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Freitag den 7. Februar
Zweites Blatt
Nr. 32
1896
Die »ießmer
Amts- und Anzeigeblatt für den Weis Gieren.
Hratisöeitage: Hießener Jamitienökätter.
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Meßmer Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
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als Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, beziehungS- weise als GemeinderathSmitglied besitzen.
Sie wollen durch die Stadtverordnetenversammlung, beziehungsweise den Gemeinderath, die Wahl der drei Mitglieder und zwei Ersatzmänner alsbald vornehmen laffen und uns das Ergebniß derselben binnen acht Tagen mittheilen.
v. Gagern.
Der Krieg von 1870|71, geschildert durch Ausschnitte eu8 ZettungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.)
7. Februar.
Mit der Proviantirung von Paris ging eS in den ersten Tagen nach der Capitulation nicht so schnell und ausgiebig, wie es die in der Stadt herrschende Noth wohl erheischt hatte. Die Schuld fällt jedoch zum größten Theil auf die mangelhaften Anordnungen, welche die städtischen Behörden zum Schutze der ersten mit Vorräthen in das Innere sich wagenden Verkäufer getroffen hatten. Die Centralhallen blieben während der ganzen Woche der Uebergabe beinahe so leer wie zuvor, weil die ersten, mit Kartoffeln, Zwiebeln, Gemüsen und anderen Lebensmitteln beladenen Wagen schon an den Barrieren von der hungernden VolkSmaffe angehalten und ohne weiteres „gethetlt" worden waren. Das „Journal des DebatS" giebt von diesen Auftritten eine anschauliche Schilderung. Während in Courbevoie, Neuilly gegenüber, auf der anderen Seite der Seine, der Scheffel Kartoffeln zu 2 Francs verkauft wurde, kostete dieses edle Knollengewächs über der Seinebrücke auf der Pariser Seite, noch 15 Francs und darüber. Allmählich nur besserte sich die Lage, als die Polizei durch ihre „Friedenswächter" Ordnung zu stiften und aufrecht zu erhalten anfing. Am 4. d. kamen die ersten Seefische in der Halle an und wurden noch zu sehr hohen Preisen öffentlich versteigert: eine Stetnbutte 160 Francs, zwei Paar Seezungen 67 Francs; freilich waren dies Lecker- btffeu, die nur von den reichen Feinschmeckern gesucht wurden. Am schlimmsten ging eS immer noch in der Avenue de Neuilly zu, wo alles von Kauf- und Raublustigen wimmelte, wo jedoch die Verkäufer selten und äußerst zugeknöpft waren. Ein Bäuerlein, daS sich bis in die Avenue des Terues vorgewagt, bot ein Kaninchen zu 30 Francs feil- ein Anderer hatte sich in einer leerstehenden Ambulanz verschanzt, vor der man Queue machte, um Käse und Weißbrod zu kaufen, wieder ein Anderer gab Suppenlauch, 6 Stück zu 10 SouS, ab. Viele Pariser wandten sich an die Vorposten mit der Bitte, sie durchzulaffen, um in den nächsten Dörfern Proviant ein- zukaufen. Man hätte das Recht gehabt, sie zurückzuweisen. Da aber für den Bedarf der deutschen Truppen durch die
den Händen gefror, stellte man die Arbeit ein. Auf diesem Sockel wurde der inzwischen in Eptnal gezimmerte schlanke Holzpfetler errichtet und durch kräftige Spannbalken in der Höhe von 28 Meter gegen die Gruppenpfeiler abgesteift — eine halsbrechende Arbeit auf den mit Eis überzogenen Gerüsten. Gitterträger überbrückten schließlich die Oeff- nungen.
Lange zögerten die Postzüge, sich dem kühnen Bau anzuvertrauen, trotzdem die Pioniere mit frischem Wage- muth sofort schwere Locomotiven über ihr Kunstwerk geführt hatten.
Der kühne Bau von Xertigny erfuhr zwei längere Unter, brechungen. Einmal mußte die Baustelle von der vordrtngendeu Armee Bourbakis geräumt werden. Das zweite Mal rief ein Telegramm MoltkeS die V. Feldeifenbahn-Abtheilung nach Foutenoh bei Toul zur Fahrbarwachung der von FranctireurS gesprengten Moselbrucke. (Hierüber hielt auch am 29. April 1890 Herr Major Weimer vom 116. Regiment im Ober- hessischen Geschtchtsverein einen durch Skizzen erläuterten Vortrag. Red.)
