Ausgabe 
7.7.1895 Drittes Blatt
 
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ene große Seltenheit, ein afrikanischer Elephant. I D es. Totere find bekanntlich seit dem Verlust des Sudan an den Mahdi nicht mehr nach Europa gebracht worden - erst mit der Eroberung von Kaffala ist der Export wieder möglich. Das erst 2% Jahre alte Thier hat den Namen des besiegten Ras-Mangascha erhalten. Die Zahl der Löwen des Gartens ist durch zwei Gäste aus der Abyssinischen Wildniß, die aber nicht im Gerten bleiben werden, auf 12 gestiegen. Sonntag Vormittag den 7. Juli bis 12 Uhr ist das Entree auf 20 Pfg. ermäßigt. Nachmittags findet Doppel-Concert statt.

♦Ms. Kassel, 4. Juli. Der Wirbelsturm am Montag hat durch den begleitenden Hagelschlag in einer großen Anzahl Gemeinden in den Kreisen Hofgeismar, Wolfhagen, Kassel, auch ferner bis zur Eder und Schwalm hinauf rc. furchtbaren Schaden angerichtet. Ein großer Theil der Ecnte ist vernichtet, nur wenig versichert. Der Schaden be­ziffert sich auf viele Hunderttausende von Mark. Was in den Waldungen für Verwüstungen angerichtet wurden, sei durch die Thatsache illustrtrt, daß in einer einzigen Waldung bet Kalden über 1000 Stämme umgeweht sind. Im Schloß- Parke zu Wilhelmsthal find 168 der seltensten Bäume ent­wurzelt, im Habichtswalde bei Wilhelmshöhe 800 der schönsten und stärksten Bäume, in der Rosenallee sind 93 Pappeln entwurzelt. Mehrere der intereffantesten Parthien find photographirt.

* Berlin, 4. Juli. DerBerliner Local-Anzeiger" meldet: Durch einen furchtbaren Wirbelsturm, ver­bunden mit schwerem Hagelschlag, ist über die Stadt Mehl­sack in Ostpreußen ein großes Unglück hereingebrochen. Wallnußgroße Schloffen zerschlugen die Fensterscheiben aller Häuser auf der Nord- und Westseite. Alle Gemüsegärten und Felder der Umgegend wurden verwüstet. Zwei Kinder sind ertrunken in den zum Strome angeschwollenen Straßeu- rinnen, fünf werden vermißt. Mehrere Menschen sind durch fallende Ziegel und Mauerwerk verletzt worden.

* Straßburg i. 6., 4. Juli. Die Eröffnung der Sonderausstellung für Kunst und Alterthum im Parke der hiesigen Industrie- und Gewerbe Ausstellung wurde heute Vormittag durch den Statthalter FUrsten Hohen- lohe-Langenburg vollzogen. Die Sonderausstellung weist eine große Menge seltener und werthvoller Kunftschätze aus Elsaß- Lothrivgen auf. Gemeinden, Kirchen und Private haben bereitwillig die Hauptstücke ihrer Sammlung hergeliehen. Auch der Rappoltsweiler Schatz des Prinzregenten von Bayern ist auf der Ausstellung vertreten.

Graz, 3. Juli. Gestern Nachmittag ging über ganz Steiermark ein verheerendes Unwetter nieder, welches bedeutenden Schaden anrichtere.

Algier, 4. Juli. Zwischen 150 Arabern in AintedelöS I fand gestern ein blutiger Kampf statt. Nachdem die I Kämpfenden ihre Flinten und Revolver abgeschossen, griffen I

| sie zu den Dolchen, wodurch ein schreckliche- Blutbad entstand. ES gab zahlreiche Todte und Verwundete.

Das Problem der Aluwiuinm Löthuug, daS die Tech­niker lange beschäftigt hat, scheint nunmehr durch Herrn Otto Nicolai in Wiesbaden in vollkommen befrie­digender Art gelöst zu sein: Sein im Wesentlichen aus Chlor­kadmium bestehendes patentirteS Flußmittel verrichtet die Löthung so ausgezeichnet, daß z. B. ein paar sorgfältig ge­putzte Aluminiumblechstreifen, zwischen die man daS Salz streut, beim Erhitzen mit der Stichflamme unzerreißbar fest mit einander verbunden werden. Die Erfindung wird der Aluminium'Jndustrie sicherlich einen neuen Impuls geben.

