Ausgabe 
27.6.1894 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1894

Mittwoch den 27. Juni

BikNrljäbrii'r

Aenerat-Wrzeiger

und Anzeigeblatt für den Areis iliiefzen

die Gedächtnißfeier für die in jenen Schlachten gefallenen I rüder Frankreichs in diesen für die Republik so Prüfung». Krieger der beiderseitigen Armeen vor sich. Bel der Feier reichen Tagen mu fester Hand zu führen, und die ernsten ° O . .'pr j.___ c> A\e h nA hl iitinr (Vi rtflinn

die

3 0

6

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

MtOst-

1894.

Mhle.

tffleW*

in Solferino trug der Priester cm von der französischen Regierung gespendetes Meßgewand. Zahlreiche Vereine und eine große Zuschauermenge wohnten dem pietätvollen Acte bei. Am gleichen Tage sand ferner in Vlllafranca die Ent- hüllung des DenkmalcS für den Herzog Amadeus, den Bruder des Königs Humbert, statt, unter Teilnahme des Herzogs von Aosta, des Grafen von Turin, des österretchisch.ungarischen Militärattaches Obersten v. Patt, sowie vieler Krieger- und Arbeitervereine. Auch der Präsect von Verona, Sormani- Moretti, welcher in der Schlacht von Custozza mitgekämpft und dem verwundeten Herzog Amadeus Beistand geleistet hatte, war zugegen. Oberst v. Poft legte Namens des Maria-Theresia Ordens einen Kranz am Denkmale nieder. Aus die Enthüllung des Denkmales folgte eine Gedächrniß feierlichkeit für die Gefallenen von Custozza im Bcinhause bei Custozza, wobei zwei vom Maria Theresia-Orden ge- widmete Tafeln mit den Namen der in den beiden Schlachten von Custozza 1848 und 1866 gefallenen österreichischen Offnere enthüllt wurden. Zwei Batailloue erwiesen die militärischen

Ehren.

Der gegenwärtige Antrittsbesuch des Königs Alexander von Serbien beim Sultan in Constantinopel soll zwar nach den Versicherungen der Belgrader Osficiösen nicht die geringste politische Bedeutung besitzen, in Wiener, Berliner u. s. w. diplomatischen Kreisen glaubt man aber nicht recht an den behaupteten völlig privaten Character des Erscheinens des jugendlichen Serbenfürsten in Stambul. Man neigt vielmehr eher der Ansicht zu, daß dieser Besuch dazu bestimmt sei, der neuerdings wieder hervorgetretenenEntente" zwilchen der Pforte und Bulgarien möglichst entgegenzutreten und daher den bulgarischen Einflüssen bei der Pforte nach Kräften ent gegenzuwirken. Es heißt, die leitenden serbischen Politiker rechneten namentlich deshalb aus einen gereiften Erfolg dieser Bemühungen, weil in Constantinopel wegen des Sturzes StambuloftS eine leichte Verstimmung hervorgetreten sein soll.

Die Schreckensthat von Lyon hat begreiflicher Weise im ganzen Lande hochgradige Erregung und größte patriotische Entrüstung hervorgerufen, worüber zahlreiche Meldungen vorliegen. Der KriegSministcr Mercier ertheilte an sämmtltche CorpScommandanten den telegraphischen Befehl, ihre Truppen bereit zu halten. Der Senatspräsident hat in seiner Eigen» schäft als Präsident der Nationalversammlung die beiden Kammern zu einem Congreß für diesen Mittwoch Nachm trag einberufen, behufs Neuwahl deS Präsidenten der Republik. Hoffentlich wird der so schmählich htngemordete Carnot einen Staatsmann zum Nachfolger auf dem ersten Beamten­posten Frankreichs erhalten, welcher es versteht, daS Staats»

politischen Folgen adzuwenden, welche das blutige Ereigniß für das Land leicht haben könnte. Sadi Carnot, geb. 11. August 1837 zu Limoges, betrat 187 l die parlamentarische Laufbahn als Mitglied der Nationalversammlung für die Cöte d'Or. Später bekleidete er wiederholt verschiedene

98.00 71.68 3Ü0 33.8t

#8

215.00 166?0

U1J0 11380 8210

12220

l-Anstalt.

s 6 bis Abends on 6-12 W.

die Ichullageud

Uhr, Nachmittags von

ie bei dein Ab- Schwester und 1/ sowie für die igften Dank, irbliebenen

V.

