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27.10.1894 Zweites Blatt
 
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Rr. 252 Zweites Blatt.Samstag den 27. Oktober

1894

Der Hichencr Auzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag».

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folgenden Tag erscheinenden Nummer blS Lorin. 10 Uhr. ________

Nachrichten über

Zusammengestellt

den Laatenstand im Grotzherzogthum Hessen

UM die Mitte des Monats Oct ober 1894

bei der Großherzoglichen Oberen landwirthschaftlichen Behörde.

Provinzen

Note 1 =

- sehr

guter, 5

Saatenstand.

2 guter, 3 mittlerer, sehr geringer Stand.

4 =

geringer,

Ernteertrag in 100 kg pro ha

Ord.-Ni

und

Erhebungsbezirke.

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Som­mer-

Win­ter-

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Provinz Starkenburg.

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Provinz Oberhessen.

Kreis Alsfeld.......

Büdingen......

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Lauterbach......

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Provinz Rheinhessen. Landw. VereinSbezirk Alzey . .

Bingen - .

Flonheim .

Ingelheim.

, Mainz . .

Nieder-Olm

Oppenheim

, Osthosen

Pfeddersheim

Wöllstein .

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Worms

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Durchschnitt für Rheinhessen

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Durchschnitt für daS Großherzogihum

Bemerkungen: Die Ka ErhebungSbezirken der Provinz Oberl der Ungunst der Witterung hat auch noch sehr im Rückstand, sodaß Angab abgesehen werden mußte. Die Ernt find aber hinsichtlich der Quantität ir weiter sehr gelitten. Auch die Trau

- | - || - | - || 2,1 | - || 2,8 || 2 || 1,7

rioffelernte ist in den klimatisch günstiger gelegenen Landestheilen essen wegen der durch die häufigen Niederschläge veranlaßten Storunx )ie Bestellung der Wintersaaten sehr zu leiden, und die betreffenden en über den Stand nur ganz vereinzelt gemacht werden konnten und .ertrage an Weizen, Spelz und Gerste schwanken in den einzelnen n Allgemeinen befriedigend; dagegen bat die Qualität durch das a den reife läßt infolge der naßkalten Witterung viel zu wünschen ubr

3

beendet, en noch Arbeiten von der

Erhebu ußerorde. g.'

21,9 || 18,31| 22,4

während sie in einigen im Gange ist. Unter sind deshalb zum Theile Durchschnittsberechnung ngsbezirken beträchtlich, ntlich ungünstige Ernte-

Vermißtes.

* Frankfurt a. M., 25. October. In der landwirth- schaftlichen Halle wurde heute die Ausstellung für Koch- fünft, Heeresverpf legung und Volk ser nährung durch den Oberbürgermeister AdickeS in Anwesenheit der Kaiserin Friedrich, die daS Protectorat übernommen hat, eröffnet. Die Kaiserin kam mit ihrem Schwiegersöhne, mit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen, von Rumpen- heim und unternahm an besten Arm einen eingehenden Rund­gang durch die Ausstellung, die von 478 Ausstellern reich beschickt und geschmackvoll angeordnet ist.

* Berlin, 24. October. Die gemischte Deputation für die Einverleibung von Vororten entschied in der Schlußsitzung, den städt.Behörden die Einverleibung solgenderOrrschaften vorzu­schlagen: 1. Charlottenburg ohne Westend, 2. Schöneberg, 3. die Hasenheide, 4. Rixdorf, ferner Treptow, Stralau und Rum­melsburg und einen Theil von Lichtenberg bis Bahnhof Friedrichsberg.EinegenauereGrenzregulirungbleibtvorbehalten.

* Berlin, 25. October. Der Kaiser hat aus dem Dispositionsfonds 30000 Mark für d c katholische PiuS- kirche in Berlin überweisen lasten.

