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Nr. 7« Zweites Blatt. Samstag dm 30. März
1898
Drr -tegeuer -«»tiger trief) eint täglich, «ii Ausnahme de» MonlagS.
Die Girtzmer P««1tt-»örL1ter wrrboi dem Anzeiger Wöchentlich dreimal dngklcgt.
Gießener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.
Feuilleton.
Stumme Zeuge«.
«ritninel - Novelle von
da mochte
»erlag van Walther Siedler,
jungen Leute umschlungen, Grete herzlich die Hand,
(Leibgarde )RegtS. Inf. 1. Aufgebots Tec. Lt. von der Nr. 25 (Großh. See.-St. von der
Alle Annonceu-Lureaux deS Ja- und AuSlaude» nehme« Anzeigen für de» „Gießener Anzeiger" entgegen.
,6«tc Nacht, Gretchen!" „Gute Nacht, Heinz!* Noch einmal hielten sich die
«. I. Ander«.
(Nachdruck verböte».)
texte, Humoristisches, Bstchertisch, Räthsel und Spiele, Welitelephon. Von den mustergültigen Illustrationen erwähnen wir nur die -unfi- beilagen und Vollbilder: Otto Fischer: „Dortrecht", Ferdinand Pacher: „Lieder Besuch", G. A. Hehl: „Der Freier". Der Preis des HesteS beträgt trotz des werthvollen Inhalts nur 50 Psg.
Annahme vo» Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Mainz, — zu Premier-Lieutenant« befördert. Gebhard, See. 8t. von der Cav. 2. Aufgebots des Landw.'Bezirks I Darmstadt, Ried esel Frhr. zu Eisenbach, Prem.-Lt. von der Eav. 1. Aufgebots deS Landw. Bezirks Gießen, — der Abschied bewilligt. Boßler, bisher Studirender der militärärztltchen Bildungsanstalten, vom 15. Februar an zum Unterarzt ernannt und beim Großh. Feldart. Regt. Nr. 25 (Großh. Art. Corps) angestellt.
über Euer HauS bringe!"
thut nicht gut," hatte die Mutter warnend gerufen, und jetzt wars doch gut geworden. Ti, wie wollte er fei« Mütterchen auSlachen, wenn er nach Hause kam. Sie konnte heute nicht dabei sein, wie er und Grete sich versprochen hatten fürS Leben, denn eS kam das so plötzlich. Und dann, die Mutter war kränklich, da blieb sie lieber daheim.
Hätte sie aber gesehen, wie der Hufenbauer ihm die Hand geschüttelt und die Hufenbäuerin ihm sogar einen kräftigen Schmatz aufgedrückt hatte — sie würde eine ganz
Fürsten BiSmarck besonders wichtig gewesenen Tages. Der dann noch verbleibende Raum ist durch das Wort „Bismarck" auSgesüllt, daS auf jedes der Quadrate 365 Mal in mikroskopisch kleiner Schrift mit Tinte niedergeschrteben worden ist. Die Schaltjahre find dadurch gekennzeichnet, daß das Wort „BiSmarck" noch einmal quer durch die Mitte der Jahreszahl geschrieben wurde. Auf diese Art ist demnach auf dem in Form eines eisernen Kreuzes zusammengestellten Tableau daS Wort „BiSmarck" genau so vielmal vorhanden, als der Fürst am 1. April 1895 Tage verlebt habe» wird, nämlich 80 x 365 -f- 20 Schalttage — 29,220 Mal. Sine Miniaturphotographie in der Mitte soll, wie die diesem kalligraphischen Wunderwerk beigegebene Erläuterung besagt, einen der schönsten Momente für daS deutsche Volk darstellen. Sie zeigt Kaiser Wilhelm, der, auf den Fürsten Bismarck zu- schreitend, diesem die Hand entgegenstreckt,- im Hintergrund fieht man die Gestalt der Germania, die einen Lorbeerkranz über die Häupter der Beiden emporhält.
Nr. 115, Schaub, Sec.-Lt. von der deS Landw.-BezirkS Erbach, Rohde, Ref. des Großh. Hefi. Feldart. RegtS. Art.«Corps, Erbach), Willenbücher, Inf. 1. Aufgebots des Landw. Bezirks
verriethen den Miflethäter nicht.
Ob Heinz dennoch Furcht empfand io der Einsamkeit?
Fast schien es so.
„ES thut nicht gut," hatte die Mutter gesagt. Immer und immer wieder mußte er daran denken und aufs Nene stimmte er ein Lied an, eine recht muntere, ausgelassene Weife, vielleicht wollte er fich Muth singen.
Da plötzlich machte ein Schuß die Luft erdröhne», e« lauter, ängstlicher SchreckenSruf, daun wurde alles still. Nur daS Rascheln deS Laubes hörte man noch — aber eS klang s» eigenthümlich, fo matt, einem letzten Gruße gleich.
„Schlaf süß," flüsterten die Biätter, und die Baumriese» neigten ihre Zweige hernieder auf ein Menschenkind, da« noch eben, die Brust von stolzen Plänen gehoben, laut singend dahingeschritten und dessen Lippen nun für immer verstummt waren.
vorbei!
Nun wird die kranke Mutter nicht am Hochzeitstage neben der Hufenbäuerin fitze«, auch nicht behaglich vom AltentheA leben, den er ihr auSsetzen wollte. Weinen wird sie »ad klagen, daS graue Haar wird sie raufen und jammern wird fie: „Ich Habs gewußt — eS thut nicht gut!"--
(Fortsetzung folgt).
vermischtes.
• Eine Probe von Rieseufleiß hat ein Feldwebel in einem dem Fürsten BiSmarck gewidmeten Sch reib kunststück bewiese«, indem er ein Tableau hergestellt hat, daS achtzig Quadrate von Briefmarkeugröße enthält. Jedes dieser Quadrate trägt in der Mitte eine der Jahreszahlen von 1815 bis 1895 sowie den vermerk eines im Lebenslaufe des
CocaUs tmO prsviin^ettes
•• Militärdieustnachrichteu. Rehfeld, See. Lt. von der Reserve des 3. Großherzogl. Hefi. Jnf.-RegtS. (Leib- Regt».) Nr. 117 (II. Berlin), Rleissem, Sec.-Lt. von der Res. deS 2. Großherzogl. Heff. Drag.-RegtS. (Letb-Drag.- RegtS.) Nr. 24 (Cöln), Erb I., Sek. Lt. von der Res. deS 1. Großh. Hess. Jnf. (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 (Gießen) zu Pr.-LtS., Alewhn, vizefeldw. vo» Landw.-Bezirk II Darmstadt, zum Sec.-Lt. der Res. deS 1. Großh. Heff. Jnf.-
Citeratur unb TCanft
— Universum, Jllustrirte Familienzeitschrtst. (»erleg deS Universum, Alned Hauschild, Dresden.) — Das neueste 13. Heft der beliebten Zeitschrift enthält folgende Beiträge: Eufemia von AdlerS- feld-Balleftrem: „Die weißen «ölen von RavenSderg", Noma», Fortsetzung. Max Hausbostr: „DeS Ketterls letzte Gäste", Eine Münchener Bier- und Waffergeschichte, mit Original Illustrationen von H. G.Jentzsch G. Krogh: „Rheumatismus". Victor Blüthgen: Die Nothhelier", Novelle. Julius Sturm: „Die Wetter,anne". SLtffsbaumeister Ludwig Benjamin: „D'e Unsinkbarkeit der Schiffe". Ludwig Ganghoier; „Schloß Hubertus", Roman, Fortsetzung. Ferner die Porträts und Biographien von: Jofs ELegaray. Feldmarschall Erzherzog Albrecht und Khedtie JsmaU Pascha: außerdem Bilder
andere Meinung bekommen haben. DaS alles wollte er nun erzählen. Aber zur Hochzeit mußte fie dabei fein und obenan sitzen neben der Bäuerin- denn wenn die gute Mutter auch nur eine arme Frau war und keine goldene Erbsenkette tragen konnte, so war sie doch von dem Augenblicke a», wo er seine Grete zum Weibe nahm, eine Standes- perso« und durste der Hofbäuerin nichts nachgeben, am allerwenigsten am Hochzeitstage.
Und dann sollte sie überhaupt nicht »ehr arbeiten- «ein, warm wollte er sie halten und pflegen und so ihr vergelten, was fie ihm bis dahin an Liebe erwiesen hatte.
Mit solchen Gedanken beschäftigt, schritt er rüstig vor- würtS, trällerte auch wohl ein »unteres Liedchen, so wie eS ihm gerade in den Sinn kam.
Er hatte den Wald erreicht, und ob eS auch bereits tiefdunkle Nacht war, in seinem Herzen strahlte lichter Morgen. Heinz wanderte munter vorwärts durch die Finsterniß, er kannte ja jeden Fußsteig, der quer durch den Wald nach seinem Dorfe führte. Er war aber auch ein muthiger Bursche, der
nicht Furcht noch Bangen kannte.
Freilich, einem andern an seiner Stelle wärS doch um diese Zeit im Walde unheimlich geworden. Finster drohend hoben fich die Waldriesen himmelan. Der Wind pfiff mitunter unheimlich auf den Weg, und wenn dann das Laub rauschte, da mochte einem wohl in der Einsamkeit daS Herz höher schlagen. Da- konnte man wohl ängstlich umherspähen, den» wiederholt hatten der Förster und seine Leute lichtscheues Gesindel im Walde angetroffen, und wenn ja einem Menschen etwas zustieß, nun, die Bäume waren stumme Zeugen, fie
ebenso
„Wenn Ihr mir den Heinz nicht gebe« wollt, bann ver- heirathe ich mich gar nicht. Und wenn Ihr mich zwingen wollt, einen Anderen zu heirathen, dann werdet Ihr eS erleben, daß ich mich in den Mühlbach stürze und so Schande
noch einmal drückte Heinz seiner
dann schritt er vorwärts, nicht ohne, während er fich mehr
„Gute Nacht, Gretchen I"
„Gute Nacht, Heinz!"
