Ausgabe 
30.10.1895 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 30. October

Amts- und Anzeigeblatt ffir den "Kreis (ßicfjeit

chratisöeitage: Gießener Aamitienötätter.

locale» und prwhtiicae».

LEGITIMATIO1S - KARTE

aus

eingeführt, und zwar das reisende Publikum, grünen Hefte mögen die knüpfen an den citirten

Schumann, Ries, m Parish-Alvaris.

udierende Mk. 1, .udolphs Nach!)

BORUSSJCAE

rhenanre

Schweiz, und ist der Meinung: Fahrkarten sei längst entdeckt und unter, billiger Rücksichtnahme auf Die Gießener Leser der Leipziger

) Kaiser Friedrich als Student. Von Paul Linden­berg. Mit unoeröffmtlichtem Material aus dem Nachlasse Kaiser Friedrichs, Abbildungen, authographiichen Blättern rc. Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung. Preis 1,50 Mk.

der Aufstellung eines reinen Parteizettels wurde indeß ab* gesehen und dagegen das Wahlcomitee ermächtigt, geeignete Personen aus dem Bürgerstand in Vorschlag zu bringen, wenn dieselben daS demnächst zu veröffentlichende communale Wahl- Programm der socialdemakratischen Partei anerkennen und durchführen zu helfen versprechen. Wegen MajestätS- beleidigung wurde heute von der Straskammer des hiesigen Landgerichts der seither in Worms arbeitende Schreiner Weiler aus Würtemberg zu 3 Monat Gesängniß verurtheilt. Derselbe hat in einer Metallarbeiterversammlung an dem von dem Kaiser gebrauchten WorteRotte" Kritik geübt.

betten hervorheben.

Der fürstliche Student zeigt bereits die gleichen liebens, würdigen Eigenschaften, die wir alle an dem späteren Kron» Prinzen und Kaiser verehrt- es ist ein ungemein sympathisches und verehrungsvolles Bild, das uns hier von ihm gezeichnet wird, an der Hand mündlicher Ueberlieferungen der ehe* maligen Tommilitonen des Prinzen Friedrich Wilhelm und vieler hübscher Erlebnisse, welche der Lectüre des Buches einen besonderen Reiz verleihen. Der Prinz faßte mit größter Hingebung und vollstem Ernst seine Studienzeit auf, früh vor 6 Uhr stand er bereits auf und widmete sich seinen Arbeiten, die ihn häufig bis in die Nacht hinein fesselten- Lie mitgetheilten Studienpläne verrathen uns, welche um­fassenden wissenschaftlichen Anforderungen an ihn und seine Zett gestellt wurden. Dabei war er etwa kein Duckmäuser, er betrachtete sich völlig als Student, hielt zu seinen Com- mUltonen und trat erforderlichenfalls für sie freudig ein.

Je mehr wir uns mit dem Lindenberg'schen Buche be. schäftigen, desto inniger fühlen wir uns von dem Thema desselben angezogen- genau können wir die Entwickelung deS Prinzen verfolgen, wir begleiten ihn nicht nur in die Hör- säle der Professoren, wo er, wenn er zu spät kommt, mit lautem Scharren wie jeder andere Student empfangen wird und sofort vergnügt milscharrt, wir sehen ihn auch auf Reisen und erfahren, wie er nach seiner Rückkehr von England einem seiner Vertrauten seine Liebe zu der damals noch sehr jugend­lichen Prinzessin Victoria, seiner späteren Gemahlin, gesteht- in sein ganzes Leben und Treiben, Denken und Fühlen er­halten wir ferner einen tiefen Einblick durch die Mittheilung

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

eines ausführlichen Berichtes deS militärischen Begleiters des Prinzen, Oberst Fischer, an die Großherzogin von Sachsen- Weimar, die Großmutter des Prinzen, die mit zärtlicher Auf­merksamkeit den Lebensweg des geliebten Enkels verfolgte.

