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Nr. 97 Zweites Blatt. Freitag dm 26. April
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Der fritfitner Zvzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme tx8 Montag».
Die Ließmer I«milieuvtät1«r werdm dem Anzeiger wöchentlich dreimal de,gelegt.
Gießener Anzeiger
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SkuMeton.
Zeiteinthkilungrn und Kalender bei verschiedenen Völkern.
Von Otto Lehmann.
(2. Fortsetzung.)
Nur die griechisch-katholischen Länder haben in der Christenheit den alten oder Jul'anischen Kalender betbehalten, der bet den Russen erst mit dem Jahre 1700 eingeführt wurde. In alter Zeil fing bei ihnen das kirchliche Jahr mit dem 1. März, das bürgerliche aber am 1. September an. Später wurde — wie aus Chroniken zu ersehen ist — und zwar unter Nestor und seinen Nachfolgern das Jahr mit dem ersten Ostertage begonnen. Dies veranlaßte jedoch den Streit über den Jahresanfang auf der Moskauer Ktrcheu- versammlung (im Jahre 1348) unter der Regierung des Großfürsten Simeon des Stolzen, der schließlich dadurch bei- gelegt wurde, daß man sich dahin einigte, das kirchliche Jahr ebenso wie das bürgerliche am 1. September zu beginnen. Peter I., der die russische Zeitrechnung der aller europäischen Völker gleichmachen wollte, schaffte das Zählen von Erschaffung der Welt ab und setzte mit den Ukasen vom 15. und 19. December 1699 fest, daß mit dem Jahre 1700 das Jahr mit dem 1. Januar zu beginnen habe, und daß von der Geburt Christi, aber nach dem Julianischen Kalender zu zählen sei. Die russische Kirche feiert also das neue Jahr am 1. Januar nach dem alten Stil, rechnet aber die Kirchenfeste noch immer vom 1. März oder 1. September und bezeichnet die Jahre und Wochen mit altsiavischen Buchstaben, die auch früher in bürgerlichen Angelegenheiten als Zahlen im Gebrauch waren, ebenso wie die allgemein gebräuchlichen römischen Ziffern. Mit dem 1. Januar 1700 wurden auf Befehl PeterS I. auch die „arabischen" Ziffern in allen bürgerlichen Geschäften eingeführt und sind seit dieser Zeit im Gebrauch.
Besonders characteristisch sind die Bezeichnungen der Russen für die Monate. Der Januar heißt bei ihnen der Himmelblaumonat, der Februar Schneidemonat von den schneidenden Frösten) auch der hochzeitliche von den meist in diesem Monat stattfindenden Trauungen. Der März wurde
I der Trockenmonat genannt nach den trockenen Märzwindender April erhielt die Bezeichnung Birkenmonat, weil man in diesem Monat die Birkenasche für Laugen bereitete. Der Mai wurde der Grasmonat genannt- der Juni heißt Hochmonat vom Stand der Sonne- der Juli erhielt den Namen Würmermonat, auch wird er Rothmonat genannt nach den Früchten, die sich in ihm meist roth färben. Der August heißt der Lindenmonat, weil zu dieser Zeit Rußland in voller Blüthe steht, auch nennt man ihn den wetterleuchtenden und bei den Ruthenen (Kleinruffen) den Sichelmonat. Der September erhielt den Namen Tropfmonat von den öfteren Regen- güffen, während der October der Blätterfallmonat, der November der Schneemonat, der December der Frostmonat ' genannt wurde.
Anders als bei den christlichen Völkern ist die Zeit- eintheilung bei den Mohammedanern. Hier ist das Jahr ein reines Mondjahr und beträgt mithin 354 Tage 8 Stunden 48V2 Minuten, welche 12 Mondmonaten oder synodischen Mondumläufen gleich sind. Mit dem „Sonnenläufe" oder den Jahreszeiten steht eß durchaus nicht in Verbindung und * unterscheidet sich dadurch von dem Jahre der Juden, das : zwar auch ein Mondjahr ist, aber durch beständige Ein- j schaltungen in Verbindung und Uebereinstimmung mit dem Sonnenjahre gesetzt wird. Das bürgerlicde Jahr der Mohammedaner hat 354 Tage, vertheilt auf 12 Monate, die abwechselnd 29 und 30 Tage haben, weil aber dieses Jahr nach obigen 8 Stunden 481/2 Minuten zu kurz ist, : was auf 5 Jahre 44 Stunden, auf dreißig Jahre 11 Tage I gibt, so wird von Zeit zu Zeit ein Tag eingeschaltet und dem letzten Monat angehängt, und zwar geschieht dies elfmal in 30 Jahren, im 2., 5., 7., 10., 13., 16., 18., 21., 24., 26., 29. Jahre des 30jährigen CycluS, was aber nur dann völlig genau sein würde, wenn das Mondjahr gerade 354 Tage 8 Stunden 48 Minuten lang wäre. Der Fehler beträgt ! jährlich 33% Secunden, um welche das Jahr zu kurz genommen wird, mithin in 2571 Jahren einen ganzen Tag, der eingeschaltet werden müßte. Der Anfang des mohammedanischen Jahres rückt nach dieser Eintheiluung mithin durch alle Monate unserer Zeitrechnung. Der Anfangspunkt der mohammedanischen Zeitrechnung ist bekanntlich die Hegira oder Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina, aber nicht der Tag dieser Flucht selbst, sondern der 68 Tage ‘
früher fallende erste Moharrem nach der damals bereits schon üblichen arabischen Zeitrechnung- dieser fiel zusammen mit dem 16. (nach Anderen mit dem 15.) Juli 622.
Was nun die Woche und ihre Tage betrifft, so finden wir diese Eintheilung schon im grauen Alterthum, wenn auch die Griechen und Römer sich derselben nicht bedienten. Dagegen feierten die Juden schon in den frühesten Zeiten jeden fiebenten Tag als Ruhetag. Diesen Gebrauch leitet man gewöhnlich aus der mosaischen Schöpfungsgeschichte her- wahrscheinlicher aber gab der Mond, nach welchem viele Völker ihre Zeitrechnung einrichten, Veranlassung zur Eintheilung der Zeit in Zeiträume von sieben Tagen, da die vier Phasen oder auffallenden Lichtwechsel des Mondes in Zwischenräumen von ungefähr sieben Tagen aufeinander folgen und sich alle 29 Tage erneuern. Denn auch heidnische Völker haben diese Eintheilung. So sollen die Eroberer von Südamerika die Perioden von sieben Tagen auch bei den Peruanern allgemein im Gebrauch gefunden haben.
Von den bei uns Üblichen Namen der Wochentage sind nur Sonntag, Montag (eigentlich Mondtag) Mittwoch und Sonnabend für sich klar. So wie aber die beiden ersten Wochentage im Deutschen von der Sonne und dem Monde ihre Namen haben, so erhielten im Lateinischen und in den davon abgeleiteten romanischen Sprachen auch die übrigen Tage von Gestirnen und zwar von Planeten ihre Bezeichnung. So heißt der Dienstag der Tag des MarS, der Mittwoch der Tag des Mercur, der Donnerstag der Tag des Jupiter, der Freitag der Tag der Venus, der Sonnabend der Tag des Saturn, wovon auch die englische Benennung des letzteren (Saturday) herstammt. Bei näherer Betrachtung zeigt es sich, daß auch die deutschen und englischen Benennungen des Dienstags, Donnerstags und Freitags damit übereinsttmmen. Der DienStag heißt im Englischen Tuesday; dies leitet man von dem angelsächsischen Namen Tus her, welcher den KriegS- gott oder Mars der alten Deutschen bezeichnete. Donnerstag (englisch Thursday) kommt her von dem altdeutschen Thur oder Thor, dem Namen des Donnergottes ober Jupiter in der Mythologie der alten Deutschen. Der Freitag endlich soll von der nordischen Venus Freya seinen Namen haben.
(Schluß folgt.)
Berdiuguug.
Die bei Erbauung einer Ladestelle bei StnSheim erforderlich werdende Lieferung von rd. 5 cbm Basaltlaoa zu Ufertreppen soll öffentlich vergeben werden- Bedingungen und Zeichnungen liegen tn unseren Diensträumen zur Einsicht offen, auch können dieselben gegen Einsendung von zus. 1,50 Mk von unS bezogen werden.
Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin Montag de« «. Mai 1895, Bormit agS 10 Uhr, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen-
Mainz, den 22. April 1895.
Grosth.WafserbauamtMainz 3725________Schmitt.__
Kohlenlieferung.
Für die chirurgisch-ophthalmologische Universitäts-Klinik soll die Lieferung von:
ca. 2400 Ctr. Anthracitkohlen,
„ 2400 „ melirten Kohlen und „ 500 „ Hütten Coaks
auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden.
Die Bedingungen liegen auf dem LerwaltungSbureau offen.
Offerten, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 4. Mai d. I., Vormittags 11 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. 3663
Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage. Gießen, den 20. April 1895.
Großh. Verwaltungs - Direction der chirurg.-ophthalm. Universitäts-Klinik.
3496] Als Leichenfrau empfiehlt sich Achtungsvoll
Frau Schnchard, Neuenweg 8.
! Allgemeiner Verein für Amen- und Krankenpsiege. i Unsere Dienerin, Frau Bickel, wird in den nächsten Wochen die Beiträge einsammeln. Wir bedürfen mehr denn je recht kräftiger Unter» !stützung. Im verflossenen Jahre hatten wir ein Defizit von fast 600 Mk.
Für künftig kann es, da wir unsere Arbeit an den Armen und Kranken nicht einschränken können und dürfen, nur dadurch vermieden werden, daß unsere Einnahmen aus Mitgliederbei- trägen erheblich gesteigert werden. Wir richten daher an die wohlhabenden Glieder unserer Bürgerschaft die dringende Bitte, uns zur Fortführung unserer bisher so gesegneten Arbeit im Dienst unserer noch- leidenden Mitmenschen durch Gewährung höherer Beiträge die unentbehrlichen Mittel gewähren zu wollen. Wir hoffen damit keine Fehlbitte zu thun.
Der Vorstand:
Justizrath Bai st. Dr. Baur. Pfarrer Dingeldey. Amtsrichter Dornseiff. Stadtverordneter A. Heß. E. Kauffmann. Metzgermeister I. Klein. C. Schwan »en. Pfarrer Schlosser. Stadtverordneter H. Vogt. Frau Dr. Brüel. Frau Baron von Gagern. Frau L. Homberger. Frl. P. Stammler. Frau Professor Sieb eck. Frau A. Weidig. Frl. A. Windecker. Frl. L. Wortmann. Frl. Johannette Zimmermann. (3127
Bekanntmachung.
Das Hebregister über die Umlagen der Stadt Gießen pro 1895/96 liegt acht Tage lang auf unserem Büreau zur Einsicht eines jeden Betheiligten offen. Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Beschwerden gegen die im Register enthaltenen Ansätze binnen der ersten vier Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfrist entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll bei Großh. Kreisamt Gießen vorgebracht werden müssen, und daß später vorgebrachte Beschwerden keine Berücksichtigung finden können.
Gießen, den 24. April 1895.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
3744 Gnautb.
Atelier f. Uortraitsmakerei.
— Auch Unterricht daselbst. — S4oo
Goethestraße 46, Atelierhaus Otto Fritz, Kunstmaler.
Bekauutmachung.
Samstag den 27. d. Mts., von Nachmittags 4 Uhr an, sollen der am Nahrungsberg gelegene ehemals I. Müller'sche Acker in 12 Abtheilungen und weiter 12 Triebviertel in der Nähe, der neuen Kaserne, zunächst der Grünbergerstraße, unter den im Termin bekannt gegeben werdenden Bedingungen verpachtet werden. Die Zusammenkunft ist auf dem Weg im Altenfeld.
Gießen, den 24. April 1895.
3745
3485
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.
D ~ Rouleaux-Stoffe in allen Breiten. =
{ Fritz Nowack, M Ausstattungs-Geschäft.
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8 Engi. Tüll-Vorhängen 8
ä sind wieder preiswerthe Parthien eingetroffen, 2 Ä hierunter breite Stückwaare pr. Meter 45 Pfg., 2 d 50 Pfg., 60 Pfg., 65 Pfg. und höher.
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