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Sonntag den 5. Juli
Zweites Blatt
Rr. 156
(Siebener Anzeiger
Generak-Wnzeiger.
Amts- «nd Anzeigeblatt für den 'Kreis (Rieften.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchutstraße Ar.7.
Fernsprecher 51.
Die Gießener M«milien5tLlt«r werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
vierteljähriger k Aöoune«entr»r«i»> 2 Mar! 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mar! 50 Psg.
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Alle AnnonceN'Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
AnrtUcher Theil.
Bekanntmachung.
ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreis-Ausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält.
, Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unterbrochen.
Gießen, den 3. Juli 1896.
Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 12 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Provinzialausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält.
Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen.
Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen find dieselben ohne Einfluß.
Gießen, den 3. Juli 1896.
Der Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen.
v. Gagern, Provinzial-Director.
Gießen, den 3. Juli 1896.
Betr.: Den Termin für die Einsendung der Kirchenrech- nungen pro 1895/96.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
an die evang. Kircheuvorstäude des Kreises.
Der späteste Termin für die Ablieferung der Kirchenrechnung an Sie ist auf Ende August festgesetzt.
Da dieser Termin vielfach seitens der Rechner nicht eingehalten worden ist, beauftragen wir Sie, dieselben ent« sprechend zu bedeuten und und die erfolgte Abgabe bis zum 1. September I. I. anzuzeigen, eventl. zu berichten, daß der Ablieferungstermin vom Kirchenrechner nicht eingehalten
Feuilleton.
Wochendriefe aus drr Residenz.
(Origtnalbertcht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 3. Juli.
Som Odeuwaldclub. — Die Technische Hochschule. — Sportfest. Sommekverguüguugeu.
Wir konnten neulich von einem überaus gelungenen Feste des AlpenveremS berichten und heute lassen wir die Kunde von einer ähnlichen Veranstaltung deS Ooenwald- clubS, und zwar aller Sectionen desselben, folgen. Am letzten Sonntag unternahm nämlich der Geiammtclub den alljährlich stattfiadenden Autflug, der diesmal nach Neckargemünd führte. Allein über hundert Thetlnehmer aus der Residenz nahmen außer den zahlreichen Clubgenoffen aus anderen Sectionen Tbeil. In Neckargemünd hatten Vorstände und Einwohner für festlichen Schmuck des malerischen alten Städtchens gesorgt, sogar die Triumphpforte mit fröhlichem Willkomm fehlte nicht. Zunächst führte der Weg über dte Burg Re chrnstein nach den Drei-Kaiser Linden, wo Frühstücks« rast gehalten wurde. Ein wundervoller Biick zeigt dem Besucher hier die entzückenden Schönheiten deS NeckarthaleS tu ihrer reichsten Pracht. Einen touristischen Wlllkommgruß der Stadt Neckargemünd sprach hier Herr Mühlenbesitzer Werner aus und brachte dem Club ein kräftiges Hoch. Dann sprach noch zur Bewillkommnung Herr Dr. Wehrle aus Neckargemünd. Der sogen. Römerschanze stattete man dann noch einen Besuch ab und von da gtngS wieder in die Stadt hinunter. Hier wurde im Garten des Gasthoss „Zur Pfalz" ein fröhliches Mahl gehalten. Nach dem Toast auf Kaiser und Großherzog besprach in längerer Rede der Vorsitzende der Section Darmstadt, Herr Stadtverordneter Karl Müller, die Geschichte des Clubs und schloß mit einem Hoch auf Neckargemünd. Herr Director Bernhard feierte die Damen und der Abwechselung halber gedachte ein anderes Clubmitglied der „lieben Männer". Ein Vertreter der Section Michelstadt lud herzlich für daS nächste Jahr in sein Heimathstädtchen ein, das dann Ziel deS Gesammt-
wurde. Die Rechnungen müffen Ihrerseits bis spätestens Ende September an Großh. Oberrechnungskammer, Juftificatur II. Abteilung eingereicht werden.
Mit der Anzeige an uns ist gleichzeitig der Nachweis über den an den evang. CentralktrchensondS abzulicfernden Ueberschuß des Einkommens der Pfarrstelle einzusenden.
Der aufzustellende Nachweis des Ueberschuffes muß genau der Vorschrift des Amtsblattes Großh. Ober ConfistoriumS Nr. 14 vom 17. Juni 1884 entsprechen.
Mir machen endlich noch besonders darauf aufmerksam, daß die Filialgemeinden, welche ihre Gehaltstheile an den Ktrchenfonds der Pfarrgemeinde abzuliefern haben, von Auf« stellung und Vorlage des obenerwähnten Nachweises entbunden sind. ti. Gagern.________
Distriets-Einnehmerei Gießen I.
