Ausgabe 
28.4.1895 Erstes Blatt
 
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uns Werke auf dem Gebiete der Oper in guter, gediegener künstlerischer Ausführung darbieten wird. Der Zuspruch, den diese- Ensemble in Hanau har, trotzdem bedeuiende Theater, wie Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden in der Nähe, dürste wohl einen genügenden Beweis für dessen künstlerische Leistungen bieten. Als Orchester hat Herr Director Pollak dte Eapelle des 116. Inf. Reg. für die Abende de- Gast­spiels gewonnen, welche uns für gute Wiedergabe auch des orchestralen TheilS Garantie giebt. Ueber die Vorstellungen schreibt derHanauer Anzeiger": Mil der vorgestrigen Auf« führung der Mozart'schen Oper:Don Juan" zrigre uns 6a» hiesige Opern-Enscmble, wie eS auch höheren Anforde­rungen in musikalischer Beziehung zu entsprechen io der Lage ist. Wenn der Mozart'schen Muse überhaupt warme, edle und maßvolle Empfindung eigen ist, io sind eS namentlich einige seiner Opern, insbesondereDon Juan", welche unS di; schöpferische Macht seines Geistes, den Reichthum der Fantasie, die Großartigkeit und Mannigfaltigkeit des musika­lischen Ausdrucks und die melodische Schönheit classischer Formen erkennen und bewundern lassen. Dies alles hatten wir in der vorgestrigen Aufführung Gelegenheit zu empfinden, welche sich unter der gewandten sicheren und zielbewuhten Leitung des Herrn Max Wolfheim zu einer den localen Berhältniffen entsprechendguten" gestaltete. Die Wirkung war groß, sicher und unausbleiblich. Die T'telrolle sang Herr Berti Eil er S- derselbe bot eine gesanglich tüchtige, sichere und dramatisch belebte Leistung. Die mit Humor ge­würzte Parthte deSLeporello" fand in Herrn Theodor Rieck einen äußerst tüchtigen Vertreter. Eine besonders gute Leistung bot Frl. Luise Rancko. Mit klarer Stimme brachte sie dte Rolle derDonna Anna" geistig durchdacht und mit schauspielerischen Vorzügen zur Geltung. Ihr würdig zur Sette stand thr VerlobterDon Octavio", welchen Herr Robert Becker mit der herrlichen und an­sprechenden Tenorsttmme zur klangkräftigen Wirkung brachte. Frl. Lina Krüger fand in der WiedergabeDonna El­viras", Donna Jüans verlassenen Geliebten, mit ihren an­sprechenden und natürlichen Stimmmitteln freundliche Aus­nahme und dankbare Anerkennung. Ebenso war die Leistung deS Frl. Neumann alsZerlinchen" recht nett und ihre Stimme von weicher, sympathischer Klangfarbe. Die übrigen Rollen, dte deö Herrn Adolf Marx alsGouverneur" mit seiner markigen Baßstimme und die deS Herrn Jan JSlaub alsMaffetio", waren prächtige Leistungen. Der Chor er­wies sich, von einigen Schwankungen in den Einsätzen ab­gesehen, in den wenigen Chorsätzen als durchaus geschult, und erzielte den gewünschten Erfolg. Die FreitagSvor- stellung brachte unS eine romantische Zauber-Oper: Lortzing'S Undine". Mit der Aufführung derselben hatte die Direc- tton einen glücklichen Griff gethan. DaS Werk war gut insce- niet, daS Zusammenspiel flott, die Chöre sicher und bestimmt. Dte Titelrolle wurde von Fräul. Neumann mit Anmuth und Grazie gespielt; auch gesanglich bot sie unS eine recht anerkennenswerthe Leistung. Dte übrigen Soloparthien lagen in bekannten bewährten Händen. Dte Parthte deö Schild- knappen Veit vermittelte uns die Bekanntschaft eines Gastes, des Herrn Meyer aus Darmstadt. Es verdienen deffen flotte» Spiel und dte gewinnenden gesanglichen Darbietungen lobende Erwähnung. Besonder» anziehend und bewundernd wirkten die theilweise neuen Decorationen. Die Burg Ring- stetten im 3. Act und insbesondere der Tropfenpalast deS Wasserfürsten Kühleborn sind von künstlerischem Jntereffe. Die Oper erfreute sich einer warmen Aufnahme. Es kann der Besuch derselben bei einer event. Wiederholung auf da» Wärmste empfohlen werden." Die Besitzer deS Theaters, die Herren Gebr. Schwan haben in entgegenkommender Weise auch den Uebelstand auf der Gallerte beseitigt. Da sich sehr selten Gelegenheit bietet, hier am Platze eine gute Oper zu hören, so empfehlen wir das Unternehmen der Unterstützung de» Publikums durch regen Besuch bestens.

