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Der »ttftener A«»eiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener D««tlt<nvtL1ter werden dem Anzeiger vßchentlich dreimal beigclegt.
Zweites Blatt. Sonntag den 9. Februar
1896
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
Lierteljährtger Avonnemeatiprew» 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Rebaction, Espediti« und Druckerei:
Schutstraße Zlr.7.
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Amts- unb Anzaigeblcttt für den Äreis Grafen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Hratiskeitage: Gießener Jamitienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. m——l—8
Amtlicher Lbsil.
Bekanntmachung, betreffend den Waseumeisterdievft zu Daubrtngen. Der Hüttenarbeiter Ludwig Euler II. zu Daubringen ist zum Wasenmeister dieser Gemeinde ernannt und als solcher verpflichtet worden.
Gießen, den 7. Februar 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 6. Februar 1896. Betr.: Die Ausnahme der taubstummen Kinder rc.
Zs- Srsfcherz-gliche Kreisamt Kietzen
an die Schulvorstände des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit der Erledigung unsere» AuSschretbenß vom 19. December v. I. (Anzeiger Nr. 301) noch im Rückstände find, werden hieran mit Frist von 8 Tagen erinnert.
v. Gagern.
Deutschlands auswärtiger Handel im Jahre 1895.
Nach den Ausweisen deS Kaiserlichen Statistischen Amtes «hat der auswärtige Handel des Deutschen Reiches im Jahre 1896 einen bedeutenden Aufschwung aufzuweisen und Deutsch land kann in dtcser Hinsicht mtt Zahlen dienen, welche Freude tm Jnlande und Bewunderung oder Neid im Auslaube Hervorrufen werden. Die Ausfuhr deutscher Waaren nach dem AuSlande stieg nämlich im Jahre 1895 gegen das Jahr 1894 um die coloffale Summe von 349 Millionen Mark und unsere Ausfuhr stellte inögesammt tm Jahre 1895 einen Werth von 3311 Milanen Mark dar. Angewachsen ist ferner auch die deutsche Einfuhr im Jahre 1895, nämlich im 151 Millionen Mark gegen das Jahr 1894, und die ganze deutsche Einfuhr des Jahres 1895 stellt den unge heueren Werth von 4092 Millionen Mark dar. Es muß aber dabei hervorgeboben werden, daß in dieser Einfuhr enorme Mengen von Rohstoffen, Metallen und lebrudem Bieh stecken, welcher Zuwachs der Einfuhr einer Vermehrung des deutschen Nationalvermögens gleichkommt und durchaus nichts Bedenkliches an sich hat. Das Gesammtbild, daS uns der deutsche Außenhandel deS Jahres 1895 bietet, ist alio sehr erfreulich. Die Mehreinsuhr gegen 1894 nahm zu in Folge deS größeren Bedarfs von Rohstoffen für die Industrie und unsere Ausfuhr hat cie Höhe der Ausfuhr vom Jahre 1890 erreicht, die als besonders günftifl galt. ES ist zweifellos, daß die Handelsverträge die Ausfuhr nach Rußland und
Feuilleton.
Der Krieg hinter der Front 1870|71.
(Schluß.)
Bei einem 4100 Meter langen Tunnel in der Nähe bo» Dijon entschloß sich die 4. Feldeisenbahn-Abtheilung, nachdem das Suchen nach Torpedos bei der mangelhaften Beleuchtung durch Fackeln ergebn'ßloS verlaufen war, zu de» gefährlichen Versuch, einen Probezug durch den Tunnel au schicken.
Dem Zuge wurde eine ungeheizte Locomotive schwerster Bauart vorangestellt, fie sollte die Torpedos zum Springen bringen, darauf folgten zwanzig offene Güterwagen, dann zwei Personenwagen und zuletzt die den Zug vorwärts drückende Maschine.
Ein Baumeister und zwei Pioniere setzten sich in den letzten Personenwagen, ein beherzter Führer bestieg die Loco- motive und hinein ging eß in den Unheil drohenden schwarzen Schlund. Nach 35 bangen Minuten erreichte der Zug unangefochten den Ausgang des Tunnels. — Dieser wurde nun ia Betrieb genommen und von Hunderten von Zügen befahren. Da fand man — drei Wochen nach jener Probefahrt — -twa 4 Meilen vom Tunnel entfernt, sieben Torpedos, von denen jeder mit 3 bis 4 Kilogramm Dynamit geladen war. Die GlaSröhrche» waren so ungeschickt befestigt, daß sie unter de« Schienen ausgewichen waren, ohne zu zerspringen. DaS beunruhigende Gefühl, daß auch der Tunnel Torpedos enthalte, blieb nun bestehen, umsomehr als der Maire von Dijon die Deutschen ausdrücklich vor Torpedos im Tunnel Itroaxnt hatte.
