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Freitag den 5. Juli
189»
Nr. 155 Erstes Blatt.
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener AnmitienVtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeig er
Generat-Mnzeiger.
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
Gratisöeikage: Gießener Aamitienötätter.
Annahme von Anzeige« zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Nonefte Nnchvichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 3. Juli. Die „National-Zeitung" hört, an hiesiger zuständiger Stelle sei nichts davon bekannt, daß Einwendungen gegen die Erhebung von Canalgebühren für den Kaiser Wilhelm-Canal laut geworden wären.
Kiel, 3. Juli. Nach den bisherigen Bestimmungen geht der Kaiser mit der „Hohenzollern" morgen Abend 11 Uhr nach Stockholm und trifft daselbst SamStag Mittag 12 Uhr rin. In Stockholm wird der Kaiser vom König von Schweden empfangen. Der Kaiser verbleibt einige Tage incognito in einem in der Nähe Stockholms belegenen königl. Schlosse und begibt sich sodann auf einige Zeit nach Tullgarn zum Krouprinzenpaar.
Budapest, 3. Juli. Die auswärts verbreitete Nachricht, daß im Alföld bei Beginn der Erntearbeiten wiederum Unruhen auSgebrochen seien, bestätigt sich nicht. Die Erntearbeiten haben noch nicht begonnen, jedoch werden, da im vorigen Jahre Unruhen vorkamen, Vorsichtsmaßregeln -ergriffen.
Depeschen deS Bureau «Herold*.
Berlin, 3. Juli. Der „Localanzeiger" meldet aus Dresden. Vier Arbeiter der Siemens'schen Glasfabrik wurden durch sogenannte magenftärkende Tropfen, die sie sich von dem Pförtner der Fabrik geben ließen, vergiftet. Zwei derselben sind bereits gestorben. Die beiden Andern liegen schwerkrank tm Krankenhavse. Der Pförtner und der Drogist, bei dem er die Tropfen geholt hatte, sind verhaftet worden.
Berlin, 3. Juli. Im preußischen Landtage wurde heute in dritter Lesung der Gesetzentwurf betr. die Errichtung einer Centralstelle zur Förderung des genossen- schaftlichen und Personalcredits unverändert in der Faffung der zweiten Lesung definitiv angenommen. Hierauf gelangte der Entwurf eines Jagdschein Gesetzes in der Commissionsfassung zur Annahme. Nächste Sitzung morgen. Auf der Tagesordnung steht der Antrag betr. Grundsteuer-Entschädigung, sowie der Antrag Ring, betr. den Berliner Viehhof.
Berlin, 3. Juli. Anläßlich des Attentatsversuchs auf den Polizei-Obersten Krause hat der Kaiser der „Nat.-Ztg." zufolge gestern an diesen folgendes Telegramm gerichtet: „Mit Abscheu habe ich von dem Anschlag vernommen, der gegen Sie geplant war. Durch Gottes Vorsehung ist mir ein braver Offizier und ein unermüdlicher treuer Diener meiner Vorfahren in Ihrer Person erhalten geblieben. Möge Ihre bewährte Kraft noch lange zum Wohle des Gemeinwesens meiner Residenz und Ihrer braven Ihnen unterstehenden Schutzmannschaft und Allen erhalten bleiben." Die Nachforschungen nach dem Urheber des Attentatsversuchs erstrecken sich demselben Blatte zufolge nicht allein auf entlassene Schutzleute oder Nachtwächter, sondern verfolgen noch eine andere, bestimmte Richtung. Es ist festgestellt, daß der in der Kiste vorgefundene Revolver ein belgisches Fabrikat und durchaus keine Schundwaare, sondern eine zwar kleine, aber tadellos functionirende Schußwaffe ist. Ferner befand sich unter dem zum Etnpacken der Benztnflaschen benutzten Papier eine hier unbekannte belgische Zeitung vom vorigen Jahre. Unter diesen Umständen gewinnt die nach Belgien weisende Urheberschaft des beabsichtigten Verbrechens mehr an Wahrscheinlichkeit und diese läßt einen anarchistischen Ursprung vermuthen.
