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1.5.1895 Zweites Blatt
 
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Der -iehe»er A«»«lger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».

Die Gießener PamtlienSlälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Mittwoch den t. Mai

Kenerat-Z<nzeiger.

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Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags fitt bm folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Hratisbeikage: Hießener Jamitienbkätter.

Alle Annoncen°Burrau7 deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" mtgegen.

Hmtiidyer Lherl.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

Die zu Ranstadt und Rommelhausen, Kreis Büdingen, ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die Gehöstsperre aufgehoben.

Gießen, den 28. April 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 29. April 1895.

Betr.: Statistische Nachweisungen über das Volksschulwesen im Kreise Gießen.

Die

Grotzh Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir sehen Ihren Berichten in rubr. Betreff innerhalb 14 Tagen entgegen über:

I. Stand der einfachen Volksschule nach Beginn des Schul­jahres 1895/96.

a. ohne Schulgeld, b. mit Schulgeld.

Zahl der Schulkinder:

Rach dem Geschlecht:

a. im Ganzen, b. Knaben, c. Mädchen.

Nach dem Bekenntniß:

a. evangelische, b. römisch-katholische, c. israelitische, d. anderer Confession.

II. Stand der Fortbildungsschulen nach Beginn der Schul­periode 1894/95.

Zahl der Fortbildungsschulen:

a. einklassig, b. zweiklassig, c. dreiklassig rc.

Zahl der Schüler nach dem Bekenntniß:

a. evangelische, b. römisch-katholische, c. israelitische, d. anderer Confession, e. im Ganzen.

III. Stand der erweiterten Volksschulen nach Beginn des Schuljahres 1895/96.

Wo sich erweiterte Volksschulen befinden, ist ganz nach Schema I. über dieselben zu berichten.

Die Berichte sind genau nach vorstehendem Schema unter Beibehaltung derselben Bezeichnungen abzufäffen.

v. Gagern.

Bekanntmachung, >

betreffend Schwindelfirmen in Frankreich.

Nach hierher gelangter Mittheilung soll eine unter der Leitung von A. Tanquerey stehende Portrait-Künftler-Gesell- schäft in Paris vielen Beamten und anderen Personen in Deutschland die Aufforderung zugesandt haben, Kreide-Por- traits nach Photographieen zu bestellen, deren unentgeltliche Lieferung versprochen wird. Geht ein gutgläubiger Lieb- Haber auf dieses Anerbieten ein und sendet eine Photographie ein, so erhält er ein Circular, in dem es heißt, daß die Einrahmung der Zeichnung schon des Transportes wegen , unumgänglich nothwendig sei, und daß die Zeichnung erst nach Einsendung des für den Rahmen geforderten Preises übersandt werden könne. Dieser Preis schwankt zwischen 28,50 und 45 frcS. je nach Beschaffenheit des Rahmens. Wird der Geldbetrag eingesandt, so liefert Tanquerey eine eingerahmte Zeichnung, deren Werth dahin gestellt öleiben mag. Geschieht dies nicht, so unterbleibt die in Aussicht gestellte Lieferung gänzlich und insofern erweist sich das An- erbieten zur unentgeltlichen Lieferung des Porträts als eme entstellte Angabe. Mit Rücksicht auf das Schwindelhafte j dieses Geschäftsbetriebs sehen wir uns veranlaßt, vor jener Firma zu warnen. {

Gießen, am 27. April 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 28. April 1895.

Betr.: Die Aufstellung der Jmpflisten für 1895.

Das

Großh. Kreis-Gesundheitsamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien und die Herren

Vorsitzenden der Ortsschulvorstände.

Wir ersuchen Sie, die Jmpflisten für 1895, deren For- ; mulare wir Ihnen heute zusenden, in folgender Weise auf­zustellen :

1) In die Erstimpfungöliste sind unter B. sämmtliche Kinder einzutragen, weiche im Jahre 1894 in dem be­treffenden Orte geboren wurden und am 1. Januar 1895 noch lebten. Bei Kindern, welche verzogen oder im Laufe des Jahres 1895 verstorben sind, ist eine

entsprechende Bemerkung mit Bleistift in Spalte 27 einzutragen.

2) Unter der UeberschriftC. Zugtzbgen" sind diejenigen Kinder aufzusühren, welche im Vorjahre ohne Nachweis erfüllter ErstimpsungSpfltcht zugezogen find- wenn keine impspstichtigen Kinder zugezogen find, so fist ausdrücklich anzugeben: C. Zugezogen: Niemand.

