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Mr. 236
MiMoch den 7. Oktober
Zweites Blatt.
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Aults- und Zlirzeigeblutt füv den Ureis Gietzerr
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Dietzmer Anzeiger
Generat-Zknzeiger.
Anrtlicher Thell.
Lekamttmachmlg,
betreffend: die Abhaltung von Viehmärkten im Kreise Gießen. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß Evoßh. Ministerium des Innern die Abhaltung der Viehmärkte in Gießen am 27. und 28. l. MtS., „ Grün berg „ 14. M 15. „ und
„ Langsdorf „ 12. l. Mts.
Mer folgenden Bedingungen gestattet hat:
1. Für den Auf- und Abtrieb ist den Anordnungen des Kreisveterinäramts gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen.
2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten des Großherzogthums Hessen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchefreiem Zustand zugebracht haben, aufgetrieben werden.
3. Außer der Controls der Ursprungszeugnisie hat selbstverständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftriebe zu erfolgen.
Gießen, den 5. October 1896.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.
v. Gag ern.
Bekmmtmmüuua.
Die f. Zt. zu Büdesheim. Bad-Nauheim, kchwalheim und Nieder-Wöllstadt ausgebrochene Dtiiul- und Klauenseuche ist wieder erloschen und find die ^geordneten Sperrmaßregeln aufgehoben worden.
Gießen, den 3. October 1896.
GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen.
v. Gagero.
Gießen, den 2. October 1896.
Lttr.: Vertilgung deS Frostnachtspanners.
Das Grotzherzogliche KreiSamt Gießen
n die Grotzh. Bürgermeistereien des ttreises.
Unter Hinweis auf den im Abdruck nachstehenden, aus tcai Monatsblatt deS Oberhessischen Obstbauvereins vom vcliober 1891 entnommenen Artikel beauftragen wir Sie, die kaiumbefitzer Ihrer Gemeinden alsbald zur Anlegung von lilelbgürteln an den Odstbäumen öffentlich aufzufordern, sowie in den Gemetndebäumen auf Kosten der Gemeinde Klebgürtel
baldigst aubrtngen zu laffeu. Ende October d. I. sehen wir Ihren Berichten über den Vollzug unserer Anordnung mit der Aeußerung darüber entgegen, inwieweit die Baumbesitzer Ihrer Aufforderung entsprochen haben.
v. Gagern.
Die Frostnachtsparmer.
Einer der gefährlichsten Feinde unserer Obstbäume, der Frostnachtspanner, schickt sich wieder an, seine Brut an unsere Obstbäume zu bringen und dadurch jetzt schon die nächstjährige Ernte zu beeinträchtigen. Deshalb ist es nothwendig, daß alle Obftzüchter Hand in Hand gehen und verhüten, daß das Weibchen seine Eier an die Knospen der Obstbäume legen kann. Dieses Weibchen, das noch in der Erde als Puppe ruht, kommt nämlich von Anfangs October bis Mitte November aus der Erde. ES ist ein Schmetterling, welcher nur mit Flügelstümmeln versehen ist, also nicht fliegen kann, dafür aber sehr kräftige, lange Beine besitzt, mit deren Hülfe er den Stamm erklimmen und zu den Knospen gelangen kann. Das Männchen dagegen, welches braune Flügel besitzt, kann fliegen und sucht das Weibchen während deS Marsches am Stamme entlang auf. Gelangt das Weibchen dann in die Baumkrone, so legt eS an die Knospen seine Eier ab, und zwar nicht weniger als etwa 250 Stück. Aus diesen schlüpfen im Frühjahr die kleinen grünen Spannraupen, welche mit der Entwickelung der Blüthen wachsen, sich zwischen einige Blätter und Blüthen einspiuuen, um von da aus die Entblätterung der Bäume durchzuführen.
Als der bekannte Pfarrer Christ diese Lebensgeschichte kennen gelernt hatte, reihte er an die vielen Verdienste, die er sich um den Obstbau OberheffeuS schon erworben hatte, noch das eine Mittel zur Bekämpfung dieses Feindes. Er hat zuerst auf Birkenrinde Theer gestrichen und diese Rinde dann um den Stamm gebunden. In der neueren Zeit wurden erst die Klebgürtel in Anwendung gebracht, welche in der richtigen Weise und zur richtigen Zeit angewendet, das Erklettern des Baumes durch das Weibchen unmöglich machen. Im Kreise Gießen war dieses Anlegen der Klebgürtel überall da mit gutem Erfolg begleitet, wo eS richtig durchgeführt wurde, und wo die Bäume trotzdem von der Raupe entblättert wurden, waren eben Fehler gemacht worden. Wenn mau den Gürtel anlegt, nachdem der Froftspanuer oben am Baume ist, oder wenn man den Leim eintrocknen läßt, oder wenn man fingerdicke Lücken zwischen Stamm und Ring laßt, dann darf man nicht der Methode, sondern muß seiner eigenen Gleichgültigkeit die Schuld beimeffen. Deshalb wolle man beim Anlegen der Leimringe, denen wir recht große Verbreitung wünschen, Folgende- beachten:
1. Die Ringe müssen Anfangs October angelegt werden.
2. DaS Papier muß sehr gut geleimt sein. Am besten verwendet man sogenanntes Pergarneutpapier
3. Das Papier muß mindestens 10 Ctm. breit sein.
4. Der Papierring muß um den ganzen Stamm gelegt und mit einer Kordel unten und einer oben gebunden sein.
5. Zwischen dem Papierriug und dem Stamm dürfen keine Lücken sein, da sonst das Weibchen unten durchkriecht. Etwa vorhandene Lücken werden mit Lehm, Werg rc. auS- gestopft.
6. Bevor man den Papterstreifen anlegt, muß an der betreffenden Stelle die Rinde glatt gemacht werden.
7. Der Leim wird mit einem Pinsel auf das Papier, niemals aber auf den Stamm selbst aufgestrichen.
8. Es ist nothwendig, daß man die Ringe alle 10 Tage von Neuem anstreicht.
Im Uebrigen sei bemerkt, daß die Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins in Friedberg gerne bereit ist, gutes, geschnittenes Papier und beliebige Mengen Leim zu vermitteln. _____________________________
Bekanntmachung.
In dem Voranschlag des landwirthschaftlichen BezirkS- vereinS Gießen find pro 1896/97 — zur Subventionirung von Gemeinden, welche Bullen rein Vogelsberger oder Simmenthaler Rasse anschaffen und dieselben zur Reinzucht verwenden lassen oder in denen Vtehzuchtvereine gegründet werden — 500 Mark in Ausgabe vorgesehen. Die Subvention von je 50 Mark soll im Concurrenzfalle vorzugsweise ärmeren Gemeinden zugewrndet werden.
Anträge find unter Vorlage der Körscheine alsbald nach dem Ankäufe der Bullen an den Unterzeichneten einzusendev.
Gießen, den 2. October 1896.
Der Dtrector deS landwirthschaftlichen BezirkSvereinS.
C. Jost.
Bekanntmachung.
Im Jahr 1897 wird von der Deutschen Landwirth- schaftSgesellschast in Hamburg eine Ausstellung von Vieh rc. veranstaltet werden.
Diejenigen Viehbesitzer, welche Rindvieh, Pferde, Schweine oder Ziegen in Hamburg auszustellen beabfichtigeu, werden hierdurch ersucht, dieses bis zum 25. d. MtS. dem Unterzeichneten mitzutheilen, um beurtheilen zu können, ob die Bewilligung einer staatlichen Subvention und in welcher Höhe zu beantragen sein dürfte.
Gießen, den 4. October 1896.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins.
C. Jost.
Feuilleton.
Herbstrswehen.
Von Marie Stahl.
(Nachdruck verboten.)
Der Herbftabend dämmerte auf die weite Flachlandschaft seccab und durch das dürre, braune Kraut der Kartoffeläcker jiirg ein wüdeS Seufzen.
Oete und leblos dehnten sich Felder und Ktefernhaiden mtn dem grauen Himmel, nur hie und da ein Schwarm Ehen in den kahlen Pappeln am Wege und ein Kettenzug Oer Gänse über den Stoppeln.
Und auf einem der Aecker, mitten im freien Felde, sah im von Weitem einen großen, schwarzen Fleck, der Leben nb Bewegung verrteth und in der Nähe einen dichtgedrängten
Menschen zeigte, ameisenartig durcheinander wimmelnd.
Die Kartoffelernte nahm in der ganzen Umgegend alle Eiste von Menschen und Thier in Anspruch.
ES war ein stummes, rastloses Treiben, daS fich da auf >itv feuchtkalteo Ackerboden unter dem mürrischen Himmel lllwickelte. Die harte Arbeit ließ keinen Frohsinn zu, mit in schweren, doppelzinktgen Hacke rissen die Männer dir riwuden auS dem Boden und auf den Knieen oachrutschend h|en die Weiber und Kinder die Kartoffeln von den Wurzeln, Üt sie vollständig mit den Händen auS der Erde heraus- timten und tu die Kiepen warfen.
