Nr. 19 Zweites Blatt
Mittwoch den 23. Januar
1895
hine
Der chtetzener -«zeiger erscheint täglich, mit Au-nahme de- Montag-.
Die Gießener A>a«itie«-tttter »erde« dem Anzeiger »vchentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
Keneral-Htnzeiger.
Vierteljähriger AVouncmenLsprei« r 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
Redactton, EppeditloL und Druckerei:
-chukstraße Ar.7.
Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
A«nahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Corrn. 10 Uhr.
Hralisöeikage: Gießener Kamilienbtätter.
Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslande» Nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" eütgegeu.
Aus dem Verwaltungsbericht der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen
behause,
793
E
t-Gesellsehaft
lWmttkl eh, Hunde n, ammtuährstoffen. l liefert zu billigsten 793
io taoheim
Württemberg, W-
zu Diensten.
, Lützellinden^
oht
lOlW
82.9 102« 251
-71Ä
1887 32Ü
rs(rSw.8t.unlM’0» * UtiÄ ’S ks.LavdD.Kttd. vl-
mar 18^5- rtt. eUbertenle Sold-Awte zicsm jntr ^ol-Srieihm von
। RtM Obi. uö Obi
334-3, tdil-Sctiw
liknotm
"5 K
für daS ElatSjahr 1893/94.
(Fortsetzung)
Der Personenverkehr aus der Bürgermeisterei betrug nach monatlich an zwei Tagen vorgenommenen Zählungen durchschnittlich 55 Personen täglich, aus dem Standesamt 20, aus dem Armenamt 25, auf dem Bureau für Atters- und Jnvaltdttätsoersicherung 40 Pei sonen.
Nach der durch Großb. Oberrechnungskammer vorgenommenen Visitation ist die Geschäftsführung des StadtrechnerS in recht guter Ordnung befunden worden.
Zum Eintrag in die Wählerliste für Gemetndewahlen meldeten sich 38 Ntcht-Ortsbürger.
Laut Statistik des Standesamts wurden im Kalenderjahre 1893 geboren 813 Kinder (264 eheliche und 148 uneheliche Knaben und 265 eheliche und 136 uneheliche Mädchen). Von den zum größten Theil in der Gotzh. Entbindungsanstalt geborenen unehelichen Kindern waren die Mütter von auswärts bet 252 Kindern, von Gießen bet 32 Kindern. — Todtgeboren wurden 21 eheliche und 19 uneheliche Kinder. — Sterbesälle kamen 668 vor (350 männl., 318 wetbl.); von den Verstorbenen waren 408 in Gießen wohnhaft. — Die Eheschließungen betrugen 155. — Bet dem hohen Einfluß der in den hiesigen Kliniken etntretenden Sterbefälle aus die Statistik der Sterblichkettsverhältnisse und die daraus gezogenen Schlüsse auf die Gesundhettsverhältnrsse unserer Stadt wirb in dem Bericht wiederholt dem dringenden Wunsche Ausdruck gegeben, es mochten in den bezüglichen Veröffentlichungen Großberzogl. Centralstelle für die Landesstattstik die in. den hiesigen Kliniken etntretenden Sterbesälle von Personen, welche vor ihrer Aufnahme in die Klinik nicht in Gießen wohnhaft waren, ebenso ausgeschieden werden, wie dies in den gedachten Veröffentlichungen selbst schon bei den Pfleglingen der Landesirrenanstalr und in den analogen Veröffentlichungen Großb. Kreisgesundheitsamts Gießen in den hiesigen Localblätiecn bereits seit einiaen Jahren geschieht.
Zufolge der am 1. December 1893 stattgefundenen Viehzählung waren vorhanden: Rindvieh bis 2 Jahre alt 88 Stück, über 2 Jahre alt 345 St. (worunter 300 Kühe), 445 Schweine.
