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1.10.1896 Zweites Blatt
 
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Der

-rschnnt täglich, mit AnSnahm« M

Moutag«.

Die Gießener

A« mikienvtLller »er den dem Anzeiger ndchmtlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Donnerstag den 1« October

1896

Kichener Anzeig er

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Alle Anuoncen-Bureaux des In» und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

4e Theilnahm ! lch das HiGi' wiegervaters,

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allen Jenen, ch : und Herrn ft- ; wit hiermit wr-

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30. September A

INM Giess 16, AbendiS^i -inen neuen LIS« er Ferber^-- Itlich, woeeii

chen Stenor^' chhandlonge:

^schliessende W g, 30. Octobt? ^Voratai >rnabu>c ebene 81* "

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Feuilleton.

Gesprengte Fesseln.*)

von I. Weingartner-Budapest.

(Nachdruck verboten.)

Majestätisch gleitet dieVesta" der Donau-Dampfschiff- slhrt Gesellschaft über den fast metlenbreiten Strom. Ein liDfltr Jnselstretf schiebt sich in denselben, am linken Ufer ikb ein ungarisches Dorf sichtbar, während fich rechts die srrbiichen Berge immer dichter au das Flußbett hinanfchteben. Vie Schiffsglocke ertönt, der Dampfer hält nach dem mgmrtschen Ufer zu und legt in Alt-Moldawa an. Die ßafln giere steigen auf Deck, der Capirän hat fie darauf auf- «rk-am gemacht, daß unterhalb der Station die Donau- Katarakte beginnen, welche amEisernen Thor" dir Schiff- srhri einen Riegel vorschieben, oder richtiger gesagt vor- schvben, tenn seit Anfang März find die Feffeln, welche hier ial Klußbett unpasfirbar machten, derart gesprengt, daß selbst lktkj-schiffe wit bedeutendem Tiefgang die Klippen und Riffe mgelährdet durchfahren können.

Das Bett der Donau ist hier auf eine Strecke von Mv 80 Kilometer durchsetzt wit FelSrückeo, Felsbänken und Slifs^en aller Art. Bet hohem Wafferstand künden Strudel ins Strudel die gefährlichen Riffe an, bei niederem Stand Räumen die gelben Wogen hoch ouffpritzend gegen die stveazen Felskanten. Bis hinunter zum Eisernen Thor liegt Bank bei Bank, aber doch immer so, daß die Besei- listig der Verkehrshindernisse innerhalb verhältnißmäßig Iqtw Zeit möglich war. Die 800 Meter lange FelSbank .sttmka" mußte gar bald dem Dynamit weichen, und als tift ! inmal die RegulirungSarbeiten dieser Strecke des FluffeS slanmähig und ztelbewußt geleitet wurden, war daskleine chrne Thor" bald forctrt. Der RiffGreben" und die

w) Au der soeben erfolgten Eröffnung deSEisernen ThoreS".

StromschuelleJucz" haben größere Arbeit erfordert, aber auch fie wurden bezwungen, so daß eS schon seit einigen Jahren gar keioeS UmstetgenS mehr bedurfte, sondern die großen Dampfer direct nach Orsowa fahren können hohen Wafferstand natürlich immer vorausgesetzt.

Die Römer haben seinerzeit schon eine Schiffbarmachung dieses ThetleS der Donau angestrebt, freilich waren ihre Kräfte und ihre Hilfsmittel dieser gewaltigen Aufgabe nicht gewachsen. Sie halten die kühne Idee, die Schnellen trocken zu legen, d. h., fie beabfichttgten, einen Canal zu bauen, welcher die gefährlichen Strecken umging. Spuren eines solchen Canals lassen fich längs des rechten Ufers noch heute Nachweisen. DieTrajanSstraße" kann man heute noch eine ganze Strecke verfolgen, fie bildete längs der steilen Ufer« felfeu einen schmalen Pfad, auf welchem fich die Legionäre vorwärts bewegten und längs welchem die Schiffe durch die Stromschuelleu gezogen wurden. Wer fich heute von Orsowa aus nach dem Eisernen Thor rudern läßt, wird auf der Rückfahrt längs des rumänisch-ungarischen UferS ebenfalls gezogen", gegen den reißenden Strom läßt fich mit Rudern nicht aukämpfeu. Als der Kaiser Trajan sein Werk vollendet hatte, ließ er eine Tafel in den Felsen einfügen, deren In­schrift zum Theil noch heute gut erhalten ist. In neuerer Zeit ist die Tafel renovtrt wordeu, fie ist jetzt für Jedermann sichtbar, der sich guter Augen oder eines schlechten KrimstecherS erfreut.

