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Nr. 33
Der chlehener Anzeiger erscheint täglich, mü Au-nahme de- MontagS.
Die Gießener D.mlll-nvrLller »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Samstag den 8. Februar
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Meßmer Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
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jokg enden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. ^UUWPCTMigC. «MMUleNMaNer. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der Krieg von 1870|71,
UrfchklUrt durch Susfchnttte aus ZettuugS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verbot«.) 8. Februar.
Im ganzen Canton Neuenburg herrscht etu grenzenloser Unwille gegen die französischen Osfiztere, welche sich mit wenigen rühmlichen Ausnahmen durchaus nicht ihrer Truppen annehmen. Ebenso unzufrieden ist man mit den französischen Aerzten und Feldpatern, die in dieser Beziehung ben Offizieren wenig nachstehen. Nur ein Beispiel sei erwähnt. Der Handwerker wie die Patrizierdame befliß sich, den Unglück- Uchen Soldaten Hilfe zu bringen. Abends, als zwei dieser Damen irgend einem Spirale zueilten, fanden sie zwei Soldaten in höchst bedauernSwerthem Zustande auf der Straße unweit einer Kirche liegen- sie wollten dieselben auf- richten, die Soldaten, jedenfalls Kranke, baten die Damen: »Lassen Sie uns hier sterben." DaS wollten die Damen nicht- fie redeten zwei Offiziere, die eben vorbeizogen, an, fie bittend, ihnen behilflich zu sein, diese Leute unterzubringen. »Paffen Sie die L . . . . verrecken", war die Antwort. Alle Schnlen in Neuenburg find geschlossen und nebst den meisten Kirchen zur Unterbringung der durchziehenden Krieger verwendet. Bund.
Vermischtes.
* Dillenburg, 6. Februar. Auf die im Jnseratentheil btt heutigen Nummer enthaltene Bekanntmachung, betreffend ben nächsten Vieh- und Krammarkt Hierselbst, am Donnerstag, den 13. d. MtS., sei hiermit hingewiesen. Da die Maul- und Klauenseuche im Dillkreise und auch in btn angrenzenden Kreisen erloschen ist, so wird der Markt von Kauflustigen voraussichtlich sehr stark besucht werden. Die Beschickung deS Markte» mit Bieh kann daher der Viehzucht treibenden Bevölkerung aus dem Dillkreise und den benachbarten Kreisen nur empfohlen werden, zumal bei den bisherigen Märkien der Austrieb an Vieh die Nachfrage nach demselben kaum befriedigt hat und sehr gute Preise erzielt wurden.
• Stettin, 3. Februar. Von einem schweren Brand- «»glück ist die Ortschaft Kublitz bei Srolp betroffen worden. I« Westen des OrtS gerieth eine Scheue in Brand, uud heftiger Sturm vertheilte das Flugfeuer nach allen Seiten. 40 Gebäude, darunter mehrere große Bauernhöfe, wurden eingeäfchert.
• Krieger aus dem Gymuafium. In der bei der Feier de» GeburtStSageS des Kaiser» im Gymnasium zu Raftenburg gehaltenen Festrede theilte Herr Dr. Lentz laut »Geselligem*
Feuilleton.
Der Krieg hinter der Front 1870,71.
(3. Fortsetzung.)
Schleunigste Fahrbarmachung der Brücke war dringend geboten- die beiden gesprengten Oeffnungen von im Ganzen 35 Meter Weite wurden durch Dammschüttung geschloffen. Die Bodeugewinouvg war de» starken Froste» wegen sehr beschwerlich- fie wußte bald aufgegebeu werden, weil die Erde durch und durch gefroren war. Man war gezwungen, sich nach anderem Füllmaterial umzusehen. Auf der Seite von Fontevoh gewann man genügende Mafien au» den Trümmern und Mauerresten einiger massiv ausgeführter Häuser de» Dorfes, da» zur Strafe der beim Sprengen behilflich gewesenen Einwohner eingeäfchert worden war. Auf der Touler Seite wurden alle Brüstungen und Treppen läng» der Bahn abgebrochen- die Borräthe eine» großen Stein- lagerplatze» bei Toul, zum Theil au» fein behauenen Werk- steine» bestehend, wurden geräumt und in die Mosel geschafft. Kies und Schotter wurden au» einem 35 Kilometer entfernten Lager herangefahren.
