1890
Dienstag den 8. September
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Gratisbeilage: Gießener Kamilienbkätter
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Leser mag daran ersehen, was aus uns anno 1870 geworden | wäre, wenn die Turkos und Zephyrs den Rhein überschritten hätten.
Durch die Schlacht von Würzburg wurde das franzö- fische Heer in zwei Haufen auseinandergesprengt. Der eine, die Division Bernadotte, floh auf der großen Straße von Würzburg nordwestlich über Remlingen, Heidenfeld, Hrffen« thal und Heigenbrücken nach Aschaffenburg. Flammenzeicheu auf den Bergen verkündeten den Speffartbewohneru den Rückzug des Feindes- sie erhoben fich, nahmen den Mord- brmneru die Beute ab und erschlugen sie, wo sie Miffethaten begehen wollten. Am 5. September 1796 hatte Bernadotte seine Divifion in Aschaffenburg leidlich wieder gesammelter vertheidigte die Stadt, um seinen Rückzug bester fortsetzen zu können. Die Sache mißlang, denn die Kaiserlichen, geführt von Revierförster Albert (der sich hierbei mit Ruhm bedeckte) aus Waldaschaff, verstärkt durch Odeuwälder und Spestarter Scharfschützen, drangen in die Stadt und griffen die Franzosen von allen Seiten mit unwiderstehlicher Tapferkeit an. Die Mainbrücke, welche auf die linke Seite des FluffeS, nach Seligenstadt und Babenhausen — also in unsere hessische Provinz Starkenburg führt« und die auch am 13. Juli 1866 eine wichtige Rolle spielte — wurde bald durch zusammengebrochene und ineinander gestoßene Fuhrwerke verstopft, .so daß daS Fußvolk und die Reiterei nicht wehr durch konnten. Nun stürzten sich die Franzosen in den Fluß und suchten sich durch Schwimmen zu retten, waS den wenigsten gelang, sie verschwanden in den Wellen. Es war ein grausiger Anblick, ein Uebergang über die Beresina im Kleinen- französische Leichen wurden biS Hanau und Frank- furt hinab getrieben, die Divifion Bernadotte hatte aufgehört -u sein.
Die französische Hauptmacht unter Jourdan floh unter- dessen nordwärts über Kisfingen und Hammelburg nach der 1 Rhön, von hier westlich durch den Vogelsberg nach Gießen,
die beiden Kaiserinnen. Die russische Kaiserin saß rechiS von der deutschen Kaiserin. Neben dem Wagen ritt der Oberftallmeister Graf Wedel- eine Schwadron Dragoner folgte. Prinz Heinrich fuhr im dritten Wagen mit der Erb- prinzesfin von Sachsen-Meiningen und deren Tochter, der Prinzessin Theodora. DaS Publikum brachte, als eS der hohen Herrschaften ansichtig wurde, enthufiastische Hochrufe aus. Bor dem Absteigequartier der ruffischen Herrschaften im Landes- hause hatte das zweite Garde-Dragoner-Regiment Alexandra die Ehrenwache gestellt. Al- die Majestäten nebst dem Gefolge, vom Bahnhofe kommend, anlangten, wurden sie mit der russischen Nationalhymne und von der Ehrenwache mit präsentirtem Gewehr empfangen, worauf nach Abschreiten der Front ein Borbeimarsch der Truppen erfolgte. DaS deutsche Kaiserpaar geleitete die ruffischen Majestäten in ihre Wohnung. DaS deutsche Kaiserpaar fuhr sodann allein weiter, während das Zarenpaar im Laudeshause verblieb. Prinz Heinrich hatte wieder neben der Erbprinzeffin von Sachsen- Meiningen Platz genommen. Um lOVa Uhr erfolgte die Abfahrt der Majestäten nach dem Paradefelde. Gleich nach 11 Uhr begann bet herrlichem Wetter die Parade. Der Kaiser nahm zuerst den Front-Rapport vom Erbprinzen von Sachsen-Meiningen entgegen. Der Zar führte daS Alexander- Regiment mit gezogenem Degen vor dem Kaiser und der Kaiserin vorüber