Ausgabe 
29.3.1894 Erstes Blatt
 
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Berlin, 27. März. Im Reichspostamt ist eine wichtige Personalveränderung eingetreten. Ministerial- director Sachse hat feinen Abschied genommen. Er hat vor­läufig einen dreimonatlichen Urlaub angetreten, sich jedoch bereits von den Beamten verabschiedet.

Abbazia, 27. März. Der Kaiser soll sich dahin geäußert haben, wenn das Wetter Halbwegs besser werde, werde er seinen Aufenthalt bis Mitte April verlängern. Der Monarch reist von hier dtrect nach Coburg zur Hochzeit des Großherzogs von Hessen.

Abbazia, 27. März. In den Feiertagen herrschte hier ein lebhaftes und bewegtes Treiben, da Tausende von Menschen aus der Umgegend eingetroffen waren. Gestern hatte das Kaiserpaar ein Ostereiersuchen für die Schiffsjungen des Moltke" veranstaltet. Zum Festplatz war eine Waldlichtung bei Volosea ausersehen. Die Festfreude der etwa 200 Schiffs­jungen, die unter Leitung von Capitän Koch sich im Sack­laufen, Seilziehen u. a. m. belustigten, war groß. Bei der Preisvertheilung hielt der Kaiser eine kleine Ansprache.

Wien, 27. März. Auf dem soeialdemokratifchen Parteitag wurde die Resolution gefaßt, falls die nächsten Reichsrathswahlen nach der gegenwärtigen Wahlordnung ab­gehalten werden sollten, sofort in den Massenstrike ein­zutreten.

Wie», 27. März. Am zweiten Verhandlungstage des soeialistischen Parteitages wurde die Parteileitung von vielen Rednern heftig angegriffen. Der Delegirte Huber warf den Führern vor, bezüglich des Generalstrikes nicht energisch vorgegangen zu sein. Die Führer der deutschen Soeialisten hätten in der Frage des Generalstrikes sogar einen Druck ausgeübt, was als ungehörige Hofmeisterei zu bezeichnen fei. Wenn man diesmal bezüglich des General­strikes nicht einen entschiedenen Beschluß fasse, werde ein Theil der Delegirten den Parteitag verlaffen.

Wien, 27. März. DieN. Fr. Pr." meldet aus Peters­burg, obgleich der Czar nichts über seine geplanten Reisen verlauten lasse, glaube man doch in den dem Hose nahe­stehenden Kreisen, der Kaiser werde vielleicht schon bei seiner nächsten Reise nach dem Süden eine Zusammenkunft mit den befreundeten Herrschern der benachbarten Reiche haben. Die Conferenz werde voraussichtlich an einem der russischen Grenze nahegelegenen Orte ftattfinben.|

Budapest, 27. März. Am Freitag, dem Tage des Ein­treffens der Leiche Kossuths, sowie am Sonntag, wo die Bestattung derselben stattfindet, bleiben die Theater geschlossen. 6000 hiesige Bürger bilden eine Bürgerwehr zur Aufrecht­erhaltung der Ordnung, wodurch Polizei- und Militärbefetzung in den Straßen überflüssig gemacht werden soll. König Humbert hat den Hinterbliebenen Kossuths sein Beileid aus­sprechen lassen.

Budapest, 27. März. Der Abt Köpper in Neusatz ver­weigerte die Aufhissung der Trauerfahne auf der dortigen katholischen Kirche. Infolge dessen sind 240 Katholiken zur reformirten Religion übergetreten.

Roubaix, 27. März. Anarchistische Kirchenräuber wurden in voriger Nacht in einem Nachbardorfe verhaftet. Bei denselben fand sich eine große Anzahl geraubter Gegen­stände vor.

Rom, 27. März. Der Aerzte-Congreß wird am 29. März vom König eröffnet werden. Der Unterrichts­minister Baecelli wird die Congreßmitglieder in lateinischer Sprache begrüßen. Der Bürgermeister von Rom, Rnspoli, bewillkommnet dieselben Namens der Stadt Rom- Professor V-rchow hält im Auftrage des letzten Berliner Aerzte-Con- greffes eine Ansprache.

Loudon, 27. März. Der Berliner Correspondent des Standard" meldet drahtlich, daß die deutsche Regierung die Initiative für internationale Maßregeln gegen die Anarchisten ergriffen habe. Es werde demnächst eine internationale Conferenz in Berlin jufammentreten.

totales unö Provinzielles.

Hießen, den 28. März 1894.

** Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 19. März den außerordentlichen Professor vr. Karl Elbs zu Freiburg in Baden zum ordentlichen Professor in der philosophischen Faeultät der Landes-Universität, insbesondere für das Fach der physikalischen Chemie, und zum Director der chemisch- physikalischen Abtheilung des chemischen Laboratoriums mit Wirkung vom 1. April d. I. zu ernennen und in der ge- dachten Eigenschaft zu berufen.

** Parlamentarisches. Bei der Zweiten jKammer der Stände ist u. A. folgender Antrag des Abgeordneten Mühlberger und Genossen eingelaufen: die Kammer wolle beschließen, Großherzogliche Staatsregierung um Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, wonach die Kosten der Volksschulen des Landes auf die Staatskasse übernommen ober boch von biefer völlig unb ausschließlich ausgezahlt werben.

* * Mililardienstnachrichten. Graf Georg Reinharb zu Solms-Laubach, in ber Armee unb zwar als See.- Lieutenant ä. la suite bes Garbe-Jäger-Bataillons, unter Vorbehalt ber Patentirung, angestellt.

* * Uebertritt zum Landsturm. Mit dem 31. März treten alle diejenigen Landwehrleute in den Landsturm über, welche in diesem Jahre ihr 39. Lebensjahr vollenden, also im Jahre 1855 geboren sind. Die Uebersührung erfolgt durch die Bezirks-CommandoS ohne Weiteres. Einreichung ber Militär­pässe ist beshalb nicht erforberlich. Ausgenommen sinb bie- jenigen Lanbwehrleute, welche burch ihr Verschulben verspätet in ben Militärbienst eingetreten sinb ober sich der militärischen Controlle entzogen haben.

* * Die Entwürfe für bas HochzeitS Geschenk der Städte des Großherzogthums für Se. Königl. Hoheit ben Groß- herzo g waren in voriger Woche im Stabthaus in Darmstabt

ausgestellt. Se. Königl. Hoheit ber Großherzog nahmen dieselben in Augenschein unb soll einem Allerhöchst geäußerten Wunsch entsprechend ein Mittelstück unb zwei Seitenstücke in Silber, im Stil einer im Großh. Silberschatz befindlichen prachtvollen alten Suppenterine entsprechend, angefertigt werden. Für das Geschenk sind 25000 Mark vorgesehen.