Da» Flußbett erfahr durch die Schüttung eine Einengung am den vierten Theil seiner Breite, e» war deshalb bei dem mi sich schon gefährlichen Hochwasser der Mosel eine sorg- sAtige Befesttgnng der Böschungen geboten. 10 Tage nach Sprengung, am 31. Januar, wnrdeu bereits einzelne Wagen über die Brücke geschoben und vom 4. Februar ab konnten auch Locomottven die Unsallstelle wieder befahren.
Noch schwieriger al» die Wiederherstellung gesprengter Krücke» war die Fahrbarmachung zerstörter Tunnel».
In der für die Pariser Belagerungsarmee besonder» -richtige» Bahnlinie Straßburg—Pari» war der 100 Meter ®on der Station Nanteuil entfernte Tunnel gesprengt worden.
u. a. die Zahl der preußischen Gymnasiasten mit, welche au dem Kriege 1870 bis 1871 thetlgenommen haben. Die Nothprüfung bestanden im Ganzen 1262 Gymnasiasten und 162 Realschüler. 1554 Schüler wurden zum Kriegsdienst einberufen, hierzu kommen noch 629 „Freiwillige", sodaß im Ganzen 2183 Schüler in den Krieg zogen. Auf den Schlachtfeldern blieben 2 vom Hundert der Gymnafiasten und von 406 Lehrern 6 vom Hundert.
* AudreaSberg i. H., 5. Februar. Hier sollte gefrorene» Dynamit in einem ArbeiterhauS aufgethaut werden. DaS Dyoamit explodirte, und das HauS wurde vollständig zertrümmert, wobei ein Arbeiter schwer und zwei leicht verletzt wurden.
* Meiningen, 3. Februar. Bei dem heute beginnenden Schwurgericht beziehen sich von den 23 Anklagen nicht weniger als elf auf Meineidsverbrechen. GS scheint dies als ein betrübliches „Zeichen der Zeit" sehr beachtenswerth.
* München, 4. Februar. Dem hiesigen Profeffor Angerer ist mit Hülfe einer nach dem Röntg en'schen Verfahren hergestellten Photographie eine Operation geglückt, die vor der neuen Entdeckung schon einmal mißlungen war. ES handelte sich um eine in eine Hand gedrungene Nadel, deren genaue Lage nach den bisherigen Untersuchungsarten nicht festgestellt werden konnte.
* Die Röntgen'scheu Strahlen anb das Geschäft. Der Vorstand eines naturwissenschaftlichen Vereins in der Provinz wandte sich kürzlich an einen Berliner bekannten Dozenten der Physik, der Experimentalvorträge über die Röntgenstrahlen hält, in der Absicht, den Vortragenden an einem Abend gewinnen zu können. Die laconische Antwort lautete jedoch: „Bis Ende Mai täglich besetzt- Honorar 250 Mk. per Abend!"
* Feldwebel Zampa bei der deutschen Schutztruppe in Kamerun, der seinerzeit als junger Neger von dem Lieutenant Morgen nach Deutschland gebracht wurde und dann drei Jahre bei den Garde-Füsilieren in Berlin gedient hat, gedenkt in seiner Heimath immer noch mit Liebe und Dankbarkeit seiner dortigen Freunde. Jetzt hat er jedem seiner beiden Erzieher, dem Pastor Schall in Kladow und dem dortigen Lehrer, einen Elephautenzahn und Elfenbeinspangen zoll- und portofrei auS Kamerun zum Geschenk gesandt.