Bring,rlodn.

Durch dir Poft drzogr» 2 Mark 50 Pfg.

Rebamon. itrvfbmor und Druckrrri: $ <6 n f fl r » k r Ar.7.

Frrnsplrchcr 51.

i

Äcl.

4S*

9?r. 147 Zweites Blatt

sich erklärte, da konnte sie nicht zweifeln, daß er sie auch mit ganzer Seele liebe. Und hätte sie auch noch zweifeln können, wo das erfahrene Auge der Mutter bestätigte, was ihr das Herz zuflüsterte? Anna hatte in diesem Punkte fern Geheimntß vor ihrer Mutter, weil diese ihre Neigung für den Attachö nicht nur billigte, sondern auch noch anfachte. Nach jedem früheren Besuch deS Attache schloß diese sie mit strahlenden Blicken in die Arme und nannte sie ihr goldiges, herziges Glückskind.

Anna plauderte noch mit ihrer Mutter und hatte neben dieser etwas ungemein Fesselndes in ihrer Erscheinung, alS eine rasch vorbeifahrende Equipage die Aufmerksamkeit der

Deutsche» Reich.

Berlin, 25. Juni. Die Stichwahl im ReichS- tagSwahlkreise ElmShorn-Pinneberg hat den Sieg des Socialdemokraten v. Elm gegenüber dem National» liberalen Mohr mit einer Mehrheit von ca. 400 Stimmen ergeben. Bei der Hauptwahl besaßen die drei Candidaten der bürgerlichen Parteien zusammen ca. 1700 Stimmen mehr als der Candidat der Socialdemokratie, es durfte daher mit einiger Zuversicht auf die Wahl Mohrs bei der engeren Entscheidung gerechnet werden. Dieselbe ist nun jedoch zu Gunsten des Socialdemokraten ausgefallen- entweder haben die Socialdemokraten doch noch über Reserven verfügt, oder die Wähler aus den bürgerlichen Parteien sind nicht fämmtlich für den nationalliberalen Candidaten cingetretcn, vielleicht muß auch beiden Umständen zugleich der schließliche Sieg des focialistischen Candidaten zugeschrieben werden. Jedenfalls zieht mit Herrn v. Elm der 46. Socialdemokrat in den Reichstag ein, sodaß die socialistische Reichstagssracnon in ihren Stärkeverhältnissen der nationalliberalen Fraction (52 Mitglieder) immer näher kommt. Wer weiß, welche Erfolge dann die nächsten allgemeinen Reichstagswahlen den Socialdemokraten noch bringen!

Aurland.

Budapest, 25. Juni. Die im Kampfe um das Civil» ehegefetz unterlegene clericale Partei Ungarns will jetzt an den Kaiser und König appelliren. Es verlautet, daß die ungarischen Clericalen eine Deputation an den Monarchen abzusenden beabsichtigen, um ihn zu. bewegen, dem von beiden Häusern des ungarischen Parlaments definitiv angenommenen Gesetz die Sanction zu verweigern. Das würde aber gewiß ein vergebliches Bemühen sein, wenn man sich erinnert, daß ja Kaiser Franz Josef überhaupt erst seine Zustimmung geben mußte, ehe der Ministerpräsident Dr. Wekerle die Civilehe» Borlage im Parlamente einbringen konnte, und wenn man sich ferner die Thatsache vor Augen hält, welch corrcctcn unb durchaus conftitutionellen Standpunkt der erlauchte Monarch in der ganzen Frage eingenommen tat. Zunächst bekommen aber die liberalen Magnaten, welche im ungarischen Oberhaufe für die Civilebe Vorlage stimmten, den Zorn der römischen Curie wegen ihres Verhaltens zu fühlen, denn sie sind, wie der PesterMagyar Allam" zu melden weiß, fämmtlich excommunicin worden.

