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<H<^Mer Auzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme M Montags.
Die Gießener PamikieuStttter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Dienstag bt* 3. November
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Gießener Anzeiger
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Vierteljähriger Aöonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit vringerloh». Durch die Post bezog«: 2 Mark 50 Pfg.
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Alle Anuoncen-Burextux de» In- und Auslande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" -entgegen.
XseMte rutzö
4- Langgöns, 31. October. Gestern Nachmittag hielt H-rr Feuerwehr-Jnspector Loo4 au» Gießen eine Befich tiflung unserer freiwilligen Feuer- und Pflicht- feuerwehr ab. Er sprach seine Zufriedenheit au». Unsere freiwillige Feuerwehr nimmt gute Fortschritte unter der jetzigen Leitung unsere- 1. Commandanten Rompf und deS I. Commandanten Wenzel.
4- Nidda, 29. October. Die hiesigen Metzger haben un» Lide verstossener Woche eine angenehme Ueberraschung durch einen Abschlag deS Schweinefleische- bereitet. Das» selbe kostet jetzt nur 54 und 56 Pfg., statt früher 60 Pfg.
4~ Nidda, 30. October. Nach Vollendung unserer, durch die Baufirma Gebr. Becker in Darmstadt hergestellteu Stadtwasserleitung erfolgte beute Nachmittag um 3 Uhr an dem in der Nachbargemarkung Michelnau belegeueu, dieser- halb hübsch illuminirten Reservoir die feierliche Uebergabe de- Wafferwerk- und der Schlüssel feiten- der gen. Baufirma an den Stadtvorstand. Hiernach bewegte sich ein Zug unter Musikbegleitung nach dem Marktplatze, woselbst an dem künstlichen Springbrunnen seitens der Bauleitung und de- Stadtrathe- verschiedene, mit großem Beifall von der der- sammelten Menschenmenge aufgenommene Ansprachen gehalten wurden. Sodann begaben sich die Mitglieder de- Gemeinde- dorstande- und die Betrieb-Unternehmer nebst ihren Arbeitern in da- Gasthaus „zur Traube", woselbst ein BtercommerS stattfand und die Wasserleitungsarbeiter auf Soften der Stadt regalirt wurden. Am Abend erfolgte bengalische Beleuchtung des Marktplatzes und Darstellung eine- lebenden Bildes, sowie Coucert.
i. Friedberg, 28. October. AuS der hiesigen Sreiskaffe kommen im Laufe diese- Herbste« 2106 Mk. Remuneration für da- SretSfeldschutzpersonal zur Auszahlung.
-ö- Friedberg, 31. October. Gestern Abend um S Uhr brach in der hiesigen Brauerei Wtndecker Feuer au-, da» größere Dimensionen annahm. Dem thatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr gelang eS indrß, das wüthende Element in ungefähr 2 Stunden zu bewältigen und auf seinen Herd zu beschränken.
-h- Wolfer-Heim (Kreis Friedberg), 31. Octsber. Vorgestern, 29. d. M., wurde hier ein Deserteur des 116. Ju-
Feuilleton.
Rar rin Viertel-Liter.
Humoreske von Fritz Woldeck.
(3. Fortsetzung.)
„Habe nur keine Angst, Du behältst genug übrig- drei Liter — e- ist doch eigentlich entsetzlich! Aber ich habe Dich vorher unterbrochen, önit!"
„Ich wollte gerade sagen, daß ich aus Freude über Deine Bekehrung meine Wette nicht' gewonnen haben tetll."
„Ach, wie lieb von Dir, Curt l Aber, Jouvin, da- :ditte ich mir außl*
„Erlaube mal, Ernas Ich will -war meine Wette nicht gewonnen, aber auch nicht verloren habend
Erna aber, die währenddessen auch da» zweite viertel- Mer geleert, während sie auch dem Cavtar alle Ehre erwiesen hatte, war bereits etwa» erregt und erklärte peremptorisch: ,T)q» gibt- nicht! Entweder hast Du gewonnen oder td)l* Dann reichte sie dem Grtten verschämt ihren Krug: „Curt, er ist schon wieder leer!"
Stavenberg konnte sich nicht enthalten, seine holde Gattin zu parodtren: „Aber Erna, daS ist ja die reine Bölleret!"
Diese aber klatschte vergnügt in die Händchen und rief: >Ach wa»! Wohl dem, dem's schmeckt und er hat waS! sagt Papa. Scheck nur ttn!"
.Meinetwegen," erwiderte der gehorsame Gatte, „aber trinf hübsch langsam," setzte er hinzu, al» er sah, daß Erna sofort den Srug an die Lippen setzte und einen tüchtigen 3ug nah«.
Erna war aber durch diesen Zug erst recht in Zug xekommen und erwiderte mit komischer Bestimmtheit: „6urt, ich werde so viel trinken, al» wir gefällt. Glaubst Du, ich sei wie Ihr Männer, die Ihr auch trinkt, wenn Ihr keinen Durst höbt? Ich habe Durst, also trinke ich!"
„6in solcher Durst berechtigt zu den schönsten Hoff- lmngen," lachte Curt.
Erna lehnte sich jetzt zutraulich an die Schulter ihre- hatten und fragte mit hochgezogenen Augenbrauen tu wich- tigern Tone: „Nun sag einmal, ist daS Bier nicht noch
samerie Regiments festgenommen und nach Friedberg überführt, wo derselbe durch einen Sergeanten in Empfang genommen und in seine Garnison, nach Gießen, zurückgebracht wurde. Der Soldat war erst diesen Herbst eingestellt und bald darauf flüchtig geworden. Er hat sich 14 Tage im Freien herumgetrieben und Nacht» in den Strohschobern geschlafen.
§ Nieder»Breidenbach, 31. October. Unter großer Betheiligung trug «an heute unseren früheren Rechner Peter Scharch zu Grabe. Mit rühmenSwerther Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit hat er da» Rechneramt 38 Jahre lang versehen. Im Mai d. I. befiel ihn ein schwere- Leiden und legte er in Folge dessen im Juli sein Amt nieder, welche- von der Gemeindevertretung seinem Sohne übertragen wurde. Der lebhaft von seiner Familie und von eine» großen Freundeskreise Betrauerte, ein Ehrenmann im besten Sinnö des Worte-, hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Seine Verdienste um da- Wohl der Gemeinde haben alle Anerkennung verdient und auch gefunden. Ein gute- Andenken ist ihm gesichert.
-r. Bad»Nauheim, 31. October. Zur 50jährigen Jubiläumsfeier deS großen Bad-Nauheimer Sprudels. Nur noch wenige Wochen trennen uns von dem 22. December, von dem Tage, da Bad-Nauheim fein größte» und KerrlichsteS Geschenk empfing: den großen Sprudel (Quelle VII). Wie wir schon früher bekannt gaben, soll in einer Festzeitung alles was Bezug auf den 22. December hat, veröffentlicht werden. Zur Ausgabe gelangt diese „Feftzeitung" am Jubiläumstage, am 22. Decbr. dS. I»., sowie in der ganzen Saison 1897. Die Feftzeitung wird gemeinschaftlich herauSgegeben von Herrn Wilhelm Wagner hier, Schriftsteller, der da-Sprudelereigniß bereit- in seiner Erzählung „Ja Nauheim- größter Stunde" und in dem Drama „In entscheidender Stunde" geschildert hat und von Herrn Peter Muth hier, Herau-geber de-„Bad- Nauheimer Anzeiger". Die Festzeitung soll — i« Zeitung-- formst — etwa 8 bis 10 Seiten stark werden, einen werthvollen und interessanten Text, sowie eventuell Bilder bringen. Beiträge find schon einige eingegaugen, z. B. zwei Original- Gedichte von Emil RitterShauS, besonder- für die Festzeituug gedichtet. Wir bitten nun ergebenst, Beiträge aus allen Kreisen etnzusenden, Gedichte, Nachrichten und Schilderungen
viel besser, wenn man eS so in der Kneipe frisch vom Faß wegtrinkt?"