» Gera, 18. October. Im Februar 1891 gab die Psarrerstochter Schwalbe in Friesau einem Kinde daS Leben, das unter falschem Namen in ein auswärtiges Stan- desamtsregister eingetragen wurde. Herbeigeführtt wurde die falsche Eintragung durch das Zusammenwirken mehrerer Personen, die sämmtlich heute auf der Anklagebank saßen und verurtheilt wurden. Das Urtheil lautete für Mutter und Tochter Sch. auf je 4 Monate Gefängniß, für den Jäger Albert, den Vater des Kindes, auf 3 Monate, für seine Tante Schmitt auf 3, für die Frau Schütze auf 2 Monate.

* Mannheim, 25. October. Infolge des hohen Wellen schlages eines großen Schiffes kenterte ein mit drei Per­sonen besetztes Boot, wobei der 36jährige Winterkorn aus Oppau ertrank. Die beiden andern wurden gerettet.

* Rom, 25. October. Infolge des Genusses von faulem Fischfleisch ist der berühmte Geiger Professor Ehiostri in Florenz nebst Frau und Mutter gestorben. Sohn und Magd liegen schwer krank darnieder.

* Ein Xheiluehmer am TodeSritt von Mar8 la Tour ist dieser Tage in Sondershausen gestorben. Er hieß Heinrich Faust und war bei jenem heldenkühnen Ritt durch Granatsplitter in der Brust verwundet worden. Die noch in der Brust befindlichen Splitter hatten kürzlich einen Blut­sturz herbeigeführt, an besten Folgen dec tapfere mit dem Eisernen Kreuz geschmückte Veteran nun erlegen ist.

Fenilletsn.

Eine Hcirslh im vorigen Jahrhundert.

Aus dem Tagebuche einer alten Dame. Von L. He in au.

(1. Fortsetzung.)

Da sein Vater auch gestorben war, so wurde er mit zweiundzwanzig Jahren der Erbe eines bedeutenden Besitze­rn England- dies veranlaßte ihn aber trotzdem nicht, aus Frankreich, wo seine Mutter ihren beständigen Aufenthalt genommen, zurückzukehren.

Seltsame Gerüchte über sein lustiges Leben kamen uns von Zeit zu Zeit zu Ohren- es waren damals gefährliche Zeiten für junge Männer und befondeiS in Frankreich- jedoch waS für böse Dinge er auch that, Fama vergrößerte seine Schuld noch der Entfernung angemesten, die sie durch­eilte, während alles Gute, was er that^ und eS war dies gewiß nicht unbedeutend, wie ich jetzt überzeugt bin, auf dem Wege verloren ging und niemals mein Ohr erreichte.

Ich war zu der Zeit, von der ich jetzt erzähle, achtzehn Jahre alt und meine Freundin Anna Lingall, welche drei Jahre älter als ich war, hatte sich schon vor fünf Jahren mit Mr. Norword von Sontheole vermählt und besaß ein reizendes kleines Mädchen. Meine Tante Lady Weedon meinte, eS müsse irgend etwas, meine Vermählung betreffend, gethan werden, da Lord Lionel sich nicht blicken ließe, so sei ich dem Gerede der ganzen Umgegend auSgesetzt, und ob ich mich nicht um Rath an das Haupt der Familie, einen ent­fernten Verwandten, wenden wollte. Davon wollte ich aber nichts hören und erwiderte, ich wünschte ein Leben in religiöser Beschaulichkeit zu führen, zurückgezogen zu leben und den Armen Gutes zu thun- doch glaube ich nicht, wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, daß meine Gedanken so heilig waren, wie meine Worte, vielmehr wünschte ich heimlich, mich an meinem Gemahl zu rächen wegen feiner Vernachlässigung und dann erst daS heilige Leben zu beginnen, von dem ich sprach.

Um diese Zeit machte ich einen Besuch bei meiner Freundin MrS. Norword in London- sie war dort allein, während ihr Gatte nach dem Norden gereist war wegen einer Privat-Angelegenheit.