unter brausendem Jubel der Tribünen- besucher. Darauf führte Kaiser Wilhelm dem Zaren daS Grenadier-Regiment seines BaterS, Schlesisches Nr. 11, vor- über. Der Parademarsch gelang vorzüglich. Während desselben unterhielten sich die beiden Kaiser auf das Lebhafteste. Neben dem Zaren zur Linken hielt zu Pferde Prinz Heinrich von Preußen in Jnfanterie-Uniform. Weiter folgten Prinz Georg von Sachsen, Prinz Albert von Preußen, Prinz Ludwig von Bayern, Prinz Victor von Italien re. In der Suite fielen besonders die ruffischen Offiziere mit ihren glänzenden Uniformen auf. Unmittelbar nach dem zweiten Vorbeimarsch marschirten die Truppen nach ihren Quartieren zurück. Auf dem Rückwege vom Paradefelde bildeten die Krtegervereine und der Turngau BreSlau Spalier. Das Zarenpaar fuhr vom Paradefelde dtrect nach dem Landes- hause zurück, während der Kaiser au der Spitze der Fahnen- Compagnie und der Standarten-E-cadrou nach der Stadt zurückritt. Auf dem ganzen Rückwege wurden die beiden Herrsch^rpaare mit stürmischen Ovationen begrüßt. DaS deutsche Kaiserpaar fuhr später nach dem LandeShause, wo daS Zarenpaar inzwischen eingetroffeu war. Die Majestäten frühstückten gemeinsGastlich und zwar zählte die Tafel nur vier Gedecke. Um 6 Uhr Abends begann das Parade-Diner.
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Deutsch«* Reich.
Brellau, 5. September. Bereits von früh 7 Uhr an entfaltete sich auf dem Platze vor dem Oberschlefischen Bahn- Hof ein überaus reges Leben. ES rückten die zur Bildung des Spaliers bestimmten Truppen heran. Vor dem Kaiser- Vestibül nahm eine Schwadron Husaren deS Husaren-RegimentS Kaiser Nikolaus I., westphälischeS Nr. 8, Aufstellung- daS 2. Garde-Dragoner-Regiment Kaiserin Alexandra von Rußland und das Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 bildeten Spalier bis zum schlesischen LandeShause, wo die russischen Majestäten wohnen. Auf dem Perron hatte dir Ehrenwache, bestehend aus einer Compagnie des Grenadier- Rrgiments Kronprinz Friedrich Wilhelm, 2. schlesisches Nr. 11, mit Regimentsmufik und Fahne Aufstellung ge-
Zu Schwalheim, Hoch-Weisel und Rieder- Wöllstadt (Kreis Friedberg) ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrocheu und dteserhalb Gehöftsperre angeorduet worden.
Die Rothlaufseuche zu Oberquembach (Kreis Wetzlar) ist erloschen.
Gießen, den 5. September 1896.
Großherzogliches KretSamt Gießen.
I. V.: Dr. Melior.
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Aunahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für de, felynbta tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
dter von
Kr. 2» Zweites Blatt
«llc Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehm» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Bekanntmachung.
Großh. Ministerium des Innern hat durch Entschließung tzom 28. August d. I. die Abhaltung deS für den 29. September d. I. geplanten ViehmarkteS zu Laubach unter der Bedingung genehmigt, daß nur Thiere aus unverseuchten Orten der Provinz Oberheffeu aufgetrieben werden dürfen, daßThiere von Händlern aber nur dann zugelaffen werden, wenn sie mindestens sieben Tage tu unverseuchten Orten der Provinz Oberheffen in seuchenfretem Zustande zugebrachr haben.
Wir machen dabet darauf aufmerksam, daß beim Auftrieb von Vieh vorschriftsmäßige Ursprungszeugniffe vorzuzeigen sind, welche für Nichthändler von den Großh. Bürger- müstereien, für Vtehhäudler dagegen von einem beamteten Tierarzt ausgestellt werden müssen.