nn. Die Sonntagsruhe in Fabrik und Werkstatt. In gleicher Weise wie im Handelsgewerbe, so werden auch in kurzer Zeit die gesetzlichen Bestimmungen über die Ein­führung der Sonntagsruhe inFabrik undWerk- ftatt in Kraft treten. Dadurch wird aber besonders das Kleingewerbe in mehr ober weniger empfinblicher Welse geschädigt, wenn nicht von Seiten der Großh. Regierung durch Erlaß von Ausnahmebestimmungen die in diesem Gesetz zu Tage tretenden Schärfen zu mildern gesucht werden. Eine Anzahl von Ortsgewerbevereinen, und insbesondere der Darmstädter Verein, dessen Vorstand sich schon seit einer Reihe von Monaten mit dieser Frage beschäftigte, haben sich nun neuerdings an die Großh. Kreisämter gewendet, um eine Milderung der in § 105 e der Gefetzesnovelle ausgedrückten Bestimmungen herbeizuführen. Besonders ist es der Wunsch, daß die nad)§105f. derGe s.-Nov. z u ertheilende Ermächtigung zur Genehmi gung vonAusnahmen in der Sonntagsruhe aus praetischen unb anberen Grünb en der Ortspolizeibehörde zugewiesen werden möchten. Durch Regierungsblatt Nummer 11 vom 7. März 1892 werden nämlich bie Entschelbungen biefer Art ber unteren Verwaltungsbehörbe entzogen unb ber höheren Verwaltungsbehörde, b. t. ben Großh. Kreisämtern zugetheilt. Diese Verfügung ist jeboch aus praetischen Grünben entschieden zu bedauern. Denn un­möglich können sich die Großh. Kreisämter mit den einzelnen hier in Frage kommenden Verhält­nissen jedesmal beschäftigen unb müssen bei ihren Ent- scheibungen boch bie Ortspolizeibehörbe darüber vernehmen. Abgesehen von dem hiermit verbundenen Zeitverlust, welcher da oft bewirkt, daß ein solches Gesuch ganz ergebnislos wird, ist es ja auch den Arbeitgebern, welche nicht am Sitze eines Kreisamtes wohnen, fast ganz unmöglich, ein derartiges Gesuch rasch unb sicher zur günstigen Entscheibung zu bringen. In einem Rundschreiben Großh. Ministeriums des Innern unb ber Justiz vom 11. August v. I. sinb nun bereits einer ganzen Anzahl von Gewerben Ausnahmen von ber strengen Sonntagsr uhe in Aussicht ge stellt worben. Dabei sinb aber bebauerlicher Weise eine ganze Anzahl von Gew erben unberücksichtigt geblieben, deren zu gewissen Zeiten immer wieder auftretendes Be- dürfniß sehr erschwert und dadurch eine Befriedigung des kaufenden Publikums fast unmöglich gemacht wird. Daß durch diese Bestimmungen der Kleinhandwerker sowie auch das Publikum schwer geschädigt werden fliegt auf ber Hanb, unb biefe neue Sonntagsruhe wird dem ohnehin schon so schwer belasteten Handwerkerstand künftig nur zum Schaden gereichen. Insbesondere hat man im Auge die Arbeiter unb Arbeit­geber in ben Geschäften ber Herren- unb Damenschneider, ber Kürschner, der Schuhmacher in den Monaten October bis Ende December- ferner ben Betrieb unb bie Beschäftigung ber Buchbinber unb Portefeuillearbeiter, Graveure, Holzbilb- hauer, Lackirer, Sattler, Tapeziere, Spengler und Vergolber währenb ber vier Sonntage vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten. In allen hier angegebenen Fällen werden nachweislich stark hervortretende Bedürfnisse des kaufenden Publikums ge­schädigt werden, wenn künftig die strengen Bestimmungen über die Beschäftigung der Gehülfen unb Arbeiter an Sonntagen ohne Weiteres in Kraft treten sollen. Daß bamit ben genannten Gewerben ein nicht unbebeutenber Nachthell zugefügt würbe, ist nicht zu bestreiten, unb es ist sicher zu erwarten, daß bie Großherzogl. Staatsregierung, soweit es in ihrer Competenz liegt, für sämmtliche hier genannten Han bwerker in gleicher Welse wie für bie von ihr schon früher ins Auge gefaßten Gewerbe Ausnahme-Bestimmungen von ber Sonntags ruhe in^Fabrik und Werkstatt eintreten läßt.

* * Stranbungen und Rettungen an den deutschen Küsten 1893. Von dem Vertreter ber beutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Herrn Jean Kirch in Gießen, wirb uns ein Verzeichnis ber im vergangenen Jahre zur Kenntnis ber elfteren gelangten Seeunfälle an ben deutschen Küsten übermittelt, welches zugleich eine Uebersicht über die Thätlgkeit der Rettungsstationen ber Gesellschaft liefert. Jns- gefammt sinb hiernach 48 Schiffe mit einer Besatzung von 280 Personen verunglückt, von denen 262 gerettet unb 18 umgekommen sinb. Die Rettung erfolgte bei 117 Personen burch Selbsthülfe, bei 78 Personen durch Hülfe anderer Schiffe, bei 16 Personen durch Privathülfe vom Lande und bei 51 Personen durch Rettungsgeräthe. Von diesen wurden 43 Personen durch Rettungsboote, 8 Personen durch Raketen­apparate gerettet. 23 Rettungsstationen traten 26mal in Thätigkelt, darunter 13mal mit Erfolg. Unter den ver­unglückten Schiffen befanben, sich 34 beutsche, 5 englische, 4 bänische, 3 hollänbische, 1 schwebisches unb 1 russisches Schiff. Seit Begrünbung ber Gesellschaft im Jahre 1865 sinb bis zum 1. Januar 1894 burch beutsche Rettungs­stationen 2072 Personen gerettet worden.