• Der Zahnarzt und sein Patient. Einer unserer Zahnärzte, so berichtet die Wiener „Presse", liebt eS, während der Operationen, die er in üblicher Weise vornimmt und die begreiflicher Weise nicht zu den angenehmen Dingen dieser Welt gehören, heitere Geschichten zu erzählen. „AlS ich noch ganz jung war und erst kurze Zeit meinen Beruf oueübte," so berichtete er unlängst, „arbeitete ich auShilfS-
Die nach Parts zu gelegene Stirn war auf einer Länge von 25 Meter verschüttet. Der steile, hohe Bergkopf und da» stark rutschende Gebirge gestatteten eS nicht, den zerstörten Theil de» Tunnels als offenen Einschnitt zu behandeln, und es ging deshalb eine preußische Eisenbahn-Abtheilung damit vor, die zusammeugestürzten Mafien mittelst starken Holzbaues von Neuem zu durchtunneln.
Da aber auf eineu sicheren Ersatz dieser ungemein schwierigen Arbeit nicht zu rechnen war, so wurde gleichzeitig eine Umgebungsbahn in Angriff genommen. Diese Vorsicht war gerechtfertigt. Nach 49lägiger Arbeit, nachdem Scheitel- uud Sohlenftollen vollendet und die weitere Aushöhlung so weit gefördert war, daß ihre Vollendung binnen vierzehn Tagen i» Aussicht stand, stürzte die Bruchstelle wieder ein. Man gab nunmehr die Herstellung des Tunnels auf und vereinigte alle Arbeitskräfte zur Vollendung der Umgebungsbahn. Inzwischen war auch die bayerische Abtheilung herbei- gerufeu worden, um die Station Nanteuil, welche nur zwei Fahrgleise und keine einzige Rampe hatte, in eine Endstation umzubauen.
DeS ungeheuren Verkehr» wegen mußte Tag und Nacht unter Aufbietung aller Kräfte gearbeitet werden- denn kaum war die erste Rampe nothdürftig vollendet, so kam schon der erste Zug mit schwerem bayerischen Geschütz an, und nun folgten sich Zug auf Zug in schier endloser Länge, oft vier und fünf hintereinander stehend und auf Ausladung wartend. Mit Einrichtungen, die nach Friedensbegriffen vollkommen unzulänglich find, wurden fast das ganze Belagerungsgeschütz und eine große Menge von Munition für Paris, sodann Mannschaften, Pferde, Proviant, Fahrzeuge aller Art in raschester Folge entladen und die Zurückbeförderung von Verwundeten und Kranken bewerkstelligt, ohne daß ein nennens- werther Unfall sich ereignete, — eine glänzende Bestätigung des Sprichworts: „Noth bricht Eisen-.
weise für einen Freund einige Wochen auf dem Lande. Eines Tages erschien in der Ordinationsstunde ein Bauer, ein vierschrötiger, muskulöser, vollblütiger Patron, einer jener Menschen, deren Zähne beiläufig ebenso leicht zu ziehen find, wie die Wurzeln eines Eichenbaumes. Al» er sich niedersetzte, fragte er: „Wird die Sache weh thun." Ich wagte nicht, die Frage rundweg zu verneinen, und machte einen Scherz. „Wenn e» nicht weh thut", sagte ich, „brauchen Sie mir gar nichts zu bezahlen." Und damit packte ich den Zahn. Aber die Sache ging nicht so leicht. Ich mußte ein paar Mal ansetzen und ihn schließlich gehörig umdrehen, bis er herauskam. Der Mann machte ein Gesicht — aber er sprach kein Wort und spülte nur das Blut ander Wunde. „Nun," fragte ich schließlich, „hat es weh ge=> than?" — „O, nicht im Geringsten," sagte der Barnr, erhob fich und ging seiner Wege. Ich eilte ihm zwar in den Empfangssaal nach, aber e» nützte nichts, er hielt m ch beim Wort und die Wartenden lachten mich au» ... So da ist Ihr Racker! Auch ein netter Kerl . . . Seit jener Zeit also machte ich niemals Scherze mit empfindlichen Patienten . . ."
