Ausgabe 
3.5.1896 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 3» Mai

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M. 104 Zweites Blatt

Lierleljährlger

Keneral-Mnzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

Hratisöeikage: Gießener Kamitienötätter.

Iistohme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« ßchnlden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Lureaux bet In« und Auslandes nehme« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgege«.

Äebaction, Lxpcditio» und Druckerei:

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fk- Gießener :AivItt-«srL1ter i Mk, dem Anzeiger < Mrvlich dreimal t eigelegt.

Der

Anzeiger

Hfeint täglich, * *L uSnahme deS NontagS.

Gießener Anzeiger Z s

Aintlichen Tbeil.

Bekanntmachung,

betartfitrib die Ausführung des Gesetzes vom 1. Juli 1893 »bien die polizeiliche Beaufsichtigung der Miethwohnungen und Schlafstellen.

8br bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntniß, daß ?a«l Irr. 3 des obigen Gesetzes an die EingangSthür jeder .inctr kirseS Gesetz fallenden Schlafstelle die Zahl der von un« höchstens zugelasienen Schläfer in dauerhafter, leicht erlWrrer Weise angeschrteben oder angeschlagen werden muß.

Die hiernach vor jeder Schlafstelle anzubringenden tilNeri, auf welchen die Schlafstelle nach Straße und =ö*\tbt7.li uach Höhe, Länge und Breite, sowie die Anzahl > r-sugillasienen Schläfer vermerkt find, haben wir anfertigeu afijin und werden dieselben in den nächsten Lagen den Ber- mr'Mhtrr behufs Anbringung an der EingangSthür zur Schlaf- CteuUt ntkgetheilt werden.

Abänderung, Beschädigung oder Zerstörung dieser Tafeln tftii strasi'ar. Bet Umzug des MietherS ist die Tafel abzu- -! Mim ianb auf das Polizei-Meldeamt zurückzuliefern.

Gießen, am 28. April 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung,

ti urtflünb die Ausführung der Allgemeinen Bauordnung.

8Itr bringen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß der HarWlefirer Traber auf feinen Antrag vom 1. k. MtS. ooku bin Functionen eines technischen BetrathS deS unter» krditta PolizetamtS entbunden worden ist.

-ließen, den 30. April 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

Zur neuen Heeresreform.

Obwohl erst vor drei Jahren durch Einführung der zwisWriigen Dienstzeit für die Fußtruppen und Schaffung bcr>? 173 neuen Halbbataillone eine bedeutende Vermehrung un!vi Ak» derung der Organisation des deutschen HeereS durch» gefitiln wurde, so liegt dem BundeSrathe doch bereits wieder rin::7lcs>ormvorlage für die Armee vor, und eS kann auch kein.« Zweifel unterliegen, daß sich auch der Reichstag noch

Feuilleton.

Vochkndriese aus brr Resiben).

(Ortglnalbericht deSGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 1. Mai.

ttkft,,in»gen. Bo« Hoftheater. Kruhjahrsmeste. Jubelfeier der Turugemeiude.

tea hiefige Zweigoeretn des evangelischen Bundes hielt :.iurr lorgem imSaalbau" seine Generalversammlung iö,l lit wicht nur tntereffante Mittheilungen über die Vereins» chäMill während deS abgelaufenen Jahres brachte, sondern auckä-üngiaben über die Veranstaltungen, die anläßlich der im Dechlürber in unserer Stadt zusammentretenden General» -ertsiomlung des GesammtvereinS tnS Leben gerufen werden fottiiai Die wohlthätige Wirksamkeit des Vereins beweist ein tfetüffäld über seine Leistungen für Krankenpflege, Armen- mrtnnilchung, Beaufsichtigung und Beschäftigung von noch ailhiii: hnlpflichtigen Kindern u. s. w. Die Generalversamm» Bundes soll am 29. September beginnen und bis zu«, 2, October dauern. Da gelegentlich des Gustav Adolf» ZefiW oior zwei Jahren die Aufführung des Devrient scheu KefHlieSGustav Adolf" unter Leitung des Herrn Basser» ei aiiiiia fio schönen Erfolg hatte, soll auch diesmal die Auf» füh ürDz eines geeigneten Stückes geplant werden. AuSerseheo ist SrOcihmte ReformationsiptelLuther", das schon in vielen StiäÄkll mit großem Erfolge gegeben worden ist. Für die HamynEe hat man in Herrn Hosschauspieler Edward bereits ein,Ai8rntreter gefunden, der sich wohl auch der Mühe der EitrH^rmng unterziehen wird. Außer während der General- BerHnsnlungStage wird das Stück dann wohl auch noch SfteÄ gageben werden.

