Ausgabe 
3.12.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 284

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chictzener -nzetger

<richrinl täglich, Mu Ausnahme deS

Montag».

Die Vießener yemtricuftfättcr werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelcgt.

Zweites Blatt. Dienstag den 3. December

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Gießener Anzeig er

Keneral'-Mnzeiger.

vierteljähriger Avonnement^prei» 1 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlodn.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gissten.

Gratisbeilage: Hießener Aamikienötätter

Allr Annoucen-Bureaux de- In- und Au»landeS nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

kunstvoll umgeschlagenen, fast zu einer Art von Sack gelegun Couverture war schon aufgedeckt, ich kroch vorsichtig hinein, brachte daS Traversaire, ein rundeS Rückerkiffen, in die rich­tige Loge, legte daS müde Haupt auf das winzige, gestickte

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, pkgenden Tag erscheinendm Kummer bi» Sonn. 10 Uhr.

Feuilleton.

Verschiedene Auartiere.

KriegSbilder von jetzt und damals.

Don Moritz von Berg, Verfasser derUlanenbriefe".

(4. Fortsetzung.)

Indern blumengeschmückten Treppenhaus angekommen, öffnete ein alter Diener ohne Livree die Thür eine- er­leuchteten kleinen SalonS, Monsieur bat mich, einzutreten und hier abzulegen- der Diener würbe meine Sachen schon aus mein Zimmer bringen, seine Damen hätten sich bereits zurück­gezogen, ich möchte mich deßhalb durchaus nicht geniren, hätte gewiß un bon appetit, würde haben une petite soupe, un filet saut6 aux trufFes et Champignons etc. Genug, er redete in dem gewohnten phrasenhaften französischen Wort schwoll, der für mich aber in diesem Falle durch seine Ver­heißungen und illustrirt durch daS, was sich meinen Augen Hot, durchaus nichts Unangenehmes hatte. In der Mitte des dunkel decorirten SalonS stand ein runder Eßtisch, um- l'ben von kleinen Fauteuils, eine große Hängelampe warf ihre Strahlen auf ein für zwei CouvertS gedecktes Souper nnd diese Strahlen brachen sich in geschmackvoll ausgestellten Crhstall- und Silbersachen, welche die Tafel zierten. Von der Aufforderung meines freundlichen WirtheS Gebrauch machend, legte ich Czapka und Säbel ab, ordnete daS etwas staubige Haar und nahm mit Vorsicht in einem der Lehn- stützte Platz. Schon brachte der alte Diener Baptiste eine kleine silberne Terrine, Monsieur hob den Deckel und legte mir und sich selbst einen Löffel des vorzüglichsten Confornms vor, mir dabei abermals mit einer Verbeugung un bon appetit wünschend.

Gewiß hatte der Brave längst gegeffen. da daS Diner tu Frankreich ja bekanntlich nach des Tages Arbeit den Ab­schluß deffelben bildet, aber die angenehme Form der Höf­lichkeit gestattete ihm nicht, mich allein effen zu lassen, ohne

sich wenigstens scheinbar zu betheiligrn, und in der richtigen Ansicht, daß es nichts Häßlicheres gibt, als bet dem Effen von einem passiven Zuschauer beobachtet zu werden, er nochmals mit. Und schmecken lieh ich eS mir, meioem Appetit bot sich eine Reihe der wohlschmeckendsten Gerichte, ein Be­weis, daß die Erzählung Monsieurs, er habe in Parts daS BerkaufSgeschäft seines WeinhauseS und bringe einen Theil des Jahres daselbst zu, in Bezug seines KüchcnapparateS ent. schieden auf Wahrheit beruhte.

Nach der Suppe eröffnete eine Flasche Ttsane unsere flüssigen Genüsse, jenes besten ProducteS der Marnegegend, daS als nicht moussirender Champagner so selten in den Handel kommt- ein Wein, der die ganzen Gluthen der heißen Sonnenstrahlen in sich ausgenommen zu haben scheint, den ich hier zum ersten Male kennen lernte. Aber er schmeckte mir und ich lauschte andächtig dabet den Aeußerungen des WtrtheS, welcher mir die schwierige Behandlung der Tisane mit kundigen Worten erklärte und wie schwer eS sei, den Wein auf der Flasche vor dem Moussiren zu bewahren. AlS die Flasche geleert war, erschien Jean, wahrscheinlich um mir den Unterschied zwischen mousseux et pas mousseux zu illustrireu, mit einer Flasche erdme de Bouzy, carte blanche, dem gleichfalls eigenen Gewächs Monsieurs und feiner Lieblings - Champagnermarke. Mit ihr ging unser kleines Souper zu Ende. Une tasse de cafe, un petit Cognac, eine Cigarrette und eine kleine Causerte am Cheminet, in dem ein winziges Schetnfeuer loderte, schloß unser abend- ltcheS Zusammensein.

Mit den besten Wünschen für meine Ruhe, die schönste» Träume rc. führte er mich eine Treppe hinauf in mein Zimmer und empfahl sich. Dort erwarteten mich meine be­reit» auSgepackten Sachen und da doch wohl Mitternacht vorüber sein mochte, die Müdigkeit auch nachgerade eingetreten war und die verschiedenen Getränke schließlich ihre W'.rkung zeigten, sah ich nur noch ein blauweißeS Gewoge von rothen Z tzportisreu und Gardinen, mit demselben Stoff überzogene Fauteuils rc. und gewann mein Bett. Der eine Zipfel der

Oreiller und schlief ein.

Meine letzten Gedanken suchte ich auf zwei blaue Augen zu concentriren, welche mich bet Tisch am Abend aus de« B'lde eines rosigen MadchenantlitzeS von der gegenüber­liegenden Wand angeschaut hatten und auf meine Frage Alice, der siebzehnjährigen Tochter Monsieurs, gehörten. Diese blauen, mir so bekannt vorkommenden Augen durch­zogen auch meine Träume.

* *

Yire le printeepa, "Tive la verdure, Vive la jeunesse, Tire la nature ste.

Zuerst undeutlich hörte ich es im Traume, dieses Lied, von lieblicher <St mme gesungen, dann lauschte ich, verstand einzelne Worte, fing an, mich auf die Gegenwart zu befinaen, sprang aus dem Bette an das Fenster, lauschte durch die PerfienneS und erblicke sie.

Zuerst glaubte ich wich noch in meinen Träumen zu befinden, so genau stand daS süße Mädchenbild derselben vor meinen Aug-n, welche» dort in dem von der Morgensoane durchstrahlten Garten obige» Lied sang.

Ja, Alice mußte eS sein, von der Monfieur mir gestern erzählt, daß fie, sein einzige» Kind, erst vor kurzer Zeit aus der Penfion in Rouen in da- elterliche Hau» zurück­gekehrt sei.

Da stand sie vor mir ober hüpfte vielmehr, gefolgt von einem der kleinsten Ling charlee, fünfzig Schritt vor meinen entzückten Augen um em Beet blühender Rosen herum, immer noch von Zeit zu Zeit einen jauchzenden Triller »vivo le printemps* auSstoßend.

(Fortsetzung folgt.)

Spar- und Leihkasse Gießen.

Bei der unterzeichneten Kaffe werden im Monat December an jedem Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag Zahliage abgehalten, mit Ausnahme Dienstags den IV. December, an welchem Tage der Zahltag ausfällt.

Die Einleger werden ersucht, an den oben bezeichneten Tagen bei der Kaffe zu erscheinen, ihre Bücher vorzulegen und die Ansen in Empfang zu nehmen, oder beischreiben zu lassen. Zinsen, welche bis zum L. Januar d. I. nicht erhoben, oder beigeschrieben sind, werden den Einlegern ohne Weiteres in den Büchern der Kasse zugeschrieben, und vom 1. Januar au verzinst. Es brauchen hiernach alle diejenigen Einleger bei der Kasse nicht zu erscheinen, welche nur Zinsen beischreiben lassen wollen, diese» kann vielmehr ganz gelegentlich im Laufe des nächsten Jahre» erfolgen.

Gießen, 29. November 1895.

Spar- und Lechkasse Gießen.

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Die Herstellung der noch nicht aus- aelührten Maurerarbeiten, ferner die Htrinhauer-, Zimmer-. Dachdecker-, Schreiner-, Glaser-, Schlosser-, Spengler,, Weißbinder-, Tapezierer- und Pflaster arbeiten, sowie die Lieferung der auß- eisernen Fenster für das Magazinsaebäude der neuen Werkstättenanlage babter soll »ergeben werden. Die Bedingungen nebst Arde'tS- und LteftrungSoerzeichnift können iu unserem Baubüreau am Riepelpfad eingesihen, auch durch unser Secieiariat gegen Erlegung von 60 Pfg. pro Exem­plar bezogen werden. Singetote ft b b'6 rum 15. December Vormittags 10 U6r etuzureichen. 9974

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Tießen, ben 27. November 1895.

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