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4.2.1896 Zweites Blatt
 
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Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, ent Ausnahme dcS MovtagS.

Die Gießener Is««itte»VtLl1er werden dem Anzeiger »Schmtlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt.________Dienstag den 4. Februar___________________

Meßmer Anzeiger

Senerat-Mnzeiger.

1896

vierteljähriger AVonnemevt5preiOr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

ZchutstraßeAr.7. Fernsprecher bl.

Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Greben.

«»nahm« von Anzeigen zu der Nachmittag- für de, (ferrtfÄD: ^nnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen

ßokgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2lmtiid?er Theil.

Gießen, 1. Februar 1896.

Betr.: Die Kranken-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung der Kreisstraßenwarte.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Wir erinnern Sie an die Erledigung unserer Verfügung vom 18. December v. Js. (Gießener Anzeiger Nr. 300 und Nr. 302) binnen acht Tagen.

v. Sager».

Gießen, den 31. Januar 1896.

Betr.: Die Strafregister - hier: die Nachweisungen der im 2. Halbjahr 1895 verstorbenen bestraften Personen.

Der Großherzogl. Erste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Öberheffen

an die Ortspolizeibehörden des Kreises Gießen.

Insoweit Sie noch mit der Einsendung der obenbezeich- neten Nachweisungen bezw. der Fehlanzeigen im Rückstände find, erinnere ich Sie hieran mit Frist von fünf Tagen.

Dr. Güngerich.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Februar. Der Kaiser hat eine Ordre itber die in diesem Jahre stattfindenden größeren Truppeu- Vtanöver erlassen. AuS der Ordre ist hervorzuheben, daß sich die diesjährigen Kaisermanöver zwischen dem 5. (Posen'scheu) und 6. (schlesischen) AimeecorpS einerseits, und dem durch die 8. Division verstärkten 12. (königl. sächsischen) Armeecorps adspielen werden, w e dieS allerdings schon bekannt war. Die beim 5. Armeecorps aufzustellende Cavallerie-Division »acht die Kaisermanöoer mit, ferner wird für die Zeit der letzteren die 4. Garde CavallerieBrigade der beim 12. Armee- cer>8 aufzustellendeu Cavallerte-Dtvision zugetheilt. Ferner ist eine kaiserliche Ordre über den Ktrchenbesuch 6er Soldaten an Soun- und Festtagen ergangen, wonach die Soldaten unter gewöhnlichen Verhältnissen am freiwilligen Ktrchenbesuch an den genannten Tagen nicht behindert »erden sollen.

Betlie, 1. Februar. In der heutigen Sitzung der virsencommission erhielt § 30 der Vorlage betreffend die LourS-Makler eine Abänderung. Der §31, welcher die Geschäftsführung der Makler regelt, wurde mit Ab« Änderungsanträgen des CentrumS und der Couservativeu angenommen.

Berlin, 1. Februar. Der Bundesrath hat heute )ie Zuckersteuer-Borlage mit einigen Abänderungen tezLgltch der Contingentirung angenommen.

Berlin, 1. Februar. Zu dem Austritt StöckerS iu8 der konservativen Partei wird noch gemeldet,

Linrilleton.

Kn|er harten im Februar.

Die ersten bläulichen WolkengebUde, wie man sie auf den Stimmungsbildern des VorstühlingS älterer Meister sieht, lagern vkder am Horizont des klaren wachsenden Tages.

Der alle unschlüssigeGehörnte" ist wieder ins Land und in He Gärten eingezogen: er steht schmunzelnd auf der Brücke, die vom freudlosen Winter, dem diesmal so charocterlosen Wicht, hinüber nach tat lächelnden Gefilden deS Vorlenzes führt.

Geht er mit sich zu Rath, dem Hirsche der Waldberge gleich, »b er sein winterliches Gehörn noch weiter tragen, abwerfen soll, im zu einer neuenHornung" zu schreiten?

