Ausgabe 
27.2.1894 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag den 27. Februar

Nr. 48 Erstes Blatt

1894

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gietzen

den

lörft.

n üom 16. IL 23.,U.

2850

28.35

68.10

65 50

4t.-

imd.

M

*'

135.25

93.70

104.80

162.15

8590

Itaflton

86.-

103 30 '»>"

85.60

85 SO

iS iS

46 HO 100A5

10275 97 80 62.16

101- 10125 79.10

10290

9805

6140

10085

10185

79.20

188.20

34650

138.30

94.20

74.80

IU555

28.80

«.95

63.30

9920

9920

62.05

71-

104 95

2380

8U.89 SsL-

bihn k L 1880r

ILD.

Ünl.

InL

5110 56- 9895

98.80

6510

Die (Uufjen.-r Aamisienvsäller tocrbtn twm Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Ter Kielsener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags

btrbtn o.

0. lolb .

<) i Uba Ziel.

Venedig und Monza reisen.

Petersburg. 24. Februar. Wie verlautet, will Rußland den Handelsvertrag mit Italien kündigen, weil die Einfuhrzölle auf Getreide Seitens der italienischen Re­gierung erhöht worden sind.

Paris, 24. Februar. Wie aus Villafranche hierher be­richtet wird, wird der Kaiser von Oesterreich bis zum Ende dieses Monats daselbst erwartet. Auf seiner Reue wird der Kaiser französisches Gebiet nicht berühren.

Marseille, 24. Februar. Heute Nacht wurde eine Bombe vor dem Polizeicommiffariat gefunden. Die Polizei beschlagnahmte bei einem Arbeiter mehrere Dynamit­patronen.

Bonbon, 24. Februar. Während des Begräbnisses BourdinS versuchte die sich in großer Zahl angesammclte Volksmenge die den Zug begleitenden Anarchisten zu ver­treiben und machte sich namentlich große Erregung gegen die ausländischen Anarchisten geltend. Die von der Beerdigung zurückkehrenden Anarchisten wurden mit Knütteln und Stein­würfen von der erregten Menge angegