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26.5.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 122

Der

chtthener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Die Aießener Aamikieadlälter werden dem Anzeiger evdchentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Sonntag den 26. Mai______________________

Gießener Anzeiger

Keneral-Anzeiger.

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Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Lheil.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

Die zu Lindheim, Kreis Büdingen, ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen, und die Gehöftsperre aufgehoben.

Gießen, den 24. Mai 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, am 24. Mai 1895.

Betr.: Die Voranschläge der evangel. Kirchenfonds des Kreises Gießen pro 1895/96.

DnS Grvß-erzogliche Kreisamt Gießen

an die evaug. Kircheuvorftäude des Kreises.

Wir haben bei Revision der rubr. Voranschläge, welche Ihnen in den nächsten Tagen zugehen werden, bie Wahr- nehmung gemacht, daß von Ihnen bisher vielfach versäumt worden ist, das in Ihren Händen zurückbleibende Concept mit dem revidirten Original-Boranschlag in Uebereinstimmung zu bringen. Wir empfehlen Ihnen in dieser Beziehung für die Folge genauere Beachtung des § 10, letzter Absatz, der Voranschlags - Instruction. Erst nach Gleichstellung des Eoncepts ist das Original-Exemplar alsbald an den Kirchen­rechner abzugeben.

Bei Erlaß des Ausschreibens Großh. Ober-Konsistoriums vom 12. October 1894 (Amtsblatt Nr. 14) waren die Vor- anschläge zum größten Theile bereits aufgestellt und konnte sonach die Vorschrift jenes Ausschreibens nicht überall berück­sichtigt werden.

Wir beauftragen Sie daher, die Kirchenrechner anzuweisen, in der s. Zt. aufzuftellenden Kirchenrechnung für 1895/96 eine besondere Erläuterung über die nicht zur Vereinnahmung gekommenen BesoldungStheile, insoweit dies nicht aus dem Erläuterungsheft ersichtlich ist, aufzunehmen und, daß dieser Anordnung Seitens der Kirchenrechner nachgekommen wird, zu überwachen. Im Weiteren sprechen wir die Erwartung aus, daß bei Aufstellung des nächsten Voranschlags der Vorschrift des vorerwähnten Amtsblatts genauestens ent* sprachen wird.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend das Ober-ErsatzgeschLft für 1895.

Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1895 wird im Kreise Gießen

Mittwoch den IS Juni im Rathhause zu Sich, Vor-

mittags 8 Uhr,

Samstag den 15. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Montag den 17. Juni in dem Schulhause in der Schul­straße zu Gießen, Vormittags 8 Uhr,

Dienstag den 18. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Mittwoch den 19. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 20. Juni im GasthausZum Rappen" zu Grünberg, Vormittags 8 Uhr, stattfinden.

Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzog­lichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie- Brigade in sümmtlichen Aushebungsorten zu ge- ftellen:

a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflich­tigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht;

b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mitt- tärpflichtigen;

c. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Mili­tärpflichtigen ;

d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und ein­stellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließ­lich derjenigen aus früheren Jahrgängen;

e. die von den Truppentheilen zur Disposition der Er­satz-Behörden entlassenen ©otbaten;

f. bie von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen.

Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werben beson- bere Labungen für bie Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche ben Setreffenben unverzüglich zuzustellen sinb. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzeigen. Die Mi- | litärpflichttgen sind außerdem anzuweisen, ihre Loosungsschcine mit zur Stelle zu dringen.

Die zur Beurtheilung von Reklamationen in Betracht ! kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen.

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so I ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn

ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weg- gezogen ist, zugleich anzugebcn, wohin derselbe verzogen ist.

Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz-Geschäfte bis zum Schluß des gesummten Geschäfts selbst anwesend zu sein, um bei der Untersuchung von Feld- dienstuntauglichen sowie Invaliden ev. Auskunft geben zu können, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind.

Gießen, am 25. Mai 1895.

Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen.

Dr. Melior.

Hauswirthschaftllches.