Schotten, den 2. September 1896.
Großherzogltches KretSamt Schotten.
Schönfeld.
für bie sg nben Grabgesang Beteiligung bei en ArbeiterVer- Verlusie sagt
Eise.
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IXXXXXM) ictiCllj hstrümpfe für! IMk.IvPs.
Feuilleton.
Mine Geschichtsbilder sus Mcrhessen.
Lißberg.
(Fortsetzung.)
Unaufhaltsam drangen die Franzosen in Württemberg uud Bayern vor und eS schien, daß sie die österreichische Grenze überschreiten würden, als sie durch den Erzherzog Carl, einen der vorzüglichsten österreichischen Heerführer, am Lech zum Stehen gebracht, nach Würzburg zurückgetrieben nod hier am 31. August, 1. und 2. September (merk- wiirdigerweise die Schlachttage von Sedan) nahezu vernichtet wurden.
In Süddeutschlaud hatten die Franzosen ganz fürchterlich gehaust. Aus Frankreich erhielten die frauzöfischen Truppen nichts mehr, denn der Staat war völlig bankerott. Born gemeinen Soldaten bis zum Feldherrn hinauf raubten, plünderten, sengten und brennten die edlen Freiheit-Helden Leger als Panduren und Croaten im dreißigjährigen Kriege. Darum konnte e- nicht Wunder nehmen, daß sich da- Land« voll gegen seine Quälgeister und Bedrücker erhob, nachdem sie bet Würzburg geschlagen und zersprengt worden waren. Wie hungerige Wölfe verbreiteten sich die Sündiger der Freiheit uud Bruderliebe über Stadt und Land. WaS nicht niet- uud nagelfeff war, wurde zerffört oder mit fort- geschleppt- mit Wein gefüllte Fässer schlugen sie ein- Vieh, welches nicht vorwärts getrieben oder geschlachtet werden konnte, erstach oder erschoß man - Frauen und Mädchen wurden geschändet, Dörfer oiedergebranut. Die Greuel wurden zuletzt so entsetzlich, daß die französischen Generale selbst nach Paris schrieben uud Einhalt verlangten. Franzö- fische Offiziere, welchen die Grausamkeiten zu scheußlich vor- tarnen und die gemeinen Soldaten davon abhaltcn wollten, scheuchte man mit Flintenschüssen zurück. Der freundliche
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General-Anzeiger.
Der ♦U***tr **ieien erscheint täglich, eit Susnahmr des Montags.
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nommen. Um 8«/4 Uhr fuhr Prinz Georg von Sachsen unter Hochrufen der zahlreichen Menschenmenge vor dem Kaiser-Vestibül vor. Die Truppen präsentirten. Bald dar- auf traf die Kaiserin mit dem Erbprinzen von Sachsen- Meiningen und der Kaiser ein, welch letzterer die Uniform des kaiserlichen rusfischen Petersburger Garde-Grenadier- Regiments, dessen Chef er ist, angelegt hatte. Der Kaiser begab sich in daS Kaiser-Besttbül, wo er längere Zeit verweilte. Prinz Heinrich und Prinz Albrecht von Preußen trugen ebenfalls russische Uniform- die Kaiserin trug ein rosa seidenes Kleid und ein rosa Capotthütchen. Auf dem Bahnhofe hatten fich ferner eingefunden: die Mitglieder deS königlichen Hause-, daS kaiserliche Hauptquartier, die General- und Flügel-Adjutanten des Kaisers, die obersten und oberen Hofchargen, der Kriegsminister General-Lieutenant v. Goßler, der Chef deS GeneralftabeS, Graf Schliessen, der stell- vertretende Stadt-Commandant von Breslau, General-Major v. Alvensleben, die General- und Regiments-Commandeure, der Rector MagnifikuS der Universität BreSlau, der Ober- bürgermeister von BreSlau, der Stadtverordneteu-Dorsteher und Andere. Der Kaiser schritt zwei Mal auf dem