Die Städtischen Unterrichtsanstalten geben folgendes Bild in Bezug aus die Schülerzabl: I. Vorschule des Gymnasiums: im Sommer 1893 74 Schüler, im Winter 1893/94 77 Schüler. Die Vorschule erforderte einen Zuschuß aus der S.adl- kaffe von im Ganzen 1099 Mk, sonach von 14.56 Mk. für den Schüler. — II. Realgymnasium und Realschule: Das Realgymnasium besuchten in 9 Klassen im Sommer 1893 257 Schüler, im Winter 1893/94 252 Schüler: die Realschule in 7 Klössen (worunter zwei getheilte) im Sommer 1893 305 Schüler, im Winter 1893/94 300 Schüler; die Vorschulen beider Klassen im Sommer 1893 140 Schüler, im Winter 1893 134 Schüler, sonach insgesammt im Sommer 1893 702, im Winter 1893/94 686 Schüler. Die Ausstattung sämmtlicher Schulräume mit verstellbaren Schulbänken wurde vollendet, das Schulhaus selbst einer umsaffenden Generalreparatur unterworfen. Die vereinigten Anstalten haben — neben einem Staatszuschuß von 17747.52 Mk. — für die Hälfte der aus der Schulgeldeinnahme nicht gedeckten perfönlichen Ausgaben, sowie für die sachlichen Kosten aus der Stadtkasie einen Zuschuß beansprucht von 29 039.61 Mk., sonack von 41.84 Mk. für den Schüler (ohne die Verzinsung und Tilgung der Baucapitalien) und von 67.42 Mk. einschließlich des Staatszuschusses. — III. Höhere und erweiterte Mädchenschule. Die höhere Mädchenschule besuchten in 7 Klaffen tm Sommer 1893 220 Schülerinnen, im Winter 1893 217 Schülerinnen, o e Vorschule in den entsprechenden Zeiträumen 103 bezw. 103 Schülerinnen. — Die erweiterte Volksschule für Mädchen betuchten in 5 Klaffen tm Sommer 1894 148 Schülerinnen, im Winter 1893/94144 Schülerinnen, die Vorschule 84 bezw 81 Schülerinnen; insgefammt 555 Schülerinnen im Sommer 1893, 545 Schülerinnen im Winter 1893/94. Auch die hier vereinigten Anstalten wurden im Ben. ?siahr mit neuen Sub- sellien (sämmtlich Zweisitzer mit beweglich.w -itz und verstellbar aus fünf verschiedene Größen) ausgestattet. — Der Zuschuß aus der Stadlkasse zu den Kosten der hier vereinigten Schulen beträgt im abgelausenen Jahre 30507.13 Mk., sonach 55.47 Mk. für eine Schülerin (ohne die Verzinsung und Tilgung der Baucop talien). Die Höhe dieses Zuschusses, verglichen mit demjenigen für die Volksschulen und für Realgymnasium und Realschule legt die Frage einer angemessenen Schulgelderhöhung um so näher, als das Schulgeld der höheren Mädchenschule in Gießen zur Zeit noch' niedriger ist, als in allen gleichen Anstalten des Landes. - IV. Volksschulen. Die Stadt- knabenschule besuchten in 8 Klassen, von denen 7 in je zwei Hälften gelbeilt, die 8. in zwei Abtheilungen unterrichtet wurde, tm Sommer 1893 770 Knaben, im Winter 1893/94 765 Knaben. — Die Stadtmädchenschule besuchten in 8 Klassen, von welchen 7 in zwei Hälften getheilt und die 8. in drei Abtheilungen unterrichtet wurde: im Sommer 1893 920, im Winter 1893/94 909 Mädchen. — An geistig zurückgebliebenen bezw. schwachsinnigen Kindern wurden 4 Knaben und 4 Mädchen besonders unterrichtet. Ebenso rourbe — nach mehrjähriger Unterbrechung — wiederum ein besonderer Sprachunterricht für Stotterer und Stammler abgehalten. Die guten Erfolge und die damit den Schülern und ihren Eltern erwiesene Wohlthat werden Anlaß geben zu einer dauernden Fortsetzung dieses Unterrichtes, insbesondere auch um den andernfalls bet einzelnen Schülern drohenden Rückfall inS alte Uebel zu verhüten. — Die Kosten der centralen Heizung und Lüftung im Schulhause der Stadtknabenschule werden im Vergleich zu den anderen Hetzunasarten als sehr mäßig bezeichnet. Der Coaksverbrauch betrug an 165 Heiztagen rb. 1252 Ctr., ber Tagesverbrauch 379 kg, was aus 100 ebm beheizte Räume einen täglichen Verbrauch von 6,4kg Coaks ergibt. Die Noten, welche au8 Anlaß ber durch Großh. Kceisschulcommisfion vorgenommenen Echulprüsungen vorgenommen wurden, lauten: zweimal „sehr gut bis gut", dreimal „aut bis sehr gut" und zweimal „gut". Die Sehaltsverbältnisse der Volksschullehrer haben mit Rückwirkung vom 1, April 1893 eine Neuregelung erfahren, daß für die Einreihung ber einzelnen Lehrer in die einzelnen Stufen der Gehaltiordmwg dic nach bestandener Schl«ßpriifun- von denselben in der Stadt »le
auf dem Land, als Schuloerwalter wie als Lehrer verbrachte Dienstzeit ganz gleich in Anrechnung kommt, des We teren ist in den neuen Satzungen der penstontfähige Höchstgehalt auf 2500 Mk erhöbt unb bas Aufsteigen im Gehalt soll schon nach breijährtgen Zwischen' Lumen erfolgen. — Der Zuschuß aus der Stadtkasie zu den Kosten der Volksschulen (ohne Fortbildungsschule und Handfertigkettsunterr cht) b trägt im Berichtsjahre 79156 06 Mk., sonach für ein Schulkind 47.06 Mk. (ohne Verzinsung und Tilgung der Baucapitalien).
