Als die Kurfürsten von Sachsen, einst die Schirmherren des evangelischen Glaubens, um der polnischen KöuigSkrone willen ihren Glauben Preisgaben, hat Brandenburg-Preußen die sinkende Fahne des Protestantismus hoch gehalten, und der wellregierende Gott hat ihm die Führung Deutschlands gegeben. Vergeblich hatten einst die Hohenstaufen versucht, Deutschland von der Knechtschaft deS Papstthums frei zu wachen. In der katholtschen Welt deS Mittelalters mußte das unmöglich bleiben, denn der Papst war die Sonne und weltliche Obrigkeit nur der Mond. Erst die Reformation hat daS eigene gute Recht deS Staates zur allgemeinen Ueber- zeugung und Anerkennung gebracht, daß er auch eine GotteS- ordnung ist ebenso wie die Kirche, daher es zur Gottesfurcht gehört, zu geben „bem Kaiser, was deS Kaisers ist." Erft die Reformation hat die Möglichkeit gegeben, daß die evangelischen Hohenzollern daS Werk der Hohenstaufen hinaus führen konnten.
Die vermeintliche „Privatsache" der Religion, die innerlichen Bewegungen der gläubigen Seele haben sich als eine Macht erwiesen, welche unwiderstehlich die große Politik der Bö ker umgestaltet hat. Denn wie die Völker glauben, so leben und handeln sie.
Nach katholischem Glauben ist nur der geistliche und kirchliche Stand vollkommen christlich, jeder andere „weltliche" Stand mit dem Makel einer geringeren Christlichkeit behaftet, der Mönch und die Nonne im Kloster heiligere Leute als der christliche Hausvater, der für feine Kinder arbeitet, als die fromme Mutter, die sie aufzieht. Unser evangelischer Glaube hat uns gelehrt, daß kein Stand an sich selbst heiliger tft als ein anderer, kein Stand darf sich mit einer ger-ngeren Heiligkeit begnügen als ein anderer- durch die Taufe tft jeder Christ geheiligt und Jedermann tft schuldig in seinem S-and und Beruf, welcher er nun sei, nach dem Gebot unseres Heilandes zu leben: „Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen tft". In jedem Stande kann der Christ ein Nachfolger Jesu sein.
Diese evangelische Erkenntniß hat uns die Welt und daS Leben in der Welt in einem neuen Lichte gezeigt und hat die Freude am Vaterlande, am irdischen Beruf, an Haus und Familie christlich verklärt, weil daS Alles, wie Luther sagt, „ist ein Mitglied worden des christlichen Körpers". Aus der „babylonischen Gefangenschaft" RomS ist das nun Alles zur christlichen Freiheit zurllckgegeben. In dieser Luft evangelischer Freiheit hat sich daS politische, wtrthschaftliche und wissenschaftliche Leben zur schönsten Blüthe entfaltet; hier gehen
die evangelischen Mächte voran: England, Deutschland, Nordamerika. Die evangelische Frömmigkeit hat eine große Verheißung auch für daS irdische Lben empfangen. Lutherund die anderen Männer der Reformation wollten nur ihre eigene Seele selig machen und die ihrer Mitmenschen, und weil sie am ersten nach dem Rrich GotteS trachteten und nach seiner Gerechtigkeit, so ist b:n Völkern der Reformation auch ein großer irdischer Segen zugesallen.
Freilich, die evangelische Freiheit kann gemißbraucht werden und das tft ost genug geschehen. Don Menschenknechtschaft loS sein und Gott dem Herrn dienen, daS heißt frei sein. Wer nicht GotteS Knecht, GotteS Kind sein will, verfällt unrettbar wieder der Menschenknechlschast und Sünden« knechlschaft. Nur JesuS C-r-stuS kann die Menschen recht frei machen. Eine glaubenslose Wissenschaft verfällt dem Aberglauben, ein unchristliches WirthschaftSleben dem Marn- moniSmuS, eine ungläubige Masir dem Despotismus ihrer Führer. Möchten wir nie vergtssrn, daß das Beste von dem, was wir Deutschen sind und haben, auS den tiefen Lebens« wurzeln der evangelischen Frömmtgkrit herauSgewachsen ist. Ohne die würde es u aufbaltsam wieder verfallen. An jedem Reformationstage wollen wir uns fest auf unfern evangelischen Grund stellen, alle mit einander, denn unsere Religion ist mehr als „Privatsache". DaS Innerlichste und Persönlichste, der religiöse Glaube, ist zugleich daS Gemeinsamste und Volksthümlichste. Darum, evangelisches Volk, „halte, was du hast, daß Niemand deine Krone nehme."
