Ausgabe 
6.12.1895 Zweites Blatt
 
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öul den Acten wird auf Antrag der Aoklagebehörde durch den Vorsitzenden noch constatirt, daß der nach Amerika auSgewanderte Zeuge im Termin am 10. Juni d. I. erschienen war. Auf weitere Beweismittel wird Seitens des Staats. anwaltS und der Vertheidigung verzichtet.

Die au die Jury zu richtende Schuldfrage lautet: Ob der Angeklagte schuldig, im Januar oder Februar 1893 oder um diese Zeit den Entschluß gefaßt zu haben, zu Asieohetm ein Gebäude, welches zur Wohnung von Menschen diente, in Brand zu setzen und durch Handlungen, welche einen Anfang dieses Verbrechens enthalten, bethätigt hat.

Es ertheilt der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath 1)r. Schäfer, dem Herrn Staatsanwalt Koch das Wort zur Begründung der Anklage. Derselbe recapitulirt den Gang der Beweisaufnahme und kommt zu dem Schluß, daß drei Zeugen bestätigt haben, daß ihnen gegenüber der An« geklagte die ihm zur Last gelegte That etngestanden habe, dieses Geständniß de» Filz sei voll und ganz glaubhaft und bitte er die Geschworenen, die an sie gerichtete Schuldfrage zu bejahen. Hierauf nahm Herr Rechtsanwalt Dr. Gut­fleisch das Wort, um auSzuführeu, daß die Anklagebehörde überhaupt nicht den Nachweis erbracht habe, daß auf der Hofraithe des Walther das in Rede stehende Verbrechen be- gangen sei. Der Eigenthümer des Gebäudes selber habe erst 1% Jahre später, nachdem der Vorfall passirt sein soll, durch die Untersuchung erfahren, daß der Strohwisch am Schweineftall gebrannt haben soll und welch' schweres Ver­brechen ihn damals angeblich bedrohte. ES spricht vielmehr die Vermuthung dafür, daß der in dem Gebäude wohnende Kaecht des Walther oder ein anderer vom Gesinde hier an dem betreffenden Abend fahrlässiger Weise daS Stroh ent- zündet und die Spuren davon entfernt habe, daher ist es auch begreiflich, daß der Besitzer von der Sache Kenntniß erhalten. Die Angaben seine» Clienten, daß er das Stroh angezündet seinen Bekannten gegenüber, seien weiter nichts als tölpelhafte, dumme Renomagen eines Schauten und als solche sind dieselben auch, wie die Betheiligten heute sämmtlich erklärt haben, ausgefaßt. Die Zeugen haben sämmtlich er- klärt, sie hätten dem Schwätzer nicht geglaubt und diese Leute, welche doch den Filz besser kennen und wissen, was von diesem zu halten ist, ihnen sollen die Geschworenen folgen bet der Fällung ihre» WahrsprucheS. Der Verthei- d:ger erörtert die Unmöglichkeit, daß man zu Hause einen Llchtstumpf anzündet und in einer Schwedenschachtel in der Tasche das Licht brennend, über die Straße tragen kann, um dann über den geschlossenen Thorweg hinweg die That so auszuführen, wie sie sein Client seiner Schilde« rung den Zeugen gegenüber auSgeführt haben will. Aber selbst wenn man annimmt dem wäre so, so bestreitet der Vertheidiger die Absicht deS Angeklagten, einen Brand- stistungSversuch zu machen, eS könne sich dann höchsten» um einen Schabernack handeln, denn der Angeklagte habe die Tragweite seine» Handelns gar nicht ermessen können/ er beantrage daher die Freisprechung desselben, da Beweise von dessen Schuld nicht erbracht seien.

Nachdem Herr Staatsanwalt Koch entgegnet und Herr

Rechteanwalt Dr. Gutfleisch noch ein Mal seine Ansicht von der Nichtschuld seines Clienten ausgesprochen und nach geschehener Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden, ziehen sich die Geschworenen zur Berathung zurück.

Nach viertelstündiger Abwesenheit verkündet der Ob­mann, Herr Adolph Mathesiu»-Hirzenhain, den Wahr­spruch der Jury, welcher auf Nichtschuldig lautet, worauf der Gerichtshof den Angeklagten fretsprach. Die Sitzung war Abends 8% Uhr beendet.

tocates Mttb prooiftjfcltes,

-r. Fronhaufe«, 3. December. Heute wurde hier ein Ochse geschlachtet, dessen mächtige Körperfülle das schöne Gewicht von 2060 Pfund, ergab. Da sich nicht täglich so etwas bietet, hatte sich eine ziemliche Menschenmenge ein­gefunden.