Der mit Unterstützung der Wilfonstiftuna und der Spar- und Leihkasse von der Stadt am 15. December 1893 errichtete Knabenhort war bis Schluß des Schuljahres an 96 Tagen geöffnet und durchschnittlich von 50 Knaben besucht. Er ist bekanntlich dazu bestimmt, solchen schulpflichtigen Knaben, welche in ihren Freistunden der häuslichen Beaufsichtigung entbehren, ein Heim zu bieten, in dem sie neben Fertigung der Schulaufgaben mit Spielen ober mit Spaziergängen, Turnspielen, Vorlesen oder Erzählen beschäftigt werden, auch gegen Entrichtung von 20 Pfg. wöchentlich ein Vesperbrot) (ein Schoppen Milch und ein Weck) erhalten. Der mit ber Einrich ung gemachte Versuch hat solchen Anklang gefunben, daß die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen bat, die Einrichtung zu einer dauernden zu machen und dabei die Stellung des Locals und die persönlichen Ausgaben Seitens der Stadt zu übernehmen, dagegen die Zubuße zu dem Vesperbrod der privaten Wohlthätigkeit bezw. Stiftungen zu überlassen. Man hofft damit auch manches Einschreiten unb manches Opfer auf bem Wege ber Zwangserziehung zu ersparen.
(Fortsetzung folgt.)
vermischter.
* Treysa. 17. Januar. Unweit der Haltestelle Schlier« dach der Main Weser-Bahn wurde ein Bahnwärter von einem hinter ihm herbrausenden Schnellzuge gegen einen schweren Stein geschleudert, an dem er das Genick brach.
* Straßburg i. E., 20. Januar. Die am 15. Mat beginnende Industrie- und Gewerbe-Ausstellung für Elsaß-Lothringen, Baden und die Pfalz, welche ein lehr- 1 reiches Bild des Standes der hochentwickelten Industrie und ) des Gewerbes in den drei Ländern bieten wird, zeichnet sich 3 schon rein äußerlich vor manchen ihres Gleichen durch die i landschaftliche Schönheit des gewählten Ausstellungsplatzes > aus. Es ist dies ein die städtische Orangerie, den neu an- | gelegten Stadtgarten und ein zugepachtetes Grundstück um» ? fassendes Gelände innerhalb der Stadt. Dasselbe ist zum • größten Theil bedeckt mit prächtigen Parkanlagen, wo Teiche und Hügel, Gruppen alter Bäume und Blumenbosquets abwechseln. Die Gesammtgröße beläuft sich auf nahezu 21 Hectar und übersteigt den sonst von derartigen Ausstellungen beanspruchten Raum ganz bedeutend. Auch die Ausstellungsgebäude, Wirthschaften, einzelne Pavillons u. dergl. i nicht mit einbegriffen, haben mit mehr wie zwei und ein \ halb Hectar Grundfläche eine außergewöhnliche Ausdehnung. I* Für das Hauptquartier des Kaisers ist, wie verlautet, seitens der Reichsdruckeret in Berlin eine Felddruckerei t eingerichtet worden. Sie besteht aus vier eigens erbauten l Wagen, zu deren Vorspann je zwei Pferde erforderlich sind, f In zweien der Wagen befindet sich das Schriftmaterial, in k einem anderen eine Handdruckpresie und in einem vierten ? ein Schreibtisch, der zugleich zum Aufbewahren der Schrift- j stücke dienen kann. Die Wagen äbneln in der Größe und ? Farbe denen des Trains. Als Aufschrift ist an jedem Wagen r zu lesen: „Hauptquartier Sr. Maj. des Kaisers. Chef des Generalstabes. Felddruckerei." Die Druckerei soll im Manöver und im Kriegsfälle Verwendung finden, damit die daselbst erlaffenen nöthigen Befehle gleich vervielfältigt den einzelnen Truppenführern zugehen können.