3) Die Lifte ist am Schluffe mit der Unterschrift: Großherzog, liches Standesamt und Bürgermeisterei N. N. und mit dem Datum zu versehen.

4) Die Wiederimpflisten sind nach dem Schülerverzeichniß, nicht etwa nach dem Geburtsregister aufzustellen. Unter B. sind ohne Ausnahme diejenigen Schüler einzutragen, welche in dem laufenden Jahre das 12. Lebensjahr vollenden, also auch diejenigen, welche seither eine andere Schule besucht haben.

5) Sodann sind unterC. Zugezogen" diejenigen Schüler aufzusühren, welche seit der vorjährigen Impfung ohne Nachweis erfüllter Wiederimpfpflicht in die Schule ein- getreten find, trotzdem fie bereits im vorigen Jahre wiederimpfpflichtig, d. h. das 12. Lebensjahr erreicht hatten. Sind keine derartigen Schüler zugezogen, so ist auch hier ausdrücklich anzugeben C. Zugezogen: Niemand. Nach Abschluß der Jmpfliste neu eintretende wieder- impfpflichtige Schüler werden im Impftermin nachgetragen.

6) Die Wiederimpfliften sind von den Herren Dorfitzenden des Schulvorstandes zu unterschreiben und zu datire«.

7) Die Listen, deren Absendung sich diesmal außergewöhnlich verspätet hat, sind möglichst bald nach deren umgehender Aufstellung an daö KreisgesundheitSamt direct, nicht an die Jmpfärzte einzusenden. Es empfiehlt sich, vor deren Einsendung ein vollständiges Namensverzetchniß besonders der aus den Vorjahren Rückständigen zurückzubehalten, da die Bestellung der Impftermine einfach durch Post­karte erfolgt.

8) Von den gleichzeitig mit den Jmpflisten zugesandten Verhaltungsvorschriften für die Angehörigen der Impflinge ist am Tage der Bestellung der Impftermine den Eltern jedes ErstimpflingS je ein Exemplar direct und dem Lehrer die erforderliche Zqhl zur Abgabe an die Wiederimpflinge zuzustellen. Die übrig bleibenden Exemplare sind dem Jmpfärzte im Impftermin jedesmal zurückzugeben.

Dr. Follenius, Kreisarzt.

Feuilleton.

Die mißglückte Ss«glingser)iehung.

Von O. v. Briesen.

(Schluß.)

Hoch erfreut ob dieser Erfindung, die selbstverständlich sein Geheimniß bleiben sollte, ergötzte cs ihn höchlichst, wenn seine Gattin öfters Klage laut werden ließ, daß fie vor dem Geschrei ihrer Geschwisterhälste NachtS kaum ein Auge zu schließen vermöge.

Ja, ja," pflegre er dann zu sagen,daS kommt von der weibischen Erziehung, nichts wie Geheul, Jammern und Zetern Tag und Nacht, da erreichte ich mit meiner Methode doch ganz andere Resultate, mein Junge schläft wie auf Commando und manchmal acht bis zehn Stunden in einem , Ruck, gleich einer Ratte, und, was das Beste ist, Du siehst, daß er dabei gedeiht!"

Einstmals mußte der Oberst eine mehrtägige Dienst­reise unternehmen, und da er den Säugling unmöglich mit­nehmen konnte, so band er ihn speziell Johann auf die Seele, der für alles, waS sich ereignete, verantwortlich ge­macht wurde.

Bei dieser Gelegenheit verrieth der Abreisende dem Burschen auch das Cognac-Geheimniß, ordnete jedoch an, daß sich Johann ein halbes Stündchen die Ohren voll schreien laffen müffe, erst wenn diese Zeit verstrichen sei, dürfte er zu jenem BeruhtgungSmiltel und zwar in aller- I vorsichtigster Weise greifen.

Die beiden ersten Tage ging die Sache ganz gut, am dritten aber. an welchem der Oberst zurückkehren wollte, hatte der diensteifrige Mensch wohl einige Tröpflein des gebrannten Traubensaftes über die reglementsmäßige Portion gemengt, genug, der Kleine schlief nur kurze Zeit, wälzte sich dann unruhig hin und her und schließlich stellten sich ernstliche Krankheitserscheinungen, wie Erbrechen u. s. w., j bei ihm ein. Johann lief in seiner Befürchtung sofort zum

Regimentsarzt und kam mit diesem in dem Moment zurück, I als unten der Oberst aus dem Wagen stieg. Sogleich von I dem Sachverhalt in Kenntniß gesetzt, stürmte er die Treppe hinauf, wo man den Patienten glücklicherweise schon in etwas besserer Verfassung antraf. Die Untersuchung des Arztes ergab, daß dem Kinde unbedingt Stoffe zugeführt sein müßten, die einem so jugendlichen Magen keineswegs zuträglich wären, und zwar, so führte der Mediciner aus, handle eS sich in diesem Falle um nichts anderes, als Cognac! t .