Nebenstehend führen wir unseren verehrlichen Lesern die getreue Abbildung der Legitimationskarte vor, die s. Z. dem fürstlichen Studenten ausgefertigt wurde.

Wenn man weiß, wie vorsichtig mit wichtigen handschrift­lichen Mittheilungen fürstlicher Personen umgegangen wiid und wie schwer eS hält, die Erlaubniß zu ihrer Veröffent­lichung zu erlangen, so kann man seine freudige Verwunde- rung nicht unterdrücken über die Fülle deS hier auf engem Raume gebotenen neuen und bedeutsamen Materials. In einer ganzen Reihe bisher unveröffentlichter Briefe des Kaisers Friedrich und der Kaiserin Augusta lernen wir vor allem daS innige Freundschaftsgefühl des ersteren und die treue Fürsorge der letzteren um den theuren Sohn kennen- in lebhaften Farben schildert der damalige Prinz kurz nach seiner Vermählung sein junges häusliches Glück und später als Kronprinz nach der Geburt seines ersten Enkels seine großväterliche Würde, an die er sich kaum ge- wöhnen kann. In den Briesen der Kaiserin verleugnet sich nie ihr hoher Sinn- sie zunächst hatte eS durchgesetzt, daß ihr Sohn die Universität beziehen konnte und auf daS Innigste äußerte sich ihre Dankbarkeit Denen gegenüber, die zur Er­füllung ihres LtebltngSwunscheS beigetragen.

Von hohem Wenh ist in der Lindenberg'schen Schrift die Veröffentlichung des Stammbuches, welches dem Prinzen bet seinem Abgänge von der Universität von seinen Lehrern überreicht wurde- wir finden da manch goldenen Spruch der Lebensweisheit, u. a. auch vom alten Ernst Moritz Arndt, der sich als einer der ersten eingeschrieben. Eine ganze Zahl dieser Einzeichnungen wird unS in autographischer Verviel­fältigung mitgetheilt, wie überhaupt daS Büchlein mit sehr ansprechenden Illustrationen geschmückt ist, die größtentheilS aus der Hinterlassenschaft Kaiser Friedrichs herrühren.

Die vornehm ausgestattete, intereffante Schrift wird nicht nur bei all Denen, die je die Universität besucht haben, die wärmste Aufnahme finden, sie wird weit über diese Kreise hinaus beachtet und gelesen, sowie voraussichtlich vielfach als Festgeschenk benutzt werden.

vierteljähriger ASo»nk«enlspret»r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redactton, Lxpeditto» und Druckerei:

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dem Warum? nun so heißt eS: Bahnsperre! Antwortet em Unzufriedener: Giebt eS wohl Rücksicht auf das Publikum? so ertönt der Ruf: Bahnsperre! Im Sinne der Bahnsperre hat auf Beschwerde die Kgl. Etsenbahudirection bereits entschieden. WaS Excellenz Thielen verfügt, wird hier zur Mittheilung gelangen. Seit etwa P/2 Jahren war an der­selben Haltestelle die Erleichterung getroffen, daß die Bar­riere (oben an der Bahnlinie) vor und nach Ankunft der Züge geöffnet wurde, sodaß man trockenen Fußes auf die andere Seite gelangte. Nun ist dieser Uebergang zumeist wieder verschlossen. Grund ? Bahnsperre! Antwortet Jemand : Unter dem Eisenbahnviaduct, durch welchen man passiren muß, sammelt sich oft, (im Winter stets), unergründlicher Schmutz, Schlamm und Wasser, nun so mag die Gegenrede lauten: Hahnemann, zieh lange Stiefeln an! Und die aus- oder etnstetgenden Damen? Auch sie bringen ihren Tribut der Bahnsperre und waten weiter! Der Winter naht heran, er bringt manch fröhliches Beisammensein. Sollte eS irgendwo an Objecten für etwaige Toaste fehlen, und Jemand in Ver­legenheit sein, wir empfehlen dringlich den Toast, der auS- klingen mag in den Ruf: eS lebe (lateinisch: removeatur) die Bahnsperre!

