Ausgabe 
8.11.1896 Erstes Blatt
 
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Rismarck-AebiraeS I Geldstrafen, welche sich weiger», die Legitimirung von Sinder» aus nachträglich staatlich geschloffenen Ehen zwischen Juden

und Christen einzutrageo.

Rom, 6. November. König Humbert wird sich bei den JubiläumS'Feterlichketten der Königin Victoria von Eng- land durch den Prinzen von Neapel vertreten lasten.

Brüssel, 6. Nov.mber. In Uccle stürzte heute eine große Schreinerei ein, wobei acht Arbeiter tödtlich verletzt

wurden.

Die Expedition entdeckte am Fuße deS einen ansehnlichen schiffbaren Strom, der eine fruchtbare, stark bevölkerte, au-gedehnte und zur Tultur geeignete Ebene durchfließt, welche fie 200 englische Meilen weit erfor'chtea. Bisher war es noch nie geglückt, im Innern Neu Guineas stark bevölkerte Landstriche aufzufioden. Die Entdeckung dürfte bedeutungsvoll für die weitere Colonisation des Schutz. gebieteS fein.

Pleß, 6. November. Der Kaiser traf gestern Abend um 7 Uhr hier ein und wurde auf dem Bahnhofe vom Fürsten Pleß, dem Laudrath Schröder und dem Bürgermeister Saal« mann empfangen.

Bremerhaven, 6. November. Der englische Dampfer Cromwell" ist hier heute, von Galveston kommend, mit brennender Baumwollladuug eiugetroffeu. Unterwegs ist ein Bootsmann infolge giftiger Gase erstickt.

Meran, 6. November. Herzog Wilhelm von Würt­temberg ist heute Nacht am Herzschlag gestorben.

Rom, 6. November. General B a l d t s f e r a telegraphirte heute aus Mas sau ah, die Lage auf der ganzen Grenze fei fortdauernd beruhigend. ES regnet fortgesetzt.

New-York, 6. November. Mc Kinley sagt in einem Telegramm an den Vorsitzenden deS republikanischen ComtlöS nach DankeSworten für besten Bemühungen in der Wahlcampagne: Leute, die vom Parteiwesen nichts wiffen, hätten ihren Abscheu vor der Nichtanerkennung von Staats­schulden und vor der Schande erklärt. Sie hätten ihre Hingebung für Gesetz und Ordnung und ihre unwandelbare Achtung vor der Gerechtigkeit bekundet. Sie hätten mit neuem heiligem Patriotismus den Satzungen einer freien Regierung die Weihe gegeben. Der Steg sei nicht ein Partei- oder Gruppenfieg, er sei ein Steg des ganzen amert- kanischen Volkes und für dasselbe.Wir haben der Welt bewiesen, daß wir ein wtedervereinigtes Volk in unserem Streben wie in unserem Namen find. Laßt unS als Ameri­kaner geradewegs unsere Dienste der Weiterentwickelung Amerikas, dem Frieden, der Ehre und dem Ruhm unseres gemeinsamen Vaterlandes weihen. Parteizwistigkeiten dürfen nicht länger die öffentliche Meinung thetlen. Eifer oder Temperament dürfen auf keiner von beiden Seiten irgend einen Bürger von der patriotischen Hingabe an die Wohl­fahrt Aller abschrecken". Bryan gratulirte Mc Kinley telegraphisch zur Wahl und fügte seinem Glückwünsche hinzu, der Wille deS amerikanischen Volke- sei Gesetz.

Depeschen deS BureauHerold"'.

Berlin, 6. November. Ein großer Brand wüthete gestern Abend 8 Uhr im SUdwesten der Stadt und zerstörte die in der Charlottenstraße Nr. 18, Ecke der Schützenstrahe, telegene Möbelfabrik von Flatow u. Prtemer. Den al-bald herbeigeeilten vier Zügen Feuerwehr gelang es, den Brand nach kurzer Zeit zu localtfiren, durch welchen auch das be­nachbarte Gebäude der General Lotterie-DUection gefährdet erschien. Der Schaden ist ziemlich bedeutend.

