Ausgabe 
5.3.1896 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 5. März

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Zweites Blatt.

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Amts» und Anzeigrblatt für den Ureis Gieren.

Gratiskeitage: Gießener Aamitienötätter

dem

ent-

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den fcfgmben Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

vor Alle

Alle Annoncm-Bureaux de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Sie

Ihr

flüsternd.

der furchtbare Bann, unter sprechen. Zwei Worte nur:

Zu Nr. 2 erläutern wir, daß Sie in der Regel, insofern lein besonderer Anstand vorliegt, jedem der betreffenden Mesenbesitzer speciell eröffnen wollen, welche Mängel der Wicsenvorstand vorgefunden hat und daß diese Mängel binnen der vom Wiesenvorstand zu bestimmenden Frist so gewiß zu beseitigen wären, als sonst die nöthigen Herstellungen auf Soften der Säumigen angeordnet würden. cn*'t Ablauf der gesetzten Frist wollen Sie nach Anhörung des

drei blickten mich entsetzt an.

Ich eile zum Arzte," sagte die Diakonisfiu und

treffenden Gemeinden, welche diesen Weg eingeschlagen haben, werden taugliche Personen bestellt, welche auf Stoften der Gemeinde und unter Aufsicht des OrtSvorstandeS die Säube­rung der Bäume vornehmen, wodurch eine bedeutend größere Garantie für eine gründliche Reinigung geboten wird. Wir können Ihnen dieses Verfahren nur empfehlen.

Ihrem Berichte, daß in Gemäßheit vorstehender Ver- ügung die Vertilgung der Raupennester erfolgt ist, sehen wir bis zum 15. April d. I. entgegen.

v. Gagern.

Menschen Herz senkt.

Und nach einigen Wochen stand in demselben Zimmer ein genesender Mann, hielt ein junges Mädchen umschlungen und sprach:

Du hast mich vom Tode zum Leben auferweckt, Anna! Und Dir sollte nun nicht dieses arme Leben gehören?!"

Sie entgegnete nichts, sondern legte stumm ihr Haupt an meiue Schulter. ,

Ihr Bruder aber, der stille drüben in der Ecke faß, nickte uns zu, ernst und doch freundlich.

Ich hörte ihr Schluchzen. Er lebt !" wiederholte sie Und da da löste sich

vierteljähriger > ASaunemeutspretH» 2 Mart 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Rtbaction, Expedition und Druckerei:

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Verwachte»

-e- Kinzenbach. 1. März. Das hiesige landwirthschaft- liche Casino hielt heute Abend seine zweite diesjährige Ver­sammlung bei Herrn Wirth Pensch ab. Nachdem der Vor­sitzende, Herr Lehrer Eberhard, verschiedene VereinS- angelegenheiten besprochen, hielt Herr Lehrer Schlierbach einen Vortrag überVolksschule und Landwirth­schaft". ES würde unS zu wett führen, wenn wir auS diesem interessanten Vortrage alle Punkte hier anführen wollten. Der Vortragende ermahnte ganz besonders die Mitglieder, daß sie ihre Söhne doch auf die landwirthschaftliche Wtuter- fchule zu Wetzlar zur weiteren praktischen Ausbildung schicken sollten. Es sei unS durch die Bahn die günstige Gelegen- hett geboten, daß unsere Söhne diese Anstalt mit geringen Kosten besuchen könnten. Unsere Volksschule könnte doch nur die Elemente lehren, die Weiterbildung gehört eben der Fortbildungsschule und landwirthschaftkichen Winterschule an. Herr Lehrer Eberhard laS sodann einen Aufsatz über Wiesen- pflege und Bewäfferung derselben vor. Sodann wurden Bestellungen auf Chiltsalpeter angenommen- die Mitglieder wollen nunmehr mit diesem Dünger, welcher sich zur Kopf­düngung des Getreides im Frühjahr ganz besonders eignet, den ersten Versuch machen.

* einthenrer" Todter ist der im Sommer Hingerichtete Mörder Richter für die Universitäts-Anatomie in Rostock geworden. Der Leiter der Anatomie, Professor v. Brunn, beauftragte den JnstitutSdieuer, den Leichnam stets unter Spiritus zu halten, da er ihn wahrscheinlich für besondere wissenschaftliche Untersuchungen ausersehen hatte. Nun starb aber der Professor im December, der Diener jedoch führte nach wie vor den Auftrag mit großer Gewissenhaftigkeit auS und so kam bei Ablegung der JahreSrechnung die über­raschende Thatsache zu Tage, daß der Mörder nach seinem Tode fünfhundert Liter Spiritus für zweihundertsünfund- siebzig Markconsumirt" hatte.

Da schrak ich zusammen.

Laß mich, Richard, Härte ich entgegnen,der Tod löscht alle- Vergangene aus!"