Eine würdige D opp e l g e den k f e ier hat am Sonntag auf italienischer Erde ftatrgefunben. Am genannten Tage ging in Solferino und Martino, bekannt burch bie blutigen Entscheibungskämpfe im italienischen Felbzuge vom Jahre 1859,

ministerielle Poften, würbe bann neuerdings in die Deputieren- kammer gewählt und im Jahre 1887 von den als Congreß conftitutrten beiden Kammern zum Präsidenten der Republik mit großer Mehrheit gewählt, an Stelle des unfreiwillig zurückgetretenen Grcvy.

London, 25. Juni. Die Herzogin von York, bie Gemahlin bes künftigen englischen Thronerben, ist von einem Sohne entbunden worben. In allen patriotischen Kreisen bes englischen Volkes hat man biese Nachricht mit degreisticher Freude ausgenommen.

'N

M W MtMUi ta Mise geftört dienen zu können.

ilser

Handlung

11.

hoben

gar*

^nuev

Mehr.

8-/, Uhr.

Gratisbeilage: chießener Aamikienblätter.

Der Hlchener Auzeiger erfdjemt täglich, mit Ausnahme deS Montag»

Die Bießener Aa mitten b ratter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.

Mutter. .

Ein hochgewachsener, stattlicher Mann, schwarz und elegant gekleidet, sprang au6 dem Wagen und eilte fügend, lich leicht die zu der Parterrewohnung führenden Stufen empor.^a, u butter,nun fasse Dich,

mein Kind!" m

Da war der Attachv schon eingetreten, reichte Mutter und Tochter mit unverkennbarer Herzlichkeit die Hand und in seinen großen, sonnenklaren Augen lag ein solches Ver­trauen, eine so innige Freude über daS Wieder,eher., datz Frau v. Adlar neidisch hätte werben können auf den wie ctn KriegSgott gewachsenen Mann, der ihr heute enbgtlng die Tochter rauben würbe. _ _ . , -

Geh weiter, sonst wirb man Dich stogen. O, wie habe ich diesen electrisirenden, sinnigen Spruch deS MorseblumchenS liebgewonnen! Der Spruch macht kühn unb wer den Muth hat, kühn zu sein, hat auch den Muth, zu fragen, ^arf ich jetzt meine Verlobung proclamiren?"

.stsloealitäten. n^hattelttW-i-" edienang' INgsooll .

Der Attache hatte daS mit strahlenden Augen unb über­strömendem Herzen gesprochen.

Heinrich, so hast Du mein Tagebuch gelesen? Wer hat eS Dir gegeben? Ich glaubte, Du wärest verreist ge» wesen!" rief Anna, die bei der jähen Frage deS Attache unter ihrem Taschentuche die Hand auss Herz gepreßt hatte, al» fürchte sie, der laute Schlag desselben könne ihre tiefe Be» wegung verrathen.

Mutter, haft Du mir da» Tagebuch heimlich entnommen ? fuhr sie fort unb ihre Augen wanberten groß unb erweitert von der Mutter zum Attache.

Komm an mein Herz, meine Tochter, statt weiter zu fragen, und laß nicht statt Freude und Glück wieder Wolken Deine Stirn beschatten," sagte Frau v. Ablar und schloß die Tochter in ihre Arme.

Hier, nehmen Sie sie bin, Herr Attache, unb Glück und Segen sei mit Luch beiden!" fuhr sie fort und überreichte Herrn v. Wormstall die süße Bürde.

Sein Arm legte sich um ihre Taille, sein Odem tireiftc ihre Wange und in dem Augenblick traf ein Kuß ihr Ohr, der für den Mund bestimmt gewesen, den sie aber durch eine Biegung deS KapfeS abgelenkt hatte. Dieser Kuß brannte noch lange aus der Stelle, wo er getroffen- es war em süßer, entzückender Brand, der ihr mehr als Worte be» krästtgte, daß Heinrich bald ihr Gatte sein und in Liebe und Zärtlichkeit für sie leben unb wirken werbe.

Vermiete*.

