CocaUs und ^ovinzielle-.
Gieße», 28. December 1895.
* * Sitz»»-der Grotzh. Handelskammer um 19. Decemder l. Z. Anwesend die Herren Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Homberger, Katz, Kltngspor, Kraatz und$Bort mann. Auf eine Eingabe einer Anzahl hiesiger Firmen hin beschließt die Kammer, für Einrichtung einer Po st Verbindung Ehringshausen — Groß-Felda an zuständiger Stelle einzutreten. — Der Borfitzende referirt über die letzte Sitzung des Bezirks-Eisenbahnraths zu Frankfurt a. M., insbesondere mittheilend, daß der Antrag Haurand (ermäßigte Etsenbahn- fracht für Getreideexport über Seehäfen) nach einigem Wider- sprach durchgegangen sei. — Eine höhererseitS an die Kammer gerichtete Anfrage, ob im Bezirk derselben während belaufenden Jahres Arbeiterentlassungen in größerem Maßstabe, oder Arbeitseinstellungen vorgekommen seien, wird verneint. — Auf Grund officieller Mittheilungen ist die Kammer in der Lage, authentische Auskunft über die von ausländischen EoncurSgläubigern bei italienischen Concursen zu beobachtenden Regeln zu geben- als wichtigste Abweichung vom deutschen ToncurSrecht sei erwähnt, daß bei „Concordaten" auch die nicht angemeldeten Forderungen berücksichtigt werden, so daß bei geringen Guthaben eS sich empfiehlt, vorerst abzuwarten, ob nicht ein Concordat zu Stande kommt, wodurch man die hohen Anmeldungskosten spart. — Ein Bericht über die wirthschaftliche Lage in Serbien steht Interessenten zur Einsichtnahme offen. — Das Verzeichnis zweifelhafter Firmen im Ausland hat für Griechenland, Brasilien, Niederlande und Großbritannien einige Ergänzungen erfahren. — Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz theilt mit, daß daS amtliche Waarenverzeichniß zum Zolltarif und daS Berzeichniß der Massengüter am 1. Januar 1896 in Geltung tritt und im Buchhandel zu 60 Pfg. käuflich sei. — Eine Anfrage der Großh. Bürgermeisterei Gießen, ob bet der Erwägung der Errichtung eines städtischen Arbeitsamtes dessen Thätigkeit, wie von einem Ausschuß der „Gießener Arbeiterschaft" beantragt worden, auch auf Angestellte im Handelsgewerbe vorzusehen sei, wird verneint, weil die bestehenden Stellenvermittelungen kaufmännischer Vereine hierfür geeigneter erscheinen. — Die schon in der vorigen Session beim Reichstag eingebrachten Petitionen betr. AntragKanitz und Verkehr mit Margarine sind erneut eingereicht worden. — Einen Bericht über die Jmportverhältnisse Schwedens, welche bezüglich einer größeren Anzahl von Artikeln eine stetige Zunahme aufweisen, können Interessenten aus dem Bureau der Kammer einsehen. — Nachdem Großh. Ministerium unterm 13. dS. Mts. der Wiederwahl der Herren Koch, Cowmerzienrath Gail und Wortmann die Bestätigung ertheilt, fand heute Neuwahl deS Präsidiums statt. Einstimmig gewählt wurden die Herren F. C. B. Koch und R. Scheel zum Präsidenten bezw. Bicepräfidenten.
* * MUil'ärdienstnachrichteu. Die Assistenzärzte 2. Kl. der Res. Dr. Reißner vom Landw.-Bezirk Gießen, Dr. Colom- bara vom Landw.-Bezirk Mainz zu Assistenzärzten 1. Kl., Dr. Flors chütz, Unterarzt der Res. vom Landw.-Bezirk Gießen, zum Assistenzarzt 2. Kl. befördert.