Citeroiur unb Ttnnfr.
— Statistik der deutsche« Schul- und Univerfftüts- fchriften lb95/96. Bet der CeniratNelle für Dissertationen und Pr^vramme von Gustav Fock tn Leipzig sind im Wtnt rsewester 1895/9i sowie im Sommersemester 1896 „3720" im gleichen Zeiträume an deutschen Unioeisiiäten bezw höheren Lehranstalten rc. neu erschienene Schriften rJnauguraldlsseitat onen, Habilitattonsschriften, Gelegenheitslch 'sten, Programmadhandlungen rc), eingeliefert worden. D»e Titel derselben sind im 7 Jahrgang des unhr Mitwirkung mehrerer Un versttälsbehörden von obengenannter Centralstelle her- auSgegebenen Bibliographischen Monatsberichtes über neu erschienene Schul- und Unive.sitätssckrtften verzeichnet. Aus die einzelnen Wissenschaften vertheilen sich die 3729 Schriften folgendermaßen: Klassische Philologie und A terthumsw'ssenschaften 296. Neuere Philologie (Modern Sprache und Lttteraturgeschichte) 218. Orientalta und Allgemeine Sprachwissenschaft 73. Theologie 38. Philosophie 51. Pädagogik 233. Geschichte und HülsSwtsienschaften 167. Geographie 15. Rechts- und Staatswissenschaften 340. Medtctn 1404. B schreibende Naturwissenschaften (Zoologie, Botanik, Geologie, Mineralogie rc) 184. Exacte Wisien'chasten (Mathematik, Physik,
Astronomie, Meteorologie rc) 198 Chemie 386. Bildende Künste 21. Musik 3. Land- und Forstwirtschaft 22. Verschiedenes (Bibliothekswesen, Reden rc.) 71.
— Aus dem reich sprudelnden Leben der Gegenwart zu schöpfen, liebevoll der Vergangenheit zu folgen, geistige Anregung und Unterhaltung zu bieten, das find die Forderungen, welche die deutsche Leserwelt an eine gediegene Zei schrtfi stellt. In vollem Maße wird diesen Forderungen das belieote Familienblatt »Utbet Land und Meer" gerecht, von dem un8 in vornehmer Ausstattung das erste Heft de« neuen Jahrgangs oorltegt. Welch reiche Fülle besten, was Auge und Herz erfreut! Mit der Menge seiner künstlerisch vollendeten Abbildungen stellt sich das Heft als ein wahrer Prachtband dar, in dem sich zu vielen Holzschnitten, unübertroffenen Muster- leistungen der xylographrschen Kunst, noch eine stattliche Reihe ^vielfarbiger Aquarelldrucke gefeilt, welche die Technik Meter Vervielfältig- ungsart tn bisher unerreichter Höhe zeigt. Als fei aufs Ne. e der Sommer eingezogen, so lacht uns die doppelseitige achtfarbige Kunstbeilage „Unter Rosen" entgegen — eine neckische Schöne unter üppigem Blumenflor —; das H:rz deS Waidmonnes weitet sich beim Anblick deS stimmungsvollen, vom ersten Morgendämmern beleuchteten JagdbildeS „Entenfall", und in die von romantischem Zauber umwobene Vergangenheit versetzt unS die prächtige bunte Bild'rreibe „Stuttgart im sechzehnten Jahrhundert". Besondcrn BcisallS dürften sich auch die Gruppenbilder au« den höchsten Kreisen erfreuen: wie die Zeitschrift ihren vorigen Jahrgang mit den PorteäiiS deutscher Prinzen und Prinz«ssinnen eröffnete, fo bringt sie jetzt in reizvoller Anordnung die Bildnisse österreichischer Erzherzoge und Erzherzoginnen. Heber diesem verschwenderischen Bilderschmuck ist indessen der geistige Inhalt nicht vernachlässigt, vielmehr bietet auch er Auserlesenes dar Alexander Baron von Robert-, der unlängst vom Tode dahinaerafft wurde, hat das Erscheinen seiner jüngsten Schöpfung, des Romans „Schwiegertöchter", nicht mehr erlebt, aber die Leser werden dem Autor der humorvollen, ebenso