Ein leises, heiseres, boshaftes Lächeln erscholl fast in ihrer unmittelbaren Nähe. Die Glücklichen hörten eS nicht. Zwei dunkle, haßerfüllte Augen durchbohrten die Nacht. Die Liebenden sahen fie nicht und dennoch ward eS der Grete bald daraus so eigenthümlich zu Muthe, so ängstlich, daß fie sich selbst darüber nicht Aufklärung geben konnte.
Wenn er nur erst daheim wäre, dachte sie bei fich, und daS Herz wurde ihr so schwer, daß fie hätte weinen mögen. Alles Glück war plötzlich vergeffen. Sine bange Ahnung beschlich fie und legte fich wie Reif um ihre Seele, jede« fröhlichen Gedanken tödtend.
Unterdeß zog Heinz, die Brust von Lust geschwellt, dem HeimathSdorfe zu, tausend Pläne entwerfend für die Zukunft, die ihm in rosigem Schimmer erglühte. WaS wollte er nicht alles der guten Mutter erzählen von dem Hufenbauer und der Hufenbäuerin, die gar nicht so stolz waren, wie man glaubte, und nun erst von seiner Grete!
Die Mutter, eine arme HäuSlerSwittwe, war eine Frau vom alten Schlag, mit der das Herz nimmer durchging, wie man zu sagen pflegt.
„Laß die Hand auS dem Spiel," hatte sie gemeint, als Heinz ihr zuerst von seiner immer mehr und mehr wachsenden Neigung zu der Tochter deS Hufenbauers gesprochen, „arm und reich paffe» nicht für einander, mein armer Junge! Ick bin alt geworden und hab noch nie gesehen, daß eß gut that. Wenn Du wirklich die Grete bekämst, dann würden doch die Vettern und Basen zeitlebens auf den Habenichts sehen, der sich in den Hof des reichen Bauern eingeschmuggelt hat. Darum schlag Dir die Geschichte auS dem Sinn — eS
«ab »ehr von dem Herzlieb entfernte, nach dem wackeren Mädchen, daS ihm nun bald zugehören sollte sürS Leben, »och wiederholt zurückzublicken und Grüße zu winke».
Auch Grete sah dem Heinz lange nach, dem hübschen, flotte» Burschen, dem sie nunmehr verlobt war, der fie nach kurzer Zeit als sein geliebtes Weib heimsühren wollte. Eine flüchtige Umarmung, ein Druck der Hand, ein „Gute Nacht!" daS war alles, womit die jungen Leute, die heute von GreteS Eltern den Segen empfangen hatten, voneinander schieden. Zierliche Redewendungen und überschwänglichen Wortschwall lieben die Leute draußen auf dem Lande nicht — dafür schlagen aber ihre Herzen treu, und wo ein Mädel einem wackeren Burschen daS Wort gibt und daS Herz zugleich, da wird fie ihm auch als Weib fürs Leben treu anhangen und alles geduldig mit ihm theilen: Freud nub Leid.
Heinrich ober Heinz, wie er in einer beliebten Abkürzung genannt würbe, konnte wohl von Glück sagen. Ein armer HSuSlerSsohn, hatte er bie Tochter deS reichen Hufenbauers errungen unb alle Freier siegreich auS bem Felde geschlagen. Aber nicht beS HnfenbanerS Geldsäcke waren eS, an benen fein Herz hing, — nein, et hätte bie Grete unter allen er» wählt, auch wenn fie blutarm gewesen wäre.
DaS hatte er ihrem Vater, bem protzigen Bauern, einst rwtb heraus erklärt. Na, und von der Zeit an wurde ihm derselbe geneigter und heute hatten er und die Bäuerin „Ja" und „»men4 gesagt, als Heinz ernstlich um Grete anhielt, und fie bereuten es auch nicht, denn daS von Glück strahlende Seficht der Tochter kündete ihnen — daß, wenn e« ihnen darum zu thun war, Margarete glücklich zu machen, fie keine besiere Wahl treffen konnten.
O, wie freute sich Grete, von nun an wollte Heinz jeden Abend zu ihr komme«. Er hatte zwar eine Stunde her und eine Stunde zurück zu laufen — so weit mochte sein HeimathSdorf wohl entfernt fein — aber ist der Mensch jung und gesund und beflügelt die Liebe den Schritt, dann thut eine Stunde mehr oder weniger nichts. Aus dem Wege zum Lieb verkürzt die freudige Erwartung die Zeit, und auf dem Heimwege zehrt man an glücklicher Erinnerung, so daß man die Stunden nicht ängstlich zählt.
thut nicht gut!"
So harte die Mutter gesprochen noch vor wenigen Tagen. Doch Heinz, der sonst in Allem der alten Frau folgte, — er ging zum erstenmale seine» eigenen Weg. Er wollte ja auch nicht des Hufenbauern Geld, er wollte sein Mädel und was die Hauptsache dabei war — Grete dachte wie er. Sie hatte ihren Eltern kurz erklärt:


