Nr 208
Donnerstag den 5. September
1S9*
Meßmer Anzeig er
Keneral-Mnzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen
Hratisöeitage: Hießener Kamitienötätter
Amtlicher Theil
Fe«iüeton
Detlevs Hand in die ihre.
Florences Hand an. Lange nachher erzählte er mir, wie die
Scene sich abgespielt hatte.
die der
die des
An Kaiser Franz Joseph, Kaiser BiSmarck wurden HuldigungS-
Jn der deutsch-katholischen Kirche ein feierliches Seelenamt
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr.
RetchskriegshasenS für die den Nord-Ostsee-Canal pasfirenden Schiffe bestimmt worden.
Die Gießener Isamitienvkäller werden dem Anzeiger HvSchentlich dreimal beigelegt.
und den Fürsten BiSmarck. Wilhelm und den Fürsten telcgramme gesandt.
London. 3. September, von Whitchapel fand gestern
Der
GUtever Anzeiger
* erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
„2)u haft mich zwar immer
Alle Annonccn-Bureaux de- In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
sich eine Besichtigung Potsdams. Von Leipzig gedenken Veteranen den Kyffhäuser zu besuchen, wo die Auflösung Excursion erfolgt.
Kiel. 3. September. Dem Vernehmen nach ist äußere Mündung der Holtenauer Schleuse al» Grenze
Bekämpfung der Socialdemokratie die erforderliche Handhabe böten. — Die „Vosfische Zeitung" fühlt sich gedrungen, warnend ihre Stimme zu erheben, daß man wiederum den Weg neuer Strafgesetze zu betreten versuche, so sehr sie auch soctalisttsche Ausschreitungen verurtheile. — Das „Tageblatt" schreibt: Es liege leider Gefahr vor, daß die kaiserliche Mahnung von Leuten, denen eS nur um ihre egoistischen Sonderbestrebungen zu lhun sei, benutzt werde, um für eine Knechtung der freien Meinungsäußerung im Lande Stimmung zu machen. Wir scheinen vor einem ähnlichen Feldzuge, so meint das Blatt, zu stehen, wie im vorigen Jahre. — Die „P o st" beschränkt sich heute darauf, zu sagen, die scharfe Verurtheilung der soctalistischen „Rotte" werde hoffentlich dem Volke für alle Zeiten unvergeßlich bleiben. — Der „Reichs- bote" bezeichnet die ernsten Worte, welche der Kaiser gegen das vaterlandslose Gebühren der Socialdemokratie richtete, als ein rechtes Wort zur rechten Zeit, das der Mehrheit der großen Nation aus dem Herzen gesprochen sei.
Berlin. 3. September. Das Verbot des Ministers von Köller, betreffend die socialdemokratischen Protest Versammlungen gegen die Sedanfeier, wird Seitens der Gewerkschaften und der Parteileitung zum Gegenstand von Beschwerden gemacht werden. Es steht jetzt schon fest, daß die Angelegenheit bet der nächsten ReichStagß- fefsion zur Sprache gebracht wird.
Berlin. 3. September. Der Kaiser hat, wie dem „Loc.-Anz." aus Konstantinopel gemeldet wird, dem Sultan Abdul Hamid zum Jahrestage seiner Thronbesteigung durch ein Telegramm seine Glückwünsche ausgesprochen.
München. 3. September. Die für gestern Abend in das Orpheum einberufene socialistifche Parteiversammlung, in welcher gegen Krieg und Militarismus proteftirt werden sollte, verfiel gegen 10 Uhr der polizeilichen Auflösung.
Budapest, 3. September. Gestern hatten die hier lebenden Reichsdeutschen eine Sedanfeter veranstaltet, woran sich 150 Personen beteiligten. In Vertretung de« deutschen General Consuls hatte sich General-Secretär Hofrath Jäger zur Begrüßung der Versammelten eingefunden. Pastor KadischewSkt hielt die Festrede, welche mit einem Hoch auf Kaiser Franz Josef endete. Sodann folgten Toaste auf Kaiser Wilhelm, die deutschen Fürsten, das Deutsche Reich
Spielzeug und bunte Kleider bekommt. DaS bin ich aber nicht mehr. Ich habe Detlev mein Jawort gegeben, weil ich ihn liebe —"
AtlaSschleifen nieder, die mit der Inschrift „Von den deutschen Kriegervereinen Amerikas" versehen sind. Hieran schließt
für die bei Sedan gefallenen Deutschen statt.
Loudon, 3. September. „Daily Ehronicle" meldet, in Warschau sei ein großes nihilisttsches Eomplott entdeckt und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, sowie
Depeschen deS Bureau „Herold^.
Berlin, 3. September. Der Kaiser trifft am Freitag Vormittag gegen 10 Uhr in Stettin ein.
Berlin, 3. September. Der Kaiser hat, wie die „Poft" hört, am Sedantage dem Kriegsminister Bronsart v. Sch eilen dorf mit einem huldreichen Schreiben in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Erhaltung der Schlagfertigkeit und KriegStüchtigkeit der Armee ein erobertes französisches Geschütz zum Geschenk gemacht.