* Auf Grundlage der Arbeiten des berühmten englischen Geographen Ravenstein wird jetzt die Einwohnerzahl der Erde 1500600000 Seelen geschätzt und berechnet, und zwar zählt man in Europa 381200000, in Asien 854000 000, in Afrika 127000000, in Australien 4 730000, in Amerika 133 670000. Christen sind darunter 500600000, und zwar evangelische 200 000000, römische 195000000, griechische 105 000 000. Die Zahl der Nichtchristen beträgt 1000 000 000, und zwar die der Juden 8 000000, der Muhamedaner 180000000, der Heiden 812000000.
♦ Nene Cigarreuforteu. Mit Bezug auf einen Artikel der „Grenzboten", worin es als Lächerlichkeit gegeißelt war, Drei-, Vier- und Fünfpfennig-Cigarren mit den Namen echt spanischer Sorten zu versehen, sendet man der genannten Zeitschrift folgende (zum Theil allerdings nicht neue) Auswahl deutscher Bezeichnungen für diese Sorten: Schiller- Cigarre. (Devise: „Der Mann muß hinaus I") — Haide- röSchen-Cigarre. (Devise: Und der wilde Knabe . . . .!") — Hanntbal-Cigarre. (Devise: „Ante portas“ I) — Erl- könig-Ctgarre. (Devise: „Erreichte den Hof mit Müh' unb Noth l") — Chamtffo Cigarre. (Devise: „Und er schlug fich seitwärts in die Büschel") — Schach-Cigarre. (Devise: „Nach drei Zügen matt!")
* AuS einem Brief. „Mein Herr! Nach Ihrem gestrigen Benehmen muß ich Ihnen mittheilen, daß ich nicht
mehr die geringste Achtung für Sie habe und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Emil N."
• Cie wollen nicht kleben. Ueber einen eigenartigen Fall von Bauern-Eigensinn berichtet die „Allgemeine Zeitung" aus dem bayerischen Orte Pfarrkirchen. Fünf ' wohlhabende Bäuerlein hatten eS in ihrem Widerstande gegen das Einkleben der Altersversicherungsmarken so weit kommen lasten, bis die Zwangsversteigerung ihrer fünf Bauernhöfe ausgeschrieben werden mußte.
Citeratur unb tCwnft.
— Reeept für HeirathSlustige. Damen, die sich gerne von Gott Hymen in fesseln schlagen ließen, wird das folgende einfache unb probate Recept anempsohlen: „Man nehme einen Mann". Allerdings bedarf es da noch einiger Hilfsmittel, z. B. einer passenden Ausstattung. Um auch dieses Hinderniß zu beseitigen, hat die „Wiener Mode" ihr Heft 8 der Brautausstattung gewidmet. Ueber 100 Obsicte, Brautkleider, Gesellfchaftstoiletten, Hauskleider, Wäschestücke, alles gediegen und vornehm, dabei doch für alle Gesellschaftsschichten berechnet, schmücken dieses Heft. Als Beispiel einfacher Eleganz bietet die „Wiener Mode" ihren Leserinnen vier Straßenioilktten der Frau Kronprinzessin WittweErzherzogin Stefanie, während eine handcolorirte Modebeilage selbst dem verwöhntesten Geschmacke entsprechende Modeanregung bietet.