Berlin, 3. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verordnung betreffend die Abänderung der Verordnung vom 25. Mat 1894 wegen Erhebung eines Zoll- ;uschlagö für aus Spanien und den spanischen Colonien kommende Maaren.
Kiel, 3. Juli. Die Kaiserin, deren Befinden andauernd ein günstiges ist, reist morgen Ahend ab und trifft am Freitag im Neuen Palais in Potsdam ein. Den gestrigen Tag verbrachte die Kaiserin außerhalb des Bettes.
Köln, 3. Juli. Die „Köln. Ztg." schreibt zu der Nachricht Iber die Erkrankung deS Fürsten Bismarck: seit dem Hinscheiden seiner Gattin hätten fich häufig bei dem Für^n Stunden eingestellt, in denen er geistig sehr nieder- zeschlägen gewesen. Die Feier seines 80. Geburtstages, sowie die vielfache^ Empfänge hätten dazu beigetragen, den Fürsten geistig zu beschäftigen und in lebendige Berührung mit den Massen zu bringen, während die kurz vor der Eröffnung des Nord-Oftsee-CanalS begonnene lebhafte fchrift- fiellerische Thätigkeit nicht dazu angethau war, den Zustand les Fürsten günstig zu beeinflussen. Einzelne Artikel zeigten -rine krankhafte Gereiztheit, die man bei ihrer Beurtheilung
Leipzig, 3. Juli. Zu der Verhandlung gegen den der Spionage angeklagten Kohlenhändler Hanno aus Metz, welche am 8. Juli vor dem Reichsgericht in Leipzig stattfindet, find unter Anderen als Zeugen geladen : August FoSlet- Noveant, angestellt bei der Zeitung „Le Messin" in Metz, ferner Benedict Dreyfus, Sekretariats-Gehiilfe bet der kaiserlichen Staatsanwaltschaft in Metz.
Paris, 3. Juli. Infolge des gestern von der Kammer angenommenen Gesetzes über die Militärpflicht der Parlamentsmitglieder wird der Abgeordnete Mtrman während der Herbstsession aus der Kaserne entlasten werden und seinen Sitz in der Kammer wieder einnehmen.
Paris, 3. Juli. Die durch die vorgestrige Feuersbrunst angerichteten Verheerungen sind sehr groß. Etwa 50 Familien sind obdachlos, welche theils bei Nachbarn, thetls in Gasthöfen des betreffenden Stadtviertels untergebracht werden. Der angerichtete Schaden dürfte 6 bis 7 Millionen Francs betragen. Die Kammer hat zur Linderung der Noth 100000 Francs bewilligt.
Marseille,3. Juli. 600 Arbeiter der großen Seidenspinnerei in La Patiniäse sind in den Strike eingetreten; sie verlangen die Ausweisung der italienischen Arbeiter. Unweit Chamdery kam es zwischen Franzosen und Italienern zu blutigen Streitigkeiten; ein Italiener wurde dabei getödtet, mehrere verwundet.
Madrid, 3. Juli. Einem Telegramm aus Cuba zufolge schlug Major Ch abran an der Spitze von 200 Mann eine Jnsurgentenbande von 500 Mann in die Flucht und nahm denselben Waffen, Munition und 47 Pferde ab. Eine andere Compagnie warf 400, von dem Häuptling Aldama geführte Insurgenten zurück. Letztere hatten zahlreiche Verwundete.
WB. Berlin, 4. Juli. In dem großen Wellblechschuppen des Kasernenhofes der Militär-Luftschiffer-Abtheilung erfolgte gestern Abend bei dem Transport von kleineren, mit Leuchtgas gefüllten UebungSballons eine Explosion, wobei drei Soldaten erhebliche Verletzungen davontrugen. Einer derselben ist bereits seinen Brandwunden erlegen. Die Ursache der Explosion ist bisher unermittelt. Man nimmt an, daß durch auSftrömendeS Gas in Verbindung mit atmosphärischer Luft Knallgas gebildet und durch electrische Funken entzündet wurde.
H. Darmstadt, 4. Juli. Seine Königliche Hoheit der Grobherzog wird am 14. Juli aus England hier zurückerwartet.
Ssealts unb jprwtmielleso
Gießen, den 4. Juli 1885.
