hämmerte auf den ihm übergebenen Karten den eingepreßten Tagesstempel glatt, die Stelle wurde augefeuchtet, so daß sie ganz ihr früheres Aussehen erhielt, und dann wurden mit dem vorgefundenen Apparat die Karten mit dem betr. Tagesstempel versehen und dann für ein Billiges den Fahrgästen überlasten. Auch Etiketten, wie sie bei Fahrunter- brechungen den Fahrkarten aufgeklebt werden, find bei dem Schuhmacher coofiScirt worden, so daß der oder die Schaffner, die dter in Betracht kommen, auch für kürzere Strecken Fahrkarten zur Verfügung hatten. Auf telegraphisches Ersuchen der hiesigen Lrtminalpolizei ist auch in Frankfurt bereit- ein betheiligter Schaffner festgenommen worden, in beste« Wohnung ein ganzes Packet alter Fahrkarten beschlagnahmt wurde. — Wettere Verhaftungen in dieser Angelegenheit stehen noch bevor.
• Wiesbaden. 20. Mai. Der vor Kurzem verstorbene Laude-director a. D. Wirth hat, wie da» „W. T." berichtet, die Stadtgemeinden Wiesbaden und Usingen, sowie die Gemeinde Neesbach im Kreise Limburg, seinen Geburtsort, zu gleichen Theilev zu Erben seines etwa 90,000 Mk. betragenden Vermögens eingesetzt.
♦ Elberfeld. 21. Mai. Der Erdarbeiter «retzler wurde heute Mittag, während er schlief, von dem Erdarbeiter Adolf Henzerliug durch einen Messerstich in die Brust ermordet. Der Mörder ist flüchtig.
• Den beliebten Feststen - Vorrichtungen für Rouleau;- Schnuren, au- einem gegen die Schnur gedrückten Winkelhcbel bestehend, der an seinem Druck - Ende gerauht ist, geben Zahn & Gaertig in Berlin eine zweckmäßige Sicherung, welche ein selbstthäÜgeS oder unbeabsichtigtes Auslösen des Hebels verhindert. Dieselbe besteht aus einem Stift, der durch die Länge des Hebelgriffe» geht und mit seinem oberen Ende gegen die Schnur drückt, so daß dasselbe beim Versuch der Drehung des Hebel» eine sperrende Wirkung hervorbringt. Erst wenn der Stift herunter, in den Hebel hineingezogen ist, kann die Auslösung erfolgen- die Verstellung de» Stifte- wird durch die Ausbildung desselben als Schraubengewinde oder durch eine einem Bajonettverschluß ähnliche Anordnung erreicht. — (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. Reich elt, Berlin NW.)
• Ein reizende» Sittenstückchea au» der Seiaestadt wird eben bekannt — und e» hat den Vorzug, in Wirklichkeit passirt zu sein. Eine Dame der hiesigen Gesellschaft — so schreibt man den „M. N. N." auS Paris — besuchte vor kurzer Zett einen Ball und kehrte auS irgend einem Grunde früher zurück, als sie es beabsichtigt und ihr Personal e» erwartet hatte. Wie sie ihre Wohnung betrat, bemerkte sie, daß drei Personen ihres HauSftandelS fehlten: ihre Bonne, ihre Amme und — ihr Kind. Erschrocken eilte sie zum Concierge des Hauses, und nach einigem Zögern gestand ihr dieser, Stubenmädchen und Amme seien, da sie die Rückkehr der Dame nicht so bald erwartet hatten, in daS bekannte Tanzlocal „Moultn-Rouge" gegangen- dort wären sie sicher zu treffen. Die Dame, deren Gatte nicht anwesend war, suchte tn ihrem Schrecken einen Verwandten auf, und mit diesem begab sie sich zu dem nicht eben im Ruse gutbürgerlicher Harmlosigkeit stehenden „Moulin-Rouge". Dort fand sie denn auch sofort Amme und Stubenmädchen vergnügt in den Genuß ihres „Bockes" vertieft. „®o ist mein Kind?" rief die aufs höchste erregte Dame den beiden sauberen Dienstboten zu. „Beruhen Sie sich, Madame, das ist sehr gut aufgehoben," lautete die unverschämte Antwort. Auf ihr Drängen wurde die Frau, die nebenbei bemerkte, daß da» Stubenmädchen ihre (der Herrin) beste Toilette au- gezogen hatte, zu dem Orte geführt, wo das Kind so gut aufgehoben war. Dieser Ort war ein kleine» Gasthaus in der Nähe. Die Mutter fand ihr Kind schlafend tn einem sauberen Bettchen und im gleichen Locale noch acht andere Kinder, die dort ebenfalls von pflichttreuen Ammen und Kindermädchen „In die Garderobe" gegeben worden waren!