- Humoristische- Künstler-Declamaiorinm für Dilet- tonten. Auslese ber besten DeclamaNonsstücke heileren Inhalts, unter Mitwirkung ber ersten deutschen Bübnengrößen herausgegeben von Mathilde Henle. In fein illustr. Umschlag drosch. Mk.3—« Eleg. geb. Mk. 4.50. Wie sckon-zu seinem Vorläufer, dem berühmten Henle'schen Sammelwerke „Watz soll ich beclamiren?", haben auch zu diesem neuen Buche zahlreiche unb hervorragende Mitglieder deutscher Bühnen — im Ganzen mehr als 70 Künstler und Künstlerinnen — je die wirkungsvollsten Piöcen aus ihrem Repertoire beiaetragen. Zur Beglaubigung dessen ist bei jedem Stücke der Name des Künstlers genannt, der es für die Sammlung bestimmte und zum Vortrage empfiehlt.' Da untere Bühnenkünstler aus Erfahrung wiffen, was gefällt unb Effect macht, fo kann es nicht Wunber nehmen, daß btefe liebenswürbige Gabe herzerfrischenben Humors eine reiche Auswahl der declamatorisch dankbarsten heiteren Piöcen umfaßt und somit eine Fundgrube glänzender Perlen des komi'chen Vortrags bildet, wie solche wohl in keinem zweiten Buche geboten und von denen jede ein Treffer ist. Das „Humoristische Künstler - Declamatorium" trägt jedem Geschmacke Rechnung und bietet sehr viele Original- Vorträge, manches bisher ungedruckte Stück. Die Ausstattung ist ungemein elegant und überraschend schön. Von Künstlerhänden geschaffen und in seiner Art einzig, wird dieses nicht nur das neueste, sondern auch vornehmste und qualitativ wohl kaum zu übertreffende Declamationswerk gewiß von allen Freunden der Declamatioa freudig begrüßt unb namentlich zu Geschenken für Jünglinge und Jungfrauen mit Vorliebe angeschafft werden.
— „Madagaskar unb die Madagassen" betitelt sich ein mit zahlreichen Illustrationen geschmückter Aufsatz in dem neuesten 8. Heft der beliebten Familienzeilfchiist „Universum" (Verlag des Universum, Dresden). Die kriegerischen ©.lüfte Frankreichs haben dieses Land und seine Bewohner in den Vordergrund des Tagesinteresses gerückc; inwieweit es den Franzosen gelingen wird, auf ber Insel festen Fuß zu fasien, wird wohl die nächste Zukunft lehren. Wie die genannte Zeitschrift — ihrem Programm getreu — stet- bestrebt ist, die wichtigsten Togessragen aufzunehmen unb dem Interesse ihres ausgedehnten Leserkreises durch leichtverständlich geschriebene Artikel näher zu rücken, beweist außer dem ebenerwähnten Beitrag ein weiterer illustrirter Aufsatz: „Die electtische Schwebebahn" von M. Buchwald. Der Preis des Heftes beträgt nur 50 Pfg.
Technische Fortschritte.
— Wirksames Mittel, utn Holz zu biegen Um Holz biegungsfähig zu machen, wird es eine Zeit lang mit gespannte« Dämpfen behandelt. Sollte eine solche Anlage jedoch zu kostspielig sein, so wäre folgendes Verfahren zu empfehlen: Ein langes Bassin von Eisen oder Holz wird mit kochendem Wasser gefüllt und die zu- geschnittenen Bretter hineingeworfen. In dem Bassin liegt entweder eine Dampfschlange oder man läßt durch ein offenes Rohr, welches nahe auf den Boden reicht, birecten Dampf vom Kesiel einstiömen. Hat das Holz genügende Weichheit erlangt, so wirb es in bie gewünschte Form gebogen unb durch geeignete Befestigung darin erhalten, bis in warmen Räumen die Feuchtigkeit zum großen Theil verdunstet ist, worauf es die gegebene Gestalt beibehält.
— Legirte Ctahlschnhrrügel. Herr August Fischer in Illertissen hat legirte Stahlfchuhnägel Herstellen lasien, durch deren Anwendung die Haltbarkeit ber genagelten Schuhe wesentlich gesteigert werben soll. Wer Schuhe mit Eisennägeln trügt, weiß, daß diese rosten, daß der Rost das Leder angreift, baß das Loch, wo ber Nagel stak, sehr vergrößert und zu weiterem Halt eines anderen Nagel- untauglich ist. Fischer will die Nachtheile dadurch vermeiden, baß er seine Stahlnägel mit einer Mischung überzieht, woburch sie vor Rost geschützt werden. Gelänge bas, so wäre seine Erfinbung in volkswirthschastlicher Beziehung von größtem Vortheile.
verkehr, Land- uttö volkrwirthschaft.
Grüirberg, 19. Januar. Fruchtpreise. Weizen X 12,00, Korn X 12,20, Gerste X 10.00, Hafer X 9,22, Erbsen X 0,00. Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 0,00, Samen X 00,00.


