Ausgabe 
4.10.1895 Zweites Blatt
 
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Freitag den 4. October

Zweites Blatt

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Amts- unb Anzeigeblatt süv den Äveis Greszen

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bex folgmben Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

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tragen, welche beide in dem Anstaltsgebäude wohnen. Außer | diesen ertheilen in der Anstalt noch ein LandwirthschaftSlehrer und ein Volksschullehrer Unterricht.

ES finden jährlich zwei Unterrichtscurse von je 5 Monaten statt, in welchen jede Schülerin für Unterricht und Logis 20 Mark bei dem Eintritt, und für Kost und Verpflegung pro Tag 90 Psg. in Monatsraten pränumerando zu ent­richten hat. Außerdem find noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.

Vom Tage des Eintritt« an, also während deS Cursus, dürfen die Mädchen ohne Erlaubntß oder Auftrag der Hausmutter außerhalb der Anstalt nicht verkehren und haben sie sich der eingeführten Hausordnung unweigerlich zu fügen. Insbesondere ist ihnen auch Ehrerbietung, Gehorsam und Unterordnung gegen daS Auffichts- und Lehrpersonal, Freundlichkeit, Verträglichkeit und liebevoller Verkehr unter­einander, und endlich Treue, Fleiß und Sorgfalt bei den Arbeiten zur strengsten Pflicht gemacht.

An Sonn- und Feiertagen werden die Mädchen ver­anlaßt, den Gottesdienst ihrer Confesston zu besuchen, wobei die Hausmutter bezw. die Assistentin die Begleitung über­nimmt. Morgens vor dem Frühstück, vor und nach dem Mittagessen und Abends vor dem Schlafengehen findet gemein­sames Gebet statt.

Besuche von Eltern und Schwestern sind gestattet, solche anderer Personen nur unter Begleitung eines Mitglieds des OrtscorniteS.

In die Anstalt sind mttzubringen:

1 Bettdecke, 1 Unterbett, 1 Kissen (Bettstelle und Matratze werden gestellt), 1 doppelter Ueberzug, 1 weißer Bettüber­wurf, 6 Hemden, 4 Handtücher, 2 Bettjacken, 1 Kleiderbürste, 1 Schuhbürste, 1 Zahnbürste, 1 Regenschirm, 1 Nähstein, Zeug und Leinwand zur Anfertigung bezw. Unterhaltung von Kleidern, Hemden und Bettwäsche, Wolle und Garn zu Strümpfen und Socken rc. und 2 Vorhangschläßchen.

Am Schlüsse des Cursus findet eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten, die Uebergabe von Zeugnissen über Be­tragen und Leistungen, sowie eine feierliche Entlassung der Schülerinnen statt, wozu deren Eltern und Angehörigen ein- geladen werden.

Der ersteCursus pro 1896 beginnt Freitag den 3. Januar und wird Samstag den 30. Mai desselben Jahres geschlossen werden.

Die Meldungen hierzu sind bei dem unterzeichneten Vor- I fitzenden des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Büdingen

unter Einkauf

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Geschäft.

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vierteljäbrig-r ^öomlcmentrprci-r 2 Mark 20 Psg. mit Bringcrlohn.

Durch bie Post bezogt» 2 Mark 50 Psg.

Rebaction, (JflKbiHot und Druckerei: Schutstraße Kr.7.

Fernsprecher 51.

Alle AnnonceN'Bureaux beS In- unb AnSlanbcS nehmen Anzeigen für benGießener Anzeiger" entgegen.

erschlossen, das hatre sie gedemüthigt. Gleich in der ersten Zett ihrer Ehe, auf ihrer Hochzeitsreise, hatte sie zu bemerken geglaubt, daß seine ehrgeizigen Pläne ihm höher standen, als sie. Das hatte sie bis zu Thränen gekränkt. Gern hätte sie an seinem Streben theilgenommen, wozu ihr Grift sehr wohl befähigt war, aber da er das nicht verstand und sie wie ein Kmd behandelte, rächte sie sich durch beißende Verspottung seines Ehrgeizes. Wie eine Molluske in ihr Gehäuse zog er sich in seine vornehme, abgeschlossene Ruhe zurück und verbarg seiner Gattin sorgfältig sein Denken und Empfinden.

Unverstanden lebten sie nebeneinander hin. Dann, nach neun Jahren, sie war schöner, geistreicher, er müder, verstandesklarer geworden, begegnete dem jungen Weibe einer, der eS verstand.

Wie dieses Verstehen so ist bei den einsamen, verkannten Frauen.

Er hatte warme, offene Augen, eine prachtvolle Mischung von übermütigster Jugendlust und Schwärmerei in den Zügen, ein heißes, empfindsames Herz. Und wie er ihr alles erschloß alle Pläne, Wünsche, Hoffnungen mit ihr theilte, in ihr den ebenbürtigen Geist sah, aber in ihr die höchste moralische und ethische Instanz verehrte! DaS war Liebe daS war Einklang und Glück.

Ohne daß fie darüber gesprochen hätten, wußten sie, daß sie für einander geschaffen waren,, und Stella hatte deßhalb den einsamen Badeort gewählt, um darüber Nach­denken zu können, vielleicht von hier aus die ersten Schritte zur Trennung zu thun.

Das Kind? Rodt? Ihr Herz zitterte. Aber der Knabe hing viel mehr am Vater, als an ihr, beide würden fie nicht vermissen und vor ihr stand daS Glück, daS goldene, berauschende Glück.

(Fortsetzung folgt).

Die bestbezahlte Gouvernante ist die englische Governeß deS Königs von Spanten. Ste erhält 18000 Mk. jährlich.

* EineSoldateobrant", die sich mit Würde ins Un­vermeidliche zu fügen weiß, ist Fräulein Minna F., Küchenfee in Danzig, die derDanziger Zeitung" zufolge an ihren nach Lauenburg entlassenen 128er folgenden wörtlich ab­gedruckten Brief gesandt hat:Libe Frans! Ich will nur dich mideilen, das iS nuscht mer. Weil du entlassen wirscht mihr untre! un blos doch zu Nähren gemacht sacht mein Herren seinem Frau. Und darum bin Üch zu schat als immer­wesende Junkfrau. Und ich hab mich gantz annre Schad- angeschafft und iS vil großer als du und gewest Huntrowsihr und du nich mal kein Gefreit? Darum iS auS brauch- nich zu weinen ich auch nicht. Adche besten Gruß. Meine Foht- grawü schmieß weck! Minna."

wollen, aber bald einsehen müssen, daß cs aus vielfachen Gründen nicht ging. Denn die Huldigungen, welche ihr der junge österreichische Graf Leo D. man flüsterte sich bereits in die Ohren, daß er ihr aus Wien hierher gefolgt war zu Füßen legte, blieben nicht verborgen, und zurück- weisen konnte und mochte sie dieselben nicht.

Um daher der Medisance nicht zu viel Stoff zu liefern, konnte fie sich den übrigen Besuchern deS Badeortes nicht fernhalten, die nun von der Rolle passiver Bewunderer zu der activer übergingen.

Sie war eine Frau von bestrickender Anmuth und besaß die Kühnheit, jene klug zu benützen. Dabet war ihr Geist von sprühendster Kraft und geschmeidigster Feinheit- er durch­drang schnell die Schwachheiten der Menschen und zog sie ans Licht alles von dem Firniß ausgelassensten, kleid­samsten UebermuthS übergossen. Derselbe verschaffte ihr nicht selten Feinde, aber eS dauerte nicht lange, so gingen die- selben mit flatternden Fahnen zu ihrem Gefolge über oder sie wußte dieselben mit unnachahmlicher Geschicklichkeit kalt zu stellen, d. h. ungefährlich zu machen.

Alles in Allem ein Weib mit großen, inneren Fähigkeiten und Hilfsmitteln und den vollendetsten äußeren Retzen.

Graf Leo war nicht allein aus Gründen überflächlicher Huldigung ihr gefolgt. Wenn auch noch kein entscheidendes Wort zwischen ihnen gefallen war, wußten sie doch beide, daß ihre Herzen sich mehr miteinander beschäftigten, als in dem bewegten Gesellschaftsleben bet einerFlirtation Brauch war.

Die Baronin hatte mit siebzehn Jahren gehetrathet. Ob sie ihren Mann damals geliebt hatte, wußte sie heute, nach neunjähriger Ehe nicht mehr zu sagen. Die Erinnerung war verblaßt, wie daS Morgenroth der Kindheit.

Und er? Hatte er sie geliebt? Sie zweifelte. Seine Leidenschaft war zum mindesten versteint. Durch ihre Schuld? Manchmal, sehr selten wagte sich nagend der Vorwurf an ihr Herz. Sie warf ihn fort - immer wieder. Sie war ihm nichts! Egon hatte ihr nichts von seinem Geistesleben

huf.

^^Dannb'hatten sie sich kühl wie zwei entfernte Verwandte He Hände gereicht und waren geschieden.

Die Baronin war bald die Berühmtheit des Bades, ta« zum ersten Male während der Dauer seines Daseins ml verschlafener Lethargie erwachte. Sie war die an- ^irhmdste, gesuchteste, vornehmste und - gefährlichste Dame.

Anfangs hatte sie in stillster Zurückgezogenheit leben

unter gleichzeitiger Angabe des Vor- und Zunamen-, des TagS, Monats und Jahres der Geburt und des Wohnorts der Schülerin und deS Namens der Eltern oder deS Vor­mundes schriftlich etnzureichen.

Lind heim, den 2. September 1895.

Der Vorsitzende deS landw. Bezirksvereins Büdingen. Klietsch, Geh. RegierungSrath.

Das Orscomitö.

Westernacher, Oberamtmann. Frau Wefternacher. Buß, Kreisschulinspector. Lipp, Bürgermeister.

König, Beigeordneter.

Der Menet Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme beS Montag».

Die Gießener .Pamtkien-tälter irrbtn btm Anzeiger «ichmtlich breimal beigrlegt.

- wollen un- genießen"

Mit einem heißen Blick, den sie fett - nun fett ihrem 1 .-Mett-tage nicht an ihm bemerkt hatte, wollte er fie an ' ziehen, aber sie wich ihm aus und ihre eisige Ablehnung M ihn den Satz nicht vollenden. Zugleich erlosch die jS.ftontne in seinem Auge und es glitt nun wieder mit 27.76 iilftlnflutrtcm Phlegma über die ebenmäßige Gestalt seines SSl":Dr!bes wie über eine gleichgiltige Sache, aber zwischen den M fallen seiner schön geschwungenen Brauen nistete sich jene .Ernest Melancholie von Neuem ein, welche ihn nach den ersten W fachen seiner Ehe befallen und ihn soeben zu Gunsten dner echt menschlichen Regung für einen Augenblick ver-

Aintlicher Theil.

tie landwirthschaftl. Haushaltungsschule zu Lindheim. Provinz Oberhessen.

Die zu Lindheim fett sechs Jahren bestehende Haus- MuvgSschule deS landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen steht unter Oberleitung und Verwaltung des landwirthschaftlichen BezirkSveretnS Büdingen und eine- OrtS- rovitöS zu Lindheim und hat die Aufgabe, Mädchen im Alter von etwa 16 bis 20 Jahren die Gelegenheit zur Aneignung wjenlgen Kenntniffe und Fertigkeiten zu geben, welche zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bäuer­lich.bürgerlichen Haushaltung erforderlich sind, sie «n Reinlichkeit, Pünktlichkeit und Fleiß, Ordnung und Unter­ordnung, sowie an Sparsamkeit im Haushalt zu gewöhnen mb auch auf Geist und Gemüth bildend einzuwirken.

In dieser Lehranstalt erhalten die Mädchen Unterricht mb practische Anleitung im Kochen, indem die Unterweisung titrln abthellungSweise an zwei Kochherden erfolgt und auf .He Erlernung der Zubereitung einer schmackhaften und IrSfttgen sogen. Hausmannskost gerichtet ist, im Conservtren von Nahrungsmitteln, wie Einmachen von Gemüsen und Früchten, Einsalzen von Fletsch, Räuchern von Fleisch und Mrstwaaren, im Backen, Waschen, in der Behandlung der Msche und Kleidung, im Bügeln, Putzen, im Molkereiwesen, inb zwar in der Behandlung der Milch und Bereitung von Sutter und Käse in der der Anstalt zugehörigen, in dem klnstaltSgebäude eingerichteten Molkerei, in der Bestellung inb Ausnutzung des Gemüsegartens, sowie Unterricht In der .Zucht und Pflege des Geflügels. ES werden ferner die Rädchen In der Fertigung weiblicher Handarbeiten gründlich ritrterroiefen und zwar im Stricken, Flicken, Stopfen und iNeißnähen mit der Hand und der Maschine, und erhalten Zuleitung zum Kleidermachen, wobei ste sich für den eignen Mars und für denjenigen ihrer Familie beschäftigen dürfen. Auch wird in den Fortbildungsfächern, nämlich im Rechnen, rin der Abfassung von Aufsätzen und Briefen und in der Buch- Mrung Unterricht ertheilt, wie auch Unterweisung in den AusangSgründen der GesundheltS- und Krankenpflege erfolgt.

ES ist in der Anstalt für eine geist- und gemüthblldende °Lectüre gesorgt und wird der Gesang gepflegt. Ein Clavier iiü der unentgeltlichen Benutzung der Mädchen überlassen.

Die unmittelbare Leitung der Anstalt ist einer Vorsteherin ^Hausmutter) und einer Assistentin (Jndustrlelehrerin) über-

Gießener Anzeig er

General-Anzeiger.

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Snbet S"". '1 Ul, ,r: Prelsver- in durchm keinen 8200 ?r Vorstand.

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Feuilleton.

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Skizze von V. Buchwald.

(Nachdruck nerboten.)

ES war ein kleiner, eleganter, nervös stiller Badeort, jen Baronin Stella in diesem Jahre gewählt hatte, um sich jon den Anstrengungen eines Wiener Faschings zu erholen.

Man hatte ein wenig den Kopf geschüttelt über den ^insall der schönen Frau.

Aber das Unerhörte hatte sich ereignet, daß zum ersten Me in ihrem Leben der Gatte ihr bedingungslos recht 3C||t6(Sin herrlicher Gedanke, mein liebes Kind," hatte er Mich-liebenSwürdig gesagt.Sobald ich Urlaub erlange, ich Dir mit Rodi nach und dann wollen wir ausruhen

Schiffsnachvichten.

Der PostdampferKensington" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 30. September wohlbehalten in Newyork angekommen. _______________

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ö Hausfrauen, steht Such nicht selbst im Ficht! Q

O DaS Beste ist immer das Billigste, und dieses trifft Q

ganz speciell zu bei dem überall beliebten Wasch- und

Q Bleichmittel _ V

q I>r. Thompson s Serfenpulver. Q

O Vorröthtg in allen Colonial-, Materialwaaren- und Ä

SeifengeschSften. 7616 _

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