Das Geschäftslocal befindet sich von Donnerstag den 2. Juli d. I. ab Alieestratze 18, parterre.
Wol! schmtdt, Finanzaspirant.
Bekanntmachung.
Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Staufenberg, hier den allgemeinen Meliorationsplan vom 2. und 3. Feld.
In der Zeit vom 3. Juli d. I. bis einschließlich 17. Juli d. I. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Staufenberg zur Einsicht der Betheiligten offen: 1. der allgemeine Meliorationsplan,
2. Erläuterungsbericht und Prüfungsprotocoll zu demselben, 3. das Protocollbuch, enthaltend das Protocoll über die Prüfung der beantragten Abänderungen des allgemeinen Meliorationsplanes vom 2. und 3. Felde.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen gegen die Abänderungen des allgemeinen Meliorationsplanes vom 2. und 3. Felde, welche schriftlich einzureichen sind, findet statt Samstag, 18. Juli 1896, Borm. 9'/- bis ioy2 Uhr, auf dem Gemeindehaus zu Staufenberg, wozu ich die Jn- tereffenten unter dem Hinweise einlade, daß die Nicht« erscheinenden mit Einwendungen ausgeschloffen sind.
Friedberg, den 1. Juli 1896.
Der Bereinigungs-Commiffär:
I. V.: Muhl, Großh. Regierungsaffeffor. 6067
n Friedberg, 3. Juli. Etwa zwanzig frühere Schüler der htefigen Ackerbauschule werden mit ihren Lehrern nächsten Dienstag einen Ausflug nachRhe in Hessen unternehmen. Dieser erfolgt ouf Einladung der Thomaswerke und hat die Besichtigung beß Schniftenberger HofeS bei Alzey, der durch die auf ihm vorgenommenen Düngungsversuche bekannt geworden ist, zum Zweck. Für den zweiten AusflugStag ist ein Abstecher nach Biebrich zum Besuch der dortigen Dünger- fabrik geplant. Die Betheiligten haben nur für die Transportkosten und etwaige Trinkgelder aufzukommen. Mehr als zwanzig frühere Schüler können nicht theilnehmen.
n Stammheim, 3. Juli. Dte ersten Frühkartoffeln find hier geerntet und zum Preis von 6 Mk. für den Centner verkauft worden. Die Knollen waren sehr schön und von vorzüglichem Geschmack. Der Ertrag war reich. — Die in hiesiger Gegend vielfach gezogenen Steckzwiebeln werden eben geerntet. Man erhält für den Centner 6 Mk. Auch sie find recht gut gerathen.
Michelstadt, 30. Juni. Das von verschiedenen Mit« gliedern des Geflügelzuchtvereins Michelstadt und Umgegend am letzten Sonntag veranstaltete Preiswettfliegen von Brieftauben nahm bei günstiger Witterung einen sehr guten Verlauf. Das Flugresultat war ein durchaus günstiges, indem die sämmtltchen 40 Stück um 8 Uhr 25 Mtn. Vormittags in Gießen aufgelassenen Tauben fast gleichzeitig gegen 10 Uhr den beimathlichen Schlag wieder erreicht hatten. Die ersten 6 Tauben wurden vorgezeigt um 9 Uhr 56 Minuten, 9 Uhr 59 Minuten und wurde somit die circa 130 Kilometer betragende Strecke Gießen—Michelstadt in 1 Stunde 20 Minuten durchflogen. Von den ausgesetzten 6 Preisen erhielten den 1. und 6. Preis Chr. Hieronymus, den 2. Preis Fr. Kaffenberger, den 3. und 4. Preis G. Hoffarth, den 5. Preis Karl Künzel. Ein demnächst von Metz ab stattfindender Wettflug dürfte, nachdem die Tauben nun einmal trainirt find, noch beffere Flug-Resultate ergeben.
Kunst-Ausstellnngl gelffnet täglich, mit Stal« nähme ceS Samstags, von 11 btt 1 Uhr, am Mittwoch «ach noch von 3 bis 5 Uhr. eemttat» Xi
ttttntiietXXXtt 11 Mi 1 Utz». — Eintrittspreis ft* Nichtmttgl.eder an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 2» M«
ausflugs fein werde. Nach dem Mahle ging es noch nach | der neuerbauten Blockhütte „Zur schönen Aussicht", wo, damit sich zu den vielen Reden immer noch eine geselle, der Vorsitzende des VerschönerungSverems von Neckargemünd zum Willkomm sprach. Abends führten dann die letzten Züge die Festgenoffen nach der Heimath, Alle in der freudigen Stimmung, die eine fröhlich verlaufene Feier zurückzulaffen pflegt.
