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7.6.1896 Drittes Blatt
 
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1896

Sonntag den 7. Juni

Drittes Blatt

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Hratisbeilage: Hießener Aamikienösätter

ilhniiiint DOS Hn jtigte |u der Nachmittag» für bte Tag rrschrinrndrn Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

»llc »nnoncen-Bureaux de» In- und «u»Iande» nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

§§ Volkartshain (Kreis Schotten), 5. Juni. Eine eigen- thiimllche neue Wohnung suchte sich gestern Nachmittag ein junger Bienenschwarm in dem benachbarten Lichenroth aus. AIS derselbe seiner Geburtsstätte entschlüpfte, flog er dtrect in den Kamin des Joseph Rosenberg I. Die Bewohner deS Hauses suchten Anfangs vergeblich nach der Ursache eines merkwürdigen Gebrummes im Hause, bis sie endlich den Bienenschwarm entdeckten. Trotz aller Mühe und Anstrengung gelang eS nicht, denselben zu faffen. Am andern Morgen, al« daS Feuer im Ofen angezündet wurde, mußte jedoch unser Bienenvolk seine neue Wohnung wieder verlassen.

vor dem Essen, Jemand an daS Fenster ihrer Wohnung geklopft. Ihr Mann sei hinauSgegangen und habe gesagt, er komme bald zurück- gleich nach 12 Uhr sei er wieder gekommen, habe gegessen und das Dich gefüttert und habe ihr erzählt, er habe gesehen, wie zwei Männer im Felde Hasen gejagt, der eine davon sei Vetter. Gegen 1 Uhr sei ihr Mann bei Müller gewesen und bald darauf zurückgekommen. Am selben Tage hat der Mann seiner Frau noch mitgetheilt, daß der andere Wilderer Günderloh gewesen sei. Auf Be­fragen deS Staatsanwaltes beschuldigt die Zeugin den Vetter, er habe einmal früher ihren Mann zur Leistung eines Meineides verleiten wollen. Sie fei damals bei der Unter­redung zugegen gewesen, ebenso ihr Sohn.

Die folgenden Zeugen bekunden nicht- Besonderes, da es sich bei ihrer Vernehmung lediglich um die Zeit dreht, um welche der Angeklagte gewildert haben soll.

Schuhmacher Peter Vetter von Nieder-Dorfelden bekundet unvereidet, daß er am 4. September auf Günder- lohs Acker nur wegen der Dickwurzblätter gewesen und mit Steul ins Dorf zurückgegangen fei, dort hat er um 12 Uhr seinen Wagen auSgeschirrt und Kleesamen einge- fahren. Vetter bestreitet entschieden gewildert zu haben, ebenso wenig habe dies der Angeklagte gethan, der vor 12 Uhr schon auf MuxteS Wagen die Heimfahrt angetreten hatte. Vetter gesteht zu, den Zeugen gesagt zu haben, sie sollen sich den Tag in Acht nehmen, wo er Kleesamen gefahren. So lange er im Feld war, hat eS nicht geknallt. Der Zeuge bleibt auf Beschluß deS Gerichtshofes unvereidigt, weil der Verdacht der Anstiftung, mindestens aber der Bei- hülfe zu dem in Frage kommenden Meineid besteht. Hierauf wird die Verhandlung auf morgen Vormittag vertagt.

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des OhlydenkmalS in Neunkirchen mit 3012 Mk. Von den für die nächste Generalversammlung vorgeschlagenen Festorten Lindenfels, Reinheim, Michelstadt trug daS letztere den Sieg davon. Ein Antrag deS Oberbürgermeisters Morneweg, die bessere Erhaltung der Ruinen betreffend, gab Anlaß zu einer kleiner Besprechung. Erwähnt wurde noch, daß die Section BenSheim im August die 10 jährige Jubiläumsfeier des Bestehens deS Knodener ThurmS zu begehen gedenkt, dann wurde die Versammlung mit den üblichen DankeSworten geschloffen. Ein allgemeines Festmahl, daS in den ver­schiedenen Wirthschaften WaldmichelbachS eingenommen wurde, vereinigte die einzelnen Sectionen zu fröhlichem Beisammen, sein. Dann ging eS zu kurzem Aufenthalt auf den Schimmel- berg, wo der neue AuSsichtßthurm der Section Waldmichel- bach eingeweiht wurde. AIS man den Rückmarsch zur Bahn antrat, trennte man sich nur ungern von den einheimischen Clubgenoffen, deren eifrigen Bemühungen und sorgfältigen Vorbereitungen der hübsche Verlauf des Festes mit in erster Linie zu danken war.

