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17.9.1895 Erstes Blatt
 
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218 Erstes Blatt. Dienstag den 17. September

Der

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Gießener Anzeiger

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Deutsche» Reich.

Boa«, <l Rh., 14. September. Für die Manöver des 8. Armee-Corps wurde heute früh bei Bonn der ganze Rhein überbrückt. Um 11 Uhr begann der Marsch über die in 4 Stunden hergestellte Pontonbrücke. Die Husaren benutzten die Brücke nicht, sondern durchschwammen den Strom. Die ganze Hebung ist ohne Unfall verlaufen.

Danzig. 14. September. Nach einer Meldung der ^DanzigerZeitung" hat die Manöverflotte am gestrigen Tage und während der Nacht auf hoher See manövrirt. Heute Früh erschien fie vor Hela. DieHohenzollern" mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord lag westlich vor Hela. Um 10 Uhr lief die gesammte Flotte mit der Kaiserlichen Dacht in die Danziger Rhede ein.

Hamburg, 14. September. DerHamburgischen Börsen­halle" zufolge werden sämmtliche dem Pool angehörigen transatlantischen Dampferlinien vom nächsten Montag ab den Passagierpreis im Zwischendeck für die Fahrt von New Dort nach Europa um 25 pCt. erhöhen.

Austuud.

Wien. 15. September. Wie verlautet, hat Graf Badeni bereits das Arbeitsprogramm des von ihm zu bildenden neuen Ministeriums festgestellt. Zunächst soll das Budget pro 1896 zur Erledigung kommen, und dann der Ausgleich mit Ungarn und die Wahlreform durchgeführt werden. Sobald dieses Programm angenommen ist, soll der ReichSrath aufgelöst werden, und nach dem neuen Wahlgesetz Neuwahlen erfolgen.

Wien, 15. September. Die heute von der sozialdemo­kratischen Partei etnberufene große Versammlung im Prater war wegen des heftigen Regens und des colosialen Polizeiaufgebots nur von ca. 3000 Personen besucht. Sämmt­liche Redner, hauptsächlich aber Dr. Adler, griffen das kommende Ministerium Badeni in heftiger Weise an. Adler sagte, man erkläre, daß das Ministerium Badeni eine eiserne Faust, be- sonders den Sozialdemokraten gegenüber habe, man solle sich Leswegen nicht sürchten. Würde sich das Ministerium Badeni den berechtigten Forderungen der Sozialdemokraten entgegen­stellen, so würde es ihm ebenso ergehen wie dem Ministerium Wiudischgrätz, welches weder Verstand noch eine eiserne Faust gehabt habe; eS würde einfach hinweggefegt. Nachdem die Versammlung heute so schwach besucht war, wird am nächsten Sonntag wieder eine Versammlung stattfinden. Die Ver­sammlung ist ruhig verlaufen.

Budapest, 14. September. DerPester Lloyd" schreibt bei Besprechung des kaiserlichen Handschreibens: Die hohe politische Bedeutung des Handschreibens des Kaisers Franz Joseph an den Beherrscher deS uns so eng verbün­deten Deutschen Reichs brauche nicht erst scharsfinnig zwischen den Zeilen heraus gelesen zu werden- der Monarch spreche eS unumwunden aus, daß er die herzlichen Beziehungen unserer Armee zu der deutschen noch enger zu gestalten wünsche. Der Dank, den der Kaiser dem obersten Kriegs- Herrn Deutschlands für die Einladung zu den Manövern ab» startete, die ungewöhnlich zahlreichen Ordensauszeichnungen deS Monarchen an die deutschen Würdenträger Alles dies sollte nur die Aufrichtigkeit dieses Wunsches deutlichst be­zeugen. Da dies aber nur eine wachsende Garantie für die Erhaltung des Friedens durch wiederholte warme Betonung der Bundesbeziehangen bedeute, fo begleiteten auch alle Völker Oesterreich-UngarnS die Aeußerungen des Handschreibens mit freundlicher Zustimmung.

Rom, 14. September. Die Berliner Turner find heute Nachmittag hier angekommen. Auf dem Bahnhofe wurden dieselben von den Mitgliedern deS römischen Turn- Vereins und von einer Anzahl Mitglieder des italienischen Turnerbundes sehr herzlich empfangen.

Rom, 15. September. Der Feftzug der Turner, an dem sich 1200 Turner beteiligt, verlief glänzend. Die deutschen Turner waren Gegenstand begeisterter Ovationen. Auf dem Festplatze wurden die Deutschen wiederum enthufia- -stisch begrüßt vom Präsidenten, Senator Todaro, und dem Bürgermeister RuSpoli. Als der Sprecher Berlins, Bormann, das Fahnenband widmete, brach das Publikum in Hellen Jubel aus. ES folgten Freiübungen der deutschen Turner. Morgen Abend find diese in den deutschen Künstleroerein eingeladen. NamenS der deutschen Turnerschaft legten die Berliner einen Kranz am Grabe Victor Emanuels nieder.

Frkf. Ztg.

