Ausgabe 
2.6.1896 Erstes Blatt
 
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1S96

Dienstag de« 2. Juni

Erstes Blatt

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2lnrts- und Anzeigeblutt für den Tkveis Gietzen.

Hratisöeilage: Hießener Zamilienbkätter

Amtliche» Thcil

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Ii« ehmi oob 8ngeigen zu der Nachmittag« für bei Wjenben Tag erscheinenden Nummer bi« Sonn. 10 Uhr.

Alle Rnnoncen-Bureaux de« In- und Ru-lande« nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Die Gießener

iet*m dem Anzeiger

H«ntlich dreimal beigelegt

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Der

-jener Anzeiger scheint täglich, »i:Mu«nahme de«

Montag«.

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wedische

Thiiif! ikleidungen . iincke, t a. M.

iuf Lager. IlW-v

Bolffl telegraphtsche« Correspondenz-Vnreau.

Thorn, 31. Mai. Auf dem hiesigen Pionierübungsplatze ei itjüinbete sich eine Flattermine von selbst. Haupt» -2 Bi] AdamS, Lieutenant Hanvemann, Unteroffizier Plater, s Urvkrlich von der zweiten Compagnie deS 2. Pionierbataillons, , grtem schwer, mehrere Mannschaften leicht verwundet.

BiertellShriger >, AtonaementSPreiH« 2 Mark 20 Pfg.

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Redaktion, tpebHiM und Druckerei: Achmtar.teMr.^

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Pilse», 30. Mai. Bet einer Felddienstübung erschoß rMimjährlger einen Landwehr-Corporal. Die Unter- s i*it$ ist eingeleitet.

Amsterdam, 30. Mai. Ein Personenzug, welcher Il.libsÜändische Ausflügler aus Paris zurückbrachte, stieß Kis-Melmando mit einer Loco motive zusammen. Il'iScrsonen wurden mehr oder weniger verletzt.

Pari», 30. Mat. Der Minister des Aeußern drückte ^stchaltch dem Botschafter der Bereinigten Staaten das W.tib der französischen Regierung über bie Katastrophe Ab im. LoutS auS.

Belgrad, 30. Mai. Der Centralausschuß ber r «. allen Partei beschloß bie Einberufung einer Massen- tliirf ammlung aus bem ganzen Laube zum 27. Juni, tejbtlt politische Lage beS LanbeS zu besprechen. Ferner s.W brr CentralauSschuß mehrere bisherige Parteigenofien, din ier ben früheren Minister beS Aeußeren, Georgewitsch, Unverläßlichkeit aus ber Partei auS.

«the», 30. Mai. AuS Creta liegen weitere Nach- tto nicht vor. Gerüchtweise verlautet, baß zwei Batail- t [»: j|U je 900 Mann in Smyrna nach Creta eingeschifft f |tin. Anbere Verstärkungen werben in Saloniki zusammen- IHliin. Die griechische Regierung soll Einspruch erhoben t gegen bie Entseubung weiterer Truppen.

theilung der Gedenkkrüge und Speisen theilzunehmen. Al4 die Berthetluug begann, entstand ein fürchterliches Gedränge, 331 Männer, Frauen und Kinder wurden erdrückt, 459 ver­wundet. Der Kaiser läßt 1000 Rubel an jede verwaiste Familie zahlen und die Begräbnißkosten auf seine Rechnung nehmen.

WB. Motta«, 31. Mai, lO UHr Abends. Wie nunmehr amtlich festgestellt, betragt die Zahl der Getödteten oder an ihren Verletzungen erlegenen eintausenbein^inbert- achtunddreißig.

