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28.1.1894 Erstes Blatt
 
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18S4

Erstes Blatt

Nr 23

chratisbeitage: Gießener KamilienbMter

Fürsten, der

die Bahnhofshalle.

Sonntag neu 28 Januar

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«Lch.Bch.PosI^«-sn

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zurück. , , ., ,

Paris, 25. Januar. Der Cassationshof verwarf die von Saillant eingelegte Berufung gegen das Urtheil de» Schwurgerichtshoses, welches auf Todesstrafe lautete.

sich freundlich lächelnd und dankend verneigte. In Begleitung des Fürsten befanden sich die Grafen Herbert und Wilhelm, sowie Dr. Schweninger. Der Salonwagen war mtt reichen Blumenspenden ungefüllt. Der Kaiser verließ unter Hochrufen

Friedrichsruh, 27. Januar. Fürst Bismarck ist gestern Abend 11 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen. Der Weg vom Bahnhof bis zum Schloß war mittelst Magnesium­licht erleuchtet. Aus der versammelten Menge ertönten stürmische Hurrahrufe.

Gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Zwicker, 1 Militärmütze, 1 Gummischuh, 1 Paar Turnschuhs 1 Musik« Instrument mit Futteral, 2 Paar Manschetten, 1 Stuck Stoff und Theile eines Pferdegeschirrs.

Gießen, den 27. Januar 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Bismarck. , r , . ...

Berlin, 26. Januar. Fürst Bismarck fuhr an der Seite des Kaisers um 7 Uhr 10 Minuten nach dem Bahnhofe. Vom Schloß, Unter den Linden entlang, war der Zug von derselben Escorte wie am Mittag begleitet, er wurde überall brausend begrüßt. Unter den Linden hatten zahlreiche Hauser prächtig illuminirt. Kurz nach 7»/, Uhr erfolgte die Abreise auf dem Lehrter Bahnhof. Vom Hauptquartier waren ux' Der Kaiser schritt mit dem

Fürsten zum Salonwagen, drückte ihm herzlich die Hand und u ° «TS ____ Ort-.4. x.m fSenftoinPM npfl

Unter ben zu dem U-berreichnng f=«SjBe9kuW

der Entschließung des 5kaisers.

Ueber den Empfang, das Verweilen und die Wieder- abreise des Fürsten Bismarck liegen außer den in voriger | Nummer bereits mitgetheilten, folgende neuere Nachrichten vor: |

Berlin, 26. Januar. Die denk- und merkwürdige Aus« söhnung zwischen Kaiser und Altreichskanzler, welche mit der für unseren Herrscher characteristischen Energie ganz un­erwartet in Angriff genommen und verfolgt wurde, ist heute Mittags in Berlin in Scene gegangen. Bei der Abfahrt von Friedrichsruh streuten vor dem Fürsten schreitende weiß gekleidete Jungfrauen Blumen auf den Weg. Während der Fahrt wurde der Fürst au-f allen Stationen von zahlreichem Publikum mit brausenden Hochrufen begrüßt. In Berlin lief der bekränzte Separatzug um 1 Uhr ein. Dom Lehrter Bahnhof, der völlig abgesperrt war, bis zum Schloß standen auf beiden Seiten der Feststraße gewaltige Menschenmauern. Der Fürst saß neben dem Bruder des Kaisers in einer ge­schlossenen GlaSkutsche und war von dem Jubel der Menge und dem Zweck seiner Reise sichtlich ergriffen. Vor und hinter dem Galawagen ritten je zwei Züge Garde-Kürassiere in Paradeanzug. Die Kürassier-Escorte wurde beim Vorbei­fahren überall mit Blumen beworfen. Beim Verlassen des Wagens stützte sich Bismarck auf den Arm des Prinzen Heinrich. Den Höhepunkt erreichte die fast dramatisch-lebendige Versöhnungsreise in der Begegnung mit dem Kaiser. Der Monarch eilte mit schnellen Schritten dem treuesten Diener seines Großvaters entgegen, umarmte ihn zweimal und küßte ihn. Kurz nach der Ankunft fuhren Caprivi und sämmtliche Staats- fecretäre und Minister bei Bismarck vor und gaben ihre Karten ab. Die ÄraßenUnter den Linden" machten bereits in der frühen Morgenstunde einen festlichen Eindruck. Viele Häuser waren mit Fahnen und Guirlanden geschmückt. Der Meuschen- und Wagenverkehr war sehr lebhaft. Die Begrüßung Bis­marcks durch den Kaiser war eine äußerst herzliche.- Der Fürst war sichtlich gerührt. An der Frühstückstafel nahmen nur das Kaiserpaar und Bismarck theil. Um 3 Uhr gaben Graf Caprivi, Staatssecretär Marschall und die anderen StaatSsecretäre ihre Karten für Bismarck ab. Der Kaiser machte heute Nachmittag einen Spazierritt. Bismarck verblieb in den Gemächern. Als der Kaiser die StraßenUnter den Linden" passirte, wurde er von der Menge mit brausenden Hurrahrufen empfangen und so umdrängt, daß er kaum den Ritt fortsetzen konnte. Fürst Bismarck fuhr gegen 4 Uhr zum Besuch der Kaiserin Friedrich. Um 61/« Uhr war im Schlöffe in den Gemächern Bismarcks Tafel mit zehn Ge­decken , woran das Kaiserpaar und der König von Sachsen theilnahmen. Bei dem Empfang befanden sich im ersten Zimmer das kaiserliche Hauptquartier, im zweiten Zimmer der Kaiser und der Fürst allein. Der Fürst betrat nach