* * 22. Mittelrheinisches Turnfest in Gießen. Unter dieser Spitzmarke schreibt die zu Leipzig erscheinendeDeutsche Turnzeitung", Organ der Deutschen Turtierschaft: DaS den älteren Turnern als gute Feststadt bekannte Gießen rüstet sich zum vierten Male, öie Turner des MittelrheinkreiseS zu begrüßen und festlich zu bewinhen. Die Vorbereitungen zu dem Feste, deffen Frier am 7., 8., 9. und 10. Juli d. I. ftaitfindet, sind in vollem Gange. Sämmtliche Einwohner haben eS mit Freude vernommen, daß der Gießener Turner- schäft die Abhaltung de» Festes übertragen worden ist und werden es an nichts fehlen laffen, den lieben Festgästen ein paar frohe Tage zu bereiten. Gießen, von jeher bestrebt gewesen, die Turnerei zu fördern, ist im wahren Sinne deS Wortes eine Turnerstadt, giebt eS doch keinen Ort in Deutschland mehr, welcher im Verhältniffe zu seiner Einwohner­zahl eine größere Anhängerschaft unseres verehrten Turnvaters Jahn aufzuweisen hätte. Die beiden bestehenden Turnvereine haben die große Mitgliederzahl von über 1100. Ebenso giebt einen besonderen Damenturnvcrein, wie auch der eine Turnverein eine stattliche Damenricge aufzuweisen hat. Letztere ist bereits vor die Oeffcntlichkeit getreten. Sie hat hierbei nicht nur die Anhänger des Damenturnens, sondern auch viele Gegner überzeugt, daß e» eine ernste Ausgabe der Turnvereine sein muß, auch den jungen Mädchen Gelegenheit zu geben, sich körperlich auSzubilden. Hoffentlich haben wir da» Vergnügen, bei dem bevorstehenden Feste auch die turnerischen Leistungen unserer Turnschwestern kennen zu lernen.Gut Heil!"

CpielcursnS für Lehrer. Wie in den vorhergehenden Jahren, so wird auch in diesem Semester und zwar vom 24. Mai bi» 1. Juni, In Frankfurt a. M. ein Cursu» zur AttSbildung von Lehrern für Jugend- und Volk» spie le ftattfinden. Der Cursu» ist unentgeltlich. Anmeldungen zur Theilnahme an demselben sind an den städtischen Tunnnspector zu Frankfurt a. M. zu richten.

h Die Fahrten von und nach de« Echiffenberger Wald werdet, auch am kommenden Sonntag von der OmnibuS­

Gesellschaft wieder ausgenommen werden und befindet sich Nähere» in unserem Jnjeratentheil. Borgekommene Un­annehmlichkeiten durch Ueberfüllung der Wagen haben den Vorstand gezwungen, den Beamten bei Strafe zu verbieten, mehr Passagiere aufzunehmen wie die amtlich vorgeschriebene Zahl, im Interesse eine» ordnungsmäßigen Betriebe» wachen auch wir nochmal» an dieser Stelle hierauf aufmerksam in der Erwartung, daß da» Publikum hierauf Rücksicht nimmt. Vom 1. Mat ab, mit Inkrafttreten de» Sommerfahrplan», wird auch Werktag» jeden Nachmittag ein Wagen probeweise zwischen der Stadt und dem Schiffenberger Wald verkehren.

Militärische Alarmirnng. Heute Mittag 121/« Uhr wurde da» hiesige Regiment alarmirt. Die Bataillone traten auf den Kasernenhöfeu an und wurden um 1 Uhr wieder entlassen.