„Allmächtiger, jetzt wird sie Feinschmeckerin!" dachte Stavenberg und erwiderte ebenso ernst: „Gewiß, mein Schatz."
„Gut, dann gehen wir morgen in die Kneipe und pro- biren es vom Faß. Aber nun schenk mir wieder eins"
Diese- Mal klang die Aufforderung schon gar nicht mehr verschämt.
Während Stavenberg dem Befehl seiner „trinkbaren" Gattin nachkam, konnte er fich doch nicht enthalten, wieder zu parodtren:
„Ich habe eine Trunkenboldin zur Frau!"
Erna erwiderte gereizt: „WaS, ich eine Trunkenboldin? Ich habe noch gar nichts getrunken! Das ist ja erst das vierte! 'S geht ja auch gar nichts hinein. DaS bischen werde ich doch noch vertragen können!" Daun schlug ihre Stimmung wieder um: „Eurt, jetzt wollen wir fingen!"
„Meinetwegen," rief Curt lachend, „was befiehlst Du? Ein Studentenlied?"
Frau Erna aber war schon wieder eine Etappe Wetter: „Nein, ich will tanzen und dabet singen. Du setzest Dich da aus Clavier und spielst die Kreuzpolka- daS Uebrtge werde ich allein machen."
Curt spielte und Erna sang dazu:
„Siehst Du nicht, da kimmt er — Große Schritte nimmt er!"
aber die Schritte waren bedenklich klein und nicht sehr gerade, die sie selbst dabet machte. Sie mußte wohl davon ein dunkle- Bewußtsein haben, am Ende gar fich au- der Physik erinnern, daß die Centrifugalkcaft eine gewisse Stabilität verleiht, denn auf einmal rief sie: „Walzer!" ergriff einen großen Fächer, den fie unter allerlei phantastischen Bewegungen schwenkte, während fie tanzte. Aber daS war ihr auch nicht genug- fie riß ihren Gatten vom Clavierseffel empor und tanzte mit ihm, während fie den vorher gespielten Walzer dazu sang.
Plötzlich ertönte die Corridorkltngel und nicht sehr leise.
„Curt, was ist daS?"
„Wahrscheinlich der HauSwirth, der fragen läßt, Wader Lärm um diese Tage-« oder Nachtzeit bedeutet."
„DaS geht den gar nicht» an!" rief Erna wieder dr
aller Art, welche den „großen Sprudel", sowie — damit in Verbindung — Nauheim als Badeort behandeln. Ebenso erwünscht find AuSsprüche über den Erfolg der Nauheimer Cur von Surgästen, Bilder, Pläne, Bücher, Zeitung-- Ausschnitte rc. rc., die fich mit der Angelegenheit befassen. Alle Beitrage, die auf Wunsch nach Gebrauch zurückgegeben werden, nimmt Herr Wilhelm Wagner, Schriftsteller hier, entgegen. Wir hoffen, daß unsere Feftzeitung freundliche Unterstützung und Ausnahme findet. Durch den „großen Sprudel", dec am 22. December, Morgens 7 Uhr, durch ein leichte- Erdbeben zu Tage trat, ist Bad-Nauheim ein Weltbad ersten Ranges geworden!