Berlin, 6. November. In Angelegenheit der beiden Mörder Werner und Grosse ist heute Frau Justizrath Levy vernommen worden. Sie bat, ihr die Mörder nicht qegenüberzustellen, fie vermöge keine Einzelheiten über die That und die Verbrecher auzugeben, da fie vor Schreck und Aufregung kaum ihrer Sinne mächtig gewesen sei. Der ältere Groffe, der bekanntlich seinen Bruder selbst der Polizei übergeben, hat nun erklärt, er werde seinen Antheil an der Belohnung annehmen, jedoch nicht für fich, sondern sür seinen Bruder, um ihm, wenn er da- Gesängniß wieder verlasse, die Mittel zur Begründung einer Existenz gewähren zu könne».

Berlin, 6. November. In Posen findet heute eine Sitzung deS Vorstandes de- Vereins zur, Förderung des DeutschthumS in den Ostmarken statt, in der für die Zukunft der deutschen Bewegung sehr wichtige Ent- sch üsse gefaßt werden dürften. DerPost" zufolge nehmen Vertreter aller Provinzial-AnSschüffe und hervorragender OrtS- gruppen an den Berathungen Thetl.

Berlin, 6. November. Am 11. d. MtS., dem Jahres­tage der Hinrichtung der Chicagoer Anarchisten, werden die Berliner Anarchisten eine Demonstrations-Versammlung ubhalten.

Berlin, 6. November. DieFreiheit", daS Organ deS Anarchisten Johann Most in Newyork, hat wegen Geld­mangels sein Erscheinen einftellen müffen.

Berlin, 6. November. Die C o n f t S c a t i o n der jüngsten Nummer deS anarchistischen WochenblattesArmer Conrad" ist, wie auS der dem Redacteur zugestellten Begründung der Beschlagnahme hervorgeht, auf Grund eine- Artikel-,Unterm Faustrecht" erfolgt, welcher den Fall Brüsewitz behandelte und in dem eine Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten gefunden wurde. Gleich nach der Confiscation fand bei dem Redacteur de- Blatte-, dem Metallarbeiter Friedrich, sowie bet den Anarchisten Landauer, Spohr und Weidner Haussuchung statt, wobei mehrere Schriftstücke mit Beschlag belegt wurde».

Rumpeuhei», 6. November. Die Prinzessin Fried­rich Carl, geborene Prtuzesfin Margarethe von Preuße», ist, wie dieFranks. Ztg." meldet, heute von zwei Knaben glücklich entbunden worden. Die Wöchnerin und die Kinder Hefinden sich wohl.

Frankfurt e. M., 6. November. DieFranks. Ztg." meldet aus Bern: Das vom BundeSrath genehmigte Be­trieb-Budget der staatlichen Alkohol-Verwaltung weist einen Reingewinn von 5,350,000 FrcS. auf.

Pofe», 6. November. DemKuryer PoznaoSki" zu­folge ist der DistrictS-Commiffar Carnap von seinem Amte su-pendirt worden.

Budapest, 6.November. Der Candtdat der Unab­hängig kett spartet, welcher in Rima SzecS dieselbe Stimwenzahl wie der RegierungScaudtdat erhielt, wurde von letzterem im Duell erschossen.

Budapest, 6. November. Sin demnächst erscheinender Miutstertalerlaß bedroht diejenigen Geistlichen mit schwere»

verli», 7. November. DerStaatsbürger Zeitung" zufolge hat daS Staatsministerium in seioer gestrigen Sitzung die Berathung über die Vorlage, betreffend die Er­höhung der Beamtengehälter, beendigt. Die hierzu erforder­lichen Aufwendungen werden 28 bis 30 Millionen Mark betragen.

Berlin, 7. November. Wie verlautet, wird die Novelle zum Vereinsgesetz einige weitere Abänderungen des be- tehenden VereinSrechtS in fich schließe», vor Allem eine bestimmte Fassung der Vorschriften über die Beiheiltgung Minderjähriger an öffentliche» politischen Versammlungen.