Sollten daran unsere germanischen Altvordern gedacht haben, i(fl sie dem Februar, von deffen Sühnopferräucherei sie nichts mehr wissen wollten, seines Namens entkleideten?Vielleicht! vielleicht? vielleicht auch nicht!" faust es uns Antwort au6 den sich im rpauwtnd neigenden und beugenden knospenschweren Zweigen von Strauch und Baum.

Weißt Du es, mein sürwlhiger Frühltngstrabant, mein guter leider Hoinstrauch, oder Du, stolzer Schmuck der Wmterhecke, blut- ttttzrr Hornstrauch? Aber beide wtsien nichts:

Von Scherbel- und Ziegenhatnerdingen, Bon MÜdlradzähnen können wir fingen: Mutter Natur im Schaffenszorn Schenkte uns Holz, so hart wie Horn!"

Auch der Hornbaum, unsere echt deutsche Hainbuche, drüben im verschnittenen Laubgang, konnte in der Sache nur das Haupt

daß derselbe die Christlich-Socialen jetzt als getrennte Partei zu führen gedenkt, jedoch in der bisherigen Richtung.

Der Krieg von 1870[71, geschildert durch Ausschnitte aus ZettungS-Nummern jmer°Zett (Nachdruck verboten.)

4. Ftbrnar.

Die Zeiten sind leider? schon lange vorüber, in welchen Mama Rothschild die ängstlichen Diplomaten tröstete: Meine Herren, eS giebt keinen 'Krieg, mein Sohn giebt kein Geld her. Zum Frieden hatS der Pariser Rothschild Enkel hergegeben. Er zahlte dem Hauptquartier die 200 Millionen Francs Contribution für Paris. Halt! rief plötzlich der HauptkriegSkaste. Director, halt! den nehmen wir nicht, der ist ungilttg! Er weinte einen Preußisches! 25 - Thaler- Schein. Es war so, der Schein war falsch, aber Rothschild setzte den Kopf auf. Ich fahre zurück, sagte er, und nehme alles wieder mit! In seiner Verlegenheit wandte sich der Kaffendirector an Bismarck. Der lachte:Wegen 25 Thalern führen wir keinen Krieg", griff in die Tasche und langte einen echten Schein heraus. Den falschen aber bat er sich auS zum Einrahmen.

Ruppertenrod, 31. Januar. Aus dem Vor trage des Herrn Obstbaurechntkers Metz überPflege und Behandlung der Obstbäume" dürften folgende Punkte noch besonderes Interesse verdienen. Vielfach füllt man bei Pflanzung junger Obstbäume die Baumgrube mit lauter vor« zügltcher dungretcher Erde auf. DaS ist aber ebenso falsch, als wenn mau einem Säuglinge lauter Fleischbrühe statt der Mutter­milch reichen wollte. Die Baumgrube, darinnen der junge Obstbaum gepflanzt wird, soll mit gewöhnlicher Ackererde auSgefüllt sein, da diese der Entwickelung des jungen BaumeS am dienlichsten ist. Oft ist bezüglich deS Beschneidens der jungen Obstbäume gleich beim Anpflanzen die Meinung eine verschiedene. Man pflanzt nicht selten den jungen Baum ohne Beschneidung seiner Krone, weil man glaubt, er ent­wickle bann wehr Blätter, die wieder die Ernährung deS BaumeS unterstützen sollen. Diese Annahme ist eine irrige- der junge Baum vermag durch das Anwachsen seiner Wur- zeln und die Bildung neuer Triebe auS denselben nicht alle Blattknospen der Kronzweige zur Entwickelung zu bringen, die Blätter wachsen dann unvollkommen. Wird aber eine Beschneidung der Krone bei der Pflanzung vorgenommen, bann können sich aus bev wenigen, stehen gebliebenen Augen kräftige Triebe entwickeln, wie ja auch die Erfahrung be­stätigt. Darum soll der junge Obstbaum bet seinem Ver­pflanzen sofort regelrecht zugeschnttteu werden. Nicht selten begegnet man der Anficht, daß durch die Entfernung deS Mooses und der alten, abgestorbenen Rindentheile der Obst- bäum leichter den Frostschäden auSgesetzt sei, als mit den­selben. In Wirklichkeit verhält sich aber gerade um­gekehrt. Sitzt Moos auf der Baumrinde, fo saugt dieses gleich einem Schwamm die Feuchtigkeit auf. Diese gefriert bei niedriger Temperatur und der Baum erleidet Frostplatten. Ebenso bildet sich auch leichter Eis unter abgestorbenen Rindenrheilen, als bei glatter, junger Rinde. Darum reinige