Pro Kind bezahltenddieseT'vergnKgungSlustige« Dämchen eine Gebühr von 1,50 Franc». Daß Amme und Stubenmädchen noch io derselben Nacht auch ohne dringendes Ansuchen den Abschied erhielttu, versteht sich wohl von selbst. Pari», da» ohnehin an merkwürdigen Etablissement» keinen Mangel hat, ist somit nm eine Anstalt reicher, die doch wohl dem alten Ben Akiba zum Trotz ander»wo noch nicht dagewesen ist: Einen nächtlichen Aufbewahrungsort für unbequeme Herr- schaftSkinder!
• Amerikanische „Goldfische". Amerikanische Blätter zahlen die reichen Amerikanerinnen auf, die sich seit 35 Jahren mit adeligen Europäern verheirathet und dadurch 200 Mill. Doll. Mitgtft nach Europa herübergebracht haben. Die bedeutendste Mitgift brachte Miß Anna Gould, die sich kürzlich zu New- York mit dem Grafen Caffelane verheirathete, nach Europa, nämlich 65 Mill. Mark. Ja der Liste befinden sich 16 Damen mit 140 Mill. Mk., die nach Pari» sich verheiratheten, nun Marquise de Bretenil, Marquise de Gauay, Vicomteffe de Tourval, Frau Sohege (eine der Witttven des Nähmaschinen- Singer), Herzogin Decaze», Fürstin Polignac, Marquise de Choiseul, Herzogin von Dino, Gräfin de Lavofest-Divoune, Gräfin Langier-BillarS, Marquise More», Herzogin Laroche- foucauld, Baronin Leiüiüre heißen rc. Auch sollen nach den Aeußerungen von betheiligter Seite bei den Amerikanerinnen auch deutsche Offiziere hoch in Gunst stehen.
♦ Glanzkäfer in RapSfelderu. Zu dem von uns gemeldeten Auftreten de» Käfer» in den Rapsfeldern wird ungeschrieben, daß durch ein sofortiges Umpflügen und Besäen mit gelbem Senf oft ein größerer Gewinn erzielt wird, als durch die RapSerute erwartet wurde.
DaMpr, Ctmb* unb Dolfswirtbfc^aff,
— Kol»Marktbericht. Auf dem gestrigen Gießener Markt war der Auftrieb nicht so bedeutend wie beim letzten Markt. Mehrere Händler hatten schon am Montag ihre Waare in größeren Partim zu gutm Preisen verkauft. Die aufgetriebenm Saugkälber genügtm nicht der Nachfrage, weshalb die Preise hierfür gegen dm letzten Markt etwa- anzogm. Der Aufttieb bestand in tragenden und frischmelkenden Kühm (Holländer, Ostpreußen und Vogelsberger) ca. 650 bis 750 Stück, Saugkälber ca. 100 bis 120 Stück, ebenso viel Jungvieh und ca. 100 Stück Mastvieh. — Kühe notirten 1. Qual. Mk. 450 bis 525, 2. Qual. Mk. 350 bis 400. Kälber berechnete man zu Mk. 120 bis 126 per 100 Ko. Schlachtgewicht. Im Fettotehhandel war wmig Kauflust. Die Preise stellten sich für 1. Qual, aus Mk. 124 bis 132, 2. Qual. Mk. 116 bis 124 pro 100 Ko. Schlachtgewicht.
— Teutonia in Leipzig. In der Leben-Versicherungs- Abtheilung gingen im Monat April 1895 ein 384 Anträge über 1 972 466 Mk. BerficherungSsumme und 10564 Mk. JahreSrmte, während 312 Anträge über 1602 620 Mk. BerficherungSsumme und 10 860 Mk. JahreSrmte Annahme sanden. Der Versicherungsbestand hob sich MB Ende April 1895 auf 59 626 Versicherungsscheine über 141 337 294 Mk. Versicherungssumme und 145510 Mk. JahreSrmte. Durch Todesfall der Versicherten mürben im April 198 940 Mk. fällig. Trotzdem die Teutonia eine Acttmgesellschaft ist, gewährt sie ihren mit Dividende - Anspruch Dersichertm auch die Dortbeile einer Gegenseitigkeitsgesellschast. Die Gewinnquellen, welche die Bank neben und außer dem Geschäft der divtdmdeberechttgtm Versicherungen besitzt (Zinsen auS dem etnaezahlten Acttencapttal und dem Eapital-Reservesond», Gewinn auS Renten-, Aussteuer-, Unfallversicherung u. f. w.), decken schon für sich allein reichlich dm Gewtnn- anthell, dm die Acttonäre erhaltm, sodaß durch denselbm die Dividende der Versichertm in keiner Weise geschmälert wird. — In der Unfa lloersicherungS-Abthetlung wurdm im Aprll 98 Schadm- fälle angemeldet.
Norddeutscher Lloyd, in Gießm verttetm durch die Agmtm Carl Loo» und I. M. Schulhof.
Bremen, 21. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Fulda, Kapitän A. Meier, vom Nordd. Lloyd in Bremm, ist gestern 4 Uhr Nachmittag» wohlbehaltm tn Newyork angekommen. ___________
WichnüNche Urb erficht bet IibeifUe ix «iehex.
20. Wache. Dom 12. Mai bi» 18. Mai 1896.
Etmoohnennhl: angenommen zn 22 400 (tnd. 1600 Man» Mittig ). SterblichkettSznfer: 11,76* * bq». 9,41 nach AuSschl. der OrtSttemde». Kinder
LS st«den an: Zusammen: Erwachsenem im do* 1. Leden«,ahr: T-lL.Jnhr:
DiphtherittS 1 (1) - - 1 (1)
Lungenschwindsucht 11 — —
Lungenentzündung 11 — —
Apoplexie 11 — —
Sonstige benannte
Krankheit m 11 — —
Summa: 5 (l) 4 — 1 (1)
Anm. Die in Klammern gesetzte» Zistern gebe» an. wie dNU der Todesfälle in der betreffenben Krankherr aus von auSwärt» nach Gießm gebrachte Kranke forme en.
Wittcmnß» <msfi d>t<*
am 22. Mai Mittag» 12 Uhr (Wetterhäuschen tn der Südanlage).
Thermo ureter: min. 4- 5° R., du. 4- 17* R. Hygrometer: Gewitterbildung.
H nm erlang: Die punttirte Linie bei der varometerfcal, gibt bm Stand bei vorhergebenden Tage» an.
Witterungsbericht vom 21. Mai.
Auch heute noch steht fast der ganze Goiittnenl unter der Herr» schäft niederm Druckes. 9kben zahlreichen TheUmtntma zieht sich eine sehr unregelmäßig begrmzte Depression von der Biscava ostwärts über Frankreich, die Schweiz und Süd west-Deutschland hin zum Salzkammergut. Ihr (Jentrutn, welche» am Morgen noch über Frankreich lag, wirb bei seinem wetterm Fortschritte auch da» bayrische Gebiet neuerbing» in Mitleidenschaft ziehen. Fraglich bleibt, ob dasselbe südöstliche Bahnm etnschlagen ober läng» de» Alpensaume» sich fortbewegen wirb.
Boraubftchtliche «itlervng:
Bet wechselnder Bewölkung zunächst noch kühlem Setter mit stellenwetsm Ntederschlägm.
Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemestm am 22. Mat, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag»- Wasser 11«, Lust 16*/i0 tm Schatten.
Rübsamen'sche Babe- und SchwtmmavstaU.
kirchliche Anzeige« der Stadt Gietze«.
Esaißelische Geweiitze.
Gottesdienst-
Donnerstag den 23. Mai. Himmelfahrt-feO.
I« der Etndttirche.
Vormittag» 9*/i Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grein
Der NachmittagSgotteSbienst wirb in der Friedhofßcapelle gehalten.
3« der AohonneSkirche.
Vormittag» 9Vi Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Nachmittags 2 Uhr, tn der Kriebtzafseapslle r Pfarrer Dr. Naumann.
K«ttz»li1che Gemeinde. Ttzristi Himmelfahrt Mittwoch:
Nachmittag» um 4Vt Uhr und Abend» um 8 Uhr Gelegenhett zur hl. Beichte.
Sonntag:
vormittag- von 61/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte:
, um 6»/, Uhr erste hl. Meste;
_ um 7*/i Uhr AuStheiluna der hl. Commumon:
, um 8 Uhr zwette hl- Messe; MilitärgotteSbienst mtt Predigt;
„ um 91/» Uhr Hochamt mit Predigt-
Nachmittags um 2 Uhr Festandacht mit Segen.
Gießener Omnibus - Gesellsch ast
<£. G. w. b. H.
Von heute Donnerstag (Himmelfahrtstag) ab verkehren unsere Sommerwagen bei günstiger Witterung wieder alltäglich nach dem Schiffenberger Wald. 4^52
Markt ab: 2" alle 20 Minuten. Wald ab: 6* 7, 780 Abends.
An Wochentagen nach bekanntem Fahrplan.