Der Paß von Kazan ist wohl die Partie des ganzen FluffeS, in welcher fich die meisten landschaftlichen Schön­heiten zusammendrängeu. Die Berge stoßen von rechts und links so dicht an die Ufer, daß der Fluß aufs Aeußerste eingeengt wird. Die Felswände ragen direct aus dem Wafler zu gigantischer Höhe empor, man glaubt auf einem schmalen Flüßchen, aber nicht auf der gewaltigen Donau zu schwimmen, die noch kurz vor der Einfahrt io den Engpaß kaum über­sehbare User zeigte. Ein Gefühl der Erleichterung über­

kommt den Reisenden, wenn endlich der unergründliche Strom sich wieder weitet und von fern die freundlichen Ziegeldächer des letzten ungarischen Städtchens, deS historischen Orsowa, sichtbar werden.

Orsowa, ein gemüthlicheS Nestchen! ES läßt fich da gut leben imKönig von Ungarn". Man sitzt im schattigen RestaurattouS-Garten dicht am User der wild- schäumenden Donau und delectirt sich an famosen Orsowaer Caviar und an den saftigen Sterlet-, deren Zubereituug Küchengeheimniß deS Hotels ist. Dazu cymbelt die obligate Zigeunercapelle die modernsten Gassenhauer, während der Mond in den Wellen glitzert und aus den serbischen Bergen dichte Nebel emporsteigen^ welche allmälig die Ufer etuhüllen und von dec Türkeninsel Ada-Kaleh nunmehr einen dunklen Streif sichtbar werden lassen.

In Orsowa domiciltrt der Stab der Ingenieure, welcher bei der Regulirung beschäftigt ist, in Orsowa wohnt auch ein Theil der ungarischen, deutschen, serbischen, rumänischen, italienischen Arbeiter, welche im Verein mit den Zigeunern, Türken und Juden ein Sprachengewirr Hervorrufen, wie eS bet dem Bau deS Thurmes zu Babylon auch nicht schlimmer gewesen sein kann.

Eine Fahrt nach den Stromschnellen erfordert, wenn anders man die Besichtigung gründlich vornehmen will, eine TageSparthie. Ein alter Türke steuert geschickt das schwankende Boot stromab, er kennt das Fahrwasser ebenso genau wie die beiden Ruderer, welche aus der Hinfahrt noch vergnügte Gesichter machen, die fich aber bei.'der Rückkehr bedenklich in die Länge ziehen: die beiden müssen das Boot gegen den Strom am Ufer entlang an langen Leinen vorwärts ziehen. Die meisten Passagiere haben aber Mitleid mit den armen fchweißtriefendeu Leuten und legen trotz des tiefen Sandes die beschwerlichsten Strecken zu Fuß zurück.

(Schluß folgt.)

Bekanntmachung.

Am 5. October 1896, Vormittags von 9 bis 1 Uhr md Nachmittags von 2 bis 6 Uhr wird die Wahl von 45 Wahlmännern für die Stadt Gießen zum Behuf der Wahl eines Kaiibtagsabgeordueteu für die Stadt Gießen im Bürger- Mifwreigebäude (Sitzungssaal) vorgenommen werden. Alle stimmberechtigten Naatisbürger werden daher eingeladen, an dem gedachten Termin sich sprjönlich einzufinden und ihre Stimmen abzugeben.

Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche nit her Entrichtung ihrer schuldigen directen Staatssteuer, oder falls sie W einer solchen nicht herangezogen sind, ihrer Communalsteuer länger als jiiii Monate sich im Rückstände befinden, zur Abstimmung nicht zugelassen rnttbtn und daß daher alle Diejenigen, welche bis heute mit der Entrichtung tat betreffenden Steuer über zwei Monate im Rückstände waren, nur dann ziv Abstimmung zugelassen werden können, wenn fie diesen Rückstand noch bei &ur Wahl abführen und daß solches geschehen, der Wahlcommission tauji Vorzeigung ihrer Steuerquittung nachweisen.

Gießen, am 30. September 1896.

Die Wahlcommission.

Der Oberbürgermeister: Die Urkundspersonen:

Gnauth. Keller. Vogt. 8655

Alice-Fchule in Gießen,

tzegiurr des Winter-Semesters am 13. October.

^Ausnahme der Schülerinnen am 12. Oktober, 10 Uhr.

Auszug aus dem Unlerrichtsprogramm:

1. Klaffe: Englische und ftanzöstsche Conoersation, Bügeln, weibliche Handarbeiten; 10 Wochen; 50 Mk.

S. Klaffe: Hand- und Maschinennähen, Sticken u. s. w., Bügeln, oder Kleidermachen und Bügeln; 10 Wochen; 20 Mk.

8. Klaffe: Hand- und Maschinennähen, Flicken, Stopfen, Weißfticken, Fach- und Freihandzeichnen; 10 Wochen; 15 Mk.

Ausführliche Einzeleurse:

i iMüttliche Curse für Lehrerinnen (40 Mk.), im Weißnähen oder Kleider­machen (30 Mk.), im Sticken (12 Mk.).

? ^Mnatliche Curfe im Bügeln oder Kunstwaschen (12 Mk.), in franzö­sischer und englischer Conoersation (je 20 Mk.), KochcursuS (50, Vormittage 36 Mk.).

iGedruckte Programme sind durch den Vorstand oder die L Mnhrerin, Fräulein Möser, erhältlich. 7898

Hoh-Lieferung.

