Ausgabe 
4.8.1896 Zweites Blatt
 
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Rr. 181 Zweites Blatt. Dienstag den 4» August

1S<>6

Der

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betreffend: Gchietzübuuge«.

Cs wird hiermit zur öffentlichen Keuutuiß gebracht, daß das 3. Bataillon des Infanterie» Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116

Mittwoch den 5. l. Mts., von Bormittags 8 bis 111/2 Uhr, ein Schießen mit scharfe» Patronen in dem Ge­lände westlich Wismar mit der Schußrichtung gegen den Wismarer Wald bezw. gegen Ober- Walgern und Kirchvers abhalten wird, weshalb das Gelände zwifcheu den Ortschaften Lauuspach, Wismar, Ruttershaufeu, Odenhaufen, Salzböden, Forsthaus WaldhauS, Krofdorf, Lauuspach in der vorbemerkten Zeit nicht betreten werden darf.

Das Bataillon wird durch Aufstelleu von Maunfchafteu das gefährdete Gelände abfperre« lassen.

Gießen, am 3. August 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. August. Der frühere Director der Reichs- drvckerei, Geheimer Ober - Regierungsratg Buffe, ist in Heringsdorf ernstlich erkrankt. Sein Leiden foü Zucker­krankheit fein.

Berlin, 1. August. Der Contre-Admiral Werner, der bekannte Marineschriftsteller, veröffentlicht in derDeutschen lötrtc* einen Artikel über den Untergang des Kanonen­bootesIltis", in welchem es u. A. heißt: ES dreht sich zunächst um die Frage, ob das Schiff einem wirklichen Taifun oder einem gewaltigen Sturm zum Opfer gefallen

Die Zeitungen berichten über starken Nebel. Wenn ein Taifun weht, so hat der Nebel da keinen Platz. Ein Taifun, tvte ich ihn selber in feiner ganzes Grausamkeit kennen lernte, besitzt eine so furchtbare Gewalt, daß auch daS größte und stärkste Kriegsschiff dabet zu Grunde gehen muß. Die Be- banptung, das Schiff sei seeuntüchtig gewesen, ist dummes Zeug. DerIltis" hatte eine alte Maschine uud konnte beßhalb nur nenn Kuoteu in der Stunde fahren. Modern und krieg-tüchtig war er nicht, aber für die chinesischen Ge- kaffer war er vollständig ausreichend. WaS hätte ihm denn hrt Taifun gegenüber eine größere Seetüchtigkeit nützen Idnnen? Er wäre doch, wie jedes andere Schiff, erfaßt und »äs dir Klippen geworfen worden. Der Hauptfehler bei uns ist der, daß wir unsere Schiffe zu sehr auSnützen müssen, teil wir zu wenig Sch'ffe haben. Wäre mehr Ersatz vor- hmden, so brauchte man fie nicht sechs, auch acht Jahre braußen zu lassen. Es ist sehr bedauerlich, daß der Retchs- tag gerade hier so überaus sparsam ist und sich nicht von der Nothwendigkeit weiterer SchtffSbanten überzeugen läßt. Auf He Rettung der elf Mann zu sprechen kommend, bedeutete kontre Admiral Werner, die Rettung derselben sei nur so zu denken, daß daS Schiff auf einen über Wasser befindlichen Kelsen getrieben worden sei nnd eS den wenigen Ueberlebenden gelang, daselbst einen sicheren Bergungsort zu erklimmen. Irgend ein Versehen in der Navigation erscheine völlig anS- jeschlossen. Unsere Seeleute seien so gediegen ausgebildet, je arbeiteten so absolnt sicher und todeSmuthig, daß gar kein Kweifel darüber herrschen könne:Sie haben alle ihre volle kchuldigkeit gethan."

Kassel, 1. August. Seine Majestät der Kaiser und tzhre Majestät die Kaiserin begaben sich heute Nachmittag Im offenen Wagen zur Stadt und fuhren unter Anderen bei Vm commandirenden General v. Wittich und bei dem Gene- lat v. Schweinitz vor. Ihre Majestäten wurden auf dem Kege von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt.