Hd. Moskau, 31. Mai. Zu bem gestrigen Volks- feste auf bem ChodhnSkyfelbe hatten sich mehr als eine halbe Million Menschen eingefunben, um an ber Bertheilung ber Gedenkkrüge, ber Speisen unb Getränke theilzunehmen. Als bie Bertheilung begann, entstanb ein furchtbares Ge- bränge. 1138 Männer, Frauen unb Kinber würben nach amtlicher Feststellung er brückt, außerbem viele verwunbet. Die Hauptschulb an bem Unglück wirb ben nieberen Beamten zugeschriebev, bie mit ber Bertheilung ber Geschenke begannen, ehe bie Polizei eingetroffen war. Die letztere soll es aber auch an ben rechtzeitigen Anorbnungen zur Aufrechterhaltung ber Orbnung haben fehlen laffen. Die Bertheiler ber Becher bekamen vor ber anstürmenden Menge Angst unb anstatt bie Becher htnzureichen, warfen sie dieselben in baS Volk hinein. Erst als militärische Hilse civtraf, gelang e», Orbnung her- zuftellen und bie Tobten unb verwunbeten fortzuschaffen. Der Zar ist auf baS Tiefste erschüttert. Er läßt an jebe, ihres Ernährers beraubte Familie 1000 Rubel zahlen und trägt die Kosten für Bestattung ber Tobten unb Pflege ber Berwunbeten. Der Ober-Polizetmeister von Moskau ver­suchte einen Selbstmorb.

Mottan, 31. Mai. Ueber bie Katastrophe wirb weiter berichtet: Etwa bretßtg Faden von ben Buden, worin bie Geschenke unb Erfrischungen aufgespeichert waren, befinbet sich ein tiefer, neun Faden breiter Graben. Die heraudrängende Menge stürzte nieder und die vorderen Rethen fielen in den- selben. Hunderte von Menschen füllten im Laufe von kaum fünfzehn Minuten den Graben. Die von hinten mit elementarer Gewalt geschobenen Mafien gingen über die niedergestürzten Leiber hinweg, ohne zu merken, ob sie Erde oder Menschen unter den Füßen hatten. Bis zu den aufgespeicherten Gaben vorgedrungen, begann die Menge, dieselben unter die heran- drängenden Massen zu schleudern. ES entstand ein furcht- bares Gewühl, welches wettere zahllose Opfer, mehr Ver­stümmelte als lobte, forberte. Die metsten Menschen erlitten ben Erstickungstod. Nachdem bie Orbnung wieber hergestellt war, kam bie Masse wieber zur Besinnung. Durch ben entsetzlichen Anblick ernüchtert, begann bie Menge, über baS Erlebte tief erschüttert, selbst bie Leichen auS bem Graben herauszubesörbern. Hierbei gab eS herz­erschütternde Scenen, wenn Angehörige vermißt wurden. Die herbeigerufenen Militärärzte begannen sofort, die Ber- mundeten zu verbinden. Die Verwundeten wurden in Militär- lazarethwagen in die Krankenhäuser gebracht und die Leichen auf Feuerwehrwagen, mit Strohmatten bedeckt, nach den Feuerwehrrevieren und Krankenhäusern übergeführt. Die vieltausendköpfige Menge folgte in gedrückter Stimmung. In ein Hospital wurden drei Personen eingeliefert, bei welchen acute Geistesstörung eingetreten war. Der Zustand dieser Personen hat fich inzwischen wieder gebrfiert.

Moskau, 31. Mai. Zur Feststellung der Ursache der Katastrophe ist eine gerichtliche Untersuchung einge­leitet worden. Die Gerichtsbehörde nahm heute eine Be­sichtigung des Ortes der Katastrophe vor. Auf dem Wagan- kow-Kirchhof liegen 12 82 Leichen, mit Tüchern bedeckt, und nur theilweise in Särgen. Der Anblick ist ein wahrhaft furchtbarer. Die Gesichter und Glieder sind so verstümmelt, daß die Einzelnen nur an den Kleidern erkennbar sind, wofern nicht diese ebenfalls zersetzt sind. Der Kirchhof ist von weinenden Menschengruppen 'angefüllt, welche ihre Ange­hörigen suchen- immer weitere Massen bewegen sich zum gleichen Zwecke nach dem Kirchhofe. Die Polizei hält die Ordnung aufrecht. Die Verunglückten sind meist Bauern und Arbeiter.