AlS sie sich entschloß, nach ihrem Hause in Wickham zurückzukehren, wo ihr kleines Mädchen sich befand, reisten wir zusammen und zwar unter dem Schutz einer bekannten Familie, welche auch diesen Weg nahm. Die letzte Nacht unserer Reise befanden wir uns in Lingminster, einer kleinen Stadt, dreißig Meilen von Wickham entfernt. Dort trennten wir uns von jener Familie, da unsere Wege verschiedene waren und es festgesetzt war, daß Mrs. Norwords eigener Wagen und Dienerschaft uns am nächsten Tage schon nach Hause führen sollte. Währenddeffen hatten wir Niemand bei uns als mein Mädchen Susanne, eine ruhige, stille Person- MrS. Norwords Dienerin war in London krank zurück­geblieben. Ich war niemals vorher in Langminfter gewesen und dachte wenig daran, dnß ^ich es bald unter seltsamen und traurigen Umständen Wiedersehen sollte.

An diesem Abend, als wir in unserem Zimmer zusammen waren, brachte der Wirth des Gasthofes, ein höflicher und angenehmer Mann, den Mrs. Norword kannte, die Meldung, daß ein Herr, der sich im Hause befände, um die Erlaubniß bäte, meiner Freundin, von deren Anwesenheit er gehört, einen Besuch zu machen. Meine Freundin fragte nach dem Namen des Fremden und als man ihr sagte, eS fei etn Mr. Pereivol Cooper, flüsterte fie mir zu:ES kann Niemand anders sein, als Lord Lionel Almington, Dein Gemahl, den ich unter diesem Namen in Südfrankreich, wo ich mit meiner Großmutter war, kennen gelernt- er war damals mit seinem Hofmeister auf der Rückreise von Italien und hatte aus ver­schiedenen Gründen in diesen unruhigen Ländern einen anderen Namen angenommen."

Cooper war außerdem einer seiner Familiennamen und Lionel Pereivol sein Taufname- trotzdem konnte ich kaum glauben, daß er selbst eS war, der uns auf fo unerwartete Weise begegnete. Meine Freundin war nicht so sehr über­

rascht und sagte dem Wirthe, sie wolle den Herrn unten sehen- darauf schloß sie die Thür und so hatten wir nun Zeit, uns auszusprechen. Sie fing jetzt herzlich an zu lachen und sagte:Nun bist Du gefangen, mein kleiner Wander­vogel!" Als sie aber bemerkte, daß Ueberraschung und Aerger mir die Thränen in die Augen brachten, bat fie freundlich, ihren Scherz nicht mißverstehen zu wollen und fragte, was sie in dieser Angelegenheit thun solle.

Jetzt verlieh ich aber meinem Aerger gegen meinen Gemahl Worte und meinte, es sei unzweifelhaft feine Ab- sicht, mich unter falschem Namen kennen zu lernen und dann fortzugehen, wenn ich ihm nickt gefiele und ebenso thöricht wäre wie früher, waS ich ihm zwar, wenn ich gerecht ge­wesen wäre, durchaus nicht hätte verdenken können.

Glaube mir, er hat nur die Absicht, mich weiter zu demüthigen und mich dem Gelächter Aller preiszugeben, darum kommt er unter einem anderen Namen und ohne vorher eine Mittheilung zu macken."

Nun gut," sagte Anna,der Zufall hat ihn jetzt in Deine Hand gegeben und Du kannst ihm jetzt denselben Streich spielen, den er vielleicht beabsichtigt hat- während ich in dem Salon mit ihm spreche, kannst Du ihn aus dem Nebenzimmer genau betrachten und wenn Du ihn nicht magst, dann reist Du schnell nach Hause und theilft ihm schriftlich Deinen Entschluß mit. Vielleicht hat er Dir aber doch fein Kommen angezeigt und Lady Weedon hat es unterlassen, Dir den Brief zu senden."

Ich hatte aber die Absicht, meinen Gemahl zu sprechen und genau kennen zu lernen, und ließ daher meine Freundin geloben, ihm nicht zu entdecken, daß ich sein Weib sei, wenigstens so lange nicht, bis ich ihr die Erlaubniß dazu gäbe. Im Hause wußte Niemand meinen Namen und meine Dienerin war gewöhnt, jeden meiner Befehle ohne Widerrede zu befolgen.

(Fortsetzung folgt.)