Rom 25. Januar. Der deutsche Botschafter beim Quirinal,' von Bülow, wurde heute vom Könige zur

2lmts»nd Anz<ris«blatt für den Areis Gieren

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Gießener Auzeiger erscheint täglich, nut Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Aamisiendkälter werden dein Anzeiger wöchentlich dreimal drigelegt.

Ausland.

Wien, 25. Januar. DasFremdenblatt" schreibt, die aus der hochherzigen Initiative des Deutschen Kaisers hervorgegangene Annäherung an den hochverdienten ehemal'gen Reichskanzler sei auf rein menschliche Beweggründe zurück­zuführen, aber die Genugtbuung über das Verschwinden der Kluft zwischen Berlin und Friedrichsruh sei offenbar so groß, daß ihr ein Werth für die Gesammtstimmung im Reiche nicht abgesprochen werden kann. DasFremdenblatt" sagt dann, es sei überzeugt, daß der Schritt des Kaisers die vollste Zustimmung des Reichskanzlers Grafen von Caprivi gefunden, der oft genug seinen Respect für die staatsmännische Größe des Fürsten Bismarck ausgedrückt habe, und wenn Fürst Bismarck in Berlin erscheine, werde Deutschland mit Freude seinen alten Nationalhelden, seinen Kaiser un seinen Kanzler vereinigt sehen: den tatkräftigen Mgen Herrscher, der an der Spitze des Reiches steht, den Mann, der so viel gethan, um es zu schaffen, und den Minister,

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Januar. Im Abgeordnetenhause wurde gestern überdieInterpellation der Conservativen verhandelt, ob die Regierung dahin wirken wolle, daß weitere Handels­verträge, welche eine Ermäßigung der landwirthschastlichen Zölle enthielten, nicht abgeschlossen würden, falls hierbei nicht eine angemessene Ausgleichung mit den Geldver« hältnissen der betreffenden Länder stattsinde. Nachdem Abg. Dr. v. d. Heydebrand und der Lasa die Inter­pellation begründet, beantwortete Handelsminister v. Berlepsch dieselbe in ausführlicher Weise. Er betonte, daß die.Regierung die Erfüllung des in der Interpellation außgebrüeften Wunsches für unmöglich halte, denn kein -Staat würde eine Bindung der Währungsfreiheit durch internationale Verträge gewähren. Weiter meinte der Minister, eine gleitende Scala, bie man landwirthschaftlichersettS vielfach wünsche, würde weder den Interessen der Landwirthschaft noch denen des Handels nützen. Schließlich wies der Minister auf die ewge- leitete Währungsenquete hin, welche hoffentlich die Mittel gegen die Schwankungen der Silberpreise gewähren werde. In der Debatte gaben die Conservativen deutlich ihre Unzu­friedenheit über die Antwort des Ministers zu erkennen- die Discussion hierüber wurde auch heute noch fortgesetzt.

