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G-ngelegt.
Erstes Blatt. Mittwoch den 3. Juni ____________
Gießener Anzeig er Kenerat-Anzeiger.
1896
BtertrflMriger Jli6«emcwbFreU • 2 Mark 20 Pfg. *U Vringerlohn. Durch die Post bezog«» 2 Mark 50 Pfg.
R et ar h an, ExPebttio» unb Druckerei:
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Neueste NuchrKyten.
Aolff» teUgr«vb«iche» 6oiteiponbene»tsutMa.
E erlin, I.Junt. Der Verein deutscher ZeituogS- txmtit ger trat heute im Hotel Katserhos zu einer außer- 3 igttct.iidien Generalversammlung zusammen, um über die 2 deSPostzeitungStarifS zu berathen. Die Versammlung • 'r in dem Beschluß, vorzuschlagen, daß der neue Tarif auf b,°r Sätzen 25 Psennig mal Erscheinungsziffer und 4 Pfennig »wrßulo Papiergewicht mit Ermäßigung deS zweiten Satzes jbh 2 Pfennig innerhalb der 10 Meilen Zone bafirt werde.
Kerlin, 1. Juni. Der Besitzer eines großen Etabliffe» HHÜt tm Vergnügungspark der Berliner Gewerbeausstellung q ^-Sellnerto nen und Bedienung vielfach in Räumen jc n lassen, welche polizeilich nicht abgenommen und für wecke völlig ungeeignet waren. Auf Anordnung der 4 |beii find diese Räume nunmehr geschloffen worden. — In d xe S onderausstellung Kairo, sowie in der deutschen Solo« »vil:L»stellung werden von Zeit zu Zeit sanitätSpoli- zMche Revisionen seitens deS KreiSphyfikuS stattfiuden, u»!ciS Einschleppen von Krankheitsstoffen durch Araber und 8 Manier zu verhindern.
fcambutg, l. Juni. Gestern Nachmittag 4 Uhr 50 Min. «Miiti der Dampfer „Adolf Woermann" mit der zur iWftiärkung der Schutztruppe in Südwestafrika i limmten Mannschaft den hiesigen Hafen. Bor der Ab- f fo^ Ihatten sich an Bord des Dampfers viele Offiziere der hßli'zeiA Garnison eingesunden, um von den Kameraden Ab» w zu nehmen.
München, 1. Juni. Der Prinzregenr eröffnete heute 5die 11. JahreSauSstellung von Kunst» t »rti'tn aller Nationen im GlaSpalaft. Nach Empfang 6 lut daS Präsidium und kurzem Cercle unternahm der H G^negent in Begleitung aller Prinzen und Prinzessinnen r utn Führung der Jury, sowie der AuSstellungScowmission
\ Hratisöeitage: Hießmer Aamilienötätter.
Alle Annoncen-Burraux be4 In- unb Äullanbel nehm« Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgegen.
SS
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betreffend: Maul« und Klauenseuche zu Lich.
Ar bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß die wegen AWtrwch» der Maul- und Klauenseuche verhängte Sperre dnrißt markung Lich hiermit wieder aufgehoben ist.
Meßen, den 2. Juni 1896.
Großherzogliche» Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 1. Juni 1896.
<4lhii Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung.
Die
»Vichh. Kreis-SchutcommGon Gießen
an die Tchulvorstände des Kreises.
3ne wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger Sollet,', welche militärpflichtig find, darauf aufmerksam ewM daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer «Mlmachung innerhalb 8 Tagen bei unß einzureichen fi bi. später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt toiwitti
Fm den Gesuchen ist anzugeben:
:1) Civilstellung,
52) Bor- und Zunamen,
!3) Militärcharge und Truppengattung,
• 4) Genaue Angabe deS TruppentheilS, Regiment, Compagnie rc., bei welchem der Eintritt ersolgt ist und Datum des letzteren,
15) Bezirk deS Landwehrbataillons.
8ni Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits srüher bWvair reclamirt haben, bedars eS keiner Meldung.
Wwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als allein« ftibimbü Lehrer zur Reclamation berechtigt sind, wollen Sie fdU|m Sbenachrichtigen.
v. Gagern.
Deutsche» Deich.
jbrSbnch, 1. Juni. Offizielles Wahlresultat. H-iriagel Möckenau (Bauernbündler) 5068, Conrad-München I tmllckie DolkSp.) 2964, Tröltsch Weißenburg (natl.-lib.) 1584, Biiouuiister.Spalt (Soc.) 1897 Stimmen. Die Stich- w ttihl zwischen Hufnagel unb Conrab ist aus den 6. Jun aimü'iit. Frkf. Ztg.
ist bereit» von der heimkehrenden Menge erfüllt. Die meisten
Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.
Berlin, 1. Juni. Im Lustgarten zu Potsdam sand heute Vormittag die Frühjahrsparade über die.PotSdamer Garnison statt. DaS Kaiserpaar und verschiedene Fürstlichkeiten wohnten derselben bei. Der Kronprinz, Prinz Eitel Fritz und Prinz Adalbert waren in der Parade-Uniform deS ersten Garde-RegimentS in die Front der Leib-Compagnie Pferderennen abgehalten werden, eingetreten. Nach Schluß der Parade hielt der Kaiser Kritik ab und begab sich dann zum Frühstück ins Schloß, zu welchem
errichtet worden. Zwischen den Buffets, senkrecht nach der Chaussee zu, befindet fich ein etwa 1 Meter breiter Raum, durch welchen nach der Abficht der veranstaltenden Organe die Empfänger der Gaben einzeln durchgehen sollten. Von der Moskauer Seite her, von wo die Mafien herantreten
der Gestürzten wurden erst nachträglich zertreten. Man spricht bereits von über 5000 Todien und Verwundeten. Alle Welt äußert sich entrüstet über die ungenügenden Sicher- heitS-Maßregeln, umsomehr, als bereits vor Beginn der eigentlichen KrönungSfeier in den Straßen Moskaus ein Exceß stattgefunden hatte. Als nämlich der Wagen mit den Herolden, welche die Proclamation der bevorstehenden Krönung verkündeten, durch die Straßen fuhr, umdrängte das Volk den Wagen, um die auf farbigem Papier gedruckte Proclamation zu erlangen. Dabei wurden die Herolde vom Wagen aerifien und ihre Perrücken zerfetzt, woraus die Menge den , -------- --------. - . ,
Sagen jnttümmtrtt. Set dem Besuch der Sptläler fragte mit. Die Wegstrecke zwischen Älexanderptatz und Thitt^arttn der Kaiser nach den Ursachen der Katastrophe. Die Ver- i.
mußten, zieht sich von der Chaufiee auö, parallel mit der Linie der Buffets, zunächst ein kleiner Graben, der ungefähr gegenüber dem ersten Buffet in einen etwa 30 Faden breiten, stellenweise zwei Faden riesen Graben übergeht. Dieser Graben ist dadurch entstanden, daß daselbst vom Boden Sand und Lehm entnommen worden war. Der Boden de» Grabens ist mit zahllosen Gruben bedeckt. Ueberdies besand fich darin ein tiefer Brunnen. Dieser Graben war von den Buffet» durch eine etwa 30 Schritt breite Straße getrennt. Der Graben sowie diese Straße waren schon lange vor der an- gesetzten Zeit der Vertheilung der Gaben mit Menschenmaffen Kopf an Kops gefüllt. Bon den Nachdrängenden wurde die Masse hin und her geschoben. Als der Ruf erscholl, daß die Vertheilung begonnen habe, ging die Maffe über diese eingekeilte Menge hinweg, welche hülflo» ihr Schicksal über fich ergehen laffen mußte.
