogen Weither über'n Ocean/ Langt bet deiner Wunderquelle Hoffnungsvoll und fröhlich an. Denn wie einst im Land der Chatten Bonifatius Wunder that, So der nach ihm benannte Brunnen, Der Heilkräfte in sich hat.
Lahme lernen wieder gehen, Herzgepreßte athmm auf, Krücken werben weggeworfen. Neu beginnt des Lebens Lauf. In den schatt'gen Laubengängen Wandelt man des Friedens voll, Athmet Labung, Herzerquickung, Fühlt an Leib und Seel sich wohl. Trennt sich von dem stillen Thale, Wenn die Scheidestunde fchlägt, Ungern nur, doch mit dem Danke, Den man tief im Herzen trägt.
Nicht mehr bist du weltverloren, Bad Salzschlirf, denn weit und breit Ist dein Ruhm bekannt geworden Und wird bleiben allezeit.
Danken werden dir viel tausend, Denen du geholfen hast, Denen du binweggenommen Noth und Sorge, Schmerz und Last.
Dr. Hermann Steinmetz, General-Superintendent der Provinz Hannover.
•) Anmerkung: „Ein weltverlorene« Bad" wurde Salzschlirf von Hofpredtger Dr. Frommel in seinem tot „Daheim", Jahrg. 1888, erschienenen Aufsatz genannt.
An MlM statt.
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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und NuSlande» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" --"gegen.
zerhackt war. Das gehörte einst Lenau. AuS ihm hat er seinen Wein getrunken, so lange er bei den KernerS wohnte. Dann wurde mir das Doctor Diplom von MeSwer gezeigt. Daffelbe ist auf Pergament in lateinischer Schrift auSgeferttgt. Kerner erhielt eS vom Freiherrn Joseph von Laßberg, als er denselben auf seinem Schlöffe Meersburg besuchte. Handschriften von Königin Victoria, der Kaiserin Friedrich (auf die Aehnlichkeit beider machte mich Herr Kerner besonder- aufmerksam), einige Zeilen von Kaiser Friedrich, seinem Vater Wilhelm L, ein japanefischeS Buch mit vielen Illustrationen, ein Paß für Hackländer, von einem Beduineufürsten in arabischer Schrift ausgestellt, das Fell des größten Eisbären, der je erlegt worden ist. DaS Historische daran ist die That- fache, daß Adalbert v. Chamiffo einer von den Thetlnehmern der Expedition war, die diese« Polarbewohner- mächtige Hülle mit nach Hause brachte.
ES würde daS Maß dieses Aufsatzes bedeutend über- schreiten, wollte ich alle- genau aufzählen, was in scheinbar buntem Gemisch im Kernerhause aufbewahrt ist. Und doch herrscht System und Ordnung überall, denn mein Führer wußte sofort jedes Ding zu greisen, da- er mir zeigen wollte. Wohl mag manches darunter sein, daS bloS einen Werth für den Sohn hat als Erinnerungszeichen au Personen, die mit seinem Vater einst verkehrt haben, oder von Greigniffen, die er miterlebt und welche au ihm bei bloßer Betrachtung wieder vorüb erzieh en, aber eS ist auch vieles dort, daS in enger Verbindung mit den poetischen Erzeugntffen deS Dichters steht und deßhalb soll man es dem Sohne danken, daß er alle diese MementoeS so sorgfältig hütet.
(Fortsetzung folgt.)
Karten»
druck.
Feuilleton.
In Weinsberg und auf der Weibertreu.
Reiseskizze von Joseph Kahn tn Ranstadt (Oberheffen).
(1. Fortsetzung.)
Biele find auch hier herauf gekommen, um Linderung Hk Ihre körperlichen Leiden zu holen, denn Kerner war zu Zeit ein berühmter Arzt und machte besonder- stark fc Magneti-mu-. Eine Fremdenliste, von dem Dichter an* Mengen und von deffen Sohn nach deS Vater- Erblindung viitergeführt, läßt uns Namen lesen wie Dingelstedt, Moritz H^rtöre, Prinz Jerome, Sohn des ehemaligen König« von Mftphalen, David Strauß, Gutzkow, Lougfellow, Möricke, Girard Devrient, Darnhagen von Ense und Rahel, Fretlig- w!h, Mosenthal, Tiek. „Doch wer nennt die Städte, kennt Nir Namen, die gastlich hier zusammenkamen." Die be- ckhmtesten Persönlichkeiten Europas scheuten nicht, nach dem mbedeuteuden Städtchen deS Schwabenlandes zu pilgern, um hti beliebtesten einer des deutschen Dichterkreises zu sehen mb zu ehren. Aber auch ein entthronter König ist hier ge- nr!e:n. Gustav IV. von Schweden mit dem Ränzchen auf tm Rücken war 1826 bei Kerner und unterhielt fich mit ihm über Magnetismus.