DaS KriegSbtld, daS sich hier abspielte, gehört zu den bewegtesten Bildern aus dem Leben hinter der Front und zeugt von der Kühnheit der französischen Freischaaren. Zwei französische Hauptleute hatten ein aus 300 Köpfen bestehendes FretcorpS, das sich die Jäger der Vogesen nannte, gebildet und unwett Lamarche, 50 Kilometer nördlich von Epinal in einem Walde ein befestigtes Lager errichtet, von dem aus sie die deutschen Etappentruppeu wiederholt beunruhigten, unter- stützt vom Commandanten der Festung LangreS. Ganz besonders hatten sie eS auf die Zerstörung der Bahnstrecke Toul—Nancy abgesehen. Durch Sprengung des Tunnels bei Toul oder der Moselbrücke bet Fontenoy sollte dem deutschen
Magazine in hinreichender Weise gesorgt ist, und daher von den Vorräthen, die in den französischen Ortschaften aufgespeichert sind, ein Theil verfügbar bleibt, so erlaubte man vielen Hunderten von Frauen und Männern ihre Einkäufe zu machen. Am 4. Februar stieg die Zahl der nach St. DentS hinauswandernden Pariser auf wenigstens 10 000. Man sah Herren und Damen der besseren Gesellschaftsklassen, die mit Säcken voll Kartoffeln, Mehl und Gemüse am Arm oder über dem Rücken, den Heimweg antraten.
§ Herbstein. 3. Februar. Vorgestern fand ein Arbeiter deS hiesigen ZtegeleibesitzerS Otto Supp es beim Graben von Thon in der Nähe der Ziegelei und der Staatsstraße nach Lauterbach zu einen schweren Stamm Eichenholz, circa 40 cm Durchmesser, etwa acht bis neun Fuß tief in der Erde liegen. Man stellt allerlei Vermuthungen an, auf welche Art und Weise dieses Holz dahin gekommen sein kann, denn von einem früheren Walde an dieser Stelle kann keine Rede sein. ES wird angenommen, daß daS Holz dahin geschwemmt oder gestohlen und dort vergraben worden »st.
△ Aus de» Ohmthal, 4. Februar. Der Preis für Weizen ist plötzlich sehr in die Höhe gegangen- man kaust den Weizen in einigen Orten auf und bezahlt für den Doppel- centnei 16 Mark. Im Herbst des verflossenen JahreS kostete derselbe nur 13 Mark. Ob diese Preissteigerung mit der von Amerika bewerkstelligten trügerischen Häufle zusammenhängt, muß dahin gestellt bleiben. Schade ist es nur bei dem Hinaufgehen des Weizenpreises, daß unsere Landwirihe nicht mehr viel Weizenvorräthe besitzen. Einmal werden überhaupt wegen deS seitherigen niedrigen Preises für Weizen kaum noch 50% der früheren Weizenfelder bebaut, dann aber ist auch der vorhandene Weizen schon im Herbste abgesetzt worden, um den Zahlungspflichten, die gerade am Ende deS verfloffenen Jahres — man denke an die NothstaudSgelder — so groß waren, nachkommen zu können. UebrigenS war auch der Körnerertrag der letzten Ernte hinsichtlich der Quantität sehr mäßig. Das tritt jetzt am klarsten zu Tage, wo Landleule, die sonst Brotfrucht bis zur neuen Ernte hatten, jetzt schon die Brotfrucht kaufen müflen. DaS Weizenmehl ist inzwischen ebenfalls aufgeschlagen, der Gentner um 1 Mark.
DemWt»«
♦ Frankfurt a M. 4. Februar. Die Frau deS Wir- thes Duzzi, Blücherstraße 1, ist am Sonntag von einem traurigen Schicksal ereilt worden. Sie benützte zum schnellen Anfachen des Ofenfeuers Petroleum, das sie aus einer Flasche in den Ofen goß. Die Flasche explodirte, und
Heere diese wichtigste aller rückwärtigen Verbindungen verlegt werden.
Am 18. Januar, Nachmittags 5 Uhr, brach die Freischaar auf. In eifigkalter Wtnteruacht, durch knietiefen Schnee, auf schlechten Straßen, zum Theil ganz ohne Weg und Steg und durch dichten Bergwald wurden auf anstrengenden Nachtmärschen gegen 70 Kilometer zurückgelegt. Mau marschirte so hintereinander, daß möglichst wenig Fußspuren im Schnee entstanden, die dann noch durch nachfolgende Leute mittelst Harken verwischt wurden. Am 21., Morgens 5 Uhr, erreichte die Schaar eine Ferme, 25 Kilometer von Fontenoy, hielt sich dort bis Nachmittags 2 Uhr versteckt und nahm dann querfeldein die Richtung nach Fontenoy, nachdem Kund- schafter die Nachricht gebracht, daß die Sprengung des 10 Kilometer hinter Toul gelegenen Tunnels wegen der daselbst befindlichen starken Besatzung aussichtslos sei. Da Wagen der Abtheiluug nicht folgen konnten, wurde das mit» geführte Sprengpulver auf vier Pferde verladen. Um Mitternacht bewirkte die kühne Schaar in einem nur.40 Mann faflenden Fährboot bei starkem Eisgang den Uebergang über die Mosel und erreichte Morgens 5 Uhr Fontenoy. Der Posten und die Wache am Bahnhof, welche dte Ankommende« für Kirchgänger gehatten hatten, wurden überfallen. Einem Theil gelang es, zu entfliehen und die von Toul und Nancy heranbrausenden Eisenbahnzüge noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen und sicherem Verderben zu entreißen. Dreiviertel Stunden nach dem Ueberfall gelang die Sprengung der Brücke. Sodann überschritt die Freischaar 7 Kilometer unterhalb Fontenoy die Mosel mittelst loSgehaueuer Eisschollen und erreichte nach beschwerlichem Rückmärsche unangefochten ihr Waldlager.