Zu zweien wurden die gefüllten Körbe nach den Plätzen Mleppt, wo mau alle Kartoffeln in Erdmieteu aufschüttete, O । bet jeder Miete staud ein Aufseher, der für die ab- Mferten Kiepen Blechmarken auStheilte.
So wälzte fich daS Arbeiterheer die Ackerfurchen hinauf, ra keuchender, fich mühender, schmutziger Menschenhaufen,
dessen Trost gegen die Unbill der Arbeit und der Witterung die Schnapsflasche war.
Zuweilen erhob fich Lärm keifender Weiber in seiner Mitte, die sich gegenseitig das Mehr oder Weniger des Verdienstes neideten, und das Geschrei der kleinen Kinder, um die sich Niemand bekümmern konnte und die in den Betten der Kinderwagen, außerhalb deS Arbeitsbezirks, fich selbst überlassen lagen. ,
Vom Ftchtenwalde, über die Felder kamen zwei Männer daher, Büchse und Jagdzeug über der Schulter, der Gutsherr und sein Bruder, der ihn nach langen Jahren, nach einem etwas abenteuerlichen Leben im AuSlande, einmal wieder auf der heimathlichen Scholle besucht hatte.
Sie traten an eine der halbfertigen Kartoffelmielen zu dem Verwalter und der Gutsherr ließ fich Rapport erstatten. Die Zahl der geernteten Kartoffelkiepen, der Durchschnittsertrag der Aecker und die Güte der Frucht wurde erörtert.
Der Bruder, der um einen halben Kopf größer und stattlicher war als der Gutsherr und trotz seiner grauen Haare jugendliche Augen hatte, blickte mit lebhaftem Interesse auf daS ArbeitSbild.
Fortwährend kamen und gingen die Leute, die ihre gefüllten Kiepen brachten, ausschütteten und die Blechmarken vom Verwalter erhielten.
Jetzt keuchte ein Ehepaar heran und schleppte fich mühselig die Bretter hinauf, die auf die fast vollendete Miete führte. Der Mann mochte der SchnapSflasche bereits zu viel zugesprochen haben, er schwankte, und daS Weib, das nicht zu den stärksten gehörte, konnte nur mit Anstrengung fich und die Last im Gleichgewicht halten. ES war frühzeitig gealtert und fast abschreckend, von dem harten ArbettS- leben gezeichnet, mit feiner gefurchten, pergamentartigeu Haut und dem Schmutz des Erdbodens, der an feinen Händen unb Kleidern klebte.
Stier und ftumpffinnig wie der Mann hatte es vor fich hingesehen, aber als die Kiepe auSgefchüttet war, blickte es auf und gewahrte fich dem Gutsherrn und seinem Bruder gegenüber.
Langsam richtete eS fich auf aus seiner gebückten Haltung und starrte regungslos und stumm den Bruder au.
In dem trüben Grau des Abendhimmels war ein blaßgoldener Ltchtstreif aufgeflammt, der ein fahles Licht auf die Gruppe warf, alle Gestalten gespenfierhaft erscheinen ließ und in scharfen, schwarzen Umrissen hervorhob.
Ein Windstoß kündete das Sinken der Sonne und laut krächzend hoben fich die Krähen aus den Ackerfurchen, wo fie die Nachlese der Arbeit an Würmern und allerlei Feldgethier hielten, um fich in den aufrauschenden Pappelwipfeln an der Landstraße zu sammeln.
DaS Tagelähnerweib auf der Kartoffelmiete vergaß alles, die Arbeit, den taumelnden Gatten, den Verwalter, der ihm vergeblich die Blechmarke hinbot, eS wußte nicht, daß der schneidende Nord-Ost ihm eben das grobwolleue Tuch vom Kopfe riß und ihm die grauen Haarsträhnen in das Gesicht peitschte — wie im Traume starrte eS den schönen, ritterlichen Mann an, der trotz der verlorenen Jugend immer noch daS Bild ungebrochener Kraft war.
Ein seltsamer, der Gegenwart entrückter Blick trat in seine Augen, ein Leuchten, gleich de« Ausflammen am Horizont, dem einzigen Lichtblick deS häßlichen, trübseligen Tages.
Die beiden Herren gingen noch ein Weilchen bei den Mieten und Arbeitern herum und begaben fich dann auf den Weg nach dem Gutshofe.
(Schluß folgt.)