Pari», 7. November. Die Urheber einer rsya- listischen Demonstratio», Marquis de Vaux und ein Redacteur derGazette de Fravce", wurden verhaftet. ES war eine GyPSbüste der Republik an die Statue Heinrich IV. gehängt worden und mehrere Mitglieder deS royalistischen JugendbundeS hatten Einladungen erhalten, einer Hinrichtung auf dem Pont-neuf beizuwohnen.

WB. Brandenburg, 7. November. DaS Ergebniß der gestrigen RetchStagS-Stichwahl im Wahlkreise West- Havelland-Brandenburg ist folgende-: PeuS (Soc.) 9720, Soebell (conf.) 9685 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

CocaU» «nv provtnriells».

vietzeu, den 7. November.

ProvinzialauLschußfitzung. SamStag den 14. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, findet im RegierungSgebände dahier eine öffentliche Sitzung des ProvinzialauSschuffeS der Provinz Ober- heffen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des OrtSarmenverbandeS Mainz gegen den OrtSarrnenverband Ober-Gleen wegen verweigerter Fürsorge für das uneheliche Kind der Dienstmagd Margarethe Morneweg von Ober- Gleen bett. 2. Die Enteignung deS zum Bau der Nebenbahn FriedbergHungen erforderlichen Geländes in den Gemark­ungen Hungen, Inheiden und Feldheim; hier: den Antrag auf Ausspruch der Enteignung gemäß Art. 48 des Gesetzes vom 26. Juni 1884 betr. 3. Gesuch des Friedrich Schmidt zu Sich um Ertheilung der Erlaubniß zum Betriebe einer Schankwirthfchaft betr. 4. Gesuch des Braumeisters Emil Machalett zu Sich um Ertheilung der Erlaubniß zum Betriebe einer Schankwtrthschaft betr.

** ReichttagSwahl. Nach dem bis auf drei kleine Orte vorliegenden Ergebniß der Reichstagswahl fielen auf den Candidaten der Antisemiten, Köhler, 4114, der Social- demvkcaten, Scheidemann, 3324, der Nationalliberalen, Meinert, 2422, der Freisinnigen, Stengel, 2117 Stimme». ES ist mithin Stichwahl zwischen Köhler und Schetdemann erforderlich. Die Betheiligung an der Wahl war sonach im Vergleich zu derjenigen vom 15. Juni 1893 eine schwache, es machten im ganzen Kreise nur 11977 Wähler Gebrauch von ihrem Wahlrecht. In der Stadt Gießen stimmten von über 4000 Wahlberechtigten nur 2862 oder rund 64 Procent. Einen Rückgang in der Stimmenzahl haben die Nationalliberalen und Antisemiten zu verzeichne», wogegen die Sttwmenzahl der Freisinnigen und Socialdemokraten ziemlich erheblich stieg. Letztere er­hielten besonders auf dem Lande ansehnlichen Zuwachs, wahrend in der Stadt ein kleiner Rückgang (2 Stimmen) zu verzeichnen ist.

Kunstvereiu. Die Gemäldeausstellung im Thurmhaus am Brand hat wie schon kurz erwähnt in der vorigen Woche eine vollständige Erneuerung erfahren; die nahezu 100 neu ausgestellten Bilder zeigen sehr viel recht Gutes und nur wenig Mittelmäßiges oder ManierirteS. Historisches Interesse beansprucht in erster Linie das große Biid von W. Geißler, Berlin:Am 26. Januar 1894* benannt und die Ankunft deS Fürsten Bismarck vor dem Berliner Schlöffe in meisterhafter Weise schildernd. Tief ergreifend in seiner schlichten Darstellung ist danebenTreu­los verlassen" von Hering, Königsberg, freundlicher und recht gefällig gemalt zwei andere Genrebilder:Dom Schatzerl" von Hohenberg, München, undGroßmutter- ltebling" von Schmid-Breitenbach, München; der etwas kleinlichen und geleiten, in der Zeichnung nicht immer glücklichenRheinischen Hochzeit" von H. v. Rüstige, Stuttgart, würden wir dagegen um Vieles vorziehen das kräftige und ungemein characteristifche Bild von Grethe, Karlsruhe:Am Steuer." Auch die Landschaft ist von etlichem arg grünem Gras und Laub abgesehen recht schön vertreten; ganz besonders gefallen stben unsToelz im Jsarthal* von C. Lesendure und einMotiv am Chiemsee" von Wimmer, München; unsere Alpensreunde werden in den Bildern auS dem Hochgebirge von Gehrig, München, und Degner, Braunschweig, manch bekannten G Pfel wiederfinden; unter den verschiedenen kleineren Winter- landschasten geben wir derjenigen von Spitz, Freiburg, den Vorzug. Die üblichen Frucht- und B umenstücke find auch diesmal nicht auSgeblieben, wir heben daraus hervor die La France Rosen" von Schulze-Völcker, Berlin; ein flott gemalterGobelin Wandschirm" ist von unserer ein- heimischen Küastlertu, Frl. Spengel, ausgestellt. Der Besuch der Ausstellung kann nach dem Vorstehenden bestens empfohlen werden; neu eintretenbe Mitglieder nehme» noch Theil an der bevorstehenden WeihnachtSverloofnng.