spannenden wie lebenswahren Schilderungen ein dankbares und herzliches Erinnern widmen. Entwickelt dieses Werk sich auf dem Boden deS modernen Berlin, fo versitzt uns Georg Freiherr von Ompteda mit feinem Roman „Der Zeremonienmeister" nach dem schönen Elb- florenz und gibt fesselnde Bilder aus dem dortigen internationalen Gesellschafttzleden. An diese beiden großen W rke, deren Der'asser auch im Bilde vorgeführt werden, fchließt sich ein reichhaltiges Feuilleton aus den verschiedensten Gebieten, und auch die Poeüe gelangt in stimmungsvollen Gedichten zu ihrem Rechte. Die Rubrik „Für müßige Stunden" bietet wieder viel Ms Anregenden und Unterhaltenden, und ohne Frage werden die Preisräthsel einen eifrigen Wettbewerb Hervorruf n. Nimmt doch unter den vierzig Preisen die erste Stelle das Original der farbigen Kunstbeilage ein: das Aquarell „Unter Rofen" von 21. H. Schram, mit seinem kunstvollen Rahmen einen Werth von 1350 Mk. reprösentirend. Wir empfehlen allen unfern verehrlichen Lefern, sich das erste Heft von der nächsten Buchhandlung kommen zu lassen, damit sie sich selbst durch den Augenschein überzeugen, was dieses treffl'che Unterhaltungsjournal für seinen billigen AbonnementSpreiS (3 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich, 60 Pfg. für die in vierzehntägjgen Zwischenräumen er- erscheinenden Hefte) alles bietet.
Feierabend für Lehrlinge.
Mit nächsten Sonntag, den 1. November, beginnen wieder die regelmäßigen Zusammenkünfte. Dieselben werden jeden Sonntag Abend von 6 Udr ab im Saale des alten Rathhauses stattftnden. Alle Lehrlinge sind herzlichst willkommen.
9619________Für den Vorstand: Dr. Grein.
PrriiWe Rritki-VrMklmss-Anjtall.
Leidrenteuverficheruug zur Erhöhung b<6 Einkommens. Kapitalver- ffcherung (für Aussteuer, Militärdienst, Studium) Sparkaffe. Gezahlt« Rente« 1895 : 3440000 Mark. V-rmSgear 96 Millionen Mark
Prospekte und nähere Auskunft bet Herrn Heinrich Hochrentder in Gießen, Südanlage 5, 670
Bekanntmachung.
Zum Gedächtniß des früheren ordentlichen ProfefforS d-r Theologie an der Landes-Universität Karl August Credner ist von deffen Sohne, dem Verlagsbuchhändler Hermann Credner zu Leipzig, der Landes Universität ein Capital von 10,000 Mk. stiftungsmäßig überwiesen worden. Die Zinsen dieser „Karl August Creduer-Stiftung" sind zur Unterstützung von Wittwen und unverheiratheten Töchtern verstorbener Profesioren und Privatdocenten der Landes-Universität bestimmt. Anspruch aus Be« rücksichligung haben demnach alle Wittwen und hinterlaffenen ehelichen, nicht im Haushalte der Mutter lebenden Töchter, deren Gatte bezw. Vater zur Zeit seines Todes ordentlicher oder außerordentlicher Profesior ober Privatdocent an Mr Landes Universität war, und deren Berhältniffe eine Zuwendung aus den Erträgnissen der Stiftung rechtfertigen. Dabei soll es keinen Unterschied macken, ob der Gatte bezw. Vater bis zu seinem Tode im activen Dienste stand, oder bereits in den Ruhestand getreten war. Die Vergebung des Stiftungsertrags erfolgt durch den Engeren Senat der Landes-Universität auf Grund schriftlicher Bewerbungen, — die Auszahlung jeweils am 10. Januar als dem Geburtstage Karl August Credners, erstmalig an besten 100-jährigem Geburtstage, dem 10 Januar 1897. Bewerbungen sind spätestens bis zum 20. November d. I. an den Engeren Senat der Landes-Universität einzureichen.