Jndeffeu waren auch die Darmstädter daheim in der Residenz eifrig mit Feiern beschäftigt. Die Jubelfeier der Turngemeinde, deren Vorfeier man schon am Sonntag einleitete, nahm hier auf Kosten anderer Deran- staltungen das größte Jntereffe in Anspruch. Wir behalten uns vor, über die einzelnen Festabende, die sich in dieser und der nächsten Woche noch folgen werden, im Zusammen- Hang zu berichten und beschränken unö daher vorläufig auf eine kurze Schilderung der Feier vom Sonntag, die unter größter Betheiligung des Publikums, begünstigt durch die Witterung einen fröhlichen und wohlgelungenen Ver­lauf genommen hat. Der Festplatz hat sich lammt seinen Einrichtungen bestens bewährt. Für Unterhaltung und Verpflegung ist ausreichend Sorge getragen. Um 4 Uhr begannen die turnerischen Vorführungen mit einem flott auSgesührten Stabreigen, dann folgten Darren« turnen, Stockschlagen, Keulenschwingen, Sprungübungen ufro. in bunter Abwechselung. Mehrere Gesangvereine liehen ihre

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Kunst der abendlichen Feier im Innern des gewaltigen Fest­zeltes. Auch an gymnastischen Vorführungen verschiedener Art und lebenden Bildern u. dgl. fehlte es nicht. DaS Publikum zeigte sich für das Gebotene durch laute Beifall«, spenden dankbar und stattete dadurch zugleich den Festordnern, die für gutes Arrangement Sorge getragen hatten, seinen Dank ab. Auf die übrigen turnerischen Festlichkeiten, die die lausende Woche noch gebracht hat und noch bringen wird, kommen wir im nächsten Briese zu sprechen.

DaS Sommerth eat er hat am Sonntag seine Pforten mit DellingerSDon Cesar" eröffnet. Die Aufführung verlies flott und munter. DaS Ensemble scheint nach den bis jetzt gebotenen Leistungen recht tüchtig zu sein. Aller­dings hat seither die große Hitze den Besuch beeinträchtigt. Ein Mitglied der Bühne ist übrigens schon feit dem vorigen Jahre in Folge feiner guten stimmlichen Beanlagung für kleine Tenorpartien für das Hoftheater verpflichtet worden. Auch an dieser Bühne hat eS noch zu guterletzt Verände­rungen gegeben, denn nach den ZeitungSmelduugen ist für den auSgefchiedeuen Herrn Kammersänger Bär für daS Helden­tenorfach Herr Minner, der seitherige Heldentenor bei Hoftheaters zu Hannover, verpflichtet worden.

Eine wenig erquickliche Angelegenheit, die in den letzten Wochen viel Staub aufgewirbelt hat, ist nun zu Mitte dieser Woche glücklich beigelegt worden, der Strike in der Röder'schen Herdfabrik. ES ist nach vielen vergeb- lichen Bemühungen geglückt, zwischen dem Chef der all­bekannten Firma und den strikenden Arbeitern daS gute alte Einvernehmen wieder herzustellen, und am Mittwoch wurde denn auch die Arbeit im ganzen Umfange wieder auf­genommen. Die hiesige Preffe sprach sich nach Beendigung deS StrikeS anerkennend über die würdige und maßvolle Haltung der Arbeiterschaft auS, die während der ganzen ConflictSzeit in den Verhandlungen sich niemals von provo- cirenbem Verhalten hiureißen ließ. Zugleich wirb bie Hoff- nung ausgesprochen, baß das wieberhergestellte freundliche Verhältniß nun für alle Zukunft bauern möge.

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ttmber b. I. am Mittag gejagt, auch habe keiner von ihnen eine Waffe gehabt. Er unb Vetter seien an bem Tage auf feinem, bei Angeklagten, Dickwurzacker gewesen, um sich nach dem Stand bei Kraute! ber Dickwurzblätter umzuseheu. Der Angeklagte bleibt ganz entfliehen babet, haß, solange er auf bem Dickwurzacker bei Detter war, nicht gejagt worben ist. Der Zweck, weshalb man ben Acker abfchritt, war, um seitens beß EigenthümerS bereiten sich zu Überzeugen, ob ohne Schaben für bie Dickwurz, Detter sich DickwurzblStter zu Futterzwecken holen könne.