§ Grebenhain, 26. October. Bei der heute in unserer Gemarkung abgehaltenen Treibjagd schoß Forstwart Dillemuth von Bermuthshain im Dtstrict KläShorst eine Wildkatze. ES ist ein großes Exemplar im Gewicht von ca. 16 Pfund.

§§ Vom höheren Vogelsberg, 27. October. In der letzten Zeit durchziehen ganze Banden Zigeuner die Dörfer unseres Gebirges, es ist dies eine wahre Landplage. So waren in vergangener Woche besonders die Orte Gunzenau, Salz u. s. w. von diesen Elementen heimgesucht- die Leute können sich mitunter kaum der Eindringlinge erwehren.

Main-, 28. October. Zu den bevorstehenden Er- gänzungSwahlen zu der hiesigen Stadtverordneten-Ver- sammlung haben die Soctaldemokraten wieder wie immer zuerst Stellung genommen. In einer gestern Abend statt­gehabten Mitglieder-Versammlung beschlossen dieselben, mit keiner der anderen Parteien einen Compromiß einzugehen, sondern den Wahlkampf auf eigene Kraft zu wagen. Von

-tt. 255 Zweites Blatt

Allerliebst erzählt unS Lindenberg, wie der Prinz bei den Paukereien zweier Corps diePudels" heimschickt, und wie et sich mit mehreren seiner fürstlichen Studienfreunde unter den Studenten befindet, die Nachts vom UniversitätSrichter stürmisch die Herausgabe der beschlagnahmten Waffen ver­langen. Mit der Bürgerschaft Bonns stand er schnell auf vertrautem Fuße, sie kleidete ihr höchstes Lob in die Worte ein:Das ist einmal eingemüthlicher" Prinz", und zeigte ihm ihr Zutrauen in jeder nur denkbaren Weise.

Nr. 43^zur Hand nehmen! Wir

Artikel einige wenige Bemerkungen und fragen: Wer ist denn eigentlich mit der neuesten Maßregelung zufrieden? Die Schaffner, die wir fragen, jucken die Achseln und reden von einem Ausfall von jährlich mindestens 200 Mark. DaS Publikum hat daS erhebende Bewußtsein, daS fünfte Rad am Wagen der Bahnsperre zu sein, und nicht selten steht man nun an den gesperrtenBahnsteigen" verzweifelte Gesichter von solchen, die wegen der Erschwerung des Zugangs zu der Bahn um 1 oder 2 Minuten zu spät gekommen sind. In nicht wenigen Fällen aber ist eS für solche, die viel zu thuu haben oder noch in der letzten Minute aufgehalten wurden, ein leidiger Trost: kommt doch rechtzeitig! Will ein »eisender weiter fahren, als sein Billet lautet, so wird nunmehr in den seltensten Fällen eine rasche Entnahme eines neuen BilletS möglich sein. Ueberall trifft ihn der Zuruf: Fahrkarte, Fahrkarte!" und inzwischen fährt der Zug ruhig weiter.Man möchte zum Demokraten werden!" Beispiele belehren, sagt ein gutes Sprüchwort. Wir greifen aus den Widerfahrnissen, denen zuweilen das gute Publikum ausgesetzt ist, ein Exempel heraus. Nahe bei Burg Staufenberg liegt eine seit wenig Jahren viel benutzte Haltestelle. Zu ihr führten bisher (bis zum 1. October) zwei Aufgänge. Der eine bei weitem am meisten benutzte ist einfach geschlossen- alle Personen, die von Norden und Westen zur Station kommen, müssen nunmehr einen, dazu meist recht schmutzigen, Umweg von einigen Minuten machen. Fragt Jemand nach

Alle Hnnoncen-8urtQur bf» In- und Au»lanbe» nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

?? Kriedelhause», 28. October. Die letzte Nr. (43) der LeipzigerGrenzboten", die so oft in sarkastischer Weise den Nagel auf den Kopf treffen, bringen angesichts der neuesten deutschenErrungenschaft", der Bahnsperre den ingrim­migen Seufzer:man möchte oft schier zum Demokraten werden!" Der Verfasser verweist auf die Einrichtungen in der Die beste Coutrolle der

Fenilleton.