** Zur gefl. Beachtung. DaS „Erste Blatt" der Sonntags-Nummer des „Gießener Anzeigers" wird auS Anlaß des 22. Mittelrheinischen Kreisturnfestes in Form einer „Fest- nummer" erscheinen; dieselbe wird den Abonnenten deS „Gießener Anzeigers" gratis zugestellt. So weit der Raum dies gestattet, sollen in dieser „Festnummer" die für den „Anzeiger" bestimmten, auf das Fest Bezug habenden Geschäfts- und VergnügungS-Anzeigen ohne erhöhte Gebühr Aufnahme finden. Wir bitten, die für Sonntag zur Aufnahme in die „Festnummer" bestimmten Anzeigen bis spätestens Freitag Mittag aufgeben zu wollen; für die Ausnahme später eingehender Anzeigen kann nicht garan- tirt werden.I^ ß^Redaction des „Gießeoer Anzeiger".
** 22. MitielrheiuifcheS Kreis Turnfest zu Gießen. Um den auswärtigen Besuchern des Festes zu ermöglichen, die abendlichenUestveranstaltungen mit zu genießen, hat die König!. Eisenbahndirection Frankfurt a. M. folgende Extrazüge auf Veranlassung des Empfangs - Ausschusses eingestellt. Strecke Gießen—Frankfurt: Sonntag den 7. Juli ab Gießen Abends 11 Uhr. Strecke Gießen—Wetzlar: Sonntag den 7. Juli und Dienstag den 9. Juli ab Gießen Abends 1130 Uhr.
** Der große Festzug am Sonntag Vormittag, über deffen Marschroute bereits in voriger Nummer berichtet wurde, wird wie folgt geordnet: 1. Herold. — 2. Reiter im Turnanzug. — 3. Ehrenvorfitzende. — 4. Die Freiwilligen Feuerwehren Gießens. — 5. TrommlercorpS. — 6. Musik. — 7. Fest- und GeschäftSführeuder Ausschuß. —
Sängerschaft. — 27. Main-Gau. — 28. Mittel-Mosel-Gau. — 29. Bäckerverein „Frühauf". — 30. Gau Frankfurt a.M.— 31. Musik. — 32. Gau Wiesbaden. — 33. Lahn-Dill-Gau. 34. Kriegerverein. — 35. Gau Süd-Nassau. — 36. Marineverein. — 37. Gau Offenbach-Hanau. — 38. Zitherkrauz. — 39. Main-Rhein-Gau. — 40. Musik. — 41. Gau Hessen. — 42. Musik. — 43. Gießener Turnerschaft.
** Festessen in der Festhalle. Montag Nachmittag 2l/2 Uhr findet in der Festhalle das große offictelle Festessen statt. Küche und Keller der Festwirthe bieten das Beste, und wird während des Essens eine Regimentscapelle concertiren. Die officiellen Toaste liegen in festen Händen, und berichten wir hierüber später. — Die Festtafel vereinigt die auswärtigen Gäste, die Spitzen der Ctvil- und Militärbehörden, die Mitglieder der Ausschüsse und Turnvereine — und da eine recht große Betheiligung doch eine Ehrensache für die Feststadt ist — hoffentlich auch einen großen Theil unserer Bürgerschaft zu frohem ungezwungenem Festmahle. Bemerkt sei, daß weder der sonst bei solchen Gelegenheiten unvermeidliche Frack noch der unbequeme Gehrock vorgeschrieben ist. Die Einladung zur Theilnahme ergeht hierdurch an Jedermann und liegen die Listen zur Einzeichnung bei den Kartenverkaussstellen offen (siehe Inserat). Der Preis des Gedeckes ohne Wein ist Mk. 3.— Die aus- gewählte Speiseordnung, von den Chefs der Palmengarten- Reftauration in Frankfurt a. M. zubereitet, lautet: Ochsenschwanzsuppe. Rheinsalm mit holländ. Tunke, Neue Kartoffeln. Lendenbraten mit Champignon, nach Mailänder Art. Blumenkohl, Rahmsauce. Westfälischer Schinken, Frische Ochsenzunge in Burgunder. Metzer Mastgeflügelbraten, Salat. Eis Aufsatz. Waffeln.
** 22. Mittelrheinisches Turnfest. Am Samstag Nachmittag wird, um die Aufstellung des Feftzuges am Sonntag möglichst beschleunigen zu können, eine Probe aufstellung stattfinden. Zu diesem Zweck erhalten die 250 Schüler, welche die Zugschtlder tragen, bereits ihre Standorte in den Straßen, in denen der Zug ausgestellt wird, angewiesen. Hierbei tritt auch der Zug- und Ordnungs • Ausschuß in Thätigkeit.
** 22. Mittelrheinisches Kreis Turnfest. Da der Handel mit Pfauenfedern innerhalb des Festplatzes auf Grund des mit den Verkäufern getroffenen Uebereinkommens selbst nicht verboten ist, find die Auffichtsbeamteu angewiesen worden, sofort entschieden einzuschreiten, falls mit den Pfauenfedern der oft gerügte Mißbrauch getrieben, bezw. daS Publikum belästigt wird. Der Verkauf von Papierrollen innerhalb des Festplatzes, sowie das Einbringen solcher ist indeß strengstens verboten. Es ist dies Verbot erlassen mit Rücksicht auf die Feuersgefahr, welche entsteht, wenn die Papierstreifen mit den nicht umsponnenen Drähten der electrischen Beleuchtungsanlage in Berührung kommen und auf die Störungen und Beschädigungen, welchen Maschinen und Leitung dadurch ausgesetzt sind.
** 22. Mittelrheinisches KreiS Turnfest. An den Haupt- festtagen dürfte ein außerordentlicher Andrang zu den Kassen stattfinden, insbesondere nach Einpassiren des Festzuges. Bei dem damit verbundenen unvermeidlichen Gedränge und bei dem unter solchen Verhältnissen oft schwierigen und beengten Verkehr auf dem Festplatze und in der Fefthalle war es im Interesse der Sicherheit der kleinen Kinder geboten — um Unglücksfälle zu vermeiden — das Mitnehmen von Kinderwagen zu untersagen.
** 22. Mittelrheinisches Kreis Turnfest. DieControlle der Eintrittskarten zum Fe st platze soll besonders umsichtig geübt und namentlich darauf gesehen werden, daß sämmtltche am Zuge Theilnehmenden mit gilttgen Karten versehen sind. Alle Karten sind sichtbar zu tragen.
** Die Anmeldungen auswärtiger Turner laufen stündlich noch zahlreich ein. Seit Dienstag hat sich die Zahl der Angemeldeten um ca. 300 vermehrt.
♦♦ Ein Transport von mehreren hundert Matratzen. Kiffen, Bettdecken, Weißzeug u. s. w. traf gestern, aus Mainz kommend, hier ein und wurde nach den zu Massenquartieren für die auswärtigen Turner bestimmten Gebäuden gebracht.
** ReichSwaisenhauS in Gießen. Am 30. Juni fand in Lahr die 9. Generalversammlung der Generalfechtschule statt. Der Verband Gießen stellte an dieselbe zwei Anträge,
nicht übersehen dürfe. Unterrichtete Kreise versichern, es werde wieder eine Besserung im Befinden deS Fürsten eingreifen; es sei nur die größte Schonung nothwendig.
Wiesbaden, 3. Juli. Der Senatspräfident des Oberlandesgerichts zu Frankfurt a. M., Dr. jur. Karl Diehl, ist vom Kaiser zum Confistorialrath daselbst auf Lebenszeit ernannt worden.
8. KretsauSschuß. — 9. Kampfrichter. — 10. Gesammt- Ausschüsse. — 11. Nahe-Jdarthal Gau. — 12. Radfahrerclub „Hasfia". — 13. Matn-TaunuS-Gau. — 14. Zither- club. — 15. Mittel. Taunus - Gau. — 16. Musik. — 17. Ruder - Gesellschaft. — 18. Unter - Mosel. Gau. — 19. Rhein-Mosel-Gau. — 20. Schützenverein. — 21. Saar- Blies-Gau. — 22. Unter-Nahe-Gau. — 23. Radfahrerclub' — 24. Gau Rheinhessen. — 25. Musik. — 26. Gießener


