gestern einer Vorstellung mit beigewohut, die wir mit zu den besten zählen, die un» seit langem geboten wurden. Der Theaterverein hat durch seine vortrefflichen Gäste den Gc- schmack nicht verwöhnt, aber gehoben und eS muß etwa» Gutes sein, was dem hiesigen Theaterpublikum wirklich gefallen kann. Zu diesem Guten zählt nun unbedingt die gestrige Darstellung des Dresdener Ensemble. Lindaus „Die beiden Leonoren" sind so bekannt, daß wir uns kritisch darüber nicht zu versuchen brauchen, dagegen waren nnS sämmtliche Mitwirkende fremd, ihre Bekanntschaft zu machen aber ein großes Vergnügen. Frl. Masson als Lorchen war ein rechter, echter Backfisch, die Natürlichkeit ihres Spiels riß die Hörer zu lautesten Beifallsäußerungen hin und war die Scene auf dem Sopha im 2. Act, in welcher sie in echt kindlicher, fast rührender Weise die Mama copirte, geradezu eine vollendete schauspielerische Leistung. Frau Pfund-Kühnau gab die Dame, die in der Welt, in der man sich langweilt, lebt, in packendster Weife wieder, die Scene bei dem Wiedersehen mit dem Kinde, in welcher die Mutterliebe mit der Weltdame kämpft, gehörten zu dem her« vorragendsten Momente der auSgezetchneten Darstellung. Herr Wessel» hat seinen Ruf al» Schauspieler glänzend grrechtfertigt, er gab den Herrn Wtrberg, wie ihn der Dichter gezeichnet hat- der noble, leichtfertige, großstädtische Schmetterling, der von Blume zu Blume flattert, nun endlich an eine liebliche Knospe endgiltig und zum ersten Mal wirklich sein Herz verliert. Gegen diese drei führenden Rollen treten die anderen zurück, aber nicht soweit, daß sie nicht durch rcspectable Leistungen zur Geltung kamen. Besonders glücklich war Herr Wagner als „der alte ffilrberg*, der durch Maske und Spiel den moralifirenden alten Junggesellen zur komischsten Wirkung brachte. Herr Seidemann als Otto Kaiser gab den vertrauensvollen Ehemann recht nett und behäbig- er hätte wohl durch eine energischere Behandlung seine- Enbonpoint sein hübsches Spiel noch mehr unterstützen können. Herr Schmeichel war ein guter Hau-arzt und treuer Berather in Badeangelegenheiten. Frl. Hant ke, eine famose Gouvernante, spitz von der Zehe d'S zur Zunge. Herr Marner holte sich für seine kleine, ganz ausgezeichnete Darstellung als Damenschneider ein wohlverdientes Bravo bei offener Scene. Das Zusammenspiel war ein tadelloses und gereicht der Directorin Fräulein Adelheid Bernhard zur höchsten Ehre, ihr verdanken wir auch die hübsche und behagliche Ausstattung der Biihne. Wie wir hören, ist die Künstlerschaar ffir weitere 4 Vorstellungen gewonnen worden. Wir sehen den folgenden Darstellungen, in denen wir noch weitere hervorragende Kräfte kennen lernen werden, mit Spannung entgegen und hoffen, daß das Interesse unseres Gießener Publikums sich diesem schönen Unternehmen zu« wenden wird.
* * Dresdener Gesammt-Gastspiel. Der große künstlerische Erfolg, der der gestrigen Aufführung im Fest-Saal zu Theil
wurde, hat unseren einheimischen Jmpreffario veranlaßt, die Direction zu einem viermaligen Gastspiele zu bewegen. Die erste Auffährung findet bereits am nächsten Dlenstag statt, und wird für die vier Vorstellungen ein Bon-Abonne- ment zu wesentlich ermäßigtem Preise anSgegeben werden. Wir danken Herrn Challier, daß er in der theaterlosen Zeit eine so gute Gesellschaft zu gewinnen wußte, und wünschen ihm und der vortrefflichen kkünstlerschaar einen vollen Erfolg.