* lobt ober lebenbig ? Man schreibt derFrks. Ztg " auS Pans vom 20. bS.: Auf Montmartre macht gegen roärtig eine tragikomische Geschichte die Runde. Die Frau eines Arbeiters kam nieder unb die Hebamme theilte seuchten Auges dem Vater mit, der junge Weltbürger sei verschieden, ehe er das Tageslicht erblickte. Der betrübte Papa mußte daS traurige Ereigniß auf dem StandeSamte melden uno suchte dann mit seinen zwei Zeugen seinen Kummer bei dem nächsten marchaud de vin zu ertränken, waS ihm nach einiger tlnftrcngung und etlichen Gläschen auch gelang. Ganz ge- tröstet kehrte er nach Hause zurück und siehe da: fein tobt» geglaubter Sprößling lebte. Dtc gute Hebamme hatte den Scheintodten geweckt. Selbstverständlich mußte der Papa da» unverhoffte Glück dem SiandcSbeamten mittheilen und mit feinen Zeugen durch mehrere neue Gläschen vor dem Zink- tifche feiern. Gehobenen Herzens trat er diesmal den Heimweg an, allein zu Hause angelangt, erfuhr er, daß sein Sohn e» sich wieder anders überlegt und inzwischen daS Zeitliche gesegnet hatte. Nun folgte ein dritter Gang nach der Mairie, deren Beamte ob den mehrfachen Aenderungen recht ungehalten waren. S:e wollten zuerst noch 24 Stunden warten, um zu sehen, ob es diesmal bet der Todesanzeige fein Bewenden haben würde. Der unglücklich-glücklich unglückliche Vater war aber trotz den neuenpetits verres nicht zu trösten und verlegte deshalb bie Fortsetzung bes Trinken» auf heute. Dec Maire, ben man von bem Vorfälle in Kennmiß gesetzt hatte, glaubte zuerst an einen schlechten Scherz, allein die Untersuchung ergab, baß bie Dinge sich in Wirklichkeit so zugetragen hatten, wie der schwergeprüfte Ehemann gemeldet.

An Morse» Geburtstag führte Herr von Wormnall dasMorseblümchen" zum Altar unb unter den Hochzett»- gästen war einer der heitersten und liebtnSreürbigften Prs» feftor Ende.

e Qualitäten, in inalfifosern und 'm Anbruch Meters weg M. SÄn w ich, MrSweg.

, 1U 45 Pfennig und die- rje

Feuilleton.

Dss Morseblümchen.

Novellette von Friedrich Bucker. (Schluß.) .

Aber er bedarf," entgegnete die Tochter, indem ihr das Blut in die Wangen stieg und ein glückliches Lächeln auf ihren Lippen lag, er bedarf einer ordnenden Hand in seinem Haushalt, einer Hand, die ihm die Sorge aus der Stirn streicht, die ihm eine Häuslichkeit Heb und werth

Aber ^b, er hat es mir doch gestanden, daß ihn -ine liebende Hand am häuslichen Herde niemals glücklich zu machen vermag. Er fühlt sich beengt in den vier Pfählen eines FarnttienzimmerS. Sein häuslicher Herd ist ihm dte Welt. Nur ein neuer Triumph, eine neue Erfindung, di Ausbreitung des Morse Telegraphen bis an der Welt Ende vermag ihm die Sorgen zu scheuchen. Von dem geheimen Zauber, den eine Gattin an ihm auszuüben vermochte, will

JO, wie Du doch im Grunde Recht hast, Du Herzens­gute," rief Anna unb umarmte ihre Mutter.

auch nur so gesprochen, weil ich das Doppelleben, ein Leben des Glückes und der Hoffnung und eines der Ungst und Sorge nicht länger ertragen kann. Der stete Wechsel zwtsch 15 und Hoffnung in der letzten Zeit würde mich aufgerieben baben, wenn die Größe meiner Liebe zu Heinrich nicht wie ein Lebenswecker bei mir gewirkt hätte."

Die Tochter hatte wahr gesprochen. Diese Liebe war mit der immer deutlicher zu Tage getretenen ^genneigung des Attache gewachsen. Jeder seiner ftuheren Besuche hatte ihr eine zarte Aufmerksamkeit gebracht; nur ihr hatten m Gesellschaften seine Huldigungen gegolten, nur ihr folgten ferne Blicke. Und als er dann nach allen ben Auszeichnungen

(stichener Anzeiger

beiben Frauen erregte.

Heinrich!" rief Anna, unb senkte, bis unter Haarlocken hinauf erröthend, das Köpfchen an die Brust der