* Unter den wahrhaft erhebenden Episoden an8 den Metzer Gedächtaißtageu, so wird der „Str. P." aus ÄrS a. M. g schrieben, verdient folgende besondere Erwähnung : Anfangs August des Jahres 1870 näherte sich unserem noch von keiner französischen oder deutschen Truppe besetzten Orte ArS a. M. eine aus drei Mann bestehende Patrouille vom 6. preußischen Ulanen-Regimeut, welche mit Gewehrfeuer empfangen, einen Mann tobt, den zweiten schwer verwundet am Platze liegen laffen mußte, während der führende Sergeant entkam. Man schrieb diesen Vorgang, welcher dem Orte verhängnißvoll werden konnte, mit Recht den umherstreifenden Franktireur- banden zu. Den schwer verwundeten ReiterSmann brachten barmherzige Einwohner in das zum Lazareth vorbereitete SchulhauS, wo er sich von nun an der allersorgfältigften und möglichsten Pflege, namentlich des katholischen Geistlichen Debugy zu erfreuen hatte, welche zu seiner Rettung und all- maligen Wiederherstellung führte. Beim Abschied übergab genannter Geistlicher seinem dankerfüllten Pflegling einen Zettel, welcher die Worte enthielt: „Denken Sie oft und gern an den Priester Debugy! Gott schütze Sie!" Nach 25 langen Jahren, zur Zeit, wo die alten Krieger auS allen deutschen Gauen herbeieilen, die blutige Wahlstatt nochmals zu besuchen, erscheint auch bei dem 83jährigen Priester Debugy in ArS eine stattliche Männergestalt, stellt sich als der Leder- fabrikaut Renneberg aus Mühlhausen in Thüringen vor und übergibt den vor 25 Jahren empfangenen Zettel mit der Frage: „Herr Pfarrer, erkennen Sie Ihre Handschrift noch? Ich habe dieselbe während der langen Zeit stets in der Uhrkapsel getragen und wie ein heiliges Bermächtutß bewahrt." Der würdige Greis erkennt feinen ehemaligen Schützling und beiße Thränen rollen über Beider Wangen. ES folgt eine Scene, die sich nicht beschreiben läßt, wohl aber bald genug in ArS und Umgegend bekannt und mit tiefer Rührung in allen Familien besprochen wurde.
* Der Internationale Cougreß zur Bekämpfung des Miß- brauchs geistiger Getränke, welcher dieser Tage in Basel tagte, hat Brüssel zum Ort des nächsten, im Jahre 1897 stattfindenden Congresses gewählt. Mit allen gegen die drei Stimmen der officiellen Delegirten von Rußland, Schweden und Holland wurde auf dem Baseler Congreß die Ausfuhr von Branntwein in die Colonien mißbilligt und die Dele- glrten ersucht, bei den Regierungen ihrer Nationalität Schritte um Einstellung der Alkoholisirung colonialer Besitzungen zu thun.
* Ein seltener Auftrag. Der „berühmte" Schneider Felix in Paris hat einen Auftrag erhalten, wie er wohl nur sehr selten ertheilt wird und vielleicht in jedem Jahrhundert höchstens zwei« bis dreimal vorkommt. Er hat die Gala-Toilette für die Kaiserin von Rußland herzuftellen, welche dieselbe bei der Krönungsfeier in Moskau tragen wird. Die Toilette wird, dem „Eonf." zufolge, aus weißem Atlas angefertigt, mit den ältesten ächten Spitzen und ächten Perlen b setzt und kostet beinahe eine Million Francs.
* kioe ganze Mark für 90 000. Ein recht dankbares Herz scheint eine Dame zu besitzen, welche am letzten SamStag Nachmittag auf dem Weddingplatz in Berlin einem dort feine Fahrt beendenden Pferdebahnwagen entstieg, wobei sie in diesem ein kleines Packet liegen ließ. Sie begab sich vom Wagen aus direct in ein Schreibwaarengeschäft und hier erst bemerkte sie in höchstem Schreck, daß ihr das Päckchen fehle. Verstört eilte sie zu dem Wagen zurück, fand das Päckchen hier auch noch vor und drückte dem Schaffner freudig erregt
ein Geldstück in die Hand. Dann ging sie wieder in das Geschäft zurück, wo sie nun erzählte, daß der Verlust des Päckchens sie ruinirt hätte, da eS ihr ganzes Vermögen, 90000 Mark in Papiergeld und Staatspapieren, enthalte, weshalb sie auch in ihrer Freude dem Schaffner — eine Mark geschenkt habe! Wie nobel!