Edles Mädchen!" flüsterte R'chard leise.

Ein leichter Schritt näherte sich meinem Sterbelager und im nächsten Augenblick rauschte ein Regen von rothen Rosen und Immortellen auf mich nieder. DaS Tuch auf meinem Gesicht wurde von einer zarten Mädchenhand fort- gezogen, ein paar Lippen und ein paar feuchte Augen näherten sich und dann fühlte ich einen heißen, glühenden Kuß auf

meiner kalten Stirn.

Schlaf wohl, Du noch immer Geliebter!"

Und la war es mir, als ginge von jenen rothen Lippen ein warmer Lebensstrom auS, der durch alle meine Adern dränge, und als ströme aus jenen Augen, deren seltsamer Zauber mich einst berauscht hatte, ein Feuerstrom, der die erloschenen Flammen meines LebenS aufs Neue anfachte.

Ich mußte sie sehen, die mir dieses that, ich mußte

Ich weiß nicht, was geschah, ich hörte nur Anna den Ruf deS Entsetzens auSstoßen!

Richard! Sieh her, er lebt?"

Ich muß wohl die Augen aufgeschlageu haben, denn mir sah ich Anna, Richard und die Diakonissin stehen.

Gießen, den 3. März 1896. Betr.: Die Vertilgung der Raupennester.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien bezw. Local­polizeibeamten des Kreises.

Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden unter Hin­weis auf § 368 pos. 2 des Reichsstrafgesetzbuchs, Art. 80 deS Feldstrafgesetzes zur Vertilgung der Raupennester an Bäumen, Sträuchern und Hecken unter dem Bemerken öffent- lich aufzusordern, daß gegen Diejenigen, welche dieser Auf- forderung nicht längstens bis zum 1. April l. I. entsprochen haben werden, auf Grund der genannten Gesetzesstellen An­zeige erhoben, sowie daß die Vertilgung auf Kosten der Säumigen angeordnet werden würde.

Wir erwarten, daß Sie die Feldschützen bei Erfüllung ihrer Obliegenheiten in dieser Beziehung überwachen und die bezüglich der säumigen Baumbesitzer anzuordnende Reinigung alsbald nach Ablauf des Termins anordnen, so daß die Säuberung bis zum 15. April überall vollständig ausgeführt ist. Außerdem ist gegen die Säumigen Anzeige zur Feldrüge nach § 368 pos. 2 deS Strafgesetzbuchs zu erheben.

Auf den der Gemeinde gehörigen Grundstücken wollen Sie die Säuberung von den Raupennestern auf Gemeinde-

ich gestanden. Ich konnte

Er lebt für Dich!" so flüsterte ich.

Da aber war um ihre Selbstbeherrschung geschehen, neigte sich über mich und küßte mir Mund und Stirn. Bruder aber ließ sie gewähren und wehrte ihr nicht.

Bon draußen her klangen die Glocken: sie läuteten den Sonntag ein. Ernst und feierlich klangen sie, aber nur Friede und Freude schien mir auS ihren Tönen zu sprechen.

Die da tobt waren, siehe, sie sollen leben!"

Diese uralte Verheißung hörte ich auS ihrem metallenen Munde. In unserem Zimmer aber herrschte Stille- doch nicht jene bange, fürchterliche Stille des Todes, sondern jene erhabene Stille, welche der wiedergewonnene Friede in der

Feuilleton.

Dir Geschichte eines Todten.

Novellette von Max Montani.

(Schluß.)

ES schlug Mitternacht.

Die Diakonissin kam noch einmal zurück, sah mir einen Augenblick in das Gesicht, löschte die Lichter aus und ging bann wieder. Ich hörte, wie sie die Thür von draußen ab schloß, danach aber warS stille, todtenstille im Zimmer. Draußen fiel der Schnee, leise und unhörbar, und webte daS Leichentuch, mit dem demnächst mein frühes Grab bedeckt werden sollte. .

Qu Ewigkeiten wurden mir die Stunden. In jebtm waenbltcke glaubte ich, baß die Posaune erschallen müsse, die mich vor den Richterstuhl des Weltenrichters forderte. Aber sie ertönte nicht - vielleicht sollte mein Urtheil, als daS über ttnen großen Sünder, zuletzt gesprochen werden.

Schon kam der Morgen auch die Todten haben Tag DBb Rächt und die Sonne ging auf. Mir schoß ein Lied durch den Kopf, welches ich einst gelesen hatte:

Stcll aus den Tisch die duftenden Reseden, Die letzten rothen Astern trag herbei Und laß uns wieder von der Liebe reden, Wie einst im Mat.

Gieb mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke.

Und wenn man« steht mir ist eS einerlei, Gted mir nur einen Deiner süßen Blicke, Wie einst Im Mat

ES blüht und duftet heut auf jedem Grabe, Ein Tag tm Jahre ist den Todten frei, Komm an mein Herz, daß ich Dich wieder habe, Wie einst im Mai.