Mokkan, 1. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute wiederum die in den Krankenhäusern unter- gebrachten Verwundeten. Auf dem Wagankow-Kirchhof wurde heute die Beerdigung der Verunglückten fortgesetzt. Soweit dieselben erkannt worden waren, wurden sie aus An- ordnung der Angehörigen gewaschen, in Todtengewäuder gehüllt und in Einzelgräbern bestattet. Die meisten Leichen waren nicht wieder zu erkennen, da die Gesichter vollkommen
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Berlin, 1. Juni. Das preußische StaatSmiui- sterium trat heute Nachmittag 2 Uhr in seinem Dienst- gebäude unter dem Vorfitze deS Reichskanzlers Fürsten
einen Rundgang. 1300 ausgewählte Kunstwerke füllen die geschmackreichen Hallen. Der Prinzregent sprach wiederholt eine große Genugthuung über die Ausstellung aus.
verstümmelt waren. Sie wurden alle in Massengräbern zu je 200 beerdigt. Der Weg durch den Friedhos ist mit Soldaten und Polizei besetzt. Auf dem Friedhof hielt fich während deS Tages immer noch eine große Menschenmenge auf. — Heute Vormittag fand in Anwesenheit des Raffer paareS, der Großfürsten und der fremdlÖHdischen Fürstlichkeiten im Tschudow Kloster eine feierliche Liturgie statt.
— Die bisherigen Mittheilungen seien durch folgenden Bericht deS „Berliner Localanzeiger" ergänzt: „Der Beginn der Geschenkoertheilung war auf 10 Uhr festgesetzt. Niemand dachte daran, früher hinauSzugehen. Gegen 8 Uhr jedoch weckten mich Jammerrufe. Mein Dienstmädchen stürzte laut schreiend zu mir inS Zimmer: „Auf dem ChodynSki- Felde hat sich ein entsetzliches Unglück zugetragen. Meine Schwester ist halb tobt heimgekehrt. Die Kleider waren ihr vom Leibe gertfien, Hunderte von Menschen sollen erdrückt sein." Ich eilte hinaus. Kein Kutscher ist zu bewegen, mich zur UngluckSstätte zu sahren. Ein mir unbekannter General erbarmt sich meiner und nimmt mich in einem Wagen
machten glänzende Geschäfte.
Moskau, 31. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute die Krankenhäuser, in denen die schwer Verwundeten untergebracht sind. Sowohl der Kaiser wie | die Kaiserin richteten an die Darniederliegenden warme Worte deS Mitgesühls und Trostes.
Moskau, 31. Mai. Der Kaiser hat folgende Auszeichnungen an deutsche Offiziere verliehen: Dem Comman- deur des 2. Garde-Dragoncr-Regiments Kaiserin Alexandra, Oberst Prinz Heinrich XIX. Reuß, den Weißen Adlerorden, dem Cornrnandeur deS Kaiser Alexander - Garde ■ Grenadier- Regiments Oberst v. Saufin den Annenorden 2. Klaffe mit Brillanten, dem Oberstlieutenant z. D. v. Czettritz und Neu- hauS einen Diamantring, dem Rittmeister vom 2. Garde- Dragoner-Regiment Kaiserin Alexandra Gras v. d. Schulenburg den StaniSlauSorden 2. Klaffe, den anderen Offizieren der Deputation dieses Regiment» den Annenorden 3. Klaffe und dem Militärattache bei der deutschen Botschaft Hauptmann Lauenstein den StaniSlauSorden 2. Klaffe.
Moskau, 31. Mai. Gestern fand auf der französischen Botschaft ein glänzendes Ballfest statt, welchem der Kaiser und die Kaiserin bis gegen 2 Uhr beiwohnten. Der deutsche Botschafter veranstaltete gestern Abend ein Festmahl zu Ehren deS Nuntius Agliardi.