• Nach dem ReichSstrafgefetz Du hast mir inS Auge gestochen (§ 23), Hast mir meinen Frieden geraubt (§ 49), Du hast mir mein Herz gestohlen (§ 242), Mit Wahnsinn bedroht mein Haupt (§ 241), Du hast in mir Brand gestiftet (§ 306), Hast meine Ruhe gestört (§ 360, Ziff 11), Hast mich mit Thränen vergiftet (§ 229), Betrogen mich unerhört (§ 263), Du hast einen Andern begünstigt (§ 257), Du hast mir so Vieles verhehlt (§ 258), Du hast mich durch Liebreiz bestochen, Als ich dich zur Liebsten gewählt (§ 109), Zuerst hast meinem Bewerben Geleistet du Widerstand (§ 113), Dann hieltest du widerrechtlich Gefangen Herz und Hand (§ 239), Oft hast du um Gnade gebettelt (§ 360, 4), Und manchen Schmuck und Putz Erpreßt mit gewaltigen Küssen (§ 253), AuS strafbarem Eigennutz (§ 292), Du lösest die heiligen Bande (§ 233, 6, § 250, 2), Der Untreue klag ich dich an (§ 206), Mit Meineid (§ 153) hast du zerstört mir Die ganze Lebensbahn (§ 305), Führ' immer du heimliche Waffen (§ 367, 9), Mir wird nicht länger bang — Ich lasse zur Strafe dich sitzen Dein ganzes Leben lang (§ 14, § 17).
♦ Durch die Erfahrung widerlegt. Arzt: „Ich confta- Lire Rasselgeräusche in der Lunge, Sie müssen sich in Acht nehmen, sprechen Sie nicht viel!" — Student: „DaS nützt ja doch nichts. Neulich beim Referendar Examen hab' ich fast gar nichts gesprochen und bin doch gerasselt."
Citeratm? mtö K»nft
— EngelhornS Allgemeine Romanbibliothek. Es ist auch in Deutschland möglich, dem Publikum gute Bücher zu billigem Preis zu bieten und dabei weder die Autoren noch die eigenen Interessen zu kurz kommen zu lassen, nur gehöre Wagemuth und geschäftliche Tüchtigkeit dazu — das ist die Lehre, die der deutsche Verlagsbuchhandel aus dem Erfolg von „Engelhorns Allgemeiner Romanbibliothek" ziehen kann, und hoffentlich auch, sofern er sich auf seinen Vortheil versteht, in immer gi ößerer Auswahl ziehen wird. Als der rührige Stuttgarter Verleger vor zebn Jahren zuerst die bekannten ziegelrothen Bändchen — durchschnittlich zehn Bogen guter Ausstattung — zum Preise von 50 Pfennigen in die Welt sandte, begriff man gar nicht, wie der Mann dies leisten könne: schon die „Collection Spemann", von welcher der Band eine Mark kostete, war dem Publikum, wie den Verlegern als unerhörtes Wagniß erschienen, und nun gar dasselbe — nur der Einband abgerechnet — für die Hälfte! Aber noch mehr: Spemann druckte auch viele Werke, an denen, da die Verfasser seit mehr als dreißig Jahren tobt waren, keine Autorrechte mehr bestanden, die also zum mindesten nur den Druck und das Papier, aber kein Honorar mehr kosteten; für Engelborn fiel diese Erleichterung weg; er brachte allerdings im ersten Jahrgang ausnahmlo? Uebersetzungen auS fremden Sprachen, aber auch da mußte daS AutorisalionSrecht bezahlt fein, dazu die Ueber- setzung. Nun aber begab sich das Merkwürdige und sogar für die
Gelehrten der Leipziger Buchdändlerrnesse, geschweige denn für gewöhnliche Sterbliche gerabem Unfaßbare, daß Epemanns Collection trotz aller Rührigkeit ihres Verlegers und der im Ganzen sehr guten Auswahl nicht einschlug, während Engelborn schon im zweiten Jahr in der Lage war, auch Werke hervorragender deuttcher Autoren zu bringen! Das Räthsel erklärte sich wohl sehr einfach: der Deutsche ist io sehr an die Leihbibliothek gewöhnt und de« Bücherkausenv u» cewobnt. daß ihm auch noch die Ausgabe von einer Mark schwer fällt, aber kostet- nur die Hälfte, so thut erS schließlich doch — Heute, nach zehn Jahren, ist die „Allgemeine Romanbibliothek" so bekannt und oerbrettet, daß eine Empfehlung des vorttefflichen Unternehmen- fast überflüssig erscheint.