Da hörte ich, wie sich leise die Thüre öffnete und gleich darauf eine Männerstimme sagte: »Er war Deiner nicht merth, Anna'. Wozu die Bemühungen!"

Der

Hießen er Auzeiser erscheint täglich,

Vit Ausnahme be» Montag-.

Die Gießener ».«ilienblLlter werden dem Anzeiger »öchmtlich dreimal beigelegt»

Ich Härte alles, was gesprochen wurde, ich sah auch, daß Anna noch immer an meinem Bette stand. Mit einiger An­strengung gelang es mir, ihre Hand zu fassen.

Ihr Auge ruhte aus mir, aber sie sprach kein Wort.

Auf meinem Bette lagen Rosen und Immortellen, die Anna vorhin hiugeftreut hatte. Eine Rose nahm ich und drückte sie Anna in die Hand. Sie wandte sich wortlos um. Ihr Bruder aber trat an sie heran, legte seinen Arm um ihren Nacken und sagte leise:

Weine nicht! Er lebt!"

fernte sich.

Anna kniete an meinem Bette, rieb mir die Schläfe mit Wein und flößte mir davon ein. Richard aber stand wortlos dabei und sah dem Beginnen seiner Schwester zu.

Nach Kurzem kam der Arzt. Er machte ein sehr er- stauuteS Gesicht, als er erfuhr, waS sich hier zugetragen.

Der Patient muß in einem todesähnlichen Starrkrampf gelegen haben," meinte er, indem er mich untersuchte. Dann gab er einige Verordnungen und sagte:

Ich glaube, daß alle Gefahr überstanden ist. Ruhe und gute Pflege find jetzt hier die Hauptsache!"

Gießener Anzeiger

Generat-Wnzeiger.

Wiesenvorstandes weitere Anttäge stellen. Jedenfalls sind I die von Ihnen getroffenen Anordnungen in den von Ihnen | einzusendenden Protokollen einstweilen zu erwähnen.

Das Protokoll über den Rundgang ist von allen Thetl- nehmern zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesen­vorstandes verhindert, am Rundgange Theil zu nehmen, so ist dieses am Schluffe des Protokolles zu bemerken.

Sollte der Wiesenvorstand, der außer dem Großherzog- lichen Bürgermeister oder Beigeordneten, mindestens noch aus zwei Ortseinwohnern, welche Wiesen besitzen oder solche zu benutzen oder zu verwalten haben, bestehen soll, nicht mehr vollständig sein, so wollen Sie den Gemeinderath wegen Er­gänzung des Wiesenvorstandes vernehmen und uns die Anttäge des Gemeinderathes in besonderer Verhandlung vorlegen.

U D- lagern. _______

Amtlicher Theil.

Gießen, den 3. März 1896.

Betr.: Den Wiesengang.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Nach Art. 7 der Wiesenpolizeiordnung ist in diesem Monat der Wiesengang von den Wiesenvorständen unter Zu­ziehung der Feldschützen und Wiesenwärter vorzunehmen.

Wir beauftragen Sie deshalb, dieselben hierzu baldigst «uszusordern und uns die über den Wiesengang aufzunehmen- rcn Protokolle bis längstens 15. April d. I. vorzulegen.

In diesen Protokollen haben die Wiesenvorstände, was Sie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich folgende Punkte aufzunehmen:

1) ob die Anordnungen, welche sie bei dem letzten Wiesen­gang getroffen haben, befolgt worden sind und welche nicht -

2) welche Anordnungen von den Wiesenvorständen zur Be­seitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang vorge­fundenen Mängel von ihnen getroffen worden sind oder vorgeschlagen werden- hierbei wird den Wiesenvorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk namentlich auch auf die Reinigung der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos rc., auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, des Erdauswurfs aus den Be- und Entwässerungsgräben, auf die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und auf die Unterhaltung der Be- und Entwässerungs­gräben zu richten und hierbei nach den bestehenden Bestimmungen zu verfahren -

3) Verbesserungsvorschläge in Bezug auf größere Wiesen­fluren, namentlich solche, zu deren Ausführung die Bil­dung von Wassergenossenschaften nach dem Gesetze vom 30. Juli 1887 über die Bäche und nicht ständig fließen­den Gemässer (Regierungs-Blatt S. 159) erforderlich ist.

kosten alsbald veranlassen.

Wenn hiernach auch jeder Baumbesitzer selbst zur Der- tilgung der Raupennester verpflichtet erscheint und dieselbe .. ------ , g-g-n ihn erzwungen werden kann, l° -mpfi-hlt <« stch doch

Nach fruchtlosem viel mehr, wie es in manchen Gemeinden üblich ist, daß die Gemeinde die Vertilgung in die Hand nimmt. In den be-