Rom, 14. September. Die Blätter beschäftigen sich mit einem neuen Gewehr, welches der Hauptmann der Bersaglieri, Amerigo-Lei, erfunden hat. Dieses Gewehr ermöglicht, in einer Minute tausend Kugeln abzu­

schießen. Die Neuerung besteht in der Ausnutzung des Gases, welches sich während deS Feuers in der Waffe ent« wickelt. Der Hauptmann befindet sich augenblicklich im Arsenal von Venedig, wo er Versuche mit einer ähnlich ge­bauten Mitrailleuse anstellt.

Pari», 14. September. Ein Privatbrief eines Franzosen, der die Exedition nach Madagascar bis Auderbiville mitgemacht hat, meldet, daß das ExpeditionScorps ohne Conserven und frisches Fleisch sei. Die Soldaten seien äußerst schlecht genährt. Zwei Regimenter seien voll­ständig aufgerieben. Die Zahl der Todesfälle unter den Soldaten übersteige 3000. Zahlreichen Verwundeten hätten Glieder abgeschnitten werden müffen, weil die Wunden infolge mangelnden Verbandszeuges in Krebs übergegangen seien. Die Expedition wird schwerlich vor Frühjahr in Tananarivo ankommen.

Petersburg, 14. September. Der Minister für Volks- aufklärung erbat die kaiserliche Erlaubniß, Manuscripte Immanuel Kants, die Eigenthum der Universität Dorpat sind, auf einige Zeit nach Berlin zu senden. Die Entsendung der Manuscripte erfolgt auf Ansuchen des deutschen Bot­schafters behufs Unterstützung der Berliner Akademie der Wissenschaften bei der Herausgabe der vollständigen Samm- lung der Werke Kants.

Athen, 14. September. Sofort nach der Rückkehr deS Königs wird die Kammer zur Berathung der von der Re­gierung beabsichtigten financiellen Reform einberufen werden.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Lübeck, 15. September. Zu der morgen beginnenden 67. Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte find heute über 600 Feftgäste aus allen Theilen Deutschlands und aus dem Auslande eingetroffen. Die Stadt ist festlich geschmückt. Heute Abend findet feier- licher Empfang der Festtheilnehmer durch den Senat im Rathhause statt.

Petersburg, 15. September. Ein kaiserlicher Ukas, be» treffend die Gründung deS Curatoriums für Arbeiter- Häuser im Reiche, wird veröffentlicht. Die Kaiserin Alexandra Fcodorowna nahm das Curatorium unter ihre un­mittelbare Protection.

H. Leipzig, 16. September. Vergangene Nacht wurde ein mit 12 Personen besetzter Kremser am Bahnübergänge bei Eutritzsch von einem Güterzuge überfahren. Der Kaufmann Platz aus Leipzig wurde getödtet, fünf Personen verletzt.________

Der Krieg von 1870|71,

geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.)

17. September.

Dieses Babel muß man verbrennen," sagte ein Offi­zier, auf Paris deutend, 1815 zu dem alten Blücher. Bewahre," sagte der Alte,wenn ich Herr wäre, so würde ich noch eins dazu bauen; Frankreich wird an Paris sterben." Die Einschließung von Paris wird stündlich enger; die neuesten Nachrichten besagen, daß es von Norden, Osten und Süden vollständig cernirt ist und gestern wurde in der Stadt schon lebhaftes Gewehrseuer von außen her vernommen, was auf Vorpostengefechte schließen läßt.

An der Loire ist die Bildung einer neuen Armee, der Loire-Armee, unter dem Oberbefehle deS Generals La Motterouge im Zuge begriffen. Vermuthlich sollen in dieselbe jene Kabylen einrangtrt werden, deren Ankunft in Frankreich die französischen Zeitungen vor einigen Tagen mit so großer Freude ankündigten.______________________________

Die Preisvertheiluug

auf der Oberhesfischen Industrie- und Gewerbeausstellung in Alsfeld

fand gestern (Sonntag) Vormittag nach einem von Herrn KreiSrath Dr. Grolmann erstatteten Bericht statt. Von 185 Ausstellern konnten 114 mit Auszeichnungen bedacht werden. Unter den hier nicht benannten Ausstellern find eine Anzahl, welche, obwohl mit prämiirungSwürdigen Gegenständen vertreten, nicht mit zu concurriren erklärt hatten; ferner waren, einem früher gefaßten Beschlüsse gemäß, NahrungS- und Genußmittel und Dilettanten­arbeiten vom Wettbewerb ausgeschlossen. Nachstehend lassen wir daS Berzeichniß der Prämiirten folgen, wobei wir bemerken, daß ertheilt wurden: Ehrendiplome mit Medaillen

für vorzügliche Leistungen, Anerkennungsdiplome für sehr gute Leistungen, lobende Erwähnungen für anerkennenswerthe Leistungen. ES erhielten:

Das Ehrendiplom mit Medaille (1. Preis)