Moskau, 31. Mat. Nicht nur aus Moskau, sondern auch aus den umliegenden Dorfschaften strömten bereits vor­gestern Abend große Mafien auf das ChodynSki-Feld. Gegen 12 Uhr hatten fich bereits gegen 200,000 Personen

Deutsche» Deich.

Intrli», 30. Mai. ImReichsanzeiger" werden heute üetf Besetz, betreffend Abänderung des Zucker st euer- fillijtt rS, vom 27. Mai 1896, sowie der Text des dadurch : iityäiibetten Gesetzes, sowie das Gesetz zur Bekämpfung deS i inliutrren Wettbewerbes und das Gesetz, betreffend den Atzod°!ntartf für den Kaiser Wilhelm-Canal, von demselben

ZlÄwA., veröffentlicht.

- Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe gedenkt tztzmr Abend von seinem Gute Grabowo bei Schneidemühl nioiiitr tu Berlin einzutreffen.

In diplomatischen Kreisen wird es als bemerkens» v mlh lbezeichnet, daß der bisherige französische Botschafter, Signier bette, ohne jede Auszeichnung von hier ge- f ftfrein ist.

Das Handelsgesetzbuch ist jetzt im Ministerium fmig, gestellt. Nachdem die Drucklegung erfolgt, wirb es 8 in bie Einzelstaaten unb die zur Abgabe von Gutachten be- eifran Corporationen unb Bereinigungen versanbt werben.

Die ministerielleBerl. Corr." schreibt: In ber \ Bifie wirb von Neuem bie Nachricht verbreitet, baß von dW Z taat Seisenbahnverwaltung eine Neuorgavisa» t tim i.eS gesammten StationS- unb ExpebitionSdiensteS in JMtat genommen fei. Diese mit detaillirten Angaben über dH künftigen Amtsbezeichnungen unb BefolbungSverhältniffe ü iinhüipfte Nachricht beruht in ihrem ganzen Umfange auf 4 firinbumg. ___________________

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vekamttmachuug, j menffrnb bie Veranstaltung von Berloofungen innerhalb beS GroßherzogthumS.

7 er Turnverein zu Homberg a. d. Ohm beabsichtigt . «DocembcY l. IS. eine Berloofung von lanbwirthschaftlichen <inl Haushaltungs-Gegenständen zu veranstalten, um bie BIM zur Erbauung einer Turnhalle zu gewinnen.

DaS Großh. Ministerium beS Innern unb ber Justiz ^Mtbli nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung bieser Ver- . joiioiiii unter ber Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als ' «WO it'oofe zu 1 Mk. daS Stück auSgegeben werden dürfen Linb bn§ ber Werth ber Gewinngegenstänbe mindestens 60pCt. c id B^uttoerlöseS aus dem Verkauf der Loose betragen muß. 1Biflfiti) ist ber Vertrieb ber Loose in ber Provinz >2inhnffen gestattet worben.

8 teßen, den 29. Mai 1896.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

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Meßmer Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Alle Verletzten würben burch bie Explosion in bie Luft geschleudert. ______________

Depeschen bei Beriee .Hereld".

Berlin, 31. Mal. Der frühere franzöfische Botschafter Herbette Ist gestern Abend mit feiner Familie nach Paris abgereist. Auf dem Bahnhofe verabschiedete fich derselbe von bem Personal ber Botschaft in herzlichster Weise. Kurz vor Abgang beS Zuges erschien ber StaatSsecretär Freiherr v. Marschall, um bem scheibenben StaatSwanne Lebewohl u sagen.

Berlin, 31. Mai. Die Nr. 22 beSSocialist" ist demVorwärts" zufolge am Freitag Morgen polizeilich befchlagnahrnt worden. Beanstandet wurde ein Artikel des Tischlers Jean Wilgust aus Frankfurt a. M., worin ber» elbe seine persönlichen Erlebnisse währenb beS Frankfurter FriebenSfeste» schilbert. Borgefunben würben 72 Exemplare.

Budapest, 31. Mal. Von mehreren deutschen Reichs» tagSmltgllebern, die zur MilleniumSfeler eingeloben würben, ist burch bie Botschaft in Berlin hier angefragt worben, welches .ber geeignetste Zeitpunkt zum Erscheinen in Bubapest wäre. Als Antwort finb seitens ber ungarischen Regierung bie Tage vom 5. dis zum 8. Juni genannt worden.

PnerSbnrg, 31. Mai. Der Zar wird mit seiner Gemahlin, wie in Hofkreisen verlautet, bestimmt im September am Wiener Hof einen Besuch abstatten.

Konstantinopel, 31. Mai. In energischem und dringendem Tone find die mündlichen Vorstellungen der Botschafter bei der Pforte gehalten wegen Ernennung eines christ­lichen Gouverneurs in Zeitun, damit auf Kreta wieder geordnete Zustände hergestellt werden.

Athen, 31. Mai. Die Türkei soll entschloffen sein, ben Aufstand in Kreta blutig zu unterdrücken. In Canea versuchen die Consuln, die Aufständischen zum Ausgeben der Belagerung von VamoS zu überreden. In Heraklion ist bie Lage für bie Christen äußerst kritisch, ba jetzt bie Mohamebaner von ben türkischen Behörben nicht mehr am Einbringen in bie Stabt gehinbert zu werben scheinen, benn in Mafien ziehen bie Mohamebaner jetzt ein. Die Consuln verlangen die Entsenbung eines Kriegsschiffes.

Berlin, 1. Juni. Fritz Friedmann wurde gestern früh auf dem Greaz-Bahnhofe Amanweiler der deutschen Be­hörde übergeben. Derselbe traf um 8 Uhr in Metz ein, woselbst er vom Staatsanwalt einem Verhör unterzogen wurde. Um 9 Uhr erfolgte die Weiterreise über Saar- brücken und Frankfurt a. M. nach Berlin, wo er heute Morgen erwartet wird.

Wien, 1. Juni. Der Controleur der städtischen Haupt- kaffe, Theodor Jasf, hat fich gestern im Prater er- schossen. Die Kränkung über einen Fehltritt seines Sohnes soll baS Motiv beS Selbstmordes sein.

Badapest, 1. Juni. Kaiser Franz Joseph ist gestern hier eingetroffen unb wirb heute Mittag bie Dele­gationen empfangen.

Pari-, 1. Juni. Die Getreibe-Ernte ist infolge ber anbauernben Trockenheit in ber Loire-Gegend fast voll­ständig verloren.

Pari», 1. Juni. Präsident Faure ließ dem Zaren telegraphisch sein Beileid anläßlich deS Moskauer Unglücks» falleS ausdrücken. Sammlungen für die Hinterbliebenen ber Verunglückten würben eingeleitet.

Pari«, 1. Juni. Trotz beS BefchluffeS ber Socialisten, in ber Kammer für bie Besteuerung der Rente zu stimmen, dürfte die Steuer nicht durchgehen, weil die Monarchisten und Ralllirten dagegen stimmen müffen. Bis» her find elf Anträge auf BerfaffungSrevifion in ber Kammer gestellt. Da für bie Aufnahme ber Anträge in bie TageS» orbnung trotz ber Opposition ber Regierung eine Mehrheit von 53 Stimmen vorhanben war, glaubt man, baß für bie BerfaffungSrevision auch bei ber befinitiven Abstimmung eine Mehrheit herauskommt. Die Monarchisten können sich näm­lich ihrer Abstimmung nicht enthalten, ohne ihre eigenen In- tereffen zu verrathen.

Athen, 1. Juni. Die türkischen Truppen haben bie in Damos eingeschloffene Abteilung befreit. Der Groß- fürst-Thronfolger ist gestern in PatraS angekommen unb nach Konstantinopel weitergereist.

Pratoria, l.Juni. Präsident Krüger empfing gestern die Begnadigten, welche ihm ihren Dank auSdrückten.

WB. Moskau, 31. Mai. Auf dem Chodhnskyfelde be dem PetrowskypalaiS waren feit gestern Abend mehrere hunderttausend Personen versammelt, um an der heutigen Der-