Der Zeuge Jacob Müller von Meher-Dorfelhen Hat am 4. September Detter unb ben Angeklagten beobachtet, Gewehre hatten beihe nicht. Doch hatte ber Zeuge ben Ein- hrnck, baß die Beiben Hafen trieben.

Der Zeuge Jacob Wörner II. von Nieber-Dorfelhen beponirt, baß er am 4. September HinauSgegangen fei, um zu sehen, was Detter unb Geuoffe treibe. Da habe er ge- sehen wie geschossen wurde unb wie Beibe ganz regelrecht ber Hasenjagb oblagen. ES wirb burch Vorlegung eine« Hanbriffes sicher gestellt, baß her Zeuge 400 Meter von ben Jagenden entfernt gestanden hat, all her erste Schuß gefallen, trotzbem will er ben Vetter all ben erkannt haben, ber ge­schossen hat, bann will her Zeuge sich eiligst bem Schützen genähert haben, bo fiel ein zweiter Schuß, unb ber Zeuge will beutlich beobachtet haben, baß Vetter einen Hasen ge­troffen unb bann benselben tobt geschlagen.

Der Dorsitzenbe hält bem Zeugen vor, warum er vor dem Schöffengericht in Vilbel nur immer vom Detter ge« sprochen unb nicht auch ben Namen seines Genossen angegeben.

Joh. Karl Herling von Renbel betunbele, baß er am 4. September mit seinem ©ruber gemeinsam in ber be- tnffenben Gegend nach Nieder - Dorfelben auf seinen Acker gefahren fei. Er habe 2 Männer beobachtet unb Schüsse fallen gehört, ob bie Manner geschaffen haben, kann bet Zeuge nicht sagen. Der eine Mann habe gesessen unb bie« sei ihm ausgefallen, umsomehr, all es sehr heiß gewesen an bem Mittag. Gekannt hat ber Zeuge keinen ber beiben Männer. Der ©ruber biete« Vorzeugen befunhet mit biefem über- einftimmenb und bemerkt, daß die zwei Männer in ber Nähe de« Küchler'schen AckerS sich befanden unb baß erst, nachbem die Schüsse gefallen, sich ber Eine hingefetzt hat. Der Zeuge hat sich mit seinem ©ruber batüber unterhalten, daß bie beiden wohl gar keine Jäger seien, weil sie keine Hunde bei sich führten. Die Ehifcau Wörner, Frau de« schon vernom­menen Zeugen Wörner erzählte, wie am 4. September, kurz

Feuilleton.

aus der Residenz.

(Origtnalbericht desGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt. 5. Juni.

Gen >Mi!mrfammlnug be8 OdenwaldclubS. Sotfeiet zu» It to-ihMlämn. Sommertheater. Strikebeendignug.

> Herzen des Odenwalde«, südlich von den waldigen ^öhl'soe!'« Tromm, liegt das schmucke Städtchen Wald« m iciflilbiad), da« auserkoren war, der Generalversammlung de« t ttemwaldclubs für das abgelaufene DereinSjahr ein HeirMi» bieten. Don allen Richtungen eilten am letzten Sor-M-; bie Clubgenoffen hem Versammlungsorte zu. Die -Darjniittcr gelangten bahin auf fröhlichem Marsche von BirkiiwL ans burch bas anmuthige Löhrbacher Thal über SielMdnunn. In Walbmichelbach hatte man Alles auf- gcbaMfc, um bie «nkommenben würbig zu empfangen. Ehren- V or^lt unb bunte Wimpel grüßten, wohin baß Auge blickte. Im.Eibenen Hirsch" wurde der geschäftliche Theil prompt erletüi Herr K. Müller von Darmstadt präsibirte ber Derf^calung, bie von bem Bürgermeister Roth herzlich bewill- komtMwnbe. Den Rückblick auf ha« verflossene Vereins- jahrir fettete Herr Daub. Die Zahl her ^bsectionen ist trwntTeb he« letzten Jahre« von 38 mit 2513 Gebern auf mit 3209 Mitgliedern gewachsen. Außer her Stche^« ung m oi Verschönerung vorhanbener Au-sicht-plätze hat sich der tlftteuin namentlich bie Jnstanbhaltung unb 6*0 an jung bc8 i siirckirungSnetzrs angelegen fein lassen. Der Bericht ber i Mc eigen« thatigen Section, erstattet von bereu rührncir Vorfitzenben, Oberamtsrichter Seibert, gab dne flat:»Mietff4t über bie entfaltete rege Wirksamkeit. Die vonv jnrm Director Bernhatbt oorgetragene Rechnung«- ablaifhoiferte ein seht günstige« Resultat. Die Einnahmen bettw 8528,18 Mk., denen 5878,25 Mk. Ausgaben gegeMtirchehen. Interessante Rechnungsposten sind die AuS« gab«:ü Thürme :c. mit 770 Mk. unb für bie Herstellung