* Ein vornehmer Hund. Zum Polizei Commiffariat am Beauvanplatz in Paris wurde dieser Tage eine auf der Straße aufgegriffene Wlndhüudin gebracht, die, wie die Pariser Blätter erzählen, einen mit Seide abgefütterten, stark motthten und mit Zobel besetzten kaffeebraunen Tuch- wantel trug! In einer Innentasche des Mantels befand fich ein mit echten Spitzen umsäumtes und mit einer — Grafenkrone besticktes Battisttaichentuch. Um den Hals hatte die vornehme Hündin ein gelbseidenes Band, das mit einer goldenen, mit echten Perlen und Brillanten besetzten Spange am Mantel befestigt war. Der Polizei Commiffar und seine Leute sperrten das aristokratische Thier natürlich nicht mit anderen plebejischen Hunden und Hündinnen zusammen, sondern wiesen ihm im Dienstzimmer einen Ehrer platz an, und überhäuften eS mit Zärtlichkeiten und mit Naschwerk.
Gentner'S Specialitä'en: Gr«t«er'» Wichse und Gentner'» Schnhfett in rothen Dosen mit dem Kaminfeger sind beim Publikum fehr beliebt, weil dee Qualitäten, wie uns von vielen Seiten bestätigt wird, ganz vorzügliche sind. Dieser Umstand in Verbindung mit der sehr hübschen Verpackung bringt es ohne Zweifel mit sich, daß man Gentner's rothe Wichse- und Schuhfetidosen in jedem Schaufenster und in jedem Hause finden kann. 398
Bei Bekämp'ung von chalsleiden empfehlen medlc'nische Autoritäten Fay’« ächte Sodener Mineral - Pastillen als ein außer orventtich werthvolle» Heilmtttet, namentlich wenn sie in heißer Milch schluckweise zu wiederholten Molen des Tages genommen werden. Erhältlich in allen Apotheken, Drogerien- und Mineralwasserhandlungen zu 85 Pfg. per Schachtel. 397
Erfolgreicher verlief die Wiederherstellung deS Tunnel» bei Blerzy in der Linie SoiffonS-PartS, und das war em Glück, da eine Umgebungsdahn In dem steilen Gelände kaum ausführbar gewesen wäre. Der Tunnel war an zwei Stellen gesprengt und daS Gebirge bis weit über die First hinaus zertrümmert und gelockert, eine dritte Sprengung hatten preußische Plänkler verhindert. Die Inbetriebsetzung dieser Bahnlinie, der ersten durchgehenden Schienenverbindung zwischen Deutschland und der BelagerungS Armee vor Parts, wurde durch einen kühnen Handstreich einiger Compagnien preußischer Garden und Sachsen erleichtert, die in einer dunklen Nacht etwa 40 französische Eisenbahnwagen erbeuteten. Während dir eine Hälfte der Mannschaften ausschwärmte und die feindlichen Borposten beschäftigte, spannte fich die andere Halste mit Stricken vor die Wagen und brachte fie in den von Deutschen besetzten Bahnhof von Sevrau.
Kam ein nicht gesprengter Tunnel in den Besitz des vordringenden Siegers, so durfte er nur mit der größten Vorsicht in Betrieb genommen werden. Zunächst wurde da» Portal nach Batterien und Leitungen durchsucht und letztere durchschnitten. Dann folgte daS Aufsuchen und Entladen der Minen. Auch mit dem Vorhandensein von Torpedos »«ter den Schienen mußte gerechnet werden.
Diese Sprengvorrichtungen bestanden auS mit Dynamit gefüllten Kasten, deren Ladung durch Schlagloth und Zündschnur mit einem auf Stoßwirkung teagirenben, in einem GlaSröhrchen befindlichen Sprengstoff verbunden war. DvS GlaSröhrchen war so angebracht, daß eS durch die unter der Last deS Rades fich durchbiegende Schiene zersprengt werden sollte.
(Schluß folgt.)