• • Covcert Verein. Am Sonntag den 17. Novbr. werden wir die Bekanntschaft einer jungen, liebenswürdigen Sängerin im ersten Vereins Concert machen. Da die Künstlerin bisher uns noch unbekannt ist, so dürfte eine Zeitungsstimme von auswärts nicht unwillkommen fein. Die »Neue Badische LandeSzeitung" berichtet über ein Entwert in Mannheim, in welchem Frl. Hayden mitwirkte, wie folgt: Recht wirksam unterstützt wurde die musikalische Abendunterhaltung der Casino-Gesellschaft am 11. März durch die Mitwirkung der Concersängerin Hermine Hayden. Frl. Hayden sang vier Lieder und zwar: „Waldesgang" van Redwitz, „Er ist gekommen" von Franz. „Ammersee" von Langer und „Mufica Proibita" von Gastaldon, letzteres in italienischer Sprache mit frischer, wohlklingender Stimme unter großem Beifall des Auditorium». Die junge Dame mußte sich noch nach dem letzten Liede zu einer Zugabe bequemen, als welche sie daS Zauberlied von Meyer Hellmund gab. Frl. Hayden verräth in ihrer Vortragsweise eine gute Schule, die sie während zwei Jahre bei dem bekannten Gesangslehrer S. Stockhousen und zuletzt bei Frau Seubert genoß. Die Vorträge der jungen Künstlerin fanden großen Beifall.
* • Reuet Verein Eine Anzahl Bewohner des SelterS- bergeS kam gestern Abend auf der „Schönen Aussicht" zusammen, um einen Verein zu gründen. ES wurde beschlossen, daß derselbe den Namen „SelterSdergerhöhenclub" führen soll. Zweck deS Vereins ist, die nachbarlichen Beziehungen zu pflegen und, wenn nöthig, die Interessen deS SelterSberges zu vertreten. Eine Generalversammlung soll nächste Woche stattfinden.
* * Die Direction bei Siebener Brannstiin-vergwerkl von E. W. B. Fetnie hat neuerdings aus freiem Antriebe eine sehr dankenSwerthe Wohlfahrtseinrichtung getroffen. Auf Grund besonderer Bestimmungen erhalten nämlich vom 1. October 1895 an die Ehefrauen und Kinder der Mitglieder der Werksknappschaftskasse in Krankheitsfällen freie Cur und Arznei auf Kosten des Werks- ebenso auch die Eltern und Geschwister, wenn baß betreffende Mitglied deren einziger Ernährer ist. Falls von dem Arzt die Behandlung in einem Krankenhause angeordnet wird, so werden auch diese Kosten von Seiten des Werks getragen. Als KrankheitSsälle werden auch die Verletzungen angesehen. Wenn die Ehefrau eint» Mitgliedes Wöchnerin wird, dann sollen ihr als Beihilfe zu den durch die Niederkunft entstandenen Kosten 10 Mk. au» der Werkkaffe gezahlt werden. Durch diese Einrichtung wird
dem Bergwerk ein Aufwand von mehreren tausend Mark jährlich erwachsen. Ehre den Arbeitgebern, die auf so schöne Weise für ihre Arbeiter und deren Familien sorgen!
Bingen. 14. November. Der Rhein ist in den letzten Tagen ganz erheblich gestiegen. Bi» heute früh 8 Uhr betrug die Höhe am hiesigen StaatSpegel 1.37 Meter. Der Oberrhein melket mäßige», der Obermain aber starke» Steigen, demzufolge der Strom auch hier beträchtlich anwachsen dürfte. Man rechnet sogar auf einen Waffeistanb von 2 Metern. Die jetzige Pegelhöhe wird, so lange sie anhält, den vom Niederrhein fignalisirteu Schiffen schon genügenden Tiefgang gewähren. Auf der hiesigen Rhede geht eS bereits lebhaft zu, der Verkehr wird sich aber von Tag zu Tag steigern. Vorgestern paffirten nicht weniger al» 17 große Schleppzage nach dem Oberrhein die Kölnische Brücke. In den hohen SchiffSmiethen ist bereit» eine Reduktion eingetreten. Frkf. Ztg.
— ......
kirchliche Anzeige« -er Stabt «Siehe*.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag den 17. November. 23. nach IriniUti». Gottesdienst.
3* btt euntfirw*.
Vormittag» 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein.
Vormittag» 11 Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Dr. Grein.
Nachmittags 5 Uhr: siehe Johanneskirche.
.^Nachmittag»4Uhr: Versammlung der neuconfirmirteu Knaben au» der MatthäuSgemeinde im oberen Saale der Herberge zur Heisutth
I« btt IohavneSkirch«.
Vormittags 9«,» Uhr: Geheime Kirchenrath Prosesior Dr. ÄlftHn. vormittag» 11 Uhr: KindergotteSdienst für die Iohamre».
gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann
Abends 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Am nächsten Sonntag: Schluß detz Kirchenjahres, rotztemfeE, GedSchtnißfeter für die im Kirchenjahre Verstorbenen. An diesem Sonntag findet liturgischer AbendgoiteSdienst statt in der Johanne»- kirche um 6 Uhr.
Montag, den 18. November, Abend« 8 Uhr, videlft««»» im Confirmandensaal der Johanneskirche: 1. Bries an die SoriMher, Capitel 2. Pfarrer Dingeldey
Kathilische Gemeinde.