Die Rentabilität jeder maschinellen
Bo tafle wird bedentend erhöht durch Ausstellung eine- ökonomisch arbeitenden BetriebSmotorS. AIS sparsamste Betriebsmaschinen find die Locomobil en mit ausziehbar en Röhrenkesseln von 8L Wolf in Mngdedurg-Bocka« bekannt u. zu Tausenden in allen Zweigen der Industrie und Landwirthschatt oerbrettet. Gering er Brenn Materialverbrauch, große LeiftungSsähigkett u. Dauerhaftigkeit sind die Haupt- oorzüge dieser Maschinen, vermöge deren sie nicht nur auf allen deutschen Locomobil Concurrenzen stets den Sieg baoongetragen Haden, sondern auch auf zahlreichen Ausstellungen (u. a. in Chicago) mit ben höchsten Preisen ausgezeichnet sind. [7253
— Jtrvfler & Ntrtz - vefe». Die Änforberungen, bte wir an einen guten Zimmerofen zu stellen un« angewöhnt haben, sind Dank ber Rührigkeit in ber Cfenconftruction in ben letzten Jahre» ungemein vielseitig geworben. 6in solcher Ofen soll jederzeit so geregelt werben können, baß er bei starker Kälte, wie bei mäßiger Außentemperatur einen behaglichen Aufenthalt im Zimmer ermöglicht. Die Feuerung soll eine permanente sein unb bei normaler Inanspruchnahme für 24 Stunben genügen. Aeußere Theile büren nie glühenb werden, keinerlei Geruch soll sich geltend machen Die Handhabung soll einfach, die Ausnützung der Heizwirkung möglichst vollkommen fein. Auch in der Form muß er auf da« Auge des Gebildeten guten Eindruck Hervorrufen All diesen Anforderungen kommt ber Junker 4 Ruh-Ofen vollauf entgegen unb o er bient beshalb bie volle Beachtung aller Derer, bie für die Tage de« Winters sich vorfehen.
Wohl jede Hausfrau hat
Interesse für einen Artikel, bet im Haushalt unentbehrlich ist. Wir alauben daher mit Recht unsere verehrten Leser auf bie Vorzüge deS Mondamin vom Prown & Polson Hinweisen zu dürfen, denn in Folge seiner vorzüglichen Feindeit dient eS nicht nur vortrefflich zur Verdickung von Suppen, Saucen, Cacao zc., zumal ein kleines Quantum laut Recept schon genügt, sondern Mondami»
eignet sich ausgezeichnet auch zur Herstellung der so beliebten Sommer- speisen, wie: Flammris, Puddings, Frucht-, Cacao-, Kaffee-Speisen rc. Indessen erlangt die Vielseitigkeit deS Artikels erst bann volle Geltung, wenn man bebenft, daß Mondamin, mit Milch gekocht, auch Kindern unb Kranken vorzügliche Dienste leistet, inbtm eS bie Verdaulichkeit
der Speisen, speciell ber Milch hebt. Mondamin verhindert da»
Gerinnen der Milch im Magen und kann somit ber schwächste Magen mit Leichtigkeit bie so nahrhafte Milch verbauen; bieS wollen be- sonbers RecsnoaleScenten, wie Kranke unb Mütter erwägen. Gern würden wir den verehrten Hausfrauen noch weitere practifche Wmke über die Verwendung des Mondamin mittheilen, aber ber Raum
gestattet eS nicht, zumal die auf ben Mondamin Packeten befindlichen Recepte Ausführlicheres bieten. Mit Recht kann man von dem Monbamin Brown & Polson sagen. eS ist im Haushalt unentbehrlich unb wo eS noch nicht eingeführt ist, wirb bie Hausfrau gut thun, den Werth des Mondamin in ber Praxis zu erproben.
Wie aus ben Annoncen ersichtlich, ist Mondamin Brown A Polson in allen besseren Colonial-, Delicateß unb Droguen - Handlungen zu haben.
= A. Gretscher, Giessen Neustadt 55. Giessen empfiehlt Loose aller genehmigten Lotterien.
-■ Prompte Zusendung der Gewinnliste. ----
Feuilleton.
Unser Garten im September.
Durch so manchen deutschen Augustgarten zog diesmal ein Gefühl ärgerlichen Bedauerns: die wechselreiche Witterung mit ihren vielen gemittet--, sturm- und regenreichen Tagen! Die stolzen Georginen ließen ihre schmucken Blüthenköpse traurig bangen, die Hebe Reseda lag, im Gram gebeugt, an der Erde, und fast nur miß- lnuthig öffneten sich die sonnenbedürftigen Gesichtchen der sinnigen Astergemeinbe; bie neu aufblübenben zarten Theerofen schwammen in Thränen unb bie sonst Hellen Farbenfanfaren ber Trompetenzungen biteben stumm. Freilich, ben schwellenden Früchten an Baum und Spalier bi achten die wacker zechenden Wurzeln Üppige Fülle, nicht aber fröhlich lachende Farben: nach ben glücklichen „rothen Bäckchen" die köstlichen Fruchtgeitt und Süßigkeit verheißen, sehnen sie sich noch. Nur einer schlimmen Rackerwelt im Garten war alle- Werden der SturrneSbraul, alles Regengetrommel, daS Zucken der leuchtenden Blitze „schnuppe" : wo da« Auge des Herrn nicht wachte, da knabberte und „fnarfelte" sie in rastloser Freßbegier an ihren Kohlblättern, daß diese jetzt zum Schreck der HauSsrau und Köchin als freudlose Besenreste ine Leere starren: die Kohlweißlingsraupen'.
Nun soll sich - so hoffen wir - Alles, Alles wenden: der König September zieht ein in den srübherbstlichen Garten.
Septembertage! KlinglS uns auS ihnen nicht leuchtend und sonnig! In seinem liebenswürdigsten farbenprächtigsten Lichte soll der Garten nochmals vor unfl auftauchen, ehe die Abenddämmerung freudlosen Entblättern« seine Schatten über ihn deckt.
Wie köstlich, ein sonniger ©eptembermorgen, wenn auf dem Dachfirst unseres von Fichten und Kastaniengruppen überragten Heims bie munteren Schwälbchen sich zu sammeln beginnen! Ist e« nicht ein Zug von Zartgefühl, ber biefe traulichen, uns so nützlichen Vögelchen nicht schnöbe, kaltherzig abziehen läßt, ber sie wochenlang Auch vereint, um von ihren lieben unb trauten Heimathstätten Abschieb zu nehmen?!
_ , $er „Schwalbe" ist so innig mit unserem beutschen Heimathsgesühl, mit Heimstätte, (Sorten unb Hau«, verwebt, baß wir den trauten, Jung unb Alt bekannten Thierchen im Rahmen deS Septembergarten« ein wenig näher Betrachtung schenken bürfen.
v . Die Schwalbe gehört zu den wenigen Vogelgestalten, die sich de« unbedingten «chutzeS unb der Schonung seit Alter« hei in unserem Volk erfreuen darf Schwalben zu tobten ober Schwalbennester zu zerstören gilt der deutschen Volksseele als sündhafter Frevel. Der deutsche Bauer ist der Meinuna, da« „Wetter" schlage in da» Hau«, an dem man ein Schwalbennest zerstöre! Gemüthlvsere Völker, wie die Italiener, Südsranzosen uiw. denken darin rober • Dort ist bie Schwalbe bazu da, bie btobbelnben Pfannen zu füllen'
Wo Frohsinn unb Genügsamkeit ju Hause, da ziehen bte Schwälbchen ein unb bauen ihr Rest. Das lernten wir schon al« jtinb in dem reizenden Krummacher'ichen Gedichtchen:
„In eine« arme« Manne« Hau« Kam lange Zett, von Jahr zu Jahr, Im Lenzbeginn ein Schwalbenpaar.
Mit Freuden nahm der arme Mann Sie auf, und schlug ein Brettchen an, Worauf sie sich ihr Nest erbauten usw."
AIS junge Vogelfreunde erkannten wir aus dem, „worauf sie sich ihr Nest erbauten," auch sogleich, daß Krummacher die Hebe Dorfschwalbe damit meinte; diese ist für daS kleine Brettchen sehr dankbar, be eS ihrem viertelkugeligen, oben offenen Nest als Stütze bient. Die anberc Schwalbe, bie Stabt- ober Hausschwalbe, kann ber Stütze leichter entbehren, ba sie ihr Nest auch oben, bis auf das Einschlupfloch schließt, auf Rücken- und Oberseite an Vorsprüngen von Gebäulichkeiten fest ankittet.
Die Dorfschwalbe (auch Rauchschwalbe genannt) nistet im Innern der Gebäude, in Scheunen, Stallungen, in Hausfluren, selbst in bewohnten Stuben, wenn sie nur ein- und ausflicgen kann, und Niemand sie stört; die Stadtschwalbe immer außen an Gebäuden, bie Nester oft in ganzen Rethen blcht nebeneinander.
Und wie lassen sich denn die beiden Schwälbchen von einander erkennen? Nun, schon im Flug ist dies möglich: die Dorfschwalbe fliegt noch weit schneller und gewandter als die Stadtschwalbe. Das kommt daher, weil ersterer Körper im Verhättniß zum Flugsteuer, zum Schwanz, etwas kürzer, kleiner ist, als bei der letzteren; dabei ist die Dorfschwalbe im Ganzen aber größer als die Stadtschwalbe; erstere mißt 18 Ctm., letztere 14 Ctm. Länge. Auch die Form des Schwanzes ist eine andere. Bei der ersteren sind die zwei äußersten Schwanzfedern lang stachelartig autzgezogen; bei letzterer ist der Schwanz blofc gabelförmig tief ausgeschnitten. Und wenn wir sie nun in ber klaren Septembersonne erst auf ber Dachkante, auf dem First beS Gartenhäuschens in fröhlichem Geschwatze sitzen sehen, stnb sie noch leichter zu unterscheiden: da sehen wir, daß deS DorfschwälbchenS Stirn und Kehle hübsch rostroth, daß es auf dem Kröpfchen einen schwarzen Gürtel trägt unb seine sonstige Unterteile roftgelblichweiß auSsieht. Beim Stabtschwälbchen, besten ganze Unterseite reinweiß, ist an Stirn unb Kehle nichts RostrotheS zu bemerken
Beibe Schwalbenarten brüten bet uns zweimal im Jahr. Zuerst im Mai unb bann im Juli. In ihrem afrikanischen Winteraufenthalt am 9HI — sie gelangen biS Nubien unb noch weiter nilaufwärts — brüten sie keineswegs: ihre Heimath, bie sie übet Alles lieben, ist unb bleibt bei un«; nur Nahrungsmangel — sie sinb bekanntlich reine Jnsectensrester — treibt sie übers Meer. So schön daS Lieb: „Wenn bie Schwalben heimwärts ziehen usw." so falsch ist e8: bie Schwalben, die baS Heim mit uns tbeilen, stnb deutsche Vögelchen und keine Egypter unb Araber! Ihre Züge borthin unb zurück bringen ihnen Herzeleib genug.
Die Schwalben stnb, desonbers burch bas reiche Nahrung«- bebürsniß zu ben Brutzeiten, von ungeheurem Nutzen für unS. Wenn sie ja auch wohl manche« Marienkäfetchen u. bergl. weg- schnavpen, so befreien sie un« doch gerade von ungeheuer viel lästigem unb schäblichem Gesindel. Ich erinnere blo« an bie nichtSwürbigen Bremsen unb bte unverschämt blutlüsternen Stechmücken' Millionen diese« Gelichter« werben täglich von ben Schwalben in ber blitzschnellen Flugjagb weggefangcn. Wo unS bie Stechmücken in Gärten den Aufenthalt verleiben, ba fehlen gewöhnlich in ber nächsten Umgebung bte Schwalbennester So Biele misten sie auf ihren Veranden u s. w. au« ästhetischen Gründen gern, ja ste hatten die klugen
Thierchen wohl gar vom Bauen ab. DaS ist.bedauerliche Beschränkt bett, zum Mindesten unpraciisch, gar wenn noch in ber Nähe un bedeckte Wastertäster, schmutzige Bassins ohne genügenden Zu- und Abfluß usw. geduldet werden: wahre Eldorados z m AuSbrüren etuer läglichen Legion von Stechfliegen! Alle ästhetischen Befürchtungen sind weg, wenn wir auf den Vorplätzen, Veranden rc. — auch bei ber Stabtschwalbe — dem Krummacher scheu „noch atmen Manu" nachahmen unb unter jedem Nest an ber Wand ein nicht zu kleine« balbmonbsörmtges Breit anichlagen. Wir haben bann doppelte» Nutzen, benn auf ihm sammelt sich bann ein Stoff, vor dessen glücklicher Zusammensetzung bie Herren künstlichen Düngerfabrikanteo in Neid erblassen'. Zu Staub zerstoßen erhält bte lieben-würdtge Blumenpflegerin in ihm ben reinlichsten Düngestoff für ihre» Winter- unb Ztmmergarlen, der, mrsserspitzenvollweise gegeben, den prächtigsten Palmenwuchs, bie feurigsten Blülhen be« schönen „Riemenblatts", bas rasche Gebeihen so vieler Lieblinge ber Blumen- weit hervorruft!
Also, an alles bas wollen wir denken, wenn sich die Schwälbchen diesmal überm sonnigen Frühderbstgarten zum Abzug sammeln und lüften; bie Stabtschwälbchen beginnen bamit, bte treuen Dors schwälbche» halten auS, solange es gebt.
Unb wenn sie enblich ziehen, bann werfen sie uns unb unserem Garten noch einen treu mahnenben Blick zurück, damit sich Friedrich Rückerts Sang nicht ersülle:
„Keine Schwalbe bringt, keine Schwalbe bringt Dir zurück, wonach Du wetnft;
Doch bie Schwalbe singt, doch bie Schwalbe singt
Im Dorf wie einst:
Al« ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm, Waren Kisten und Kasten schwer, Als ich wieder kam, als ich wieder kam, War Alles leer. —"
Auch das Gärtchen soll sie nicht leer treffen, wenn sie wieder» kommt. Deshalb bestellen wir dessen leeren Beete zum letzten Mal. Wir säen noch Svtnat, Feldsalat, Wintersalat, Petersilie, Kerbel- rübchen. Letztere können auch als Rübchen noch geleat werden, ebenso bie nieblicben Perlzwiebeln. Enbe be« Monats pflanzen wir au* Winterkohl unb Wintersalat au8. Unb wer sich für bte blütbenlafr stille Winterszeit eine Freube bereiten will, ber topfe sich jetzt tW schöne Nelken, Winterleokoyen unb Sßinteröfter (Chrysanthemum)M ebenso noch köstliche Blumenzwiebeln. Wie zu Zeiten unserer eitern, bebt sich jetzt bte Freube an letzteren FrühlingSkindern w«der mehr; jährlich kommen neue und schöne Einführungen au« ferne» Landen. Biele davon taugen freilich für untere Verhältnisse nicht« Manche sind aber entzückend schön. So eine prachtvolle Tulve au« Turkestan, bie im entflohenen Lenz mein Gärtchen wundervoll zierte: die Greigii Tulpe.
Wir pflanzen sie jetzt in den Garten: wenn bie Schwalbe wieberfebtt unb ihr altes Nestchen für die erste Brut herrichtet, bann soll bie Tulpe sie mit ihren scharlachenen ebeln Brcherglocken in voller Schönheit begrüßen!
Heinrich Frhr. Schilling.