Bei der Reichstagsstichwahl im oberschlesischen Wahlkreise N e u st a d t ist der polnisch-ultramontane Bauerngutsbesitzer Strzoda gegenüber dem offiziellen Centrums­candidaten Rittergutsbesitzer Deloch zum Abgeordneten gewählt worden.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 26. Januar. DerReichsanzeiger" tritt de« von derCorrespondenz des Bundes der Landwirthe" in

an, der io|ort etngeiuqn ivmuc u«u «...

blieb. Die Audienz dauerte eine Stunde. Nach Beendigung derselben wurden die Mitglieder der Botschaft vom Könige empfangen. Während der Audienz tauschte der König die freundschaftlichsten Versicherungen mit dem Botschafter auS. Um ZI/» Uhr begaben sich der Botschafter und die Mitglieder der Botschaft in den Hofwagen nach dem Palazzo Caffarelli

Versucher Reichstag.

86. Sitzung. Freitag den 26. Zanuar 1894.

Die Verlängerung des Handelsprovisoriums mit Spanten bis zum 31. März wird in erster und zweiter Lesung 6me666lfol8t erfie Setal6ung d-s Gesetzentwurfs bett. die Entn-bme von 67 Millionen Mark aus dem Jnvaltdenfonds zur Der. ftärkung der Betriebsfonds des Reiches. , ,

StaatSiecretär Graf Posadowsky: Der Jnvaltdenfonds sei über datz Bedürfnitz hinaus dotirt weshalb eS sich empfehle' den Fonds zur Ve>stärkuvg der Betriebsfonds des Reichs in An pruch zu nehmen. Soweit ein Bedürfnitz zu weiteren PenfionSerhohungm bestehe, könne demselben auS den Militärsonds Genüge Sefchehau Mtt den bisherigen Centralfonds sei das Reich bisher nur deshalb ausgekommen, weil Preutzen stets durch Pränumerandozahlung der Matricularbeiträge Vorschüsse geleistet Laut Dchrerben des W^sttzm Finanzmtntsters soll das künftig nid)t mehr ®?rr,bQe.

Vorlage abgelehnt, so mühten entweder die Matricularbeiträge in stärkeren Raten etngezogen oder Schatzbonds ausgegeben oder eine Anleihe ausgenommen werden. m r ...«s.»

Abg. Graf Oriola (natl.) stimmt der Vorlage nicht zu. DaS B denken des Abg. Richter, daß das EinnahmebewtlligungSr^ des Reichstags durch zu reichliche Ueberweisung von Betriebtzfonds ge^ schmälert werde, habe nur theoretischen Werth; andererseits könne man, so lange nicht feststehe, datz die Ansprüche der Infamen voll besliedigt werden, dem Jnvalidenfonds nicht 67 Millionenbesing entziebm. An den Fonds träten noch mehrere Forderungm heran, rote3 Erhöhung der V-rstümmelungszulagen, benutzung des Ctviloersorgungsschetns usw. Wir haben Öe«U < großen historischen Tag erlebt, einen Tag, der das Voll mit Freude erfüllt, einen Tag, der uns an die Vergangenhe t, «n u"sere grotzen Männer erinnert. Dies sollte unS auch an die ertnnnn, die m Gut und Blut für unser Vaterland eingetreten find. (Beifalls

Aba Fritzen (Gtr.) wünscht gleich alls die Beschastung von Betriebsfonds auf "dem Anlelbewege nlchl, Hal aber in°nst^^L^ aeaen diese Vorlage. Der Jnvalidenfonds muffe in erster itnte feinen Zweckm efhallen bleiben Der Fonds betrage, jetzt noch 72 Millwnen; nach Annahme der B-rlag- wurden nur n°^^MtMonm übrig bleiben, mit denen die mannigfachen berechtigten wünsche nrcy b,,,l£ÄWfflriaefn«n7nnr»nf) thetli die Bedenken der Vorredner und wünscht insbesondere bk Anrechnung iwelet Krieg-iahre für 1870/M» Serbert (Soc.) wende, sich gleichfalls gegen die Vorl-ge und b7m«N dem Ab, Grafen Oriola gegenüber, daß das Volk dtt von dkekm ausgeforochenen Gefühle -nlahl.ch d-S heutigen Tage« nicht ^etle. die Budgeleammlffwn.

