Ausgabe 
30.11.1895 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Rr. 282

Der itzie-ener Au»eiger ^scheint täglich, «U Ausnahme deS MontagL.

Die Eichener

A»«mitie»vlLt1er werdeu bnn Anzeiger wöchentlich dreimal beigckegt.

18SS

Erstes Blatt. Samstag den <0 November

Gießener Anzeiger

Kmerat-Anzeiger.

Vierteljähriger A5o»aeole»t»ffre1» t 2 Mark 20 Pfg. mit Vringerlohn.

Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Lxpeditto» uud Druckerei:

Kchutstratze Ar.7. Fernsprecher 51.

Aints- und Anzeigeblatt für den Ureis (Stegen.

I K--tt-°nc°g-- Kl-ß-»» K-mili-nöwi-r.

2lmtiid?er Theil.

Gießen, den 29. November 1895.

N3e t'r.: Die.VolkSzählung im Jahre 1895.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gtetze»

-an das Grosth. Polizeiamt Gießen, die Grosth. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises aud^daS Grosth. Polizei-Commissariat Arnsburg, gj Mil Bezugnahme auf unsere ausführlichen AuSschretben üh «r. 262 und 278 d. Bl. sprechen wir hierdurch die Er­wartung auS, daß Sie die Ihnen gewordenen Anweisungen zu der am 2. December l. I. statrfindeudeo allgemeinen Volkszählung strengstens befolgen und der Wichtigkeit dieser Maßnahme gemäß Ihren Pflichten vollkommen nachkommen werden.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend: Maul- und Klauenseuche.

Die Maul- und Klauenseuche ist weiter in Pohl- iS ön» und Nieder-Weisel festgestellt uud Gehöftsperre verfügt worden.

Gießen, den 27. November 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.__________________

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntniß, daß chie Polizei-Beamten beauftragt worden sind, fernerhin das Aufstrllen von Fuhrwerken jeder Art auf dem Oswalds Garten, sowie daS Pasfiren deffelben durch Fuhrwerke nicht mehr zu gestatten und gegen Zuwiderhandelnde Anzeige auf Grund deS § 366, 10 R. St. G., Art. 111 des Pol. St. Gesetzes und deS Local Reglements für den Kreis Gießen vom L Mai 1856 zu erheben.

Gießen, den 29. November 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. E.

v. Bechtold, Regierungs-Affeffor.

Derrtsche» Reich.

Darmstadt, 28. November. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog undPrinz Heinrich von Preußen beehrten gestern Abend daS Ba.barafcst in der Artillerie- ßalerue mit Allerhöchstihrem Besuche. Heute Vormittag 11 Uhr 16 Mtn. reisten Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin in Begleitung der Schlüffrldame Fretin von SenarclenS Grancy, des Flügel- «djatanten Oberstlieutenant Fretherru von SenarclenS Grancy und des dienstthueudeu Kammerherrn v. Fcaukenberg nach ZarSkoje Selo ab.

Darmstadt, 28. November. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen reisten, derDarmst. ßtg.* zu­folge, heute früh nach Rumpenheim, von wo ihre Weiterreise nach Neapel erfolgt. Die kleine Prinzessin Elisabeth Hon Hessen wird morgen nach Loburg gebracht werden, woselbst sie bis zur Rückkehr des GroßherzogSpaareS verbleibt.

Berlin, 28. November. Die kaiserliche Familie wird, w-e aus Berliner Hofkreifen verlautet, nach Beendigung der nächsten Hoffeste einen längeren Aufenthalt am mittelländischen Meere nehmen, wohin sich daun auch der Kaiser für kurze Zeit zu begeben gedenkt. Die kaiser- «che f)achrHohevzolleru", welche vor einiger Zett den Befehl erhielt, sich für Februar reisefertig zu halten, würde, wie es weiter heißt, für die Dauer des Aufenthalts der Kaiferfamtlte im Süden in den betreffenden Gewäfferu stationirt werden. Eine Bestätigung dieser ganzen Nachricht von authentischer Seite dürfte indeffen noch abzuwarten sein.