Bahn- steig die Front deS Grenadier-RegimentS ab, welches präsen- tirte und rin dreifaches Hurrah auf den obersten Kriegsherrn ausbrachte. Der Kaiser war äußerst leutselig und unterhielt fich lebhaft. Den Truppen rief er ein lautes „Guten Morgen" zu. Alsdann begaben fich die Mitglieder deS königlichen Hauses auf die westliche Seite deS Bahnsteiges, dort die Ankunft der ruffischen Majestäten erwartend. Kurz vor 9 Uhr Vormittags fuhr der russische Hofzug in den Bahnhof ein. Am Fenster war die Kaiserin von Rußland sichtbar. Die Capelle deS Grenadier-Regiments intonirte die russische Nationalhymne. Dem vierten Wagen entstieg der Zar und die Zarin. Kaiser Nikolaus hatte die Uniform des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-RegimentS angelegt. Seine Brust schmückte der schwarze Adlerorden. Die russische Kaiserin trug ein weißseidenes Kleid mit Silberbrocat ver- ziert. Die Begrüßung der beiden Monarchen war überaus herzlich. Kaiser Wilhelm führte die Zarin und Kaiser Nikolaus die deutsche Kaiserin. Während die Ehren-Compagnie präsen- tirte und die Capelle die russische Nationalhymne spielte, schritten die hohen Gäste die Front der Ehren-Compagnie ab. Nach der Vorstellung des beiderseitigen Gefolges begaben sich die Majestäten in das Kaiser-Vestibül. Hierauf wurden die Wagen bestiegen. Im ersten Wagen, der mit sechs Rappen bespannt war, nahmen die beiden Kaiser Platz. Kaiser Nikolaus saß zur Rechten Kaiser Wilhelms. Beide unterhielten sich äußerst lebhaft. Dem Wagen folgte
eine EScadron Husaren. Im zweiten Wagen befanden sich
wo Jourdan zum zweiten Male zum Stehen gebracht un am 16. September 1796 geschlagen wurde. Drei Tage spater, am 19. September 1796, legte Jourdan zu Düsseldorf daS Commando nieder.
Das Unglück, welches das Städtlein Lißberg heimsuchte, ereignete sich am 14. September 1796, also zwei Tage vor der Schlacht bei Gießen, in folgender Weise:
Wie ein Lauffeuer verbreitete fich die Nachricht in Mitteldeutschland : Die Franzosen find in der ersten September- wocke bei Würzburg geschlagen und auSeinandergesprengt worden- größere und kleinere Trupps rettriren nach allen Selten- zwar find fie in Furcht vor den nachsetzenden Kaiser- lichen, aber wo fie können, rauben und plündern fie- am gefährlichsten find die Marodeure und Nachzügler, welche allerlei Schandthaten verüben.
Die Einwohner von Lißberg dachten sich vor den Räubern und Mordbrennern am besten dadurch zu schützen, daß sie ihnen den Durchmarsch wehrten, die Einquartierung verweigerten und ihr Städtchen verbarrtkadirten. Abends zwischen 9 und 10 Uhr hatten fich etwa 500 Franzosen vor dem Städtchen versammelt, welche in Wuth geraden waren und die fürchterlichsten Drohungen auSstießen. Als dieses nichts half, stürmten sie die Barrikaden und drangen in das Städtchen ein. Der Pfarrer, ein ehrwürdiger, hochbetagter Herr, ging den Feinden entgegen und suchte fie zu beschwichtigen, leider war eß zu spät- der brave Seelsorger wurde niedergeschoffen und nun begann ein Rauben, Morden und Plündern, wie bei der Zerstörung Magdeburgs. Vielen Einwohnern, die ihr Hab und Gut im Stich? ließen, gelang es, halb nackt in die nahen Wälder zu flüchten. Was der entmenschten Soldateska in die Hände fiel, wurde erbarmungslos niedergemacht.
(Schluß folgt.)
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