Daran"-t-d iie Nonelle ,nm UnterstübungSwobnf,»- aeiek in zweiter Lesung angenommen, nachdem Staatssecretär ? Bötticher die Zustimmung des Bundesraths zu den von der Com- mtsston beantragten Aenderuvgen In Aussicht gestellt.

Eine ausgedehnte Debatte entspinnt siw noch über die von der Commission beantragte Resolution betr. Einführung deS Unter- stützungswohnsitzgesetzeS in Elsah-Lothrtngen. ^,,»,,lbera Inatl 1

9 Für die Resolution traten bk Abg. W e b e r - Hetdelttrg (natl.) c (tlf <Soc) ein. wahrend die Abgg. Grober UNS

Spahn (Ctr.) sie bekämpstm und auch der Abg. Fritzen (Ctr.) ihr weaen ihrer zu schroffen Form widersprach

0 Die Resolution wurde schltehlich angenommen.

Montag: Reichsfinanzreform.

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Mzeiger.

Fürst Bismarck in Berlin.

So ist denn die Aussöhnung zwischen Kaiser Wilhelm II und dem genialen Baumeister des deutschen Reiche« durch diese Wiederbegegnnng zwischen mehrere Generale anwesend. MMZMWMMKMW Kanzler des neuen Reiches noch herrliche Früchte zum Wohle I ^butschlan ,, , 6od)rute worauf Fürst Bismarck

des ganzen deutschen Volkes und des Vaterlandes b'e^elQte! ®efllCitun8

werde. Mögen die frohen Hoffnungen und Erwartungen, welche alle Patrioten auf diesen Besuch des Altreichskanzlers am Kaiserhofe fetzen, in Erfüllung gehen, möge dieses Wieder­sehen zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck belebend und befruchtend auf die Weiterentwickelung unseres gesammten politischen Lebens einwirken! Wenn etwas geeignet erscheint, die allgemeine Genugthuung über eine derartige Wendung der Dinge noch zu erhöhen, so ist eS vielleicht der Umstand, datz dec Anstoß hierzu, die Entsendung des Flügeladjutanten Grafen Moltke nach Friedrichsruh, ganz der eigensten, persöu- lichen Initiative des Kaisers entsprungen ist, wie derReichs­anzeiger" jetzt mittheilt. Selbst der Reichskanzler Graf Caprivi erfuhr erst nach der Abreise des Grafen Moltke von

n der Becke & Marsily, Antw J. Bothof, Generalagent, Mainr. h. Fr. Schaaf, Giessen, Dieieir. II Klippstein in Langdorf.

Uri) 2,00 das Pfick

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_ Heb. Kraemer In Lich bei A-Bi; wH.ZimmerVD

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von M. 3.-, 3.60 und i' on 125unb 250

Frühstück erfdiienen auch die knfserlichen Prinzen bei dem Fürsten. Fürst Bismarck wurde zum Chef des Halber- städter Kürassier-Regiments ernannt. .

Diner geladenen Personen befand frch auch Herbert

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den senden Tag erfcheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Amtlichem The».

. Audienz empfangen. Der Ceremonienmetster Peruzzi holte den : Botschafter und das gesammte Botschaftsperfonal in drei i Galawagen mit einem Dorreiter aus dem Palazzo Caffarcllt ] nach dem Quirinal ab, in dessen innerem Hose dte Wachr- ! compagnie unter den Klängen der Kaiserhymne prasenttrte.

Der Ceremonienmeister Marchese Caüiano empfing den Bot- ; schafter an dem Fuße der großen Treppe, dte von einer ! doppelten Reihe Kürassiere in Paradeuniform besetzt war. ! Im Saal der Schweizer empfing den Botschafter der Groß- ! ceremonienmeister Graf Gianotti und geleitete ihn in den an den Thronsaal anstoßenden Saal, wo er ihm den Civil- und i Militärhafstaat des Königs vorstellte. Darauf trat Graf | Gianotti in den Thronfaal ein und meldete den Botschafter l an, der sofort eingeführt wurde und mit dem Könige allem