schütteln.Hornung? o nicht doch! Viel zu jung der Name; keine Spur von Verwandtschaft!" Dann besann er sich etwas, seine zwei in ebrroilrbtgc Astlöcher gebettete Augen bikarnen Feuer und mit einem, den Alten nicht übel kleidmdrn Pathos schallte es über daß nahe Spinatbeet:

Hornhart! Sohn, feit dem Oligocän, dem grauen,

Galt mein Holz schon in der Vorwelt Gauen, Schmiegte sich als Stiel der Steinaxt an.

Heute geb' ich euch noch Schrauben, Walzen, Prcsstn; Nehmt! zersägt mich, die ihr auf mein Holz versessen, Aber, Freunde! baut mich wieder an!"

Na nu, hört mal den alten Habnebüchenen! wahrhaft gott­voll!" lachte die spottsüchtige Ginkgo biloba, vom Rasen herüber, du willst wohl Schillern parobiten!?" Aber Niemand lachte mit, der Alte war zu beliebt. Im Gegentheil: der knorrige, etwas betbe Zwerggravensteiner tief ihr sofort zornig zu:Halts Maul, javanische Hexe! Hier hast Du nicht mitzufprechen, in deutschen Dingen! Uno was bist Du überhaupt, Du Mißgeburt: Nadelholz »der Laubholz! ?

Nadelholz, natürlich! denn mit Dir möchte ich schon gar nicht zu einer Gattung gehören!" ginkgobilobate es.

O Himmel! Erde! Sternlaterne!" wüthete der Gravensteiner: jetzt keine Wurzeln zu haben ....!"

Ruhig, Kinder! Hört ihr denn nicht!?" beschwichtigte die alte Hainbuche.

Und sie hörten e8 Alle, ja sie suhlten rs mit ihr der Streit war vergessen. Der Wind hatte sich gelegt, die Sonne war hinter den blauen Wolken berootgebrochen, lachte in den stillen Februar­garten und beschien über dem Gartenzaun grell die weißen Schnee­

mau seine Obstbäume von allerlei Ansätzen und verschaffe ihnen eine glatte saubere Rinde.

-e. Neu - Ulrichstein , 1. Februar. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro Januar 189 6. Ende Januar 1896 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 95 Mann. Dieselben Vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 28; Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 12, Regierungsbezirk Wiesbaden 9, Provinz Rhein­lande 9, Provinz Westfalen 4, Provinz Hannover 3, Pro­vinz Sachsen 2, Provinz Brandenburg 1, Provinz Schlesien 6, Provinz Posen 2, Provinz Ostpreußen 1, Provinz Pommern 1; Königreich Boyern 4 , Königreich Sachsen 3; Thüringische Staaten 4; Herzogtum Braunschweig 1; Fürstenthum Lippe 1; Freie Städte: Hamburg 1, Bremen 1; Ausland: Oesterreich Böhmen 1, Mähren 1. Hiervon waren: Ar­beiter 58, Anstreicher 3, Bäcker 3, Barbier 1, Brauer 1, Conditor 1, Gärtner 2, Kellner 2, Küfer 1, Kürschner und Kappenmacher 2, Maurer 5, Messerschmied 1, Oeconomen 1, Porzellanmaler 1, Schneider 3, Schreiber 1, Schuhmacher 1, Steinhauer und Steinmetz 2, Tapezierer 2, Töpfer 1, Tuch- scheerer 1, Tuchmacher 1, Weißbinder 1. Gearbeitet wurde an 2597 Tagen. Im Monat Januar 1896 'wurden ent­lassen 25 Mann, und zwar Lin Arbeit durch die Colonie 3, in Arbeit durch eigenes Bemühen 1, zur Familie zurück 5, auf eigenen Wunsch 14, wegen nicht genügender Arbeits­leistung 2. Sei: Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2999, dagegen abgegangen im Ganzen 2904 Mann, bleibt Bestand am 31. Januar 1896: 95 Mann.