Am Himmelfahrtstage fallen die Stadtfahrten Nr. 33 u 34, 37 u. 38, 43 u. 44 au«.
___________________________________ Der Vorstand.
Aufruf n. Bitte
an die
Einwohner Gießens.
Zum vierten Male seit dem Jahre 1862 wird wieder unserer Stadt die Ehre zu Theil, da» Turnfest de» Mittelrheinkreise» in ihren Mauern feiern zu können.
Von dem Rheine und der Mosel, von dem Main und der Lahn strömt die deutsche Turnerschast herbei, um in edlem Wettkampfe Körper und Geist zu stählen.
von 5000 Turnern erhoffen 2500 wieder die gleiche freundliche Aufnahme in Freiquartieren, welche die Besucher der früheren Feste in steter dankbarer Erinnerung behielten, und welche die Bürgerschaft Gießen» von jeher zierte.
Der unterzeichnete Wohnungsausschuß beginnt in den nächsten Tagen mit seiner Thätigkeit, und richtet deßhalb die freundliche Bitte an die Bewohner unserer Stadt, auch diesmal wieder diejenige Oast freundschaft bethätigen zu wollen, welche (Sieben bisher vor allen andere» Städten hervorragend ausgezeichnet hat.
Der Dstzuizsusschsi drs 22. ießes des Wittelrhenkreiles.
I. H. Leib. 4629
Bekanntwachnug.
Der unterzeichnete Vorstand und Aufsichtsrath der Gießener Omnibus-Gesellschaft erklären hierdurch Folgende»:
Die in hiesiger Stadt verbretteten Gerüchte bezüglich einer in unserem Pferdebestand zu Tage getretenen Seuche bedürfen der Richtigstellung. E» ist bis jetzt nur ein Pferd als krank erkannt und getödtet worden- bezüglich zweier anderen besteht zwar ein Verdacht, e» ist aber von Seiten der Behörde weder die Tödtnng, noch die Stallsperre, noch eine Einstellung oder Beschränkung deS Betriebs verfügt worden. Alle Vorkehrungen, welche das Gesetz vorschreibt und welche die Behörde angeordnet hat, Separation der verdächtigen Thiere, Desinfection der Ställe und Utensilien, sind sorgfälttg getroffen.
Demgemäß ist weder der Verkehr der Wagen in der Stadt noch die Benutzung derselben durch da» Publikum in irgend einer Weise für die Bevölkerung gefahrbringend.
Die neuerding» eingeführten Fahrten nach Punkten außerhalb der Stadt, an Werktagen, wie insbesondere an Sonn- und Festtagen, werden selbstverständlich aufrecht erhalten.
Wir richten an unsere Mitbürger die Bitte, unser Unternehmen nach wie vor zu unterstützen, zu dieser Unterstützung aber besondere Anregung zu entnehmen aus den allerhand Anfeindungen, die demselben entgegenwirken und aus der gegenwärttgen im gewissen Sinne kritischen Lage der gewiß zum Bedürfniß gewordenen Verkehrseinrichtung.
Ker lirln) ui irr in »itifitr •■lihfrtrMhhft
4631 e. (Ä. m. b. H.
X ♦ g 1 im Clavierspiel, im (tze- 11 iilOVYtnit und in der Theorie I I II I | I | | Hl | (Harmonielehre, Contrapunkt, v w WMy W Instrumentation rc.) eNheilt nach bewährter Methode sese
Paul Polster, Eapeümeister,
^Sberstvafte 2 Pt.
Mittwoch dm 5. Juni, Nachmittag» 4 Uhr, soll die dem Herrn »rnfl $9a0rnf<l» । in Gießen gebflrtpe Wiese im HeSler, {Flur 21 Nr 90, 91, 92 unb 93, Gemarkung Gießen, etngdbdlt in 18 Stücke, wovon 12 te 1250 qm unb 1 Stück 1568 qm batten, fttimiflie metfibtelenb an Crt nutz Stell« unter ben bei ber Versteigerung bekannt gemacht werdende» Bedingungen oerncignt werben.
Gießen, den 22. Mat 1895. Großh. OrtSgericht Gießen.
__________I. : Bft* 464» Äädl. Hlschthlms.
Freibank. (465f
Eberfieifch nicht ladenrein, pr. Pfd. 30 Pf».
Schwemelleifch nicht ladenrein, pr. Pfd. 45 Pf«.
Kinderwagen- decken
in jeder Prei»lage empfiehll
Ernst Bloedner,
4329 Seltersweg.
4517] C<W»dttti<i4 t»*n<*<
Möbeln "
J. Leih, RaiteM 7K