• • Oberhesfischer Geschichtsverein. ES ist schon mit- getheilt worden, daß verschiedene Vorbereitungen für die im nächsten Monat stattfindende Kais er fei er auch hier getroffen werden. Der Oberhessische GeschichtSverein läßt eS sich nicht entgehen, bei dieser Gelegenheit eine Festsitzung zu veranstalten. Dieselbe soll, da der 18. Januar durch andere Festlichkeiten in Anspruch genommen ist, Donnerstag, 16. Januar, im Saale des Cafä Balzer ftattfinden. Den Hauptvortrag hat Herr A. Bock über „Blücher in Gießen" zu übernehmen die Güte gehabt. Der damals 70 jährige volkSthümliche Haudegen war ein Vorläufer der Helden, die auf den Schlachtfeldern von 1870/71 die Wiedererstehung des deutschen Reiches erstritten. Sieben der traurigsten Jahre deutscher Geschichte waren verflossen, als der alte Marschall Vorwärts auf den Schlachtfeldern der Freiheitskriege der Fremdherrschaft in Deutschland ein Ende bereitete. Der Rheinbund beschämenden Andenkens verkrachte unter dem Kanonendonner von Leipzig. Nicht Blücher war schuld, daß die Diplomaten wieder verdarben, was die Schwerter erstritten. Aber gerade in der großen Zeit freudiger Erinnerungen soll auch daS Andenken an Blücher hochgehalten werden.
• * * Der Eisvereiu hat mit der Herstellung der Eisbahn (hinter den Eichgärten) eine Anzahl Arbeiter betraut. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann morgen die Bahn benützt werden.
* * Fechlverei» Waisenschntz. Der Hesfische Fechtverein Waisenschutz hielt gestern Abend auf „LonyS Bierkeller" seine WeihnachtSdescheerung ab, welche sehr gut besucht war. Später wurde ein Tänzchen gewagt. Morgen Sonntag findet dann ein Ausflug nach der „Schönen Aussicht" statt.
• * Zur Beachtung. Am nächsten Montag, den 30 d. M., von Vormittags lOVi Uhr an, werden die Glocken auf dem Stadtkirchthurm zur Prüfung geläutet werden, zusammen und wohl auch einzeln. Die- sei zur Verhütung von Schrecken mitgetheilt.
* * vifitzwechsel. DaS Haus Westanlage Nr. 42, bisher Herrn Dachdecker (Sorte gehörig, ging für 33,500 Mk. an Herrn Viehhändler Jakob über.
Ladenbraod. Gestern Mittag entstand in einem Specereiladcn in der Ederstraße dadurch Feuer, daß der in dem Local aufgestellte Petroleumbehälter durch einen unglücklichen Zufall umgeworfen wurde, wobei sich das Petroleum über den in der Nähe befindlichen Ofen ergoß. DaS Feuer wurde zwar bald gelöscht, jedoch soll ein bedeutender Schaden an Mobilien und Bictualien entstanden sein.
Unfall. Am 2. Feiertag Abend ist in der Turnhalle beim Aufstellen eine- lebenden Bildes da- Kleid einer Dame durch Zunahekommen an die Lichter des Ehristbaumes
e»tzü»det worden. Wie verlautet, soll die Dame Brandwunden davongetragen haben, jedoch außer aller Gefahr sein.
* * Die Ausländer tnf den deutschen Unioerfltaten. Man schreibt der „Frkf. Ztg.": In dem laufenden Winterhalbjahr find an den deutschen Universitäten nicht weniger als 2287 Ausländer immctriculirt, fast 8 pEt. der Ge- fammtzahl. ES ist dies die höchste Zahl von In Deutschland studirenden Ausländern, die je zu verzeichnen war- im vorigen Winter waren eS 2150, im letzten Sommer 2124. Bon der obigen Gefammtzahl find weit über die Hälfte — 1299 — allein an den drei Universitäten Berlin, Leipzig und München hnmatriculirt, beziehungsweise 776, 310 und 216. Darauf folgen dann Heidelberg mit 189, Halle mit 143, Freiburg mit 94, Straßburg mit 84, Jena mit 83, Göttingen mit 65, Würzburg mit 56, Bonn mit 52, Königsberg und Marburg mit je 46, Erlangen mit 29, Greifswald mit 27, Breslau mit 25, Tübingen mit 21, Kiel mit 10, Münster mit 9, Rostock mit 7, endlich Gießen mit 2. Bei Ausscheidung nach Facultäten treffen 628 auf die philologisch-historischen DiSciplinen, 480 auf die Medicin, 450 auf Mathematik und Naturwissenschaften, 274 auf die Jurisprudenz, 164 auf die evangelische Theologie, 154 auf daS Studium der Landwirthschaft, 81 auf Cameralia und Forstwissenschaft, 30 auf die Pharmazie, 21 auf die katholische Theologie, endlich 5 auf) daS Studium der Zahnheilkunde. Von diesen sämmtlichen Ausländem kommen 1697 au- europäischen, 590 auS außereuropäischen Staaten.