Sugelrod, 3. December. Am 1. December d. I. tagte hterselbst eine Versamlung von Interessenten an der Theilftrecke Lauterbach-Herbstein der projectirten von Lauterbach auS in den Vogelsberg führenden Neben- bahn. DaS bisher von den Ingenieuren ausgearbeitete Project berücksichtigt die südlich von diesen Theilstrecken ge­legenen zum Thetl großen sechs Ortschaften deS alten Gericht» Engelrod mit ihrer weit über 2000 Seelen zählenden Ein- wohnerschaft fast gar nicht. ES befriedigt eigentlich voll­kommen nur das eine, nördlich gelegene, nicht große Dorf Rixfeld. In der Versammlung, die von sämmtlichen Bürger­meistern der betheiligten Orte und zahlreichen anderen In­teressenten besucht war, wurde unter allgemeiner Zustimmung betont, daß die Theilftrecke, wenn sie wie projectirt gebaut würde, den Ortschaften deS früheren Gerichts Engelrod gar keinen Nutzen brächte, da diese dem 1- bis 2 stündigen Weg zum Rixfelder Bahnhofe den nicht viel wetteren nach Lauter­bach, wohin doch der größte Thetl deS Verkehr» geht, vor­ziehen würden. Viel passender schien e», wenn die Bahn näher an Frtschborn geführt würde, und durch den Werberg an den Fischteichen vorbei im Süden von Herbstein zöge. Besonders freudig wurde in der Versammlung die Mitthei- luug ausgenommen, daß auch daS Großh. KreiSamt mit der geplanten Abänderung einverstanden sei. Man beschloß, eine diesbezügliche Eingabe an daS Großh. Ministerium zu wieder­holen und in nächster Zett eine allgemeine Versammlung nach einem der künftigen Bahnstrecke nächstgelegenen Orte, ent­weder Frischborn oder Hopfmannsfeld, zu berufen. Außer­dem sollen die Herren Landtagsabgeordneten der in Betracht kommenden Ortschaften gebeten werden, für daS Project ein- zustehen. L. Anz.

A Mainz, 4. December. Letzter Tage machte die von einem telegraphischen Correspondenzbureau aufgenommene Nachricht, daß in Bal sch Weiler im Elsaß ein Mann lebendig begraben worden sei, mit SturmeSetle die Runde durch die Presse. Da durch solche Schauernachrtchten sich immer eine gewisse Erregung ängstlicher Gemüther be­merkbar macht, hat daS Mainzer KreiSgesundheitSamt sofort

bei der Polizei von Batschweiler über die Wahrheit der br- regten Begräbnißgeschichte angefragt, worauf aiSbald fol­gende amtliche Auskunft per Telegraph hier ein getroffen: Mann 38 Stunden nach Tod begraben, Todtengraber Lärm gehört, Grab sofort geöffnet, Leiche unversehrt ge- sunden. Bürgermeisteramt Batschweiler." Die ganze Sen- sattonSnachrichr entpuppt sich demnach als eine TaNarennach- richt, die den vereinen für Feuerbestattung sehr zu Nntz gekommen war.

Eingesandt.

Zur Aufklüruug!

Zu der in Nr. 283 d. Bl. enthaltenen.Berichtigung* de» Vor­standes der sich so nennenden »Altfeuerwehr" F. St. F. bezüglich deS von den hiesigen freiwilligen Feuerwehren gemeinsam gefeierte» Stiftungsfestes bemerke ich, daß bh Berichterstattung über letzteres in Nr. 278 b. Bl. insofern unrichtig ist, als ich in der Begrüßungs- Ansprache von einer »Reorganisation der ehemals städtischen Fe»er- wehr" gar nicht gesprochen habe, das Wo t .Reorganisation^ dabei überhaupt nicht gefallen ist! Der betreffende Passu» meiner Ansprache lautete wörtlich:Nur wenige Woche» nach Gründung dieser Wehr (d. h. der Freiw. Gail'ichen Feuerwehr­bildete sich am 15. December de» Jahre» 1855 da» andere Corp», dieGießener freiwillige Feuerwehr" entstanden, wie wir Mangel» genauerer Nachrichten wohl annehmen dürfen aus der Initiative des früheren Bürgermeisters von Gießen und damaligen Beigeord­neten Heinrich Ferber, der auch zweimal, von 1855 bi» 1862 und von 1864 bis 1866 des Corps' erster Hauptmann war. Bet den verschiedenen Wandlungen, welchen die Gießener frei­willige Feuerwehr im Laufe der Zeit unterworfen war, trete» noch die Namen Christoph Rübsamen, F . Chr. Pietsch, Rechtsanwalt We id ig, Redacteur Scheyda und Louis Pet r i 11. besonder» hervor."