Ktofdorfer Wald. Bon einem älteren Beamten, der, noch rüstig, seinen Ruhestand durch vielfache Streiszüge in unsere Umgebung verschönt, erhalten wir folgende Notiz, die zumal in jetziger FrühjahrSzeit alle Naturfreunde interessiren wird:Die grünschimmernde Pracht de» Krofdorfer Walde», von deffen Hintergrund sich die stolzen Burgen unsere» Land- schaftSbilde» abheben und dem der mächtige Dünßberg ent- ragt, lockte mich dieser Tage zur Wiederholung eine» öfter vergeblich gemachten Versuch», abseits der aus weite Strecken gradlinigen Staatsstraße mir durch daS unendliche Äewirre der Holzabfuhrwege einen Pfad quer durch den Forst nach der Schmelz und Fron hausen zu suchen. Fand tch doch bei allen meinen Wanderungen in deutschen Gebirgen kaum Etwa», was ich diesem Waldgange mit seinen wechselnden Beständen, seiner Folge von Höhen und Tiefen, lieblichen Waldrändern und Wiesenbächen, Eichen- und Buchenhochwäldern und düsterem Tannendickicht, überraschenden Ausblicken auf ein tief unten wogendes grüne» Waldmeer an Schönheit an die Seite stellen möchte. Doch man war mir zuvorgekommen. Der Krofdorferstraße bis zur Eisenbahnüberführung folgend, wandte ich mich recht» ab nach LaunSbach, um von da die Höhe zu gewinnen. Am Dorfausgang nach WtSmar zu fand ich nun eine gelbe Wegbezeichnung, die erst kürzlich angebracht worden sein muß und die noch einen Fußpfad zur Linken hinaufwieS. Ich überließ mich wohlgemuth dieser Führung, die nirgend» versagte, und gelangte nach im ganzen ^/zstündiger Wande­rung nach Fronhausen,- mithin ist der bezeichnete Weg noch etwas kürzer als die Cdauffee über baß Forsthauß, weiht unß aber in alle verborgenen Schönheiten deS Walde» ein. Ich kann dem unbekannten Wohlthäter für die musterhafte Anlage dieser Wegbezeichnung nur meinen herzlichsten Dank sagen." (Soviel unS bekannt, hat die hiesige Sektion des D. u. Oe. Alpenverein» diese Wegbezeichnung, wie andere über Krof­dorfFellingshausenDünsdergBubenrod-Wetzlar srothe Striches und GießenKinzenbachBubenrod (weiße Striche) Herstellen laffen. Dort beginnen alle diese Marktrungen, wie dem Einsender offenbar nicht bekannt war, an der Labn brücke. D. Red.)

* * Ein Jubiläum. Staatssecretär Dr. v. Stephan, der oberste Leiter der Deutschen Reichßpost, beging gestern sein 25jährigeß Amtsjubiläum al» General Postdirector. Der Jubilar hat verstanden, weit über die Grenzen seineß Ressortß wie Heimathlandeß hinaus ordnend und fördernd in den Völkerverkehr einzugreifen und Deutschland auch auf diesem Gebiete den ersten Rang zu sichern. Deshalb gingen dem Jubilar aus allen Theilen der Welt die herzlichsten Glückwünsche zu.

* * Nachdem mit dem 1. April d. I. die Sonntagsruhe für Industrie und Handwerk Geltung erlangt hat, regen sich vielfach Zweifel über den Umfang der Personen, auf welche sich die bezüglichen Bestimmungen der Gewerbeordnung»- Novelle vom 1. Juni 1891 beziehen. Es ist zunächst klar, daß die Sonn- und FesttagSruhebestimmungen auf die Per­sonen, welche man gemeinhin als Arbeiter bezeichnet, sowie auf die Gesellen und Lehrlinge Anwendung zu finden haben. Sodann muß die vorgeschriebene Ruhezeit auch den Betrieb»- beamten, Werkmeistern und Technikern gewährt werden, weil diese Kategorie von in Industrie und Handwerk beschäftigten Personen ausdrücklich in die Ueberschrist deS Titels VII. ber (Seroerbeorbnung, deffen Anfang die Sonnlagsruhebestim- mungen bilden, aufgenommen sind. Nicht unter diese Be­stimmungen fällt dagegen einmal der Arbeitgeber selbst. Er kann, soweit nicht lanbeSgesetzltche oder ortßpolizetltche An­ordnungen entgegenstehen, auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Dasselbe wirb in ber Regel von ben Angehörigen beß Arbeitgebers gelten, wenigsten» in allen den Fällen, wo sich dieselben zu dem letzteren nicht in einem ArbeitSverhältniß befinden. Sodann ist von den ©eftimmungen daS ganze sogenannte Comptoirpersonal ausgenommen, also alle die­jenigen Personen, welche nicht zum technischen, sondern zum kaufmännischen Theile eine» Betriebe» gehören. Für diese haben natürlich schon die SonntagSruhebestimmungen im Handelsgewerbe Geltung erlangt.