V . Aus dem Vogelsberge, 26. März. Die Forstver- waltung hat eine Bestimmung erlassen, welche manchen Leuten auf dem Lande recht willkommen fein wird. Die Leute können nämlich unentgeltlich Nadelholzrelfig erhalten, wenn sie mit ber Säge bie bürren Aeste an ben Nabelholz­bäumen entfernen. Das Holz, welches bie Leute auf biefe Weise machen, empfangen sie gegen ben Arbeitslohn b. h. ohne jede Bezahlung. Da es an vielen Orten keine Gelegenheit zum Arbeitsverdienste giebt, das Brennmaterial aber überall treuer ist, können sich die Leute auf billige Weise einen schönen Vorrath Winterbrennmaterialien anschaffen. Unsere Ob st bäume sehen bester aus, als man nach dem reichen

Obstsegen im vorigen Jahre erwarten durste, denn eS zeige sich reichlich Tragknospen. So angenehm es ist, wenn wieder eine Obsternte erfolgen würde, muss man doch befürchten, es könne eine Erschöpfung der Bäume stattfinden, wenn sie wieder reichlich trügen. Die Baumbesitzer wollen wir darum darauf aufmerksam machen, dass sie die Anwendung von flüffigem Dung nicht unterlassen möchten, sobald reichliche Fruchtansätze sich zeigen, denn dadurch kann die Erschöpfung der Bäume leicht verhindert werden.

H. AlSfeld, 27. März. Nächsten Samstag, den 31. März, Abends 8 Uhr, soll im großen Saale des Gasthauses zum Deutschen Kaiser" der Geburtstag des Fürsten Bismarck in gemei isamer Feier festlich begangen werden. Die meisten hiesigen Vereine haben ihre Betheiligung zugesagt- ein abwechslungsreiches Programm verspricht einen schönen Verlaus der Feier.

A Maiuz, 27. März. Ein Unienm von einem Beamten hat heute hier das Zeitliche gesegnet. Es ist dies der Cassirer der hiesigen Agentur der Köln-Düsseldorfer Dampfschifffahrts- Gesellschaft, Herr Shro, eine Persönlichkeit, die durch ihr freundliches, zuvorkommendes Wesen jedem Rheinreisenden, der je Mainz passirt hat, sicher in Erinnerung fein wird. Derselbe versah seinen Posten als Schaltercassirer ununter­brochen 44 Jahre unb ist währenb dieser langen Zeit, ob­wohl er viele Millionen Dampfschiffsahrts Billete ausgegeben, selbst nicht ein einziges Mal mit einem Schiff gefahren, wie er überhaupt in feinem ganzen Leben nie über das Weichbild von Mainz hinausgekommen ist. Oesters hatte ihm die Ge­sellschaft aus eigenem Antrieb Urlaub bewilligt unb ihm Frei­fahrt und splendide Reisediäten angeboten, er war aber nie zu einer Reise zu bewegen- er kannte nur seine Gaffe und sein Büreau, in dem er jahraus jahrein von Morgens bis Abends im Sommer war ber seltene Beamte schon gegen 4 Uhr Morgens auf feinem Posten mit unvergleichlicher Ehrlichkeit unb Gewissenhaftigkeit bis wenige Wochen vor feinem Tode waltete. Aus dem hiesigen Untersuchungs­gefängnis sind verflossene Nacht zwei gefährliche Gauner ent­sprungen. Dieselben durchbrachen eine von ihrer Zelle nach dem Justizpalast führende Mauer, von wo sie während der Nacht den Weg ins Freie fanden. Bis jetzt hat man noch keine Spur von den Entwichenen. In den Rheinorten treiben sich gegenwärtig zwei Schwindlerinnen herum, die als barmherzige Schwestern verkleidet, angeblich für Wohlthätigkeits- Anstaiten Beiträge sammeln. Verschiedene Behörden warnen vor den beiden Schwindlerinnen.