Wiesbaden, 1. August. Heute Vormittag 11 Uhr wurde tlirch den Regierungspräsidenten von Tepper-LaSki in Verhinderung des Oberpräfidenten Magdeburg die anläßlich ds Bundestages deutscher Gastwtrthe hier veranstaltete Fachausstellung für daS Hotel- und WirthschaftSweseu tot Beisein der Spitzen der Behörden eröffnet. Au die Er- Sffaung schloß sich ein Rundgang durch die von über 400 AuS- fL'Q ern, worunter ausländische Firmen, beschickte Aus­stellung an.

Hamburg, 1. August. Die beiden Fischerfahrzeuge .Expreß" uudRenner" sind mit Mann und MauS is hr Nordsee uutergegangen.

Loburg, 2. August. Der Commers zu Ehren deS 2 5. AbgeordueteutageS des deutschen Krieger­bundes ist glänzend verlaufen. Die Minister, die städtischen und Staatsbehörden, das OsfiziercorpS uud die Pensionäre aller Waffengattungen nahmen Theil. Sanitätsrath Küster- Berlin brachte das Hoch auf den Kaiser und den Herzog Alfred au6; Stengel Berlin toastete auf die deutsche Armee, Bürgermeister Htrschseld-Coburg begrüßte die Anwesenden und Dr. Schaffner-Gumperda brachte ein Hoch auf die Stadt Coburg aus.

Stuttgart, 1. August. Heute früh gegen 51/» Uhr find die Wiener Säuger, etwa 500, mittelst Extrazug hier eingetroffen und mit großem Jubel empfangen worden. Ein gleich herzlicher Empfang wurde den Berliner, Leipziger, Chemnitzer, Dresdener' und Hamburger Sängern zu Theil. Die Stadt wimmelt von Fremden.

Karlsruhe, 1. August. Geheimer Hofrath Dr. Christian Wiener, Professor an der hiesigen technischen Hochschule, ist gestern Abend im Alter von 70 Jahren gestorben.

AttsUrnd.

Zurich, 1. August. Die Ruhe ist wieder her­gestellt. Die Truppen werden in der nächsten Woche entlassen. Eine große Zahl Geflüchteter ist zurückgekehrt.

Zurich, 1. August. In Berichtigung übertriebener Meld­ungen über die Italiener-Krawalle wird u.A. Folgendes geschrieben: Am 30. Juli war daS Straßenleben sogar im beunruhigten Stadtkreise ein ganz normales. Am 29. sanden noch Volksansammlungen statt, die aber von der Cavallerie allein sehr leicht und ohne Widerstand in Ordnung gehalten wurden. Ausschreitungen fanden absolut keine mehr statt. In den andern Kreisen war gar nichts von den Unruhen des dritten Kreises zu sehen, nur die auf BilletS wartenden Italiener vor dem italienischen Consulote brachten etwas Unruhe in den ersten Kreis. Am 30. ließ sich der italienische Consul gegen seine eigenen Leute, die iudeß ganz de- und wehmüthig um Reisegelegenheit baten, mit Cavallerie vor Unannehmlichkeiten" schützen. DaS ist allerdings wahr, daß viele Italiener entlassen wurden, aber noch viel mehr find anS übertriebener Furcht fortgereist. Und sobald die Auf­regung vorbei ist, werden die entlassenen Italiener wieder beschäftigt. Auch davon ist keine Rede, daß der BundeSroth oder auch nur eins feiner sieben Mitglieder hier gewesen wäre. Von der italienischen Gesandtschaft ist nur der Le- gationSrath Major des PlaucheS hierher gekommen. Die Ursache des Krawalls liegt in den fortwährend sich wieder­holendenStechereieu" der Italiener, die fie selbst auf ge­ringfügige Verweise hin immer wieder in Scene setzen. So hat erst gestern ein Italiener das Messer gegen einen Bahn- beamten gezückt, als dieser ihn vom Geleise wegwies. Auch die vielen Sittlichkeitsverbrechen von Setten der Italiener, ferner ihre ganz im Großen betriebene Singvögel-Mörderei, denen Tausende und Abertausende unserer Sänger in Feld und Wald zum Opfer gefallen find, haben viel Erbitterung geschaffen, die nun schon seit Jahren endlich zum Ausbruch kommen mußte.