Die Lieferung des Holz-Bedarfs unserer Gruben für die Zeit vom 1. Januar 1897 bis 30. Juni 1898 soll im Wege der öffentlichen Sub­mission vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen können auf unserem Büreau dahier eingesehen oder auch von uns bezogen werden.

Offerten sind in verschlossenen, mit der AufschriftHolzlieferuug" versehenen Couverts bis spätestens den 15. October d. I. bei uns einzureichen. 8654

Weilburg, den 28. Sept. 1896.

Kkupp'sche Zttgvttivaltuug.

Vergebung von Bauarbeiten.

Die bei dem Neubau einer Schuppenanlage mit Keller bei den neuen Kliniken zu Gießen vorkommenden Arbeiten, als: 1) Erdarbeit und Maurerarbeit (Erd­aushub rd. 385 cbm, Bruchstein­mauerwerk rd. 94 cbm, Backstein­mauerwerk rd. 80 cbm, Fachwerks- ausmauerungen rd. 172 qm), 2) Steinhauerarbeit (Basaltlava rd.

4,5 cbm),

3) Zimmerarbeit (Kiefernholz rd. 27 cbm, Tannenholz rd. 14 cbm, Dachverschalung rd. 79 qm, ein fettig behobelte Wandverschalung rd. 52 qm, eine einfache Treppe), 4) Dachdeckerarbeit (Ziegeldach rd.

240 qm, Holzcementdach rd.

75 qm),

5) Spenglerarbeit, 6) Schreiner arbeit, 7) Glaserarbeit, 8) Schlos­serarbeit, 9) Weißbinderarbeit, 10) Eisenlieferung (rd. 3200 kg Walzeisen), 11) Canalisations-

arbeit, 12) Wasserinstallations arbeit

sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung, loosweise nach vor stehenden Positionen vergeben werden.

Die Arbeiten in den pos. 1, 2 und 11 können auch in einem Loos vergeben werden.

Die Angebotsunterlagen sind im Amtslocal unterzeichneter Baubehörde, Goethestraße 52, aufgelegt und können Angebotsformulare daselbst bezogen werden. Bezüglich der Bedingungen für die Bewerbung um diese Arbeiten und ihre Ausführung wird auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 verwiesen.

Die Angebote sind bis Montag den 12. Oetober 1896, Nach­mittags 5 Uhr, dem Eröffnungs­termin, einzureichen.

ZuschlagSsrist: 14 Tage.

Gießen, den 1. October 1896. Großherzogliche Baubehörde für die Universitäts-Neubauten zu Gießen.

Reuting.8653

Versteigerungen, r

Versteigerung über die jlllterhaltullg der Straßen der Gemeinde Mieseck.

Mittwoch den 7. October l. I., Nachmittags 5 Uhr, sollen die nachstehenden Arbeiten, als: veranschlagt zu Mk.

1) Steinlieferung . . . 480.

2) Kieslieferung.... 52.50

3) Steindecken . ... 69 auf hiesigem Rathhaus versteigert werden.

Wieseck, am 29. September 1896.

Großh. Bürgermeisterei Wieseck. Sommerlad. 8656

Mittwoch den 7. Moder,

Nachmittags 2*/s Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die zur Concursmaffe deS August Helfen- bein in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 13 Nr. 161 - 669 qm Acker auf der Hardt über der Kropbach, Flur 13 Nr. -62 644 qm Stetnbruch daselbst,

Flur 13 Nr. 163 668 qm Steinbruch daselbst,

Flur 13 Nr. 180 11C0 qm Acker das., Flur 13 Nr. 181 388 qm Acker das., Flur 13 Nr. 183 - 1488 qm Acker das., Flur 38 Nr. 68V10 2311 qm Wiese im

Wallpforterfeld, rechts der Chaussee auf die herrschafilichen Wiesen

öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 25. September 1896.

Großh. Ortsgericht Gießen.

___________3 A.: Bogt. 8555

Versteigerung.

Donnerstag den 1. October, Nachmitt. 2 Uhr, werden Neustadt 55 (vieker'scher Saal) nachfolgende Gegen­stände gegen Baarzahlung versteigert:

Tische, rund u. viereckig, Stühle, Commodeu, Sopha mitSeffel, Badewanne für Kinder, eine Geige, ein Bilderatlas zur Weltgeschichte (ganz neu), Herren-, Damen- und Kinder-Kleider und -Wäsche, Lampen, feine Thee« und Eßlöffel und Gabeln, Angelgeräthe, Küchenwaage, Kochtöpfe, Vogel­käfige, Puppenstube, Puppenkauf­laden, Bücher, Schirme u. f. w.

8626 I. A.: Schneider.

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in großer Auswahl sehr billig.

E. Neuling, s«r-

Mcch. Strickerei, Wetzsteinstraße 45.