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Schwurgericht.

W. Gießen, ben 5. Juni 1896.

P-i gtiue Vormittag trat da« Gericht in bie Sache de« Lan-^niiS Jacob Wilh. Günberloh von Rendel wegen Meiiveib i in. Die Verhandlung ist aus 2 Tage berechnet. ,y6 bIiö deshalb ein Ersatzgeschworener auSgeloost. Die > ikUlize rwird vom Herrn Staatsanwalt Koch vertreten.

Die ütittjeibigung sühren die Herren Rechtsanwalt Grüne- w a Jl urib Justizrath Jöckel-Friebberg TS ffnb 27 Zeugen zu mwchmen. Der Borfitzenbe, Herr LanbgerichtSrath Ku lllnannn , erläutert bte Vorgeschichte beS Prozesses. Am

Ottttuber 1895 sanb vor bem Schöffengericht Vilbel eine er il^ibCnng statt gegen einen heute al« Zeugen zu ver- biimiteii' Vetter wegen Jagdvergehens. Derselbe war tddflilbig,, am 4. September 1895 aus ber Gemarkung roll* Renbel unb Nieber-Dorfelden bie Jagb aus Hasen an-Wbi-ju haben, ohne bazu berechtigt zu fein. In biefer Ber-lMung würbe Vetter wegen Jagbvergehen« verurtheilt zu 'N V'k. Gelbstrase. In bieser SchöffengerichtSverhanb- lunzH sai lder heutige Angeklagte al« Zeuge fungtrt und be« chwEU, daß e« nicht wahr fei, baß Detter am 4. StP-

MMittag« gejagt habe. Dieser Eib soll ein wiffentlich falfi&t abgegebener fein, unb bilbet ben Gegenstanb ber heu­rige r- Mlage. Gegen baß Unheil beß Schöffengericht« ',!lliiöi! verfolgte Detter hie Berufung unb so kam bte Sache im i LS. Januar b. I. zur Derhanblung vor ber Strafkammer unib enbete mit ber Derurthetlung befl Detter zu einer xef ^iniiiftrafe. Die Strafkammer war nämlich ber Meinung, daß ii kri<rvr und Günderloh gemeinsam gewildert haben unb da >Mr,iwte oben erwähnt, bie Thatsache de« Wilbern« über- baiUVtibiltd) bestritten, so würbe er wegen Derbacht be« Mein- dbßb lofotlt nach ber Strafkammerverhandlung, Enbe Januar, in f $|t pitnommen unb bte Voruntersuchung wegen Wilbern« rbent'ililv gegen ihn eröffnet. Am 27. März b. I. staub blesen kaühe zur Verhandlung vor der Strafkammer und rourilii brir Angeklagte wegen gemeinsamen Jagdvergehen« tbcraihl? imit Gefängntß bestraft. Sein Genoffe Detter ver« s^lg M iniikffen gegen seine Derurthetlung die Reoiffon beim - dettt'Saci2e«gericht in Darmstadt, und wie der Dorfftzende u dtrik miitheilt, ist die Revision von dieser Instanz für be- Rxih gnlit machtet. Der Angeklagte erklärt, wegen Bedrohung, B:r gegen da« Viehseuchengesetz und wegen Beleidigung twrhiMt -u sein. Er erklärt weiter, die Wahrheit be- schw-a-m zzu haben. Weder er noch Vetter hätten am 4. Sep-

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