* Welchen Widerstand die Luft den fahrendeu Eisenbahn- zagen bietet, darüber wacht uns daS Internationale Patent­bureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NW., einige in­teressante Angaben, die auf Beobachtungen beruhen, welche die südfranzösischen Eisenbahnen diesem Umstande widmeten- die Resultate find so überraschende und die Wirkung deS Luftwiderstandes ist so bedeutend, wie man dies gar nicht vermuthen sollte. Die Verwaltung der Eisenbahnlinie Paris- Lyon fand nämlich, daß, ganz ruhige Luft vorausgesetzt, die Luft einem mit 40 Kilometer Geschwindigkeit fahrenden Zuge einen Widerstand von 10 Kilogramm auf den Quadratmeter Stirnfläche entgegensetzt- bei 60 Kilometer beträgt der Wider­stand etwa 35 Kilo, bei 80 Kilometer 60 K lo, endlich bei der größten Fahrgeschwindigkeit von 100 Kilometer ist der Luftdruck auf den Quadratmeter gleich 100 Kilogramm- im Allgemeinen fand man, daß der Widerstand proportional dem Quadrat der Fahrgeschwindigkeit ist. Da nun die Stirn­fläche eines Zuges etwa 6 Quadratmeter Fläche hat, so ist der Widerstand bezw. 60, 210, 360 und 100 Kilometer gleich 600 Kilogramm. Bedenkt man nun, daß, um 1000 Kilogramm einer Eisenbahnlast fortzuziehen, die Maschine nur einer Kraftanstrengung von 3 Kilogramm bedarf, so könnte mit der von der Locomotive zur Ueberwindung des Luftwiderstandes verbrauchten Kraft von 600 Kilogramm, wie fie bei 100 Kilometer Fahrgeschwindigkeit nothwendig wird, 200,000 Kilo Nutzlast fortbewegt werden, wie man steht, ein unglaublicher Verlust an Kraft, der aber aus den angegebenen Zahlen unumstößlich hervorgeht. Nun ist es aber nicht allein die Front der Locomotive, welche den Wider­stand bietet, sondern jeder einzelne Wagen trägt mit seiner Stirnfläche mehr oder weniger zur Vergrößerung desselben bet. Hieraus erhellt, daß die Benutzung weniger, aber großer Wagen, wie z. B. jetzt bei den Courierzügen all gemein üblich, einen besseren Effect erzielen muß, so daß die sogen. Harmonikazüge in ihrem Principe das Vollkommenste darbieten. Im Uebrigen sucht die obengenannte französische Eisenbahn jedoch ein besseres Resultat durch keilförmige Ge­staltung der Locomotivfront zu erzielen und sollen die an­gestellten Versuche sehr befriedigend ausgefallen sein, jeden I falls sind aber die oben angegebenen Zahlen von hohem

Interesse, besonders was die dem Luftwiderstand äquivalente Mehrerforderniß an Arbeit der Maschine anbelangt.

* Humor auf See. Von der Seefahrt der Journalisten und Reichstagsmitglieder um Skagen nach Bremen wird den M. N N." noch allerlei Lustiges gemeldet. Liebermann von Sonnenberg hatte viel auszustehen. Ein boshafter Frei­sinniger machte ihn auf die Küste von Jütland aufmerksam und wollte ihn unter schallendem Halloh zu einer Rede gegen diejütische Küste^ veranlassen. Ahlwardt hatte sich mit einer weißen Schildmütze ein ächt seemännisches Aussehen verliehen. Aber er mußte auch viel erdulden. Ein be­kannter Berliner Journalist, der sich durch seinen Witz auS- zeichnete und einstimmig zumContreadmiral deS Preß- geschwaderS" erwählt worden war, meinte : Wenn Herr Ahl­wardt sich so weiter pflegt, wird er der schönsteSptck- ahlwardt" und setzte hinzu: Wir müssen ihn etwas auf Ahlwardegeld" setzen. Man steht, die Seeluft wirkt äußerst belebend auf Geist und Verstand. Dieser Stimmung ent­sprang auch am folgenden kritischen Tage der Vorschlag, auf dem Schiffe eineVomitivtafel" anzubringen mit dem Namen aller Derjenigen, welche dem Gotte der Fluthen Opfer gebracht.

Ein Millionär als Diener. Der Dresdener Reichs- tagsabgeordnete Oswald Zimmermann hatte sich zu den Kaiser Wilhelm-Canal-Frstlichkeiten einen eigenen Diener mitgebracht. DerB. B.-C." macht darüber die folgende pikanteEnthüllung":Wir hatten das Glück, seine Fest­karte zu sehen, also die Karte, die. ihm gestattete, an den Eröffnungsfeierlichkeiten theilzunehmen (ohne Eintritts­geld), darauf stand zu lesen:Louis Köhler, Diener des Herrn Reichstagsabgeordneten Oswald Zimmermann." Für Leute, denen dieser Louis Köhler eineterra incognita sein sollte, und die darum ob unserer ganzen Erzählung ein ziemlich dummes Gesicht machen dürften, müssen wir aller­dings noch eine kurze Erklärung hinzufügen: Herr Louis Köhler (der frühere Besitzer des Schillergartens von Blase­witz) besitzt ein Vermögen von mehr als einer halben Million Mark!!! Wer bet dieser Fahrt wohl die Zeche bezahlt haken wird der Herr oder Diener??"

Citerotur und 2Cnnff.

Die Kritik, Wochenschau des öffentlichen Lebens. Heraus- gegeben von Karl Schnetdt. Verlag von Hugo Storm, Berlin^., Gleditschstr. 35. Abonnement vierteljährlich 5 Mk. Einzelne Hefte 50 Pfg. Probevummern direct vom Verlag oder durch jede Buch­handlung. Heft 40 vom 6. Juli enthält: König Hammerschmied. Vom Herausgeber. Lehren und Irrlehren deS Processes Mellage. Von Dr. med. S. Landsberg. Der Katser-Wilhelm-Canal. Bon Sailor. Moderne Phrenologie. Von Dr. M Brasch. Ein Besuch bet dem jungen Nietzsche. Von Richard Reuter. Hmry George und Papst Leo XIII. Von H. Melbeck. Propagandisten. Von Julius Duboc. Religion. Eine Erwiderung von Rose Stolle.

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