Von der Technischen Hochschule gibtS auch etwas Neues zu melden. Zum ersten Male seit ihrem Bestehen hat das Rectorat ein alphabetisches Verzeichniß der Stu« direnden veröffentlicht, das als akademisches Adreßbuch gute Dienste leistet. Das Lehrercollegium besteht nach dem am 1. Juni abgeschlossenen Heftchen auS 26 ordentlichen Professoren, 6 außerordentlichen, 22 Privatdocenten rc., 16 Assistenten und 6 zur Assistenz herangezogenen Herren. Die Zahl der Hörer beträgt 947 (im Wintersemester 1895/96 884). Diese vertheilen sich auf einzelne Länder in folgender Weise: Hessen 298, andere deutsche Staaten: Anhalt 2, Baden 17, Boyern 44, Braunschweig 3, Bremen 6, Elsaß Lothringen 9, Hamburg 22, Lippe-Detmold 1, Mecklenburg-Schwerin 6, Oldenburg 3, Preußen 368, Reuß ä. L. 1, Sachsen 30, Sachsen Coburg-Gotha 7, Schwarzburg-SonderShausen 3, Waldeck 2, Württemberg 7, zusammen 536. Uebrige europäische Staaten: Belgien 1, Bulgarien 4, England 3, Frankreich 4, Griechenland 1, Italien 2, Niederlande 6, Norwegen 2, Oesterre ch-Ungarn 15, Rumänien 5, Rußland 51, Schweden 2, Schweiz 10, zusammen 106.
Außereuropäische Staaten: Asien 2, Nordamerika 2, Südamerika 2, Madagaskar 1, zusammen 7, inSgesammt 947. Davon studiren 87 Architectar, Jngenieurwesen 114, Maschinenbau 272, Electrotechnik 331, die übrigen vertheilen sich auf Chemie, Naturwissenschaft, Pharmazie u. s. w. Die angeführten Zahlen sprechen deutlicher als langathmige Auseinandersetzungen über die mächtige Entwickelung der Hochschule, die vor noch nicht 3 Jahrzehnten mit der Aufhebung bedroht war und heute die dritte technische Hochschule Deutsch. landS ist und nicht zum Mindesten zum raschen Vorwärts, schreiten Darmstadts beiträgt. Auch die Zahl der farbentragenden Verbindungen ist neuerdings wieder um eine
Burschenschaft bereichert worden. Ein ganz besonders be« merkenSwerthes Ereigniß erfreulicher Art ist nun der Hochschule am vergangenen Mittwoch widerfahren. Der Frankfurter Bezirksverein deutscher Ingenieure hatte nämlich vor kurzer Zeit beschloffen, das durch Sammlungen in den Kreisen der Industrie und der Technik aufgebrachte Stiftungscapital von 52265,73 Mk. nebst der StiftungSurknnde dem Rectorat der Darmstädter technischen Hochschule zu Stipeudlenzwecken zu übergeben. Diese Feierlichkeit fand nun am Mittwoch in der großen Aula statt. Zu derselben hatten sich die Vertreter der Regierungsbehörden, das gelammte Docenten- coIIegium der Hochschule und die akademische Bürgerschaft, die letztere in vollem studentischen WichS, eingefunbeu und in würdigster feierlichster Weise verlief der ganze Act unter den verschiedenen Ansprachen deS Vorsitzenden, des stiftenden Vereins, des Vertreters der Hochschule usw. An die Feierlichkeit schloß sich noch eine Besichtigung deS Neubaues, insbesondere der chemischen Institute, die nun unter Benützung der neuesten Erfahrungen auf diesem Gebiete völlig hergestellt sind.
Dem jüngsten Berichte über das große 17. Gauverbandsfest beß mittelrheinischen FechtclubS, baß am Samstag seinen Anfang nehmen wird, fei heute noch hinzugefügt, daß die Anmeldungen von auswärts in großer Zahl eintreffen. Auch stehen bereits eine hübsche Anzahl von Ehrenpreisen zur Verfügung des PreiSrichter- collegiumS. Das ganze Fest soll im Saalbau stattfinden, deffen Räume so lange der heiteren Operettenmuse, die das Sommertheater Pflegt, verschlossen bleiben werden. Dem letzteren Institute waren nun doch auch günstige äußere Erfolge beschieden. Vor Allem hat die reizende Operette „Mamsell Mirouche" große Anziehungskraft außgeübt, und in dieser Woche lockte eine fremde Truppe, die auf einer eigens unternommenen Tournee das französische Vaudeville „Die kleinen Lämmer" aufführte, daß Publikum gleichfalls in großer Zahl herbei. Außerdem verspricht sich die Direc- tion von den in Gemeinschaft mit der Capelle Hilge zu unternehmenden „Svmmerfeften" einen großen Erfolg.