Wir erlauben uns, die geehrten Hausfrauen auf ein Wasch- präparai aufmerksam zu machen, das sich als ein ebenso vorzüg­liches als bequemes Waschmittel bewährt und sich seit einer Reihe von Jahren tn tausenden von Haushaltungen ganz unentbehrlich gemacht hat. Es ist dieses das tn unserem Annoncen-Thetl erwähnte 0r Thonepson'sche «eifenpMver. Man erzielt demit blendend weiße Wäsche, auch ohne Bleiche, und spart Zett und Geld bei größte Schonung der Stoffe. Da bet dessen Anwendung das vttte Retben der Wasche vermieden wird, so ist eS einleuchtend, daß sie viel länger in gutem Zustande bleibt, als bet jeder anderen Wisch­methode. Auch bekommt die Wäsche einen angenehmen, irischen Geruch, während über den widerlichen Geruch der Schmierseifen oft geklagt wird. Verschiedene der bedeutendsten Chemiker haben dieses Dr. Thomsons Setsen-Pulver analysirt, und sich dahin auSgesproch«', daß es der Hauptsache nach «ine Kernseife bester Qualität sei. ES wurde ganz frei gefunden von Wasserglas und Colophontum, womit jetzt die Seifen und Wasch - Präparate gewöhnlich gefälscht werden. Dieses reelle Waschmittel ist aber nicht nur bequem zum Waschen, sondern auch billig, denn wenn man 1 Theil Dr. ThouwsonS Seifeu- Pulver mit 5 Thetlen kochendem Wasser vermischt vnb die Lösung stehen läßt, bis sie sich abgekühlt hat, so erhält man eine schone, weiße, weiche Seife, die nur ca. 6 Pfg. per Pfund kostet, und mit welcher man Waschen, Reinigen und Scheuern kann. Das ist also wohl einen Versuch werth!

Der Preis für Dr. ThompsonS Seifen - Pulver ist sehr mäßig gestellt und beträgt nur 15 Pfg. per Ve Pfd -Packet.

Dasselbe ist zu baden tn allen besseren Droguen, -Eolontal- waaren- und Setfen - Geschäften. Man achte jedoch genau aus Dr. ThompsonS Schutzmarke mit Schwan, da mtnderwerthige Nach­ahmungen angeboten werden. Alleiniger Fabrikant: Ernst Stegli» tn Aachen._____________________________________________

Kunst-Ausstellung, nähme deS Samstags, von 11 bis 1 Uhr, am Mittwoch tmb Sonntag auch noch von 3 bis 5 Uhr. Eintrittspreis für Nichtmttglteder an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 20 Pfg.

Feuilleton.

Wochenbriefe sus der Residenz. (Ortginalbericht deSGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 24. Mai.

Schluß bet Saison im hoftheater. Somerte. Wettrennen. Rosenaussttllrurg.

Am vergangenen Dienstag hat unser Musentempel seine Pforten für drei Monate geschloffen, eine interessante und reichhaltige Spielzeit liegt hinter uns. Zum Schluß kam tn der Oper noch eine der werthvollsten Novitäten zur Auf­führung , die das Hoftheater überhaupt bringen konnte: Peter Cornelius' zweiactige OperDer Barbier von Bagdad." Der geniale Componist war ein geborener Hesse, in Mainz am grünen Rheinstrom hat seine Wiege gestanden. Sein Lebens- (auf war kurz und an bitteren Enttäuschungen hat es im Verlaufe desselben nicht gefehlt. Erft die Nachwelt hat er­kannt, welch riesiges Talent in dem frühverstorbenen Com- ponisten gelebt hat, und an allen kunstfinnigen Orten rüstet man sich, um den Manen des großen Mannes nun, nach seinem Tode, die früher versäumte Huldigung durch Auf- führungen seiner Werke darzubringen. So wurde denn auch Der Barbier von Bagdad" in unserer Stadt von den mufikverständigen Kreisen mit wahrer Begeisterung ausge­nommen. Freilich, eine Wirkung auf daS große Publikum wird daS Meisterwerk wohl nie erzielen, denn hierzu fehlt eS an einem geschickt gearbeiteten Text. Von einer Handlung kann man bei der Oper fast gar nicht reden und es bleibt aufrichtig zu bedauern, daß sich der Componist nicht mit einem textgewandten Librettisten in Verbindung gesetzt hat. Die Aufführung am Hoftheater fand Dank ihrer Trefflichkeit die allgemeine Anerkennung der Kritik und des Publikums. Namentlich erntete Herr Capellmeister Rehbolz für die ausgezeichnete Einstudtrung des an unglaublichen Schwierig­keiten überreichen Werkes einen vollen Erfolg. Auch die Darsteller, die Herren Riechmann, als der geschwätzige König aller Barbiere", Weber, Khalif, Thate, Nureddin, und die Damen Neumeyer und Pfeiffer-Rißmann