Oesterreich Ungarn begünstigen. Schon im Eisenverkehr allein | bekundec sich dieser Erfolg. ES wurden an Eisen und Eisen sabrikaten auSgeführt in Tonnen nach:
1895 1894 18^3 1892
Rußland 203,393 153 660 77,780 49,685
Oesterreich-Ungarn 123,467 87,005 65 236 52,018
Ein sehr großer Shell der Hebung des deutschen Außenhandels ist ferner den Anstrengungen unserer Industriellen und nicht minder den Kaufleuten zu verdanken, die den internationalen Verkehr vermitteln, immer neue Absatzwege auf suchen und dem Wettbewerb der deutschen Arbeit mit den früheren fast alleinigen Beherrschern deS Welthandels die Bahn ebnen. Deutschland ist zum stärksten Concurrenten Englands und Frankreichs geworden. Auch tm Jahre 1895 machte das Reich in dem Umfange seiner Ausfuhr größere Fortschritte, als die beiden genannten Länder. Die deutsche Ausfuhr in 1895 hob sich gegen 1894 um 349 Millionen Mark, die englische nur um 207, die französische nur um 248 Millionen Mark. Wenn seit dem Jahre 1892, wo Deutschland die Handelsverträge schloß, im deutschen Außen handel der Ueberschuß der Einsuhr über die Ausfuhr 3693 Millionen Mark beträgt, so bedeutet dies nicht eine Verarmung, sondern einen Ausschwung deS Nationalvermögens, des Verbrauchs unseres Reichs, der Vermehrung seiner Einnahmen auS Zinsen, Gewinnen auS Anleihen und Anlagen tm Ausland, aus dem Geschäft der Rhederet u. s. w. Wäre es anders, dann wäre England innerhalb derselben Z-tt fast in Armuth versunken, da der Ueberschuß seiner Einfuhr über die Ausfuhr nicht weniger als 21,926 Millionen Mark beträgt.
Der Krieg von 1870|71, zefchildert durch Ausschnitte tu8 ZettuugS - Nummern jener Zett (Nachdruck verboten.) 9. Februar.
Alle Schweizer Blätter behaupten, seit dem Rückzüge aus Rußland von 1812 habe die Welt nichts gesehen, wie baß Einrücken der Franzosen in die Schweiz. Im Nach- solgenden einige Sch'lderungen: „In den Straßen und Vorstädten wälzte sich ein Strom von Jnsanter-e, von Soldaten aller Waffengattungen und aller Costüme (Uniformen konnte man sie kaum nennen). Während mehrerer Stunden dauerte dieser Einzug und Durchzug. Em tiefer, mit Sand vermischter Schnee erschwerte den Marsch- viele Pferde, durch Hunger und Strapazen geschwächt, konnten sich kaum vorwärts bewegen. Keine entfaltete Fahne, keine Musik, nicht einmal ein Tambour, von Zeit zu Zeit ein Trompetenfignal. In der Stadt selbst war da« Bild des StraßenlebenS ein buntes und gleichwohl betrübendes. Hier hatten Soldaten ihre Gewehre zu Pyramiden zusammengestellt und kauerten dabei erfroren herum,- dort standen Mobile, in schlechte
Während aus vielen Bahnlinten die Kunstbauten in größerem Umsange zerstört waren, erforderte die Fahrbar- machung anderer Linien nur wenige Tage. Zu diesen gehörte die Bahn von Paris nach Orleans. Um so schwieriger aber gestaltete sich auf dieser Strecke der Betrieb. Denn bei der ersten Besetzung von Orleans am 11. October erbeuteten die Deutschen zwar Güterwagen in genügender Zahl, aber keine einzige brauchbare Locomotive. Sämmtliche Maschinen waren vom Feinde derart beschädigt worden, daß an eine Wiederherstellung binnen kurzer Zeit nicht zu denken war. Deutsche Locomotiven auf die Strecke zu bringen, war unausführbar, weil die Zusahrtslinien nicht fahrbar waren, und so mußte denn der Betrieb mit Pferden eingerichtet werden: ein Roth- behelf, unter dem die zahlreichen Verwundeten aus den Kämpfen bei Orleans sehr zu leiden hatten. Em Ver- wunbetenzug von Orleans bis Ablon, d. i. der letzten Station vor Paris, war drei Tage unterwegs bet nur 110 Kilometer Weglänge.