iimt Versammlung, deren Verlauf und Ergebniß wohl für Hi Entwickelung DarmftadtS wichtig werden wird, fand gletiiGII« in dieser Woche statt. Herr Stadtverordneter Be agsunäßer hatte auf letzten Montag zu einerBerarhung

in dieser Tagung mit der Vorlage beschäftigen wird. Zum Glück für die Steuerzahler und die Finanzen des deutschen Reiches ist aber die jetzt geplante Reform nur eine Umbildung der 173 Halbbataillone in 66 ganze Bataillone, die laufen­den Ausgaben steigern sich dadurch also gar nicht, sondern erfahren eher eine kleine Verminderung, eS wird nur eine einmalige Ausgabe von circa 8 Millionen Mark für Kasernen» bauten verlangt, um die neuen Ganzbataillone genügend uuterzubringen. ES ist dabei sehr zu bedauern, daß theilS auS militärischen Gründen, theilS aus finanziellen Ursachen die Wünsche vieler kleineren Städte, ein Bataillon Infanterie zu bekommen, nicht berücksichtigt werden konnten, weil daS Zusammenlegen mehrerer Bataillone, resp. Regimenter in größere Städte und Festungen die Ausbildung und Mobil­machung derselben erleichtert. Außerdem ist bei allen Neu­formationen deS deutschen HeereS immer darauf zu halten, daß eine verhältnißmäßige große Anzahl der neuen Bataillone an die östlichen und westlichen Grenzen deS deutschen Reiches gelegt werden, um etwaigen von Rußland oder Frankreich drohenden Gefahren mit möglichst großen Machtmitteln be­gegnen zu können.

Die Gründe für die Umwandlung der Halbbataillone in Ganzbataillone find klar und einfach. Die Halbbataillone haben wohl den an sie gestellten Anforderungen in Bezug auf die Rekrutenausbildung und die Ausbildung des kleinen Dienstes entsprochen, aber in der wichtigsten Frage der militärischen Leistungen, im Felddienft konnten die Halb­bataillone zu keiner rechten Entwickelung kommen, vor allen Dingen fehlte eS den Offizieren dieser Mannschaften an Gelegenheit, die Führung entsprechender Massen für den Kriegsfall zu üben. Dieser bisher sich sehr deutlich bemerkbar machende Uebelstand bet den Halbbataillonen fällt eben durch die vom 1. April 1897 eintretende Zusammen­schließung der Halbbatatlloue in ganze Bataillone weg. Außerdem wird durch die 66 neuen Vollbataillone die Kriegs­bereitschaft deS deutschen HeereS außerordentlich erhöht, indem diese 66 Bataillone für elf ArmeecorpS je eine fünfte Brigade zu bilden in der Lage find, wodurch die Angriffskraft der einzelnen Armeecorps um die Hälfte gesteigert wird. Drei Brigaden können künftig bet jedem Armeecorps sofort zum Angriffe übergehen und trotzdem bleiben zwei Brigaden in Reserve. Außerdem ist für die UebergangSzeit vom Mobil­machungsbefehl bis zur vollständigen Mobilmachung durch die 66 neuen Vollbataillone oder elf neuen Brigaden ein Vor- theil getroffen, welcher sehr groß ist, aber am besten nicht I öffentlich erörtert wird und auch im Reichstage nur streng