Paris, 1. August. Mcekönig Li-Hung-Tschang reist heute nach Havre ab. Nachmittags wird derselbe vom Prä- fidenten Faure empfangen werden. Abends wird zu Ehren Lt-Hung°TschangS noch ein großes Diner gegeben. Morgen schiffc sich derselbe nach England ein.

Paris, 1. August. Als der Urheberschaft verdächtig, den Dynamit-Anschlag in Marseille verübt zu haben, wurde ein eifriger Anarchist und Stiefsohn deS gleichfalls in der Rue Monteavx Nr. 3 wohnenden Brigadiers Art and verhaftet. DaS Attentat scheint gegen Arrand und deffen Frau gerichtet gewesen zu sein. /

Vermischter

-a- Kinzenbach, 31. Juli. Auch am hiesigen Orte wurde in der verflossenen Nacht gegen 12 Uhr ein frecher Ein­bruch verübt. Allem Anscheine nach hat der Dieb es auch hier nur auf Geld abgesehen gehabt. Vermittelst einer im Hofe Vorgefundenen langen Steigleiter hat derselbe durch ein offenes Fenster im zweiten Stock in da- HauS seinen Ein­gang genommen. Bon hier aus hat er den unteren Räumen deS Hauses einen Besuch abgestattet. Sämmtliche nicht ver­schlossene Schubladen standen offen und waren durchstöbert. Andere, worinnen er Geld vermuihete, hat er zu erbrechen versucht, ja au einer hat er an der Stirnwand ein Stück abgeklemmt, aber dadurch nicht vermocht, dieselbe zu öffnen. Wahrscheinlich hat sich der schlaue Patron zuvor vorsichtig die Hausthüre geöffnet, damit er bei etwaiger Ueberraschuug rasch die Flucht ergreifen könnte. Die Hausbewohner hatten

zwar etwas Geräusch gehört, allein doch nicht vermuthet, daß ihnen in so später Stunde noch ein Besuch abgeftattet würde- Als fie später dennoch aufgeftanden und ihr Schlafzimmer öffneten, fanden fie es Helle in ihrem Hause. Der Dieb wurde infolgedeffen in seinem Unternehmen gestört und er konnte noch rechtzeitig die Flucht ergreifen. Bei seinem Diebstahl hat er fich einer Stearinkerze bedient, überall auf dem Boden sieht man an dem herabgetröpfelten Talge, welche Orte im Hause er besucht hat. Ob man es hier mit dem­selben Gauner zu thun hat, welcher auch in den benachbarten Orten bisher sein Werk getrieben oder ob es eine andere vielleicht localkundige Person ist, läßt fich nicht nachweisen. Hoffentlich wird es doch einmal gelingen, einen solchen un­heimlichen Gast auf der That zu erwischen, damit man ihn für seine Handlungen belangen kann. Unsere Bürger würden fich auch schon mehr selber schützen können, wenn mehr Hunde gehalten werden könnten. Seit einigen Jahren hat man aber im Kreise Wetzlar die Hundesteuer auf 4 Mk. erhöht - infolgedeffen wurde den armen Hündletn der Krieg erklärt und die meisten mußten sterben.

* Neapel, 28. Juli. Der Prinz Mtnakolo, Groß- Prior des Malteser-Ordens, wurde von einem entlassenen Portier überfallen und durch 17 Schnittwunden, welche ihm derselbe mit einem Rastrmesser beibrachte, schwer verletzt. Der Attentäter wurde verhaftet.