Sonntag, den 17. November. 24. Sonntag nach Pfingsten.
SamStag:
Nachmittags um 5 Uhr und Abend» um 8 Uhr Gelegenheit jur HU Beichte.
Sonntag:
Vormittag» von 6>/, Uhr an Gelegenheit zur HU Beichte;
• um 6V| Uhr erste hl. Meffe;
„ um 7Vt Uhr AuStheilung der hl. Communion;
„ um 8 Uhr zweite HU Mesie; MilitörgotteSdienst mit Predigt;
„ um SV, Uhr Hochamt mit Predigt;
Nachmittags um 5*/i Uhr Christenlehre; darauf sacramentalische Bruderschaftsandacht.
GrMrlhesßschrEisknbahiikn
Zum Deutschen Eisenbahn-Gütertarif, Theil I, tritt am 15. d. Mts- der Nachtrag II in Kraft Derselbe enthält unter Anderem Aenderungen und Ergänzungen der VerkehrSordnung nebst Zufatzbestimm- unaen, insbesondere des S 53
Nähere Auskunft ertheilen die Güterabfertigungen.
Gießen, den 13. November 1895. 9630 Gr Direction
ZM. Fchlschthims.
_ Freibank. [9634
Heute und morgen:
kchwemeffeisch nicht ladenrein, pr. Pfd. 4« Pfg.
Gasthaus zur Linde am Bahnhof Großen-Lind en. TBtE Sonntag den 17. November 1895:
Eiimeihmg des imirrliaulni Saales verbunden mit Concert.
SW Anfang 3 Uhr. TBG
Zum Ausschank kommt prima Gxportbier aus der Actieu- Brauerei Gießen. — Für gute Tpeiseu und Getränke ist bestens gesorgt.
Um zahlreichen Besuch bittet 9608
____________________Joli. Peppier.
Postkeller.
Phönix-Wolle
präparirt gegen das Yingchen in der Wäsche beste» wollene» Strickgarn
daS Pfund zu flRt. 1.56, 2.05, 2.25, 2.70, 2.80, 8.50, 4 25
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Pferde Decken ß von 1 Mk. 30 Pfg. an empfiehlt Heinrich Wallach.
Morgen Samstag, nach der Stadtralhswahi: tfcar Mctzelsuppe “y-ff _______________ä Gedeck 45 Pfennig.____________9628
Zum^Lölmse^Hösl
Heute Tamstag Abend:
Concert des Kölner Trios.
_______tETrnr Entree frei. ____________9616
Stadt München, Schloßgasse 9.
Heute SamStag « ben » r 9604
Großes humorrstiscb S Concert.
Giessener Festsaal
(Cafe Leib, Wallthorstrasse).
Von Dienstag den 19. bi* ultimo November 1895: 3NF- Noch viermaliges
Dresdener Gesammt-Gastspiel
unter Leitung der Frl. Adelheid Bernhardt
und Gastspiel von Frau Rinald-Pauly vom Hoftheater in Meiningen, Frl. Henriette MaeNon, Königl. Hofschauspielerin aus Dresden, Herrn Rinald vom Casseler Hoftheater, Herrn Juliu* Weaaele vom Deutschen Theater in Berlin, Herrn Würzburg vom Residenz* theater in Berlin.
Zur Aufführung sind in Aussicht genommen: Dienstag den 19. November: Die berühmte Frau, von Sobonthan and K adel bürg.
Für die weiteren Tage: Ein Glan Wanner, von Öcribe. C'yprienne, von Sardou. Novität! Fräulein Frau, von G. v. Moser und Misch
Es wird auf diese vier Vorstellungen ein Bons-Abonnement ze folgenden Preisen in Ernst Challiers Musikalienhandlung eröffnet:
4 Bons Sperrsitz 8 Mk.
4 Bons Parquet, nummerirt, sowie Estrade, unnummerirt, 5 Mk.
4 Bons für die Herren Studirenden Estrade 4 Mk.
iDWHk" Die Kassenpreise müssen in Anbetracht der Bedeutung des Unternehmens wesentlich erhöht werden. »«z«
Für Wiederverkäufer
Konsum-Vereine u. dgl.
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Gießen, Marktftraße 32.
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Herr Wuuderllch, Steuer-Auffeber, W«rmao, schreibt: „6utr Dohl- aeboren zur gest. Nachricht, daß die mir übersandte Harmonika ooi vorzüglicher, für den billige« Prei» noch nie dageweseueu «vsführung ausgefallen ist, wa» Ich als aller Spieler hiermit befchÄnige *
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