(Nerrefte Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Corresposdenz-Bureau.

Berliu, 28. November. Der BundeSrath stimmte in seiner heutigen Sitzung dem AuSschußberichte über den Gesetzentwurf, betreffend die Feststellung deS Haushalts Etats für die Schutzgebiete auf daS EtatSjahr 1896/97, zu. Ferner wurde die Zustimmung ertheilt den AuSschußberichten über dea Entwurf von StatS zum RetchShauSbaltS - Etat pro 1896/97 und zwar betr. daS auswärtige Amt, die Reichs- ichuldeuverwaltung, sowie betr. die Aufnahme einer An­leihe für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres, der Marine h. f. w.

IZtzarmover, 28. November. Seine Majestät der Kaiser | sandte heute folgende« Telegramm an da« Feld-Artillerie- Regiment v. Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10:Der ruhmvollen Thetlnahme der Artillerie des 10 ArweecorpS, insonderheit der reitenden Abtheilung, an der Scklacht von Beaune-la-Rolande, gilt am heutigen 25. Gedenktage meine dankbare Erinnerung, gez. Wilhelm."

Hamburg, 28. November. Der Hamburger Schnelldampfer Fürst Bismarck", welcher heute früh 5 Uhr 30 Mtn. von Newhork in Plymouth eintraf, hat damit den von der Hamburg-Amerika-Linie ins Leben gerufenen abgekürzten Paffagier- und Postdtenft zwischen Newyork und London er­öffnet. Die Post und die Fahrgäste desBtSmarck" waren bereits um 11 Uhr 46 Min. heute Vormittag in London uud haben die Reise dahin 12 Stunden schneller zurückgelegt, als die Passagiere des neuen amerikanischen Schnelldampfers St. LouiS".

München, 28. November. Wie verlautet, ist die Er- rtchtung eines FrtedenSdenkmalS in der Stadt München zum Andenken an die große Zeit von 1870/71 nunmehr ge­sichert. Der entscheidende Entschluß wird in der morgigen MagistratSsttzung erfolgen.

tziufitdew, 28. November. Der Fürstabt Basilius, der bedeutendste schweizerische Ktrchenfürst, ist gestorben.

M-rly, 27. November. Alexander DumaS starb gestern Abend um 7»/4 Uhr. Bis zuletzt hatte man noch einige Hoffnung bewahrt, da die angekündtgte Befferung an- zuhalten schien. Nach 6 Uhr wurde folgendes Bulletin ver­öffentlicht :Nach einer ruhigen Nach- trat eine leichte Befferung ein, welche tagsüber anhielt." Am Abend war der Kranke in einen ruhigen Schlaf verfallen, so daß die Aerzte um 5 Uhr nach Paris zurückgekehrt waren und erst am folgenden Tage nach Marly zurückkommen wollten. Nur Dr. Baye blieb bis 61/« Uhr bet dem Kranken, welcher um diese Zeit auswachte und einige Worte mit sehr leiser Stimme sprach. Zahlreiche Personen sind nach Marly gekommen. Der Prästdent Felix Faure ließ sich Berichte über den KrankheitSzustaud erstatten, ebenso erbat die Kaiserin Eugenie von London auS telegraphische Nachrichten. Gegen 6 Uhr hatte Alexander Dumas um Thee ersucht, welchen seine Ge­mahlin ihm reichte. DumaS nahm die Tasse, und trank einige Tropfen ohne Unterstützung, dann fiel er jedoch auf die K ssen zu.ück und blieb unbeweglich liegen. Nach einigen Minuten fuhr DumaS noch einmal auf; seine Gemahlin rief erschrocken Hilfe herbei. Die Gesichtszüge Dumas' zeigen große Ruhe. DumaS gleicht einem Schlafenden. Die Aerzte erklärten, DumaS sei einem plötzlich auftretenden AthmungS- krampf, den der Verlauf der Krankheit nicht voraussehen ließ, erlegen. Samstag wird die Leiche nach Paris ge­bracht; die Beisetzung wird wahrscheinlich Sonntag auf Staatskosten erfolgen. Ministerpräfident Bourgeois sandte gestern Abend der Familie des Verstorbenen ein Beileids­telegramm, in welchem er den Schmerz des gesammten Frank­reichs über den Verlust deS Meisters des zettgenösfischen Theaters ausspricht.