§ Au8 dem westlichen Vogelsberg, 80. Oktober. Die letzten Früchte des Herbstes, die Hackqewächse, sind ein- geerntet und die Wintersaat ist zu Ende gebracht worden. Wegen des überaus ungünstigen Herbstwetters hatte man vielfach befürchtet, die Wintersaat, besonders die Weizeusaat, nicht mehr ganz vollenden zu können. ES ist aber doch ge gangen trotz aller BorauSiagungen der „Wetterkundigeu", wonach ein sehr früher und kalter Winter eintreten sollte. Der Winter mag nun kommen wann er will, früh kommt er nun nicht mehr und trifft den Landwirth nicht mehr unvorbereitet. Trotz der theilweise sehr ungünstigen AuSsaat steht die junge Kornsaat recht schön im Felde,- sie hat Heuer nicht wie im vorigen Herbste durch übermäßigen Mäusefraß zn leiden. Der AuSsall der Wurzelgewächse ist wohl schon aus anderen Gegenden berichtet worden. Auch von unserer muß gesagt werden, daß dieser naffe Jahrgang einen reichen Segen der Hackfrüchte gebracht hat und daß bet den Erntefesten der verflossenen Sonntage oft wahre Riesenex-mplare an Kartoffeln, Dickwurz, Kohlrüben, Möhren, Stoppel'üben, Kraut und Wirfing auf den Altären die Augen ergötzten. Wer weiß, welche Rolle gerade diese Gewächse in Küche und Keller und Biehställen führen, der wird mit un» sagen trotz mancher Enttäuschung, die der zur Neige gehende Jahrgang manchem Landwtrth gebracht: Ende gut — Alle- gut.
THEE-MESSMER
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ruhigt. „Für unsere dreitausend Mark Miethe machen wir noch lange nicht Lärm genug."
Damit ergriff sie ihren Mann und ranzte wie vorher mit ihm durch das Zimmer, in dessen Thür eine stattliche Dame und ein nicht ganz so stattlicher, aber sehr vergnügt aussehender Herr erschienen. Die Dame sah durchaus nicht vergnügt aus.
„Hier gehtS ja fidel zu!" lachte Herr Consul Kohlbrück, als ihm seine Tochter in die Arme flog, da fie gerade keine festere Stütze finden konnte.
„Na und wie, Papa!" jubelte Erna förmlich.
Die Mama aber sprach majestätisch: „Erna, um deS Himmel» Willen, wa» geht hier vor? Wir waren beim Commerzieurath Schmidt zum Diner- al» wir hier vorüberfuhren, sahen wir so merkwürdige Schatten fich an den Store» abzeichnen — nicht wahr, Philibert?"
Philibert nickte mit großer Würde, Erna ebenso vergnügt al» verständnißinnig: „Haft Du mich noch nie mit Curt tanzen sehen, Mama?"
„Gewiß, Erna, aber doch nicht hier in Eurer Wohnung und ohne daß Jemand zufieht- baß ist ja Unfianl"
„Unsinn gibtS überhaupt nicht- wenn wir tanzen wollen, brauchen wir kein Publikum! Außerdem seid Ihr jetzt da, also bitte, nehmt Platz und sehet zu. Kosten werden dadurch nicht verursacht!" Damit schoß Erna auf ihren Gatten zu, der diesen Au-bruch vollkommener Meuterei mit Behagen beobachtet hatte, aber doch nicht zu weit gehen wollte und deßhalb sagte:
„Erna, ich bin schon außer Athem!"
Erna aber war nun einmal nicht zu halten. „Gut, dann setze Dich wieder an- Piano. Also Walzer! Komm, Papa! Curt sagt, Du wärest ein ganz fideleS Hau»,- ein fidele- HauS muß aber auch Walzer tanzen können."
Ehe der Herr Consul fich'S versah, hatte ihn sein Töchterchen umfaßt und wirbelte mit ihm im Zimmer umher. Die Frau Mama hatte gerade noch so viel Kraft, um an den Tisch zu treten und den Inhalt der Krüge -u mustern. Ihr Antlitz versteinerte fich förmlich: „Also da» ist e»! Hier findet rin Gelage statt! Und in Bier — fidonc!"
(Schluß folgt.)