86. Moskau, 1. Juni. Soweit bisher conftatirt, ist baß große Unglück lebiglich burch Exceffe ber fanatiftrlen, auS allen Gegenben Rußlands herbeigeftrömten Bauern entstanden. Die Bauern waren in einer Stärke von einer Biertelmillion anwesend. Die Vorderen begannen mit ber Plünberung ber 140, mit Geschenken ungestillten Buben. Die behufs Aufrechterhaltung ber Orbnung aufgestellten wenigen Kosaken wurden einfach über ben Haufen gerannt unb neue Schaaren Bauern, welche Antheil an der Plünderung nehmen wollten, drückten die anderen in eine Schlucht, welche in wenigen Minuten mit Tobten unb Verwunbeten angefüllt war. Viele
wundeten waren anfangs eingeschüchtert, gaben aber bann bie bereits bekannten Mängel an. Bei biefen Erzählungen weinte ber Kaiser. Die Zahl ber Berwunbeten in den Spitälern ist bisher noch nicht so groß, da sich die Leu« sürchten, die Spitäler aufzusuchen. Erft heute füllten fich dieselben mit den Verletzten. — DaS ChodynSkoje Po Ije, aus dem sich die Katastrophe zugetragen hat, ist ein ungeheures Feld südlich vom PetrowSkij - Palais, wo da» Kaiserpaar vor dem Einzüge in Moskau abgestiegen war. Wenn man von der Triumphpforte aus der Stadt nach beet Palai» fährt, sieht man links von ber Chaussee jenseits be» Chobynski-FelbeS in ber Ferne bie weißschimmernden Militär- Sommerlager der Moskauer Garnison und näher an der Stadt die Rennbahn, aus der mehrmals jährlich sehr besuchte ‘ . DaS Feld selbst ist also durch seine Ausdehnung für Volksfeste sehr geeignet, allein selbstverständlich müßten dem Andrange deS Publikum» zahlreiche Einladungen ergangen waren. «Schranken gesetzt werden, denn man darf nicht^geffen,
Berlin, 1. Juni. Zur Zeit der Ankunft Friedmanns daß in ber nach Hunberttausenben zahlenben Menge bte
hatten sich nur wenige Personen auf bem PotSbamer Bahn- meisten arme Menschen finb, welche bie gute Ge egenheil
Hofe eingefunden. Unter ben Anwesenben defanben sich mehrere benutzen wollen, fich einmal satt zu essen ^b vielleicht auch
Bekannte von ihm, mit welchen et einen flüchtigen Blick voll zn »Inken. Bei!der--krönnng m.f-nd»-n.
tauschte. Die Gendarmen bestiegen mit ihm eine Droschke trotz be« RegenS 400,000 Menschen bie 642 Tische, auf
unb fuhren nach Moabit. denen 240,000 Pub (1 Pub = 16 Kg.) Speisen standen und
Berlin, 1. Juni. Der bayerische Ministerpräsident I neben denen 4400 Wedro (1 Wedro — 12 L.) Branntwein und Freiherr' von Crailsheim wurde heute Mittag in Bier zum Besten gegeben wurden. Wer die Wein-Fontänen Potsdam vom Kaiser tn Audienz empfangen. erreichte, schöpfte mit Mütze, Stiefel ober was sonfli zu
.Berlin 1 ^uni. Dem Bunbesrath ist, wie ber I Hanb war, für fich unb anbere. ES sollten bieSmal preis „Post" zufolge verlautet, ber Entwurf eines Gesetzes betr. I gegeben werben: 400,000 Liter Bier, 250,000 Liter Meth Feststelluno eine-zweiten Nachtrags zum ReichShauS- I unb 500,000 Päckchen mit Nahrung.
Haltsetat für 1896/97 zur Beschluß laffung zugegangen. W.B. 9)lolUa, 5°l8tftbetoC wihen
Berlin, 1. Juni. Die G ew er b e au Sst el lu n g war ben Platz, auf welchem bie Katastrophe erfolgte, werden
gestern von über 250000 Personen besucht. In dichten gemeldet: Links von der Petersburger Chaussee, welche bet
Hänfen durchwanderten bie Besucher Alt-Berlin, Kairo unb bem PetrowSki-Palais vorbeiführt, die ColonialauSstrllung. Der Anbrang war oft so gewaltig, von etwa 100 Schritt auf bem AodynSky ^ttde baß ein DorwärtSkommen unmöglich war. Die Restaurateure