Depefch« bet Bureau «Herold*.

Berlin, 28. November. DieNordd. Allgem. Ztg." bestätigt die Meldung, daß der Kaiser voraussichtlich die Eröffnung des Reichstages nicht persönlich vollzikhen wird, da er zu dieser Zeit auf einer Reise nach Schlesien von Berlin abwesend sein wird.

Berlin, 28. November. DiePost" schreibt: Gutem Vernehmen nach hqt sich der Kaiser bei dem gestrigen Diner bei dem Finanzminister in bestimmtester Weise über die Nothwendigkeit des Zustandekommens des Zuckersteuer- Gesetzes ausgesprochen.

Berlin, 28. November. Vom gestrigen Diner beim Finanzminister Miquel, an welchem der Kaiser bekanntlich theilnahm, wird noch gemeldet, daß sich der Monarch bei den einzelnen Ausschuß-Mitgliedern der Lcniral-Genossen- schaftskaffe eingehend nach dem Stande der GenoffenschaftS- Entwickelung in den verschiedenen Lanbestheilen erkundigte. Nach Tische unterhielt er sich namentlich mit Vertretern deS Handwerks über die Organisation des Handwerk«. Die seit längerer Zett im Finanzministerium in Gebrauch befindlichen Sptrituslampen erregten die besondere Aufmerksamkeit deS Kaisers. Er sprach die Hoffnung auS, daß dieselben sich bewähren und immer wettere Verbreitung finden möchten, damit daraus dem deutschen Spiritus eine neue Absatzquelle erwachse. Erft nach 10 Uhr verabschiedete sich der Kaiser.

Berlin, 28. November. Der ReichötagSabgeord- nete v. Stumm erklärte auf eine Anfrage, daß der ihm zugeschriebenen, in der Presse verbreiteten Aeußerung, er werde den Kaiser zu einem Kampfe gegen die Socialdemokratie I auf Leben und Tod zu veranlassen suchen, auch nicht annähernd

etwas Wahres zu Grunde liege. Die Aeußerung beruhe im Wesentlichen auf Erfindung.

Pari«, 28. November. Alexander DumaS hat al» feinen letzten Willen bekundet, daß fein Leichenbegängniß ohne offictelle Ehrungen und ohne militärische Ehren stattfinden möge. Dje Blätter widmen dem Verstorbenen lange Nachrufe.

Pari«, 28. November. Die gestrige Kammersitzung wird von den Blättern als eine der stürmischsten bezeichnet, welche unter der Präfidentschast Faures stattgefunden hat. Die Erklärung der Regierung, MadagaScar als franzöfischea Besitz anzusehen und die Interpellation über die bei der Expedition begangenen Fehler hatten die Gemüther aufS Höchste erregt. In einem Augenblick war der Tumult so groß, daß kein Wort zu verstehen war. Der socialift'sche Abgeordnete Rouanet ging auf den früheren Miutsterpräst- deuten Ribot zu, um ihn zu ohrfeigen, wurde jedoch recht­zeitig daran verhindert. Die Ruhe trat erst wieder ein, als der Kriegsminister Cavaignac das Wort ergriff, um die Ber- anttoortung deS Ministeriums Ribot festzustellen.

Paris, 28. November. DerFigaro" meldet an» MadagaScar, daß dort die Lage fehr schlimm ist. DaS ExpeditionScorps ist vollständig deSorganisirt. Täglich sterben etwa 20 Mann. Die Beziehungen der Landarmee und der Marine sind sehr gespannt.