Ich wollte damit lediglich wie ich die» auch bezüglich der Freiw. Gail'schen Feuerwehr gethan habe, darauf Hinweisen, wie «- gesehene Männer der Gießener Bürgerschaft den freiwilligen Feuer­wehren großes Interesse entgegen gebracht haben Im Uebrigen hat Herr Pfarrer Dr. Naumann dahier in seiner Festschrift zu dem im Dor­jahre hier gefeierten 16. Derbandssest hessischer freiw. Feuewehre» auf Grund der ihm Seitens Gr. Bürgermeisterei Gießen überlassenen Acten auS dem städtischen Archiv, die Geschichte der Gießener frei- willtgen Feuerwehr ausführlich behandelt, so daß Jeder, der Interesse dafür hat, sich leicht zu unterrichten vermag

Schmantzt, Branddirector.

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Posthandbuch für die Geschäftswelt für den ge sammten In- und Ausland - Verkehr. Mit einem Lerzeichniß von 3000 der wichtigeren deutschen und österr.-ungar. Postorte und einer Zonen - Karte. HerauSgegeben von Herm. Hettler, Ober- postsecretär. Verlag von Richard Hahn (G. Schnürten) in Stutt­gart. 6. Jahrgang 1896. Em« »u»gad« für da» ReichSpoftgebiet. Preis 1.20 Mk Wir können über das Werk nur sagen, daß jedem Geschäftsmann, ganz besonders aber demjenigen, der mit dem Ausland zu thm< hat, dieses Buch unbedingt zu empfehlen ist, ent­hält es doch u. A. den ganzen Auslandpacketposttarif und zwar in wirklich vorzüglicher Uebersicht. Ein Posthandbuch befindet sich wohl in jedem Contor, ein zweckmäßigeres, besser belehrende» und brauchbareres aber, als da» oben genannte auf keinen Fall. D.r wohlfeile Preis steht zu diesem vorzüglichen Werke eigentlich in »ar keinem Berhällniß. Wahrscheinlich ist der Preis so billig gestellt, weil der Verleger einen Massenabsatz erwarten darf.

Verdingung.

Die Abfuhr vou Dünger auf die städtischen Wiesen für das Rech­nungsjahr 1896/97 soll

Montag, den 16. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Be­dingungen und Beschreibung der Ar­beitsleistung liegen bei uns offen. Angebote sind auf vorgeschriebenem, bei uns erhältlichem Formular bis zum genannten Ternlin verschlossen an uns einzureichen.

Gießen, den 3. December 1895. Das Stadtbauamt.

Schmandt. ioi68

Vergebung von Bauarbeiter».

Die zur Instandsetzung des Vicinal­wegs Reiskirchen Winnerod in Gemarkung Liudenstruth erforderlichen Arbeiten und zwar: veranschlagt zu Jl

Erd - und Planirungs- arbeiten .... 745.45 Chau'sirungsarbeiteu . 900. werden im Submissionswege vergeben.

Offerten sind bis

Dienstag den 10. Decbr. l.J., Vormittags 9 Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst Plan, Voranschlag und Be­dingungen zur Einsicht offen liegen, einzureichen.

Gießen, am 2. December 1895. Der Kreisingenieur'

Stahl. 10127

Hafer-Ankauf.

Von Landwirthen kaufen wir guten Hafer an. Angebote nut einer Probe von reichlich </< Liter werden erbeten.

Das Königliche Proviantamt zu Hauan. 19128

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Die Lieferung und Aufstellung einer gußeisernen Pumpe mit allem Zubehör aus der Fabrik von I. H. Hoffmann, Herborn soll durch schriftliches Angebot vergeben werden. Voranschlag und Bedingungen liegen bei dem Unter­zeichneten zur Einsicht offen und können Angebote bis längstens den 10. d. M., Vormittags 10 Uhr, an denselben ein­gesandt werden.

Hungen, am 4. December 1895.

Listma«», 10166 Bezirksbauaufseher.

Versteigerung.

Donnerstag, 12. December 1895 soll die Lieferung von 70 cbm. Unterhaltungssteinen, das Liefern von Kies, sowie das Eindecken der Steine auf hiesigem Rathhaus versteigert werden. 10155

Wieseck, den 4. December 1895. Großh. Bürgermeisterei Wieseck

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