* * 3»r Warnung. Um dem planlosen, leichtsinnigen Zuzuge Stellung suchender Personen nach Berlin thunlichst vorzubeugen, werden durch eine Bekanntmachung deS dortigen Polizeipräsidium- alle Personen, welche in Berlin oder von dort aus in einen Dienst treten wollen, eindringlich vor dem Verlassen ihre- bisherigen Wohnorts gewarnt, bevor sie nicht eine ganz genau bestimmte Stellung in Aussicht haben. Namentlich werden die Stellungsuchenden darauf hingewiesen, Reverse und andere Schriftstücke, wenn überhaupt, so doch nur nach aufmerksamer Prüfung ihres Inhalt- zu unterschreiben. Dienstbücher und Legitimation-papiere sollten überhaupt nicht auS der Hand gegeben und den Herrschaften oder Arbeitgebern vorgelegt werden.
• * Der Selreidemarkt. (Bericht vom 19. bi- 25. December.) Die Annahme, daß die sehr gespannten Politischen Beziehungen zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Getreideeinfuhr aus Amerika ins Stocken bringen und die Preise in die Höhe treiben werde, hat sich bis jetzt noch in keiner Weise bewahrheitet. Weder die englischen noch amerikanischen Kornfrüchte und Märkte find von den Kriegsbefürchtungen nennenswerth in Bezug auf die Preisbildung beeinflußt worden und es waren daher die Getreidepreise in dieser Woche fast dieselben wie in der vorigen. DaS Geschäft war aber meist lebhaft und wurde in Berlin gekauft: Weizen per 20 Centner für 138 bis 152 Mk., je nach Qualität, Roggen für 116 bis 121 Mk., Gerste für 114 bis 170 Mk., Hafer für 118 bis 149 Mk.
B. Lang-Göns, 25. December. Am 20. December bezog Herr Dr. Reiff sein neuerbautes Wohnhaus. Aus diesem Anlaß veranstaltete derselbe eine kleine Festlichkeit, wozu im Saale deS Gaftwirths Wenzel die Spitzen der Gemeindebehörden und die am Bau des Wohnhauses thätig gewesenen Handwerker eingeladen waren.
n. Friedberg, 26. December. Beim hiesigen Stadt- k ir chenbauv eret n, der sich bekanntlich die stilgemäße Renovirung unserer Stadtkirche zur Aufgabe gestellt hat, gingen in den letzten 3 Monaten insgesammt 345 Mk. ein, darunter sind 284 Mk. Jahresbeitrag der Mitglieder inbegriffen. — Die hiesigen Colonialwaaarenhändler Haden sich dahin geeinigt, kein Weihnacht-- oder Neujahrs- ge schenk an Kunden und Dienstboten zu verabfolgen. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldbuße von 600 Mk. für jeden Fall belegt.
n. Bo» der Nidda. 26. December. Unseren Arbeitern hat der Schnee einen nicht gesuchten Feierabend geboten. Die Bahn- und Wegebauarbeiten werden nun eingestellt und die Waldarbeiten eingeschränkt. Auch die Arbeiter, die außerhalb im Baugewerbe beschäftigt waren, find nun heimgekehrt. Hier auf dem Lande ist eben fast keine Arbeitsgelegenheit. Die wenigen irn landwirthschaftlichen Betrieb nothwendigen Arbeiten kann jeder Landwirth mit seinem Gesinde mit leichter Mühe verrichten.
Lauterbach, 27. December. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst dem Wachtmeister R ü s f e r dahier, sowie dem Wachtmeister Krebs zu Grebenhain und dem Wachtmeister Schneeberger zu Kirtorf für 25jährige treu geleistete Dienste das Militärdienst-Ehrenzeichen verliehen.
§ Grebenhain, 22. December. Großes Aufsehen erregte heute Mittag hier die Ankunft zweier Radfahrer trotz deS hohen Schnees und der ziemlich guten Schlittenbahn. Es waren die Herren Ingenieure Schulze und Hofmann vom Bureau der Baubehörde für oberhesfische Nebenbahnen in Lauterbach. Beide Herren hatten die Tour von Lauterbach bis hier — 5 Stunden— sehr bequem in P/2 Stunden zu- rückgelegt.
n. Staden, 26. December. Auch in diesem Jahre erhielten einer alten Sitte gemäß die hiesigen Wittwen aus einer Stiftung ein Weihnachtsgeschenk, welche- ihnen am heiligen Abend nach Schluß deS Gottesdienstes von dem OrtSgeistlichen, Herrn Pfarrer Bernbeck, in der Sakristei überreicht wurde. Es bestand in je 1 Pfund Kaffee, Reis und Gerste, sowie 1 Mark.
§ Illnhausen (Kreis Büdingen), 24. December. Ein Holzhauer auS dem benachbarten Kirchbracht wollte gestern Morgen gegen */,6 Uhr in den Wald zum Holzhauen gehen. Er kam bei bem frisch gefallenen Schnee etwa- vom Wege ab, fiel zu Boden und zwar so unglücklich, daß ihm seine Axt, welche er trug, mitten in die Hand ging. Trotzdem die Hand blutete, ging der Mann doch seiner Wege weiter in der guten Hoffnung, doch noch seinen Tagelohn verdienen
zu können. Jedoch, kaum im Walde angekommen, fiel er m Ohnmacht und wurde erst nach 2 Stunden von alberen Holzhauern gesunden und mittels Schlitten nach Han- gefahren. Er war in Folge bedenkender Blutverluste ganz erschöpft.
H. An8 de« Horlofflhale, 26. December. Der Segen des Genossenschaftswesens wird von den Landwirrhen immer mehr erfaßt und praktisch geltend zu machen gesucht. Kürzlich wurde in Reichelsheim für Gründung einer Zuchtvieh« genossenschaft gewirkt und nun regt es sich kräftig in Echzell für Gründung einer Getreide • BerkaufSgeuoffenschaft. Da« Emporblühen der Molkereigenossenschaften an diesen zwei bedeutenden Wetterauer Orten bat den genoffenschaftUchen Sinn und Geist in erfreulicher Weise geweckt und befruchtet. Auch die Obstbaumpflege und die Obstverwerthung wird in neue Bahnen zu lenken versucht, worüber man sich freuen tonn. Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott und Einigkeit macht stark, find schon seit zwanzig Jahren die Wahlsprüche der landwirthschaftlichen Genossenschaften gewesen und sie haben sich noch immer bewahrheitet.
§ Ans dem oberen BogelSberg, 25. December. Unser Landtags ° Abgeordneter für den Wahlbezirk Herbstein— Ulrichstein, Herr Bürgermeister Muth in Salz, wird bei nächstem Zusammentritt der Zweiten Kammer der Stände den Antrag stellen, „dieKoften fürdieFortbildungS- schulen auf die Staatskasse zu übernehmen." Zur Begründung seines Antrages fordert er sämmtliche Bürgermeistereien seine- Wahlbezirks auf, ihm anzugeben: 1) In welchen Gemeinden eine Fortbildungsschule besteht, von wie viel Schülern dieselbe besucht wird und wie viel die Kosten betragen - 2) Welche Gemeinden mit anderen Gemeinden zur Fortbildungsschule vereinigt find, wie viel Schüler aus den einzelnen Gemeinden die Schule besuchen, und wie viel diese Gemeinden zu den Kosten beizutragei haben - 3) Für welche Gemeinden noch keine Fortbildungsschule besteht.
"Höchst, 23. December. Die hiesige Gemeinde bekam auf Weihnachten als Christkindchen die Aussicht auf baldige Einführung des electrifchen Lichtes, indem Herr Mühlenbefitzer H of f er b ert die Anlage einer electrischei Centrale plant und damit Höchst mit eletcrischem Licht versorgen will. — An Stelle des verstorbenen HerrnDomänei- rath Richter hat der Fürst zu Löwenstein Herrn Revisor Herbert zum Vorstand deS sürstl. Rentamt- Breuberg mit dem Titel „Rentamtmann" ernannt. MB.
* Worms, 26. December. Anderweiter Verpachtungen wegen hat Reichstagsabgeordneter Freiherr v. Heyl den Vorsitz der hiesigen Handelskammer niedergelegt. Aus seinen Vorschlag wurde Commerzienrath Valckenderg zum Vorsitzenden gewählt.
Worms, 25. December. Da- tausendste Kind, welches dieses Jahr in hiesiger Stadt zur Welt kam, wurde am verflossenen Samstag auf Großh. Bürgermeisterei in daS CiviistandSregister eingetragen. ES ist da» erstemal, daß in Worms diese Zahl von Geborenen in einem Jahre erreicht wurde. Worms. Ztg.
* Ms Kassel, 27. December. In der hiesigen Stadt sind falsche Fünfmarkstücke auS Silber angehalten worden. Die Falfificate sind ziemlich gut nachgemacht.
• Ms Arolsen, 27. December. In dem benachbartem Dorfe Wetterburg wurde in der Nacht zum Dienstag eine schwere Blutthat verübt. ES entspann sich zwischen dem Taglöhner Köhler von Wetterburg und dem Dienftkoechr Kann auS Höringhausen nach vorauSgegangenem Wortwechsel eine Rauferei, die aber durch andere Burschen beigelcgt wurde. Kurz nachher wurde Köhler vor der Wirthschaft auf der Straße von Kann angefallen und mittelst eine- starken Knüppels dermaßen über den Kopf gehauen, daß er blutüberströmt zusammenbrach und alsbald verstarb, ohne bat Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der Thäter wurde am anderen Morgen festgenommen und in- Gesangniß gebracht.
♦ Unschuldig zum Tode verurtheilt. Aus Verfügung deS Justizminifters wurde der Arbeiterfrau Elisabeth Klub eck auS Reichswalde, welche vom Schwurgericht in BraunSberg wegen Mordes zum Tode verurtheilt wurde, im Wiederaufnahmeverfahren aber wieder freigesprocken worden war, für unschuldig erlittene Untersuchungshaft eine Entschädigung von 200 Mk. gezahlt.
• Mannheim, 27. December. EinS! Zwei! Drei! zählte in der Nacht vom ersten zum zweiten Feiertag ein junger Mann, der auf der Mitte der Rheinbrücke an der Brüstung stand, nahm dann einen Schwung und sprang in die Tiefe. Der Selbstmörder war der 25 Jahre alte Photograph Adolf Feldermann von hier, der die That in einem Anfall von Geistesstörung vollbrachte. Fr. Ztg.
• Budapest, 22. December. In dem ungarischen Dorfe Tirol wurden die beiden im Alter von 16 und 19 Jahren stehenden Töchter deS dortigen Vertreters ber Donau-Dampf- schifffahrtS Gesellschaft, Johann Loew, von toll gewordenen Hunden schrecklich zerfleischt. Noch lebend wurden die Mädchen nach dem Pasteur'schen Institut in Budapest gebracht.
♦ Pestalozzi und die Ardeiterwell. Mit Genugthiung verzeichnen wir einen Aufruf de- „Vorwärts" an die Arbeiterwelt zu einer Pestalozzi-Feier am 12. Januar 189«, da un« daraus hervorgeht, daß, wenn auch die dem Bürger- thum sonst feindlich entgegentretende Arbeiterwelt einmal bei rein menschlichen Idealen Einkehr halten will, fie sich doch immer wieder an daS Bürgerthum anlehnen muß. Pestalozzi hat mit btm heutigen SociaUSwuS nichi- gemein. Aber daS thut nichts zur Sache Der Aufruf de« „Vorwärts" lautet: „Da am 12. Januar die 150. Wiederkehr deS Geburtstage- de- berühmten LolkSfreunde- und Päd«. gogen Johann Heinrich Pestalozzi ist, welche Qbv