Gießen, den 26. October 1896.
Großherzogliche Landes Universität.
9630___________________D. Stade, Rector.______________Sckäffer.
Sonntagsverein für Mädchen.
Die Vereinigung der Mädchen am Sonntag soll für das Winter- Halbjahr am nächsten Sonntag, den 25. October, wieder ihren Anfang nehmen.
Die Vereinigung findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr Nachmittags im Saale der Kleiukinderschule; die Mädchen können nach Belieben zu jeder Zeit kommen und gehen; von 9/t4 Uhr bis 9/45 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Vorträgen.
Gute unterhaltende Bücher und Spiele find in grober Zahl vorhanden.
Eröffnungsfeier am Sonntag, den 25. Oktober, Nachmittags 4 Uhr.
Wir laden die Mädchen zu zahlreicher Betheiligung ein, und bitten Ellern, Herrschaften und Geschäftsinhaber, ihre Mädchen auf den Sonntagsverein Hinweisen und denselben die Theilnahme gestatten zu wollen.
Gießen, den 20. October 1896.
Für den Vorstand: 9319 Dr. Naumann, Pfarrer.
BehördlicheAnzeigen
. i ie husten
von
nicht mehr bei Gebrauch Walthers
Sroßh. Hessische Ltaatsrisendahllkn
Verdingung der Lieferung und Befestigung der hölzernen Brücke«- schwellen und -gedecke für die vier kleineren eisernen Ueberbaute« der Revendahn sfriedberg—Hunge«.
Die der obigen Ausführung, welche rund 16 cbm Quer- und Saum'chwellen, sowie rund 144 qm Bohlenbelag von k> cm Starke umfaßt, zu Grunde gelegten Zeichnungen, Massenb-rechnungen und Bedingungen sind im Bureauzimmer Nr. 3 der unterzeichneten Behörde in Gießen (Frankfurterstraße 64) einzufehen, woselbst die Verdingungsanschlag Formulare und auf Wunsch die Bedingungen ober Tbeile derselben, auch die Mrffen- berechnungen gegen Entrichtung von 10 H für jeden Actenbogen, bezw. für jedes Actenblctt, sowie die Zeichn ngen gegen Bezahlung von 1 für jedes Exemplar von Normalformat, bezw- 2 JL für jedes von Doppelformat, abgegeben werden
Angebote sind postfrei und unter ent sprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bis zum Eröffnungs-Termin Samstag Den 7. November d. I., Vormi'tags 11 Uhr, etnzureichen
Zuschlagsfrist zwei Wochen.
Gcoßh. Baubehörde für Nebenbahnen tn Oberhessen. 9441
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Die Lieferung von eirea 500 cbm Lahuktrs soll im Wege schriftlichen An gebois vergeben werden und sind die bezüglichen Bedingungen im Büreau deS Unteriktchneten (Frankfurterstraße 24) von heute ab zur Einsicht offen gelegt. Schrift! che Angebote sind eben dahin bis zum EröffnungStermin Dienstag den 8 Rovernver I. I., Vormittags 11 Uhr, abzugeoev.
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Flur 32 Nr. 92 — 1725 qm Wt-se am Hegstrauch, bet der Roden hansischen Wiese,
Flur 39 Nr. 63 — 24 <1 qm Acker hinter dem Waldbrunnen,
39 64 — 2425 qm Acker daselbst,
„ 39 „ 65 -2425 , .
zum größeren Tbetl Wiese „ 41 „ 1H9 — 4205 qm Acker am
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