*H Stadttheater. Gestern gelangte da- bekannte,, hier schon öfter gesehene LustspielDie Journalisten" von Gust. Freytag zur Aufsührung. Ja der Wiedergabe deS Redakteurs Conrad Bolz, dieses Journalisten par ex- cellence, bot der geschätzte Kölner Gast, Herr OScar Lohnte, wiederum eine Leistung, die dem Stück erst da­belebende Element verlieh. Im Spiele von nobler Haltung und Gewandtheit der Bewegung, im Vortrag temperameut- voll, üderzeuzead, wußte er diesen Character aufs Beste wiederzugeben. Der AbschtedSerfolg war: stürmischer Beifall des sehr gut besetzten Hause». Alle übrige» Mttwirkende» bemühten fich nach Kräften, ihre Rollen wirkungsvoll zu geben, doch merkte man dem Ganzen an der stellenweise recht schleppenden Handlung die Hast deS EinstudirenS an.

Stadttheater. Vielfachen Wünschen entsprechend, ver­anstaltet die Direction Kruse-Helm am Sonntag Nachmittag abermals eineKindervorstellung", welche fich gewiß eines regen Zuspruches der lieben Kleinen zu erfreuen haben wird. Abends geht zur Vorfeier von Schiller'- Geburtstag deffen bürgerliches TrauerspielKabale und Liebe" in Scene, zugleich die erste Clasfiker-Dorste Hang dieser Saison. Fräulein Jmma Frühling vom Adolph Ernst-Theater i» Berlin, welche augenblicklich in Frankfurt Triumphe feiert, gastirt hier in den ersten Tagen dieser Woche.

Panorama. Wie aus dem Jnseratentheil in heutiger Nummer ersichtlich, gelangen heute imPanorama" neue Anfichten von Savoyen zur Ausstellung, wovon besonder- hervorzuheben ist Annecy, Aix-leS-Bain-, Servoz, St. Gervais,, die Arve re. Diese Bilder sollen unerreicht in der Plastik und Farbenbeleuchtung sein und empfehlen wir den Besuch zu dieser Serie ganz besonder-.

Am Montag, 9. November d. IS., hält der Dtittel- rheinische Fabrikanten Verein und die Süddeutsche Gruppe deS Vereins deutscher Eisen- und Stahl Industrieller in Frankfurt a. M. im kleinen Gesellschaftssaal der LogeZur Einigkeit" (Kaiserstraße 37. Mittelbau eine Treppe hoch) eine gemeinschaftliche Versammlung ab, auf deren Tagesordnung folgende Gegenstände stehen. 1) Bericht Über die seitherige Thätigkeit des Hauptverein- und des Central- Verbandes deutscher Industrieller; Referent Herr General- secretär H. A. Bueck von Berlin. 2) Die Organisation de» Handwerks; Referent Herr Generalsekretär H. A. Bueck von Berlin, Correferent Herr Secretär W. Jutzi von Darm­stadt. Nach Beendigung der Sitzung findet im gleichen Local ein gemeinsames Mittagessen statt.