* * Die Vorarbeiten zur Gartenbau- und RosenauSstellung in Darmstadt nehmen ihren ungestörten Fortgang, und ist der mit der Vorbereitung betraute Ausschuß bemüht ge­wesen, sowohl Begünstigungen für die Aussteller, als auch für die Besucher der Ausstellung zu erlangen. Die Direc- tionen der Hessischen LudwigS-Eisenbahn, der Main-Neckar- bahn, der badischen, württembergischen und bayerischen Staat»- bahnen Haden für sämmtliche zur Ausstellung gelangende und daselbst unverkauft bleibende Gegenstände frachtfreien Rück­transport gewährt. Außerdem hat die Direction der Hes­sischen Ludwigs Eisenbahn in anzuerkennendster Weise auch für zwei Tage, den 28. und 30. Juni, eine Fahrbegünstigung für ihre auf nichtpreußischem Gebiet belegen» Stationen gewährt, wonach baß einfache Biller zur Rückfahrt berechtigt, wenn ben Stempel ber Außstellungß- Commission trägt.

Der Getreidemarkt (Berichtswache vom 18. biß 25. April). . In letzter Woche stand der Getreidemarkt unter

einer geradezu belebten Stimmung mit wesentlich fieigenbnr Preisen und lebhafter Nachfrage. Dieselbe wurde dadurch hervorgerufen, weil man nach den amtlichen Schätzungen in Preußen keineswegs eine so gute Ernte wie im vorigen ! Jahre erwartet und wetl auch in Amerika die Getreidtpreise gestiegen find. Ob sich dieselben noch weiter nach oben be­wegen ober für nächste Zett auf dem jetzigen ziemlich gestiegenen Niveau stehen bleiben, läßt sich nicht Voraussagen. In Berlin und Leipzig wurden gekauft: Weizen per 20 Ceotner für 132 bi» 150 Mk, Roggen für 121 biß 129 Mk., Gerste 105 biß 165 Mk. und Hafer für 113 bi» 140 Wk.

Streit für Haadlnngß Tommi» von 1858 in Hamborg. Der am 30. October 1894 erfolgte Entzug in da» eigene Gefchäftßhau» und die am 14. November 1894 statt- gefundene Besetzung der 50,000sten Stelle, da» sind, wie wir dem soeben erschienenen 36. Berichte de»Verein» für Handlungß-Lommiß von 1858* entnehmen, die beiden Er­eignisse, die dem Jahre 1894 in der Geschichte de» 1858er Verein» eine hervorragende Bedeutung verleihen. Linen er­heblichen Zuwach» erhielt auch der Mitgliederstand, nämlich 10,182 neue Mitglieder und Lehrlinge, so daß der Verein am 31. Decernber 1894 schon 46,316 Angehörige zählte. Die Rechnung-Verhältnisse weisen wieder eine stark vermehrte Einnahme, aber auch eine wesentlich größere Ausgabe auf, al» im Vorjahre. Während die Gesammteinnabme Mark 265,028.35 betrug, stellte sich die Ausgabe für Mitglieder stand und Stellenvermittelung auf Mark 171,244.36.

M. Au» dem Segellbetg. 26. April. In der Nähe de» Taufsteins wurden vor einigen Tagen fünf verendete Wildsauen, worunter ein starker Keiler, aufgefunben. Offenbar ist bas Wilb verhungert. Ganze Wiesenflächen sind furchtbar aufgewühlt. Trotz der seitherigen warmen Witterung und beß starken Regenwetterß liegt ber Schnee auf den Höhen beß Bogelßbergeß durchschnittlich noch einen Meter hoch.

vermischtes.