Vermischter.

AuS Innsbruck wird unterm 23. Januar derF. Z." geschrieben: Ein heiteres Taufgeschichtchen hat sich am letzten Sonntag bei SchlanderS im Vtntschgau ereignet. Der Bauer vom Matatschhofe, einem zwei Stunden von SchlanderS entfernten Berggehöfte, wollte fein neugeborenes Kind nach der letztgenannten Ortschaft zur Taufe tragen. Mit der theueren, in zwei Polster eingewickelten kleinen Last schritt er wohlgemuth zu Thal. Beim Tischler Perkmann kehrte er ein, um ihn zu bitten, er möge die Pathenstelle übernehmen. Der Meister, welcher bereitwillig zusagte, wollte zuvor da« Kind doch sehen. Der Bauer öffnete den Bündel doch da war kein Kind. Er mußte eS verloren haben. Mit einem Tischlergehtlfen eilte er sofort den Weg zurück. Weit droben auf dem Berge am Fuße eines hohen Felsens sand man daS Kmdlein in einer Wachholderstaude liegen. Obwohl nur in Windeln eingewickelt, befand sich der kleine Erdenbürger hier oben, da warmer Sonnenschein an der windgeschützten Stelle ihn umspielte, ganz wohl. Dann ging- wirklich zur Taufe.

* Zm Luftkurort. Wirth:Alte, mach' die Fenster auf, damit das Klima für die Herrschaften herein kann!"

Da» böse Latein. (Im Gerichtssaal.) Richter (zu einem Straßenhändler, der ohne Gewerbeschein haufirt und Unkenntniß deS Gesetzes vorschützt): Sie haben also bona fide gehandelt? Haufirer:Nee, mit Streichhölzern!"

flreifen der Felder, die der mit ihr ringende Winter zurückgelassen. Dazwischen schüchternes Saatengrün des Wintergetreides.

Zuerst ranz leise, wie träumend, bann lauter und fröhlicher, Hangö aus den Haselstauden am Feldrain, und in entzückendem Ecko, in süßer Melodie, fand eS aus der naben Furche des WinterweizenS Erwiderung; ein wiedergekommener Hänfling hielt mit der ersten zurückgekehrten Feldlerche heimathsftohe Zwiesprache!

Jetzt erhob wieder der Hänfling seinen herrlichen, schönen - Gesang, so frühlingsfrisch in Heller Strophe, so ganz Ludwig Tieck:

Wohlauf! eS ruft der Sonnenschein

Hinaus in Gottcs freie Well!

Geht munter in das Land hinein Und wandert über Berg und Feld!

Wer weiß, wo Dir Dein Glücke blüht!

So geh' und such' eS nur;

Der Abend kommt, der Morgen flieht Betrete bald die Spur!"

Kaum hatte er den letzten Tact vollendet, da schallte eS zurück auS der grün bestockten Fmche, in voller Fröhlichkeit, wahrhaft jubi- lirenb, mit zarten Trillern durchwebt:

Laß Sorgen fein und Bangigkeit!

Ist doch der Himmel blau;

E4 wechselt Freude stets mit Leid Dem Glücke nur vertrau!

So weit Dich schließt der Himmel ein,

«eräth der Liebe Frucht, ttnb jedes Herz wird glücklich sein, Jfrnb finden, waS es sucht!"