Kaiser Friedrich als Student.

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MN ^Freitag' in btt Keinen Aula von ebunq^benben m der Sezier entgegen

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Leib-

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fnäherin 1 wfctr dem Hause. «Mt 23, III.

6nds 8 Uhr ereines il-Comrt

9055 gerin am König!. L. Bär, Hofsänger A. Wiedemann Jlavier),

Der Otetener **|dget erscheint täglich, Btt Nu-nahme de» Montag».

Die Gießener MaMtkiemStLiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt.

Citerotu* «nd A-nst.

Vom Meister Conrad hat gewiß Jeder schon gehört. Derselbe schreibt ein schönes Wochenblatt, ,tit Werkstatt genannt, das für jeden Gewerbetreibenden bestimmt ist, ob eS nun einl selbst­ständiger Fabrikant oder Handwerker, oder ob es ein Arbeiter sei. Das Blatt stellt sich pünktlich zeden Sonnabend ein, ist reich> mit Bildern versehen, enthält nützliche Rathschlä^ für die Werkstatt und das Comptoir, ferner allerhand werthvolle Recepte und Neuheiten für die verschiedensten Zweige gewerblicher Thätigkeit, ebenso Ausi sätze zur allgemeinen Fortbildung und Belehrung, ^wie schön« unterb6lifatne®efd)t(bten für den Leierabead odenein aber jedesma eine Uebersicht davon, was zuletzt in der Welt alles passirt ist. Der Meister Conrad schreibt das Alles kurz und bündig, kernig, ächt volksthümlich, aufgeklärt und frei von der Leber weg, sodaß es Jedermann verstedt und gerne liest. Auch dtt- besten Berugsquellen für allerhand Maschinen, Werkzeuge und Materialien sind stets in dem Blatte zu finben, weil die Werkstatt als ein vorzügliches Organ für gewerbliche Anzeigen aller Art bekannt ist» da der Messier grund-- sätzlich nur gute Firmen hinein läßt. DieWerkstatt ist bei jedem Buchhändler, wie auch bei der Post für nur 1 Mk. vierteljährlich au beziehen. Probenummern sendet aus Verlangen gerne der Meister Conrad in Saarbrücken. Versäume keiner noch so rasch zu bestellen- Denn gerade für die langen Winterabende hat der Meister einen ganzen Pack der schönsten Sachen auf Vorratb gelegt.

Gießener Anzeiger

Keneral-Mzeiger.

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An hundert Seiten nur süllt die Schrift, welche soeben Paul Lindenberg unter dem obigen Titel herauSgegeben bat*), aber wie viel deS Neuen und Interessanten enthält sie! Die für die ganze Entwickelung des späteren Kaisers Friedrich so ungemein wichtige Studienzeit in Bonn ist bis- dec noch nicht behandelt worden, hier erhalten wir nun eine farbige und fesselnde Schilderung jener Jahre (184951), feie uns nicht allein durch die lebensvollen Bilder interesfirt, welche der Verfasser vor unS entrollt, sondern auch durch die . . .

Fülle deS bisher völlig unbekannten und wichtigen Materials, § für den auf der K. Pr. Knein. t neunen- immatrieulirl.0 wesentlichste Theil der literarischen Hinterlassenschaft deS A /LU;? cA /

Kaiser» auS der angegebenen Periode zur Versügung und .Z / / //./]/

er theilt auS derselben hochinteressante Stücke mit, unter g lAJMi

denen wir namentlich eine eigene Abhandlung von deS Kaisers 8 Hand:Warum sollen Fürstensöhne die Unwerfität besuchen"^ und die eingehenden Entwürfe zu größeren politischen Ar- W

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