* Wunsche» Sie köstliches Dessert, Saudtorteu, Festkucheu? Dies läßt sich am besten durchBrown & P0ls0nS Mondamin Herstellen. Dasselbe besitzt einen eigenen Wohlgeschmack uud sördert durch seine Entölung bedeutend die Verdaulichkeit der Speisen. Recepte zur Zubereitung befinden sich auf den M ond amin-Packeten, zu haben ä 60, 30 u. 15 Pfg. in besseren Colonial-, Delicateß- u. Drog.-Geschäften. Für die gute Qualität bürgt am besten daS 52jährige Bestehen dieser weltbekannten, schottischen Firma. EngroS bei Türk u. Pabst, Frankfurt a. M. 1707

Unterhaltungen in Bad-Nauheiw

vom 4. August bis 9. August.

Die Kurcapelle spielt täglich Morgens von 7 bis 8 Uhr an dem Kurbrunnen, Nachmittags und Abends stehe unten, bei weniger als 10° R. Wärme hn großen Speisesaale des Kurhauses.

Dienstag den 4. August, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle aus der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Zaubervorstellung der achtjährigen Zauberin Melanie Leichtmann. Mittwoch den 5. August, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung. Der ehrliche Name. Donnerstag ben 6. August, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Tanz. Freitag den 7. August, Nachmittag- von 4 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theater­vorstellung unter Mitwirkung der Kurcapelle. Der Dogeihändler. Samstag den 8. August, Nachmtttags von 4 bttz 8'/, Uhr aus der Terrasse: Concert der Capelle des 2. Nassauischen Jnf.-Regts. Nr. 88 aus Mainz. Nachmittags 4 Uhr im Saale: Theatervorstellung für Kinder und Erwachsene. Die drei Haulemännerchen. Von 8V3 bis 10 Uhr spielt die Capelle Tänze und kann auf dem nordwestlichen Theile der Terrasse getanzt werden. Sonntag den 9. August, Nach­mittags auf der Terrafie: Concert der Kurcapelle zum Besten der­selben. Vorträge auf dem Saxophon: Herr Professor I. Cönen aus Holland.

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Dienstag den 4. August: Martha. Mittwoch ben 5. August: Tannhäuser. Donnerstag ben 6. August: Fidelio. Freitag ben 7. August: Obersteiger. Samstag ben 8. August: RegimentS- tochter. Puppenfee. Sonntag ben 9. August: Prophet. Montag ben 10. August: Hänsel und Gretel.

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Mittwoch den 5. August: Wiedereröffnung der Schauspiel- Saison. Die Fourchambault. Donnerstag den 6. August: Hotel zum Freihafen. Freitag den7.August: Gesandschafts- Attachoe. Samstag den 8. August: Maria Stuart. Sonntag den 9. August: Glück im Winkel. Montag den 10. August: Heimath.

Das Aentzere täuscht idetübt? den inneren Werth, wie man dies z. B. bei ausländischen Parfümerien, Schön­heitsmitteln, Seifen rc. zu beobachten so oft Gelegenheit hat. Bei diesen kostet der Aufputz der Umhüllung mehr, als bas in demselben enthaltene Product. Ganz das Gegentheil trifft nun bei der von über zweitausend deutschen Professoren und Aerzten so sehr empfohlenen Patent-Myrrholin-Seife zu. Dieselbe ist ganz einfach verpackt hat fich aber durch ihre hervorragenden Eigenschaften für die Gesund- Heils- und Schönheitspflege der Haut den Ruf einer unübertroffenen medicinischen Toilettesetfe erworben und wird heute von Aerzten warm empfohlen. Die Patent-Myrrholin-Seife ist überall, auch in den Apotheken, das Stück zu 50 Pfg. erhältlich. Man überzeuge fich, daß dasselbe die Patent-Nummer 63,592 trägt und hüte fich vor Nachahmungen. 4534