Paris, 28. November. Hier circuürt daS Gerücht, Kaiser Franz Josef werde anläßlich seines Besuchs auf Cap Martin im Februar nächsten Jahres nach Paris kommei.

Petersburg, 28. November. Entgegen anderweitigen Meldungen versichern hiesige Regierungskreise, daß im Stande der Ort ent frage in der letzten Zeit keine Verschlechterung eingetreten ist und nach wie vor vollständige Einigkeit unter den Mächten herrscht. Bisher hat auch keine Großmacht den Versuch gemacht, irgendwelche Sonderstellung einzunehmen.

Petersburg. 28. November. Nach Meldungen, welche der hiesigen Negierung auß Konstantinopel zugingen, dürfte die Bewilligung der zweiten StationSschiffe in den nächsten Tagen erfolgen.

Petersburg, 28. November. Nachrichten, die dem Hofe auß dem Kaukasus zugingcn, bezeichnen baß Befinden deS Großfürst en-Thronfolgers als äußerst schlecht.

Bukarest, 28. November. AuS Sulina wird gemeldet, daß sich infolge der letzten Seestürwe zahlreiche Schiffs- Unfälle und Havarten ereigneten.

Koustantinopel, 28. November. Nach den Berichten, welche aus den Provinzen eingelaufen sind, haben die vom Sultan erlassenen Befehle eine sehr gute Wirkung gehabt und sind in der letzten Zeit keine größeren Gewaltthateu vorgekommen. Dagegen ist baß Elenb unter ber Bevölkerung äußerst groß und eine HungerSnoth unausbleiblich. In Konstantinopel ist die Stimmung eine ruhige, doch greift in türkischen Kreisen die Unzufriedenheit immer mehr um sich. Sehr verstimmt hat die ohne Wissen der Pforte ergangene Botschaft deS Sultans an Lord Salisbury, sowie die Art ber Besprechung derselben durch die englische Presse.

"WB. Berlin, 29. November. Die am Montag statt- gefundenen Haussuchungen lieferten der Staatsanwaltschaft den Beweis, daß acht Berliner socialdemokratiiche Wahl­vereine fortgesetzt gegen § 8 beß BereinSgesetzcß verstoßen. Deßbalb wurde laut § 16 vorläufige Schließung der be­treffenden Wahlvereine angeordnet und Anklage erhoben. Die Schließung dürfte heute Vormittag erfolgen.

WB Ellischan, 29. November. Graf Taaffe ist heute Vormittag IO1/* Uhr gestorben.

Der Krieg von 187O|71,

nschüdert durch Ausschnitte eu5 ZettungS-Nummern jener Zett.

(Nachdruck verboten.) 80. November.

Ein hervorstechender Zug im bayrischen Militär ist baß Bedürfniß nach guter Verpflegung, dem ein ebenfi hervorragenbeß Talent, sich diese zu verschaffen, zur Seite steht. Die materielle Seite beß Lebenß ist diesem Soldaten die Sonnenseite, in die er sich gerät legt. Für die Menage wird immer gesorgt, und dem französischen Bauer ist ber Bayer deshalb ein Schrecken. Im Dorfe liegt vielleicht schon ein Bataillon norddeutscher Truppen. In den Bauern­höfen ist alles ruhig und still. Die Soldaten putzen an den Fenstern ihr Lederzeug, stehen in den offenen Küchen, waschen ihre Hemden oder schälen Kartoffeln. Und plötzlich entsteht ein großer Lärm im Dorf. Die Hähne schreien, die Hühner gacker» und Gänse und Enten rufen um Hilfe. Wenige Minuten darauf ist Alle« wieder still, aber kein Huhn gackert, keine Ente schnattert mehr. Tie Dorfbewohner stehen händeringend ber dm abgeschnittenen köpfen ihre»