(Fortsetzung folgt.)
Theil.
Gießen, den 3. Februar 1896.
Betr.: Die Ausführung des Krankenversicherungsgesetzes.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grosth. Bürgermeistereien der Land
en ru Ia. Same- gemeinden des Kreises.
kurq, Friseur Grr. Diejenigen von Ihnen, welche mit der Erledigung unserer i.JUuiniann Koigt, Auflage vom 7. Januar 1896 (Amtsblatt ohne Nummer) Salomon L Co, «i im Rückstände sind, werden hteran mit Frist von drei " 1.25 Ut, Sw tage» erinnert.
M v. Gagern.
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gewählt, die in solchen Fällen an die Stelle von ursprünglich
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der ganze Bau, sondern nur eine Gruppe
Den einen Pfeiler hatten die Franzosen von Grund aus
ssl-reugt- er lag mit den angrenzenden Bogen in Trümmern.
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. giblitbe* waren, eine flache Kette, und dieser leichtgeschürzten £ Hrigebrücke in schwindelnder Höhe bedienten sich waghalsige Wmiere, nm auf einem Bahnmeisterwagen den Telegraphen-
Dafe Leib.
Der Vorstand.
Gießen, den 4. Februar 1896. 8etr.: Die Regulirung der Gewerbesteuer.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an dir Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Rach Art. 27 deS Gesetzes vom 8. Juli 1884, die -gleichmäßige Besteuerung der Gewerbe betreffend, geschieht die Regulirung der Gewerbsteuer durch eine Commission, reiche auS dem Steuercommtssär als Vorsitzenden und drei tzo« der Stadtverordnetenversammlung, beziehungsweise dem stemeiuderath einer jeden Gemeinde auf drei Jahre gewählten Mitgliedern besteht.
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aalbau.
en Zutritt.
£ct Vorstand.
KnOlw, Marktplatz 22.____
Bekanntmachung, betreffend Gesuch der „Germania", Ersten Fahrrad-Ver- fichrrungSgesellschaft in Berlin, um Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum Hessen.
Das Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz Hai der Ersten Fahrrad-BerficherungSgesellschaft Germania in Berlin dte Erlaubniß zum Geschästsbetrieb im Großherzogthum Heß en ertheilt.
Gießen, den 4. Februar 1896. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Die Wiederherstellung des hochragenden Baues war nicht che Gefahr, denn auch die stehen gebliebenen Bogen zeigten * und mußten entlastet werden. Den gesprengten Stein- Mer in der ganzen Höhe durch einen Holzpfeiler zu ersetzen, styttM z» gewagt, und man entschloß sich, den unteren Theil deS strengen Frostes zu mauern. Nur wenn der mit hust« Waffer bereitete Cementmörlel den Maurern unter
reo, a lu «S nicht gefehlt. Im Süden von Epinal, in der Nähe
»1 wn Lertignh überschreitet die nach Vesoul führende Bahn 37 Meter tiefes Thal. Ein 142 Meter langer Vtaduct [jen | ßhle den Schienenweg. Aus neun Bogen bestand da»
.kf) fiiiSSIfi- a ßilze Bauwerk, durch kräftige Gruppenpfeiler in drei Ab- x.. n hnitte zerlegt, damit beim Sprengen eines der schlanken
*♦♦♦♦♦♦} vrr Krieg hinter der Front 1870|71.
18, 1AVW». i (2. Fortsetzung.)
Auch an kühnen Bauwerken, die Bewunderung erregten,
Für den Fall, daß gewählte Mitglieder mit Tod abgehen itgli.der sind bei Wieder »icht mehr die Bedingungen der Wählbarkeit besitzen, jp tfmpfara W ntbnvt -iber sonst dauernd außer Staude find, ihr Mandat zu er- — ' stlleu, werden in jeder Gemeinde weiter zwei Ersatzmänner
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* I. Liber der 25 Meter weiten Oeffnung bildeten die Etsenbahn- IftWr ' f^enen, die mit den Schwellen im vollen Zusammenhang
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«. stewählten zu treten haben.
proste ßu Mitgliedern der Commission und zu Ersatzmännern
ö 136X1. Sinne» nur solche gewählt werden, welche zur Zett der Wahl hoher Rabatt bolle 30 Jahre alt find und welche die passive Wahlfähigkeit
Mi hinüberzubringen. Bergab ging eS flott, allerdings in 1881 biberiklichen Schwingungen, der aufsteigeude Zweig der Kette !D[^# ]E8j cktr konnte nur mit großer Anstrengung überwunden werden, jij! t-ckr» sich die Pioniere auf dem Wagen festbanden, liegend dir Schienenköpfe erfaßten und sich langsam hinaufzogen.