Berlin, 3. September. Der König von Württemberg wird heute Berlin verlassen und nach Stuttgart zurückreisen.
Berlin, 3. September. Die Truppen des Gardecorps haben heute früh zwischen 5 und 7 Uhr Berlin verlaffen und sind in das Manövergelände bet Stettin abgerückt. Die Fußtruppen kehren am 13. d. M. mit der Eisenbahn hierher zurück, die Eavallerie wird zurückmarschiren und erst am 20. dS. in Berlin Eintreffen.
Berlin, 3. September. Die meisten Abendblätter besprechen den gestrigen Trtnkspruch des Kaisers in längeren Ausführungen. Die „Kreuzzeitung" sagt: Wir dürfen bei dem Kampfe, zu dem uns der Kaiser aufruft, eines nicht vergeffen. Es sind nicht sowohl die utopisti- scheu, staatlichen, gesellschaftlichen und wirthschaftlichen Theorien der Socialdemokratie, die einen Theil unserer Bevölkerung au den Erinnerungstagen der Nation fernstehen laffen, als vielmehr jene im wahnsinnigen Haß gesteigerte, unserem Volk nur zu sehr haftende Neigung zur einseitigen Kritik alles Bestehenden. Der kaiserliche Appell an das deutsche Volk ist ein Ausruf zur Selbsterkenntniß und zur inneren Sammlung. — Die „Nationalzeitung" führt aus: Die Empörung, die aus den Worten des Kaisers herauSklingt, wird sicherlich von allen Denen geteilt, welche von dem letzthin so nichtswürdigen und frivolen Treiben deS Herren Liebknecht, welches an die Haltung der socialistischen Blätter nach dem Nobiling. schen Attentat erinnert, einige Kenntniß haben. — Die „Neuesten Nachrichten" betonen, die Ursache der Unfähigkeit, Mittel und Wege zur Bekämpfung der Socialdemokratie zu finden, liegt in dem Mangel an Initiative von leitender Stelle her. ES sei unbedingt geboten, die VolkS- kraft für neue Gesetze und Thätigkeit zu suchen, welche zur
„Höre, Papa," sprach sie, , .
noch als Kind behandelt, das froh sein muß, wenn eS
Lehrer-Conferenz
des Conserenz-Bezirks Grünberg Mittwoch den 11. September, Vormittags IO Uhr, äu Grünberg, Lieder: 109. 175. 190;
des Conferenz-Bezirks Lich Hungen Freitag den 13. September, Vormittags 10 Uhr, itt Hungen, Lieder: 2. 37. 71.
Gießen, den 3. September 1895.
Büchner, Schulrath.
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Neueste Nachrichten»
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 3. September. Die amerikanischen Veteranen besichtigten heute das Zeughaus, das Museum und daS RathhauS und speisten, im Rathskeller, woselbst ihnen eine illustrirte Denkschrift deS Rathhauses überreicht und ein CrystallglaS vorgezeigt wurde, aus dem Kaiser Wilhelm I. im December 1869 beim ersten Besuch des fertiggestellten RathhauseS getrunken hatte. Abends ist eine gesellige Zusammenkunft bei Buggenhagen am Moritzplatz. Morgen legen die Amerikaner auf den Särgen Kaiser Wilhelms I. im Mausoleum zu Charlottenburg und Kaiser Friedrichs III. in der Friedenskirche zu Potsdam große Lorbeerkränze mit
traf später ein.
Florence und Detlev verlobten sich eine» schönen TageS angesichts der Wintersonne auf der blitzenden Eisbahn,- an demselben Nachmittag ging Detlev, der natürlich längst seinen Besuch bei dem Vater gemacht hatte, hin und hielt um
„Haben Sie Vermögen?" fragte der Alte.
„Nein, keinen Heller- ich habe jedoch Aussichten auf eine gute Saniere."
„Nun, dann leben Sie doch von diesen Aussichten, rathe ich Ihnen! UebrigeuS — sind Sie der Neffe von irgend einem Minister?"
„Nein, das nicht," sagte der arme Detlev, dem das Blut in die Stirn stieg. „Aber ich habe Freunde im Ministerium — und man sagt mir, daß ich nicht dumm bin."
„Hm!" machte der alte Herr, indem er ihn kritisch betrachtete, „dumm find Sie allerdings nicht, das beweisen Sie ja, indem Sie um Florence werben."
„Wie meinen Sie da» ?" brauste Detlev auf.
„Ich meine," sagte der Alte gelaffen, „daß ich die Ab- sicht habe, meine Millionen noch mindestens zwanzig Jahre selbst zu verwalten, und daß meine Tochter keinen Groschen Mitgift bekommt, toentt sie gegen meinen Willen heirathet. — Und Sie, mein Herr von Habenichts (der Alte begann plötzlich schreiend laut zu sprechen), Sie paffen mir nicht als Schwiegersohn. Sie find ein ganz unreifer — Mann und ich bezweifle, daß Florence warten wird, bis Sie die genügende Reife erlangt haben."
„Florence wird warten," sagte in diesem Augenblick eine ruhige Stimme hinter ihnen.
Da stand sie in der Tür und war ganz weiß im Gesicht und ihre Augen leuchteten. Jetzt trat sie vor und nahm
Gießen, den 5. September 1895. Betr.: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Wir erinnern Sie daran, daß die Schülerlisten in rubr. Betr. bis Ende des Monats an uns einzusenden sind.
Zugleich machen wir Sie darauf aufmerksam, daß nach $ 6 pos. 2 a. b. c. d des Ministerialausschreibens vom 13. Juli 1875 in die Liften alle schulpflichtigen Schüler einzutragen sind und bei von auswärts Eintretenden die betr. Gemeinde anzugeben ist.
Die aus Ihren Gemeinden in andere Gemeinden übertretenden Schüler sind getrennt von den anderen aufzuführen und dahinter ist zu bescheinige«, daß die nöthige Mittheilung an den Schulvorstand der betr. Gemeinden erfolgt ist. pos. 2 c.
Die Verzeichnisse sind nicht, wie vereinzelt geschehen, durch die Lehrer, sondern durch die Vorsitzenden der Schulvorstände mit Begleitbericht an uns einzusenden.
v. (Sagern.
„Papperlapapp," sagte der Vater plötzlich wieder ganz freundlich..
„Und daS weißt Du ja, daß ich zäh bin, wenn ich mich einmal für etwas entschloffen habe. Ich werde also warten. Detlev, wir sehen un8 bald wieder. Leb wohl!"
Damit begleitete sie ihren Herzliebsten auf den Corridor hinaus und dort gab sie ihm den ersten Kuß.
„Dein Vater wird Dich nicht mehr aufs Eis laffen," sagte er mit vor Erregung erstickter Stimme.
Aber da blitzten ihre Augen.
„Dann werde ich ihm zeigen, daß ich auch meinen Kopf für mich habe."
Auf die Eisbahn kam Florence noch acht Tage, jedoch wurde sie von Tag zu Tag blaff er und ihr kleines Gesichtchen bekam einen älteren, energischen Ausdruck. — Detlev litt sichtlich unter dem Gefühl, seiner Braut häusliche Qualen zu bereiten, indeß dachte keine- von beiden daran, den Kampf aufzugeben.
Eines TageS war die Eisbahn zu Ende und Florence kam nicht mehr zum Neuen See. Sie war krank, wie mir Detlev tiefbetrübt erzählte, und eS schien, daß sie ihre Briefe nur mit größter Mühe sicher aus dem Haufe befördern konnte.
„Schreibe mir nicht mehr," schrieb sie eines Tage-, „Deine Briefe werden hier aufgefangen. Warte nur ge» duldig, Du wirst eines Tages von mir daS Mittel zu unserer Erlösung auS dieser Qual hören, — wenn ich nicht inzwischen kränker werde. In Ewigkeit Dein Lieb."
Sie wurde aber kränker und eines Tages kam ein letzte» Briefchen von ihr, daß sie nach Davo» abreise, weil der Arzt eS durchaus befohlen habe. — —
(Fortsetzung folgt).
vierteljähriger 3 Avonaementspreisr 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, LrpedittoE und Druckerei:
Schnkkraße 3tr.1#
Fernsprecher 51.
Mein Freund Detlev.
Bon E. Fahrow.
(1. Fortsetzung.)
„Na?" sagte ich, indem ich ebenfalls abschnallte, — „aufgewacht, mein Junge? - BIS jetzt warft Du doch — entrückt?" . . ,
Er antwortete zunächst ntcht, dann fiel thm ein, daß er etwa« vergeffen habe, und mit Sturmeseile seine Stahl- schuhe wieder befestigend, eilte er noch einmal aufs Eis hinaus. Gleich darauf sah ich ihn im Gespräch mit jener fangen Dame, die ihn Florence vorgestellt hatte. Sie lachte, drohte ihm ein wenig mit dem Finger und entließ ihn gleich darauf wieder.
Er kam angesaust, schnallte wieder ab und erklärte mir auf meinen verwunderten Blick, daß morgen eine Stunde früher aufs Eis gegangen würde. Ich wußte nun, waS die Glocke geschlagen hatte. Gefallen wollte mir jedoch die Sache nicht. Florences Vater war ein bekannter Börsianer, der trotz seiner Sonderbarkeiten ein gewiegter Geschäftsmann war, der — das wußte ich — würde gutwillig seine Tochter nicht einem einfachen Referendar zur Frau geben.
Und was ich an jenem Tage vorausgesehen hatte, daS
Ings-Ernährung nach I *n System von ■ W. Soxhlet I seiger Weise m-e j mitXeXet Aea nöb« Lei seVost erduM^ev» U-tzMt I
druck Verschluss I R.-P. Ur. 57524 1
ren. Wer eich vor Miss- ützen will, weise alle Ab- ünberufener oder Nach- urück und verlange den -Soxlilet-Apparat menszug des Erfinders ; e achte man darauf, lSche diesen Namenszug lesen Apparaten ist eine j! Erfinder des Systems ;brauchsanweisung bel
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