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daß für die Fischerei für ein Stück der Weschnitz der zehnfache Pacht erzielt wurde, weil jetzt eine Bahn von Weinheim über Mörlenbach nach Fürth fährt. ES waren Pacht lfebhaber auS Frankfurt, Mannheim und anderen großen Städten erschienen, welche enorme Summen boten. Die Fischereiliebhaberei ist bei großen Geldleuten ebenso beliebt, wie die Jagd. Sie hat den Vortheil, daß man nicht mit gefährlichen Feuerwaffen umzugehen und nicht so genau zu zielen braucht, wie beim Jagen. Unsere Fischwaffer werden daher sehr bedeutend im Pachtwerthe steigen, wenn man einmal direct von Frankfurt durch die Wetterau fahren kann und nicht mehr fo viel Zeit mit Umwegen zu verfahren braucht.
□ Aul Oberheffeo, 18. December. Der Jahreswechsel naht, und mit ihm die Zeit, in welcher der Verkauf von NeujahrSgratulatiouSkarten ftattfindet. Um diese Z?it nun ergehen seit einigen Jahren regelmäßig Aufforderungen in den Tagesblätteru, die Sitte der Sendung von Neujahrskarten abzuschaffen und durch einen Beitrag zu irgend einem wohlthätigen Zwecke zu ersetzen. So edel dieser Zweck auch sein mag, so vergaßt man dabei, daß der kleine Nutzen, den man mit seiner Verfolgung schafft, auf der anderen Seite dem Erwerbsleben einen vielfach größeren Schaden zufügt. Taufenden von Arbeitern in diefem Industriezweig, der nicht zuletzt auch eine Förderung der Kunst und des Kunst- und Schönheitssinnes bedeutet, schneidet man mit der Abschaffung einer schönen Sitte den Lohn der Arbeit, den Verdienst ab. In einer Zeit aber, wo Handel und Industrie der Förderung in Hinsicht deS erschwerten Erwerbs für den Einzelnen dringend bedürfen, soll man nicht die Hand zur Untergrabung derselben reichen. Meist allerdings bestehen die Bereinigungen, aus deren Streifen solche Aufforderungen zur Unterlaffung der Sendung von Neujahrskarten ergehen, aus Mitgliedern, die dem Erwerbsleben fernstehen, und so von einer Schädigung desselben durch besagtes Unternehmen keine Ahnung haben. Der Unsitte, unmora- lifche Neujahrskarten zu versenden, muß allerdings daS Hand- merk gelegt werden, aber die schöne Sitte, Verwandten und Bekannten, Freunden und Freundinnen seine Glückwünsche durch eine einfache oder künstlerisch schön hergestellte Karte — wen sollte eine solche nicht erfreuen — zu übermitteln, soll man nicht verpönen, sondern um deS Verdienstes willen den viel Tausenden von Arbeitern und ©eroerbtreibenben fördern helfen zu suchen.
△ Mainz, 18. December. Bei den heutigen Er- gänzungSwahlen zu der hiesigen Stadtverord- netenoerfammtung siegten die vereinigten bürgerlichen
Heim", zu dem drei reizende ÄinberpodrätS den anmutigen Epiloa bdben. Während Bianca Bobertag in dem Runan „Mode ne Jugend" ein focialeS Z.ilbtld großen Stil» entrollt, fchrlbert u>» Theodor Fontane in dm „PoggenpuhlS" mit sicherer Realistik und feinfhm Humor die Freuden und Sorgen einer Oifiriersfamilie. btt in dürftigen Verhältnissen lebend, unter taufend Entbehrungen den Glanz ihres Namen» aufrecht zu erhalten bemüht ifi; und zu dtefeu Werken grsillt sich dne fürjtrt tumärifdic öddncfctt „ < ie Gbicitoare* von G. I. Strauß, eine flott geschriebene Humoreske von echt loca'er Färbung. Erwähnen wtr noch den zeitgemäßm, pbem Weintrtnker gewiß willkommene Aufsatz: „Eine Weinfahrl im Medoc' von Fran, Paekow und die beiden vorzüglichen Kunstblätter von M. Zeno Diemer und E. Pippich, fo ergibt sich der Gefammt'indruck einer Zertfchrift, welche nach Inhalt und AuSftallung beute kaum von einer anderen dieser Att errdcht, gefchwdge bann überboten wirb.
Literatur und Kunft
— Prächtige «bbilbttngett des neuen ungarische« ParlamentSgedäode» in Budapest, nach den Origtnataq uarellcn des Bauleiters, Prokeffor Imre Sleindl, hergestcllt, enthält da» neueste, sechffe Heft der illuitrirten Halbmonatsschrift „Vom Fel8 zum Meer" (Union DeutscheVerlagsgefellschafl in Stuttgart Preis des H ftes 75 Pfg.). Der begleitende Text von C. Frank Dewey sckildett die Entstehungsgeschichte dieses monumentalen Bauwerks, dessen Eröffnung eine Glanznummer der bevorstehenden Millenniums- feier bilden wird. Eine geiftvolle ästhetische Studie von Cornelius Gurlitt, dem Senior der deutschen Maler, Adolf Menzel, zu deffen achtzigsten Geburtstag gewidmet, führt uns neben dem Bild des Meisters selbst eine Anzahl seiner berühmtesten Schöpfungen in tadelloser Reproduclion vor Augen. Wie wtr unsere Wobnräume stilvoll und behaglich zugleich ausstatten sollen, lehrt uns der ebenso reich als trefflich illustrtrte Aufsatz von Franz Jaff6: „Im trauten
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| Parteien — Centrum, Demokraten, Deutschfreisinnige und Nationalliberale — mit einer Majorität von ca. 1000 Stimmen über die Socialdemokraten. Die Betheil,gung an der Wahl war eine ziemlich rege und hatten besonder» die Socialdemokraten große Anstrengungen gemacht, sodaß die große Stimmenzadl, mit welcher sie hinter ihren Gegnern zurückgeblieben find, einigermaßen überrascht hat. Da viel Streichungen borgenommen worden sind, läßt sich heute Abend nicht mehr ermitteln, ob sämmtliche Candidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien gewählt worden find.
Bingen, 18. December. DaS Resultat der gestrigen Stadtverordnetenwahl wirkte überraschend. Die That- sache, daß die seitherigen GemeinderathSmttglieder und tonangebenden Führer der Vereinigten Bürgerpartei, die Herren Redacteur Pennrich, Fabrikant Graff und Weinhändler Co blenz, nicht wiedergewählt wurden, bedeutet einen Sieg der Dolkspartei. Es wurden im Ganzen fünfzehn städtische Vertreter gewählt- acht zählen zur Volkspartei, sieben zur Vereinigten Bürgerpartei, dabei ist zu bemerken, daß daS achte Mitglied, der auf den Namen der Volkspartei gewählte Kaufmann Bretz, sich wegen der Bürgermeisterwahl seinen Entschluß Vorbehalten hat. DieS ändert die Sache insofern, als eS vielleicht wahrscheinlich, aber nicht unbedingt zweifellos ist, daß der jetzige Ehrenbürgermeifter, Herr Ferdinand All mann, auch Berufsbürgermeister wird.
A AuS Rheinhessen, 18. December. Der KreiSauSfchuß von Alzey hat befchloffen, auS KreiSmittcln ein allgemeines Krankenhaus für den dortigen Kreis in Alzey errichten zu laffen. Der Großh. Bauinfpector Lucius hat bereits den Auftrag erhalten, Pläne und Kostenvoranfchläge für ben Bau dieser norhwendigen und schon lange Jahre projectirteu Wohl- sahrtSanstalt erhalten.
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