* Frankfurt a. M., 27. März. Eine vorsichtige Erblasserin. Vor wenigen Wochen starb hier eine in der Kömerstraße wohnende 82jährige kinderlose Wittwe. Sie hat, wie ein Berichterstatter erzählt, u. a. ber Stabt 40,000 Mk. vermacht und zugleich bestimmt, daß, falls ihre Erben über das Testament uneinig würden, auch ber ganze Nachlaß der Stadt zufallen solle. Bei der Erbtheilung ging es sehr gütlich unb friebltd) her.

* Siegen, 25. März. Siegener Bankverein. Einer heutigen Bekanntmachung bes Concursverwalters, Herrn Rechtsanwalts Bigge, zufolge, betragen im Coneurs bes Siegener Bankvereins bie zu berücksichtigenden Forderungen 2,192,564.32 Mk., die verfügbare Masse 575,000 Mk. und soll nun eine Abschlagsvertheilung stattfinden.

* Leipzig, 27. März. Der Kassirer der städtischen Sparkasse zu Altenburg ertränkte sich heute im Schwanenteich. Man vermuthet, daß er sich Veruntreuungen wird zu Schulden haben kommen lassen.

* Berlin, 27. März. Der Luftschiffer Otto Merkel aus Leipzig, welcher am zweiten Osterfeiertage in Teltow einen Aufstieg in einem mit heißer Luft gefüllten Ballon unternahm, stürzte, als der Ballon kaum zwei Minuten lang von der Erde entfernt war, von diesem herunter auf das Dach eines Hauses und trug schwere innere Verletzungen da­von, so daß sein Leben in Gefahr steht. Der Ballon war in ziemlich bedeutender Höhi geplatzt.

* Heber die Leibgeudarmerie, welche nach 74 jähriger Garnisonirung in Berlin am 31. März nach Potsdam über­siedeln wird, schreibt dieSchles. Ztg." : Die Leibgendarmerie entstand am 12. Februar 1820. Der Feldzug von 1813 bis 1815 hatte die Mängel der zufälligen Ab- eommandirung von Mannschaften zum Ordonnanzdienste beim König wie bei den commanbirenben Generälen gezeigt und so rief denn eine Cabinetsordre vom 12. Februar 1820 die Armee-Gendarmerie ins Leben. Dieselbe war 150 Mann

stark, von denen 1 Wachtmeister, 2 Unteroffiziere und 20 Mann zum Dienste bei der Person des Königs bestimmt

wurden. Dieses Commando erhielt den NamenGarde- Reserve - Armee - Gendarmerie - Commando", welches später zweckmäßig inLeibgendarmerie" verkürzt wurde. Auf Be­fehl des Königs erhielt sie ihre merkwürdige Uniform, die von jeder Waffengattung der Cavallerie einen Theil aufweift: den Helm der Kürassiere, die Epaulettes der Ulanen, den Säbel der Husaren," die hellblauen Abzeichen der Dragoner und das Dunkelgrün der Uniform der reitenden Feldjäger, aüs dem Grunde, weil das Detachement seinen Ersatz aus allen Cavallerie-Regimentern der Armee bezieht. Bei der Begründung dieses EliteeorpS wurden die rüstigsten und besten unter den Halbinvaliden des Gardeeorps ausgesucht. Seit 1835 ist ihr Commandant immer ein Flügel Adjutant des Königs. Im Jahre 1831 besaßen die 23 Mann im Dienste des Königs zusammen an Feldzugsauszeichnungen:

6 Eiserne Kreuze, 6 russiiche Georgenkreuze, 22 Kriegsdenk­münzen, 23 Dienstauszeichnungen, 3 Ehrentroddeln von 1807 und 15 russische Annenorden. Der erste Führer ber Leibgenbarmerie war Rittmeister von Triebenselb. Durch Cabinetsorbre vom 20. Juni 1850 würbe bie Leibgenbarmerie aufgelöst, unter bem 22. Juli 1852 aber insofern wieber hergestellt, als bie königlichen Orbonnanzen ihre Uniform

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