leisteten Hervorragendes. Dem treffi'chen Werke ist ein ständiger Platz im Opernspielplan gesichert. In den letzten Tagen fanden mehrere Abschieds-Vorstellungen für aus Darmstadt scheidende Künstler statt. Am Donnerstag verabschiedete sich Frau Egli und am Freitag Herr Dal- , manto, der 12 Jahre an unserem Kunsttnstitut gewirkt hat. Dann folgte am Montag ein Gastspiel deS früher als Lehrer an der Vlctoriaschule hier thätig gewesenen Herrn Krauß vom Wiesbadener Hoftheater, der als Lohengrln gastlrte und sehr gefeiert wurde. Am Dienstag verabschiedete sich Frl. Egli als Margarethe in Gounods OperFaust", die zum Besten deS Hoftheater-CherpersonalS gegeben wurde. Der Verlust, der unserer Bühne durch den Weggang des Herrn de Haan drohte, der einen glänzenden Ruf nach Amster­dam erhalten hatte, ist glücklicher Weise abgelehnt worden, nachdem man Herrn de Haan eine nennenswerte Zulage zu seinem Gehalte bewilligt hat.

Im Kunstleben Darmstadts ist nun für kurze Zeit Ruhe eingetreten, bis am 1. Juni die Sommerbühne im Saal­bau ihre Pforten öffnen wird. Recht guten Erfolg er­zielte bis jetzt das Bariätetheater im Skating Rink. Da gibt es allerlei akrobatische und musikalische Leistungen zu bewundern und bis jetzt war der Besuch der Vor­stellungen trotz recht hoher Eintrittspreise ganz gut.

Die Saison der ©artenconcerte wird in diesen Tagen gleichfalls ihren Anfang nehmen; schon für den gestrigen Abend war im Saalbau ein Gastspiel des berühmten Orchesters der Philharmonischen Gesellschaft in Berlin unter Professor MannstaedtS Leitung angezeigt, doch kann Ihr Referent heute noch nicht über den Ausfall berichten. Der Himmelfahrttag lockte die wanderlustigen Darm­städter tn großen Schaaren hinaus in die prachtvollen Wälder j der Umgebung und in die Berge des Odenwaldes, wo der touristische Verkehr schon seit Wochen sehr rege ist. Auch die touristischen Vereine sind eifrig thätig. Der Odenwald Club und die beiden Sektionen des Alpenvereins veranstalteten in diesen Tagen größere gemeinsame Ausflüge. Dagegen mußte baß von derHumantlas" auf letzten Sonntag an- beraumte große Sommerfest in den Räumen des Auerbacher Schlosses wegenallzufeuchter Witterung" abgesagt und

auf einen späteren Termin verlegt werden. Hierzu sollen große Vorbereitungen getroffen werden. Die Burgruine soll theilweise eine eigenartige Dekoration erhalten und ein romantisches Festspiel, etgenS zu diesem Feste verfaßt, soll die Einleitung zu den wetteren Vergnügungen bilden, von denen nur die beabsichtigte Aufführung einer großen Parodie auf SchillersTaucher" genannt fei.

Eine eigenartige Veranstaltung sportlicher Art hat der Darmstädter Btchcleclub für künftigen Sonntag an­gekündigt, nämlich ein großes Wettrennen zwischen hte- sigen renommirten Radfahrern und den Mitgliedern einer, tote der großartige Titel besagtOriginal-Mexikanischen Rennsport Compagnie". Es handelt sich dabei offenbar um eine Wiederholung des Kampfes, ben in früheren Jahren der bekannte Buffalo Bill gegen einen hefigen Radfahrer auf der Rennbahn deS Radfahrervereins auSgefochten hat. Ueber den Ausfall der eigenartigen Veranstaltung soll ben Lesern desGießener Anzeigers" im nächsten Briefe berichtet werden.

Endlich sei für heute noch gemeldet, daß daS Zustande­kommen der großen Gartenbau- und Rosen-AuS- ftellung, die der hiesige Gartenbauverein plant, nunmehr gesichert ist. Die Ausstellung wird vom 27. Juni bis 3. Juli in den Räumen deS Großh. OrangeriehaufeS statt- finden. Eine Reihe sehr schöner Ehrenpreise sind von Kor­porationen und Privaten dem Vereine zur Verfügung gestellt worden und erregen gegenwärtig im Schaufenster eines großen Ladens in der Rhetnstraße daS Interesse aller Passanten. Die Ausstellung selbst wird von nah und fern reich beschickt werden, namentlich ist daraus Bedacht ge­nommen, den Blumenfreunden eine großartige Rofenflora zu zeigen. Die Darmstädter HandelSgärtner-Berbindung wird sich an der geplanten Veranstaltung in großem Maßstabe be- theiligen, ebenso werden Private, die große Gartenanlagen besitzen, ihre Schätze dem AusstellungScomitö zur Verfügung stellen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog, der selbst Protektor des Vereins ist, bekundet ein lebhaftes Interesse für die Ausstellung und hat, wie verlautet, selbst die Stiftung eines Ehrenpreises in Aussicht gestellt.