Fravkfort a M>, 26. April. Neue T hie re de» Zoologischen Garten». Neben einigen afrikanischen Meerkatzen sind vier allerliebste Pinseläffchen im Zoologischen Garten eingeiroffen. Es find die» die kleinsten Affen, die e» giebt; der Leib ist nur etwa 15 cm groß und der Kops hat nur die Dicke einer Nuß In Südamerika, wo die Thiere zu Hause sind, kommen sie häufig in die Gärten, wo sie, wie bei unß die Eichhörnchen, mit großer Schnelligkeit die Bäume auf und nieder laufen.

* Essen, 26. Apiil. Heute Vormittag stürzte im städtischen Schlachthofe daß Deckengewölbe ein. Die Betonmaffen begruben zwei Arbeiter, welche schwer verletzt heroorgezogen wurden.

* Mit seltenem Herottmu» ist der Husaren Lieutenant v. Osten-Sackcu, ber vor einigen Tagen auf dem Gute eine» Verwandten beim Einschießen von Waffen verunglückte, in ben Tob gegangen. Demselben war von dem Arzte mitgetheilt worben, daß alle menschliche Kunst und Wissepschaft bei ihm nutzlos, er bagegen höchstens nur noch zwei biß drei Stunden zu leben habe. Mit dem tödtlichen Geschoß im Körper und ben sicheren Tod vor Augen ordnete er nun nicht nur alle seine Privatverhältnisse, sondern schrieb selbst noch an die Direction der Kriegsakademie, zu der er commanbirt, sowie an ben Commanbeur seine» in Potsdam garnifonirenben Regiments seine eigene TobeSmelbung mit einer bienstlichen Nachricht, wie sich ber Unfall zugetragen.

* Ein merkwürdiger Unfall hat sich in Wellmitz bei Guben ereignet. Ein zehnjähriger Knabe, der mit dem Schneiden von Weidenruthrn beschäftigt war. steckte da» offene Messer in die Hosentasche, der Knabe fiel, und da» Meffer drang ihm in baß Herz. Der schnell hinzu- gezogene Arzt konnte nur den schon eingetretenen Tod feststellen.

* Karlsruhe, 26. April. In der Nähe von Donau­eschingen wurde die 31 Jahre alte Frau de» Hauptlehrer» Hogg durch einen Blitzstrahl getödtet.

Brunn, 26. April. Ein Corpora! de» 8. In­fanterie-Regiment» schoß heute früh mit seinem Dienst- gewehr auf zwei Infanteristen, welche ihn wegen Mißhandlung angezeigt hatten. Alsdann richtete der Corpora! die Waffe gegen sich selbst. Alle drei find tödtttch verletzt.

Paris. 24. April. Eine in der Rue Montmartre wohnende Familie Pie tri hatte ben einzigen Sohn, einen hoffnungsvollen Jüngling von 22 Jahren, vor einigen Monaten verloren. Der juvge Mann hatte sich au» Liebe»- gram entleibt. Die Mutter grämte sich hierüber derartig, daß sie nicht weiter leben wollte, und sich mit einem Revolver erschoß. Der Gatte, der in dem Erdgeschoß der Wohnung ein kleine» Bankgeschäft hat und al» ein sehr braver Herr in der ganzen Nachbarschaft gilt, fand seine Frau auf einen Stuhl fitzend tobt, neben ihr auf der Erde einen Revolver. Lin Brief von der Hand der Selbstmörderin, worin sie den Grund der Tdat bezeichnete, fand sich auf dem Tische vor. Pictri begab sich nach Durchlesen diese» Briese» in ein andere» Zimmer und erfchoß sich ebenfalls.

Aus Belgrad wird über da» Gepäck der Königin Natalie geschrieben: Acht große Eisenbahn Möbelwagen hielten heute ihren Einzug in den Königlichen Konak. Die Riesenwaggon» kommen birect auf Pari» und enthalten einen Theil beß Gepäck» der am 10. Mai hier eintreffenden Königin Natalie. Wahrscheinlich wird btß zum 10. Mai noch ein weiterer Transport nachkommen. Für einen kurzen Besuch sind die acht MöbelwaggonS jeden­falls zu viel, auch wenn e» sich um da» Gepäck einer Königin handelt.

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