Alsfelder Möbelfabrik, Alsfeld, für gebogene Möbel. H. L. Berck, Hoflieferant, AlSfcld, für alt- deutsche Gedecke. Brühl'sche UniversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda), Gießen sür Buchdruck- und galvanoplastische Arbeiten. Hermann Bücking Söhne, AlSseld, für altdeutsche gewebte und bestickte Maaren, gebleichte Leinen. Eisenwerke Hirzenhain und Lollar sür Regulirsüllösen, Lönhold'sche Oesen, Regulirkochösen, Kesselrümpfe, hydraulische Schlackensteine. Aug. Gabriel jun., Gießen, für gebrannten Marmor- und hydraulischen Stückkalk, gemahlenen Marmorkalk für Dungzwecke, gemahlenen Graukalk für Bauzwecke, diverse bearbeitete und unbearbeitete Marmorstücke, Ringofen-Ziegelsteine. Gail'sche Dampfziegelei, Gießen, für Form- ziegel, Dachziegel rc. C. Grünewald & Sohn, Alsfeld, für Leinen und Säcke. Ludw. Kalbfleisch, Lauterbach, für Messerwaaren und chirurgische Jnftru- mente. Theodor Köster, AlSseld, für Rauchtabake. LouiS Lotz, Gießen, für Bache-und Rindleder. Curt von Münchow, Gießen, für Druckarbeiten. Wilh. Reiber, Gießen, für complete Zimmereinrichtungen. Carl Ringshausen, Nidda, sür eine Zimmer- einrichtung. Emil Roth, Gießen, für Pläne, Karten, Lehrbücher und sonstige Werke. Peter Sann, Weitershain, für schmiedeeiserne Arbeiten. Wilh. Spörhase, Gießen, für PräcisionSwaagen, physi­kalische Apparate, forstwissenschaftliche Instrumente.

DaS Anerkennungsdiplom (2. Preis):

Julius Cellarius, Alsfeld, für Geschäftsbücher rc. Gustav Duchardt, Alsfeld, für Seife. Carl Gaub, Lehrer, AlSseld, für physikalische Apparate und einen astronomischen, selbstgeserügten Universalapparat. G. D. Gebauer, Inhaber R. Geyer, AlSseld, für Pianinos. G. L. Glück, Friedberg, für PianinoS. Wilh. Grasentck, Bad-Nauheim, für Skizzen- und Wandmalerei. Friedr. Grauer, Butzbach, für Chaisen. C. Hadermann, Butzbach, für Webereien der Strumpsbranche. LouiS Hanitsch, Alsfeld, für Schuhe und Stiefel. Otto Hoelscher, Alsfeld, für Photographien. Carl Hofmann, Schotten, für Fässer. Peter Horst, Strebendorf, für Fässer. Philipp Horz Wwe., Alsfeld, für altdeutsche Decken. Ludw. Kemmer, Alsfeld, für Pferdegeschirre, Sopha und Decoration. 2L Stilbinger, Gießen, für Wagen und Geschirre. KaSpar Koch, Alsfeld, für Polster- möbel und Dekorationen. Frie dr. Köhler, Zell, für Fässer. A. Kretzfchmar, Gießen, für Pelz- maaren. Fr. Krogmann, Gießen, für Geldschränke, Caffetten und Schmuckkästchen. G g. Kurtz jun., Alsfeld, für Facharbeiten der Buchbinderei, Geschäfts­bücher rc. Chr. Langbein, Butzbach, für Fässer rc. Hch. Lerch, Renzendorf, für gestrickte Maaren. Zaduk Lorfch DE. Wwe., Alsfeld, für gestickte Handarbeiten. Jacob Müller IV., Alsfeld, für Herrenzugstiefel, Herrenschnürschuhe und Frauenstiefel. G. L. Niepoth & Co., Schlitz, für Seife. Wilh. Plank, Gießen, für Maschinenriemenleder, Vacheleder und Rindleder. Christian Post, Alsfeld, für Stiefel und Schuhe. Ludwig Raab, Alsfeld, für Tabakpfeifen. Paul Richter, Gießen, für eine Dors-Prachtbibelmit Gold­schnitt, Bilderrahmen mit Plüsch, Schmuckkasten in oliv Plüsch, Gesangbuch. A. Roemheld, Laubach,Fried- richShütte, für Eisenguß- und Broncewaaren. Großh. Salinen- und Bergamt Bad-Nauheim, für Förderkohlen, grobe Braunkohlen, Form- und Preß- klötze. Ed. Södler, Alsfeld, für verschiedene Küfer- arbeiten. Otto Schäfer, Büdingen, für Lodenstoffe und halbwollene Buckskins. Ludwig Schmidt, Nidda, für eine altdeutsche Zimmereinrichtung. Carl Sto hr I., Gießen, für Wandarm mit Schild. Philipp Uhl, Gießen, für Photographien. Friedr. Wasser, Angersbach, für einen Zier- und einen Credenzschrank

Lobende Erwähnung (3. Preis):

Gg. Appel, Gießen, für in Zink getriebene Arbeiten. Bad-Nauheimer Kohlensäurewerk W. Kern, Bad-Nauheim, für flüssige Kohlensäure, und Apparat zum Bierausschank mittelst flüssiger Kohlensäure. J o h. B amb ey, Strebendorf, für Drechslerarbeiten. Leonh. Bauer, Lauterbach, für einen altdeutschen Kachelofen und zwei transportable Kachelöfen. Friedr. Bau-