Der jüngst gestorbene Dichter Julius Sturm hat den Weibischen Sangvogel oft besucht und war lauge Zeit ein Nikglied der heiteren Tafelrunde. Als ich UhlandS bekanntes Mo sah, nahm der Herr Hofrath eine stolze Miene an. Wilsen Sie," begann er, „daß durch mich allein die Welt |6g vergnügen hat, Uhland heute noch sehen zu können. Wamd hatte nämlich eine besondere Abneigung, sich zeichnen «der photographiren zu laffeu. Ein Buchhändler von
Tübingen wollte die Biographieen der schwäbischen Dichter | nebst ihren Bildern in Heften erscheinen laffeu. Da drohte daS Unternehmen zu scheitern, weil kein Bild von Uhland da war. Ganz bestürzt kam der Buchhändler zu meinem Vater, doch dieser wußte ihm keinen Rath. Zufällig traf ich eine Verwandte des Dichters, die wir erzählte, daß sie ein Jubiläumsfest gefeiert und daß die Jubilarin ein Photo- graphiealbum mit sämmtlicheu Verwandten zum Geschenk erhalten habe. „Hat fich Uhland auch photographiren lasten? fragte ich. „Ja, freilich," sagte fie, „aber erst «ach vielem Zureden." „Wie heißt der Photograph, der sein Bild gemacht hat?" Sie nannte mir den Namen und ich eilte hin zu ihm. Ich ließ mich in ein Gespräch mit dem Photo- graphen ein, währeuddesten ich mir auch die verschiedenen Bilder anschaute. Endlich fand ich richtig baß von Uhland und sehr gut getroffen. „KurioS," sagte ich, „daS Bild fieht meinem Onkel sprechend ähnlich. Kennen Sie diesen Mann ? „Nein, ich kenne ihn nicht," war die Antwort. „DaS wäre eine Freude für meinen ,Onkel, wenn ich e« ihm geben würde. Können Sie mirS nicht überlasten?" fragte ich. „Ja, freilich." „Nun, da machen Sie mir gleich noch ein Dutzend davon." Fröhlich ging ich mit «einem Schatze fort und sandte daS Bild an den Buchhändler. Als Uhland fich später in dem Hefte sah, zürnte er mir anfangs darüber und schrieb einen Brief an meinen Vater. Doch da es sprechend ähnlich war und weniger häßlich als da« Original (Uhland hatte nämlich ein sehr geröthete« Gesicht) söhnte er sobald mit mir auS. Diesem Jugendstreiche verdankt die Nachwelt daS Bild eines unserer größten Dichter."
So ging eS plaudernd von einer Reliquie zur andern. Herr Kerner ist ein vortrefflicher Erzähler. AuS einem GlaS- schranke, der voller Nippsachen war, von welchen jede einzelne ihre Geschichte hat, nahm er ein GlaS, baß am Ranbe ganz
Saar-Weine
Ch sofort
Bekanntmachung.
»et«.: Die Unterhaltung ber KreiSstraßeu.
FuhrwerkSbesitzer werben hierburch benachrichtigt, daß »en Dienstag den 11. d. Mts. ab auf der Kreißstraße «ietzeu-Harrserr (Schtffeubergerweg) eine Dampfwalze In Tätigkeit ist.
Gießen, am 7. August 1896.
Großherzogltcheß Kreißamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 7. August 1896.
Netr.: Die Aufstellung der Voranschläge der evangelischen KtrcheufoudS für 1897/98.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
am die evaug. Kircheuvorftände des Kreises.
Unter Hinweis auf § 4 der Instruction zur Fertigung Voranschläge über die Vermögensverwaltung der evange- »schm Kirchen vom 31. August 1885 beauftragen wir Sie, 8k rubrieirten Voranschläge nach Anhörung des Ktrchen- mchnerS so zeitig aufzustellen, daß die Brrathung derselben äv Gesammt-Ktrchenvorstand und in der Kirchengemeinde- vrrtnetung im Monat September stattfinden und die Vorlage m daß betreffende Großh. Decavat bis spätestens Mitte ^ctvber erfolgen kann.
Insofern ein Beitrag der Civilgemeinde zur Deckung Äib k irchlichen Deficitß in Anspruch genommen werden muß, H na.ch § 24 Ord.-Nr. 10 der KirchenvoranschlagS-Jnstruction 4lst»ald nach der Berathung des Voranschlags im Kirchen- erstände und Gemeindevertretung der Bürgermeisterei, unter Mtcheilung eines Auszugs aus dem Voranschlag, von der Höht de« nothwendigeu ZuschuffeS Nachricht zu geben, damit irr erforderliche Credit im Gemeindevoranschlage ordnungS- Äg gewahrt werden kann.
Mit Bezug auf daß MtntsterialauSschretben vom 16. Juni 189$ — abgedruckt tn Nr. 8 deß Verordnuugsblatteß von MS — wird bemerkt, daß volläudtge Verzeichuiffe der tctto Capitalien (vergl. pos. V. 2.) diesmal den Vor- ^uschläge« beizusügeu sind.
Die Capttalien müffen für den I. Theil und II. Thetl M Voranschlags getrennt tn da« Verzetchutß ausgenommen :inb für jeden Thetl besonder« summtrt werden.
Wir verweisen noch auf da« Ausschreiben Gr. Ober- MsistoriumS vom 12. October 1894 (Verordnungsblatt
nen, Flöten "W ii billigsten Preisen.
Leihanstalt
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acht} Giessen, and franco. 200
Heft'.
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m ?rnR, per i/zKt Weitnauer k toöoöött as, Zithern,
es TurmtU uges in der £> urch die Stadt noc d Kindechi >t.
lgestellt. - Lam; haben.
Warten haben ® Kinder nach Beck nehmen.
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