Erst am 7. November gelang es, die am wenigsten beschädigte Locomotive nothdürftig wiederherzustellen- sie mußte bis Ende December den ganzen Dienst auf der ganzen Strecke verrichten und leistete namentlich am 9. November bei der Räumung von Orleans verlässliche Dienste. Den tapferen Bayern gelang es an diesem Tage, mit der einen Locomotive sämmtliche Eisenbahnwagen auS Orleans zu retten — eine muthige That —, denn der Wagenpark mußte in zwei Züge zerlegt werden, und beim Herausholen deS zweiten Zuges galt eß, sich wieder in die inzwischen von den deutschen Truppen vollständig geräumte Stadt zn wagen. Der stehen gebliebene Zug war bereits vom Pöbelhaufen umringt, der nur von einigen preußischen Kürassieren, die sich nach dem
Mäntel oder in bunte Wolldecken gehüllt, die sie über de« Kopf gezogen hatten; dort FranctireurS tu dunkelblauer B ouse, einen Tyrolerhut mit Federn auf dem Kopf, Zuaven und Turkos vor Frost mit den Zähnen klappernd, Jäger, Marine- Infanterie, Kürassiere mit weißen, Dragoner mit rothen Mänteln, LanzierS, Jäger zu Pferd, alles daS steht ordnungslos herum, ober marschirt ebenso ordnungelos vorwärts durch den zehn Zoll hohen, sandigen Schnee. Unbeschreiblich aber ist der Ausdruck der Gesichter der Soldaten, die Entbehrung, in der fie die Zeit hindurch gelebt hatten. Statt Brod hatte man ihnen alten harten Zwieback gegeben, der die Kehle vertrocknete und unendlichen Durst erzeugte. Dazu wenig und schlechtes Fleisch- daS wäre ihre tägliche Nahrung. Gab eS auch dann und wann Kaffee, so hatte« die armen Soldaten nicht einmal Zeit, ihn zu trinken, wenn er überhaupt trinkbar war, da sehr oft der Befehl zum Ab- marsch ober zum Vorrücken fie überraschte.
10. Februar.
Die Festung Belfort ist von dem Waffenstillstand ausgeschloffen und wird mit aller Energie zur Capitulano« gebracht werden, damit die Franzosen später keine Schwierigkeiten machen. Ohne Belforr kein Elsaß, sagen fie. Diese gewaltige Festung sperrt die Bergpforte zwischen Jura und Vogesen und deckt den Zugang zum Rhein und SÜdveutschland.
vermischte».
D. Frankfurt a M., 7. Februar. Der Zoologische Garten rüstet sich zur Aufnahme des NaShornS- für das gewaltige über 3 Mtr. lange und entsprechend dicke Thier mußte eine Wand durchgebrochen und zwei Thüren erweitert werden. — Außer Affen und Vögeln verschiedener Art hat der Garten kürzlich 7 indische Rinder, sozen. BullockS von Ceylon angekaust. Jntereffant ist auch ein nordischer Luchs, der voller Wildheit jedem Besucher entgegen faucht. Südamerika lieferte einen Wickelbären, aus Australien wurden zwei Beutelmarder, aus Indien ei« Palmenmarder und auS Afrika ein Mähnenschafbock angekauft.
* Zur Erzeugung von Electrieitat kommt demnächst eine Wasserkraft von 13,000 Pfervestärken in Frankreich unter ganz besonders günstigen Verhältnissen zur Ausnutzung. ES hantelt sich hierbei, nach einer M'ttheilung vom Internationalen Patent-Bureau Karl Fr. Reichelt, Berlins W. 6, um die Herstellung eines Gefälles der Arve, nahe bei Servoz In Savoyen, wo durch Ableitung eines Canales ein N oeaux- Unterschied von 172 Metern erzielt wird, welches Gefälle durch Turbinen ausgenutzt werden soll. Die ganzen Anlagekosten beziffern sich auf die verhältnißrnäßig niedrige Summe von 1,350,000 FrcS., so daß eine Pferdestärke nur auf 100 Frcs. kommt.
x Bahnhof gerettet hatten, in Schach gehalten wurde, und Imme größere Schaaren der aufgeregten Bevölkerung drängten nach btm Bahnhof. Und als nun die von der ersten Fahrt zurück- gekehrte Locomotive an den Zug gekuppelt war, da — meldet der Locomottvführer, daß die Maschine kein Waffer mehr habe. Es waren peinliche Minuten, die da vergingen, bis mit Hilfe einer Feuerspritze, die schon TagS zuvor an Stelle der unbrauchbaren Wafferstation benutzt worden war und glücklicher Weise noch in der Nähe an einem Weiher stand, die Loco- motive gefüllt werden konnte. Dann wurde die kostbare Spritze schnell aufgcladen und hinaus ging es aus dem Bahnhof — 20 Pioniere auf dem Tender, die Gewehre schußbereit — durch die wüthende Volksmenge hindurch.
Noch Vieles könnte ich Ihnen erzählen aus dem Kriege, den man zwar den Krieg hinter der Front zu nennen pflegt, der aber die Betheiligten oft genug nicht nur in die Front, sondern auch vor die Front geführt hat unb der an die Ausdauer, die Entschlossenheit und den Muth unserer Ingenieure und Pioniere wahrlich nicht geringe Anforderungen gestellt hat. Welche Summe von Gefahren birgt z. B. eine Re- cognoScirungSfahrt auf feindlicher Bahnstrecke im Schneetreiben, wie solche unsere bayerischen Kameraden am 22. November ausführten. Bei einem Wetter, welches nur erlaubte, das GleiS bis auf höchstens 100 Meter zu übersehen, jede« Augenblick der Entgleisung ausgesetzt, über die deutschen Borposten hinaus, bis in die sranzöfischen hinein, dann die Bremien angezogen, Gegendampf gegeben, den Zug aus wenige Schritte gestellt — und zurück, denselben gefahrvolle» Weg! — Gewiß ein packendes Bild aus dem Krieg an der eisernen Spur!