in dieStadt Pfungstadt" eingeladen, die der Errichtung eines großen, auch im Winter benutzbaren Schwimm­bades galt. Unter dem Vorsitz des EinberuferS wurden die verschiedenen Projekte, die eine Verwirklichung des alten Wunsches der gesammten Bevölkerung anzustreben versuchen, besprochen. Herr Oberbürgermeister Morne weg theilte mit, daß leider von einer Gründung aus städtischen Mitteln abgesehen werden müsse, da die Garantie für ausreichende Verzinsung deS AnlagecapitalS fehle, doch sei die Stadt bereit, das Unternehmen in jeder Weise zu unterstützen. Nachdem dann von zahlreichen Erschienenen über Art und Anlage der zu gründenden Anstalt gesprochen war, wurde schließlich eine Resolution gefaßt, nach der die Anlage einer Badeanstalt mit Badeeinrichtungen aller Art, also auch Schwimm­bad, auS Prioatmitteln, aber unter städtischer Verwaltung, beschlossen wurde. ES soll nun eine aus Herren der ver­schiedensten BerufSkretse zusammengesetzte Commission die baldige Verwirklichung deS schönen Planes erstreben und gleich mit den VorbereitungSarbeiteu hierzu beginnen. Dem Einberufer der Versammlung wurde der wohlverdiente Dank der Anwesenden ausgesprochen. Dann wäre noch die General- Versammlung der hessischen Gruppe deS Bundes deutscher Land- wirthe za erwähnen, die zu Anfang dieser Woche im Schützen­hofe stattfand. Auch hierbei wurden verschiedene Vorträge politischen Inhalts gehalten und Resolutionen namentlich gegen ungerechtfertigte Angriffe auf die hessische Abtheilung des all­gemeinen Bundes gefaßt. Endlich sei noch der Hauptver» sammlung deS Journalisten- und SchriftstellervereinS gedacht, die einen intereffaoteu Bericht über das rasche Emporblühen dieser kleinen aber energisch an Erreichung ihrer Ziele arbei­tenden Bereinigung brachte. Die Zahl der Mitglieder ist nun von 70 nicht mehr fern, und die fämmtlichen Veran­staltungen, darunter namentlich daS Concert zum Besten der Prnsionskaffe de« großen Verbandes, haben stets einen großen Erfolg errungen.

Im Kuustleben gab eS nicht viel Neues. Die Aef- führungen desNibelungenringes" muhten wegen vieler Er-

vertraulich in der Commission behandelt werden dürfte. Bei der ganzen Umwandlung entstände nun noch die Frage, wie die Vollbataillone, denen bisher die Halbbataillone einen wichtigen Theil der Rekrutenausbildung abnebmen, mut mit der RekrutenauSbilduug fertig werden. Diese Frage ist offenbar durch die Praxis gelöst, indem, wie jeder ehe­malige Soldat weiß, bei jeder Compagnie 6 besonders dazu geeignete Unterosfiziere, nebst 6 bis 12 Gefreiten unter der Leitung eines tüchtigen Offiziers sehr wohl im Stande find, vom 1. October bis 1. März die Rekruten gründlich auSzu- bilden. Außerdem ist im Jahre 1893 noch ein etwaiger Mehrbedarf von 800 000 Mark für die Vermehrung der Unteroffiziere vorgesehen, aber noch nicht in Anspruch ge­nommen, waS ja nun geschehen könnte.