* Aerzte in Hessen. Am 1. September d. IS. wurde im ganzen Großherzogthum eine Zählung der Aerzte vorgenommen. Darnach belief sich ihre Zahl einschließlich der Medicinalbeamte», Directoren der öffentlichen und commu- nalen Krankenanstalten, der Irrenanstalten, Militärärzte k. auf 596, darunter 54 nur in Anstalten thätige, 33 active Militär-, 12 Bade- und 8 nicht practicirende Aerzte. Die meisten Aerzte befinden fich in dem Kreise Mainz, nämlich 102, bann kommt Darmstadt mit 95, Gießen mit 70, WormS mit 46, Offenbach mit 43. Die wenigsten find im Kreise Schotten, nämlich nur 9. Bon den 489 frei practicirende» Aerzten, die in dem Großherzogthum seßhaft find, komme» in Starkenburg 1 auf 2200 Einwohner, in Oberheffen 1 auf 2320 und in Rheinhessen 1 aus 1300 Einwohner. Zieht man indeffe» die einzelnen Kreise in Betracht, so kommt im Kreis Darmstadt schon 1 Arzt auf 1240 Ein­wohner der Civilbevölkerung. Der Kreis Mainz weist 1 Arzt auf 1470 Einwohner auf, Worms 1 auf 1790, Gießen 1 auf 1860, Oppenheim 1 auf 2070, Bingen 1 auf 2250, Groß-Gerau 1 auf 2330 und dann erst Offenbach 1 auf 2590. In den Kreisen Alsfeld, Erbach, Heppenheim und Dieburg kommt sogar erst 1 Arzt auf 3400 Einwohner.

- r. Sich. 7. November. Seit dem 5. d. MtS. hat fich daS Frankfurter Waisenpflegekind Frieda Müller, 15 Jahre alt, heimlich von hier entfernt. Dasselbe trug ein graue» Kleid, gestreifte Schürze und Halbschuhe. Gesichtsfarbe frisch. Die Pflegeelteru bitten um Nachricht über den Auf» enthalt an die hiesige Bürgermeisterei.

4- Nidda, 6. November. Der bei dem hiesigen Amts­gerichte heute zusammengettetene Ausschuß wählte für da» nächste Jahr die für daS Schöffengericht erforderliche Zahl von Haupt- und Hilfsschöffen, sowie die z» Geschworenen vorgeschlagenen Personen auS. Heute Morgen 7 Uhr zeigte daS Thermometer noch etwas über 3 Grad Kälte R. Unsere Stadt ist genöthigt, eine neue Feuer- lösch geräthe- Halle mit Schlauchtrockenvorrichtnng z» baue», da der seitherige AusbewahrungSort für die Spritzen k. als zu klein beanstandet worden ist.

A Mainz. 6. November. Die gestrige ErgänzungS- wahl zum Reichstag im Wahlkreise Mainz- Oppenheim characterisirt fich nach dem unten folgende» Gesammtwahlresultat als eine empfindliche Niederlage der nationalliberalen und der socialdemokratischen Partei zu Gunsten der CentrumSpartei. Bon den hiefigen Organen der beiden erstgenannten Parteien wird dies unumwunden zugegeben und der Erfolg deS CentrumS hauptsächlich der rührigen Agitation sowie der großen Popularität seine» Can­didaten zugeschrieben. Während man in Berücksichtigung der allgemeinen Berhältniffe sowie in Anbetracht ihres Candi- baten ber nationalliberalen Partei im Vornherein nur wenig @rfolg versprach, rief bte merkliche Nieberlage ber Social- bemotraten eine ziemliche Ueberraschung hervor unb zwar hauptsächlich um beßwillen, weil ihre Wortführer den Mund sehr voll genommen uab in bett Wahlversammlungen eine so zuversichtliche Sprache geführt hatte», baß Jeder glauben mußte, ihr Candtdat würde ohne Stichwahl den ReichStaq-fitz einnehmen. An dem Rückgang ber foclaldemokrat'schen Stim­men trägt thattächlich theilweise ber Umstonb Schuld, daß Dr. David hier eine fast vollständig unbekannte Persönlichkeit ist. Daß die Antisemiten bei uns noch wenig Boden haben, erhellt daraus, daß ihr Candtdat trotz ziemlich lärmender Agitation nur 849 Stimmen erhielt. Da» zifferamäßlgc