Als der Doctor dies erklärte, leuchteten des Obersten Augen schmerzlich auf, drohte doch sein ganzes Erziehungs­gebäude in Zukunst einen Riß zu bekommen, der sich durch nichts verkleistern ließ.

Er gestand dem Arzte selbstredend sofort ein, daß der Bursche hierin nur höherer Weisung gefolgt sei, er, der Oberst, betrachtete fich mithin als einzig schuldigen Theil. Als er erfuhr, daß das Unwohlsein für dieses Mal keine üblen Folgen nach fich ziehen würde, athmete er erleichtert auf, konnte aber nicht unterlaffen, auSzurufen:

Es thut mir im Grunde genommen doch leid, daß mein/ KinderstillungS-Procedur, meine eigenste Erfindung, fich nicht als durchaus probat zu erweisen scheint. Ich be­dauere dies um so mehr, als ich in uneigennützigster Weise mir nicht etwa ein Patent darauf erwirken, sondern durch Herausgabe einer Broschüre der Menschheit inSgesammt einen Dienst zu erweisen vorhatte. Na, wenn eS denn nicht sein darf, so mag der Bengel schreien, eS hat dies wenigstens den Dortheil, daß er seine Stimme frühzeitig ans Com- mandiren gewöhnt!"

Humoristisches.

Finanz-Geheimniß. Frau A.Das kann ich Ihnen schon sagen, mein Mann, wenn er mich nicht hätt . . . so lange krank und keinen Verdienst, und doch soll alleS im Haushalt recht sein!" Nachbarin:Ja, das hab ich schon oft zu meinem Mann g'sagt, man muß fich grad wundern,

wie Sie's machen, daß Sie durchkommen- wie fangen Sie denn daS nur an?" Frau«.:Das sag ich natür- lich bloS zu Ihnen, Frau Nachbarin wissen Sie, ich bleib halt überall alles schuldig!"

*Was brauchst Du noch?" Lehrer:Fritzchen, wenn Du nun ein Mann wärest und hättest dreitausend Thaler, Du möchtest Dir aber gern ein Haus kaufen, welches zehntausend Thaler kostet, was brauchst Du da noch?" Fritz:Eine reiche Frau!" (Ein hoffnungsvolles Bürschlein.)

* Nicht nöthig. Vater (zu Karl, der mit seiner Erzieherin einen Wortwechsel hat):Karl, Karl, soll ich mit dem Stock kommen?!" Karl:Nicht nöthig, Papa, ich werde auch ohne Stock mit ihr fertig!"

» Ein richtiger Füsilier. Sergeant:Kerlö, Ihr trampelt herum, wie eine Heerde Elephanten! Ihr habt keinen Begriff, wie ein richtiger Füsilier sein mutz: Einen Füsilier sieht man nicht, den hört man nicht, den ahnt man blos!"

Den Kopf nicht zu Hause lassen! Ein Witz- bold wollte einem vornehmen Herrn seinen Besuch abstatten. Dieser sah aus dem Fenster, als jener ins Haus trat, ließ ihm aber durch einen Bedienten sagen, daß er nicht zu Hause sei.Ganz wohl, mein Freund," sagte der Wrtzbold,sag er seinem Herrn, daß ich hier gewesen bin, und daß er gut thun würde, künftig, wenn er auSgeht, seinen Kopf nicht zu Hause zu lassen.- A _

Womit handeln sie denn? Lehrer.In SchillersWilhelm Tell" treten über fünfzig handelnde Per­sonen auf." Der kleine Cohn:Entschuldigen Se, Herr Lehrer, womit handeln se denn?"

* Das Reglement.Wie können Sie ohne Ge- wehr auf dem Posten stehen, Sie handeln ja ganz regle­mentswidrig." -Im Jegentheil, Herr Hauptmann, baß Reglement schreibt vor: Der Soldat hat sein Jewehr vor Regen und Nässe zu schützen, da hab ich es ins Schilderhaus eingestellt!" ______________