Vermischter

Frankfurt a. Ä., 25. April. Ein städttscher Beamter, welcher daS Glück hatte, in der letzten Pferde- markt-Lotterie ein Arbeitspferd zu gewinnen, wurde heute Vormittag mit der Nachricht überrascht, daß daS von ihm gewonnene und noch nicht verkaufte Pferd gestern Abend an einem Lungenschlage verendet sei. Man hatte dem Beamten 2000 Mk. für daS Pferd offertrt, allein er hatte sich auf daS Gebot nicht eingelaffen, in der Hoffnung, noch mehr herauSzufchlagen. Nun bleibt ihm von dem ganzen Gewinnst nur die Zahlung der Futterkosten zur großen Genug- thuung feinerguten Freunde".

Saarburg. 28. April. Wegen deS im Arrest her- geffenen und in Folge deffen verhungerten Arrestanten ist nunmehr ein dritter Polizist inhaftirt worden. Bon Resultaten der Untersuchung verlautet noch nichts.

* Kattswitz, 26. April. Einer der letzten Veteranen der großen Armee Napoleons I. im Kriege gegen Rußland ist in Petrikau gestorben. Der Mann, NamenS Felipowski, war 107 Jahre alt. Lange Zeit lebte er von milden Gaben. In Petrikau war er eine bekannte Persönlichkeit und er­zählte gern von den Erlebntffeu seiner Jugend.

Einem Radfahrer, der sich auf der Rückfahrt nach Altenburg befand, kam ein Hase über den Weg gesprungen und gerade in daS Rad hinein. Der Hase lag mit zer- b roch en em Gen ick, der Radfahrer aber mit zerbrochenem Rad auf der Straße- betrübten Sinnes näherte fich der unglückliche Radler dann mit der Hafenleiche und seinem verunglückten Fahrgeräth langsam der Stadt.

krankungen im Hofopernpersonal leider zweimal verschoben werden und der Beginn wurde nun für den gestrigen Donnerstag angesagt. Auf die einzelnen Vorstellungen des grandiosen Werkes, mit deffen Wiedergabe die so schön verlaufene Spiel­zeit 1895/96 abfchließen soll, ist man in musikalischen Kreisen, sehr gespannt. Mitte Mai werden sich dann die Pforten des Musentempels schließen und erst zu Anfang September wieder geöffnet werden. Unmittelbar nach Schluß der laufenden Spielzeit beginnt das Sommertheater feine Thättg- keit, die noch vom vorigen Jahre her in gutem Gedächtniß steht, auch das Orphrum will feine Vorstellungen während der Sommermonate fortfetzen, so daß es auch während der stillen Jahreszeit", in der sonst Darmstadt an Unterhal­tungen arm war, an Vergnügungen nicht fehlen kann.Stille" ist eS zur Zeit in Darmstadt freilich noch nicht geworden, denn zur Freude der lieben Jugend ist die Frühjahrsmesse mit all ihrem Spectakel für 8 Tage eingekehrt und hat natürlich wieder die üblichennoch nie dagewesenen" Sehens­würdigkeiten mitgebracht, als da sind einlebendes" Riefen­kind, das kleinste Pferd der Welt, einen Flohcirkus mit 300 wohldresfierten Insassen und ein großes Affentheater. Ans die Witterung pflegt der Beginn der Meffe stets von un­günstigem Einfluß zu fein, und so sind wir denn auch diesmal aus den Regentagen noch nicht herauSgekommen, leider, denn in Garten und Feld wäre die liebe Sonne gerade jetzt ein recht willkommener Gast.

Die Vorbereitungen zum Jubelfest der Turn- gemeinde find nun auch soweit gediehen, daß ein Fest­programm aufgestellt werden konnte. Danach wird schon am 31. Mat eine Vorfeier die Mitglieder und Freunde der all- beliebten Bereinigung im Festzelte versammeln. Die Haupt- festlichkeiten sind jedoch auf den 6., 7. und 8. Juni avberaumt. In diesen Tagen sollen Frstbanket, Wettturnen, Festzug u. s. w. stattfinden. AuS dem regen Jntereffe der ganzen Bevölkerung für die Feier läßt sich erkennen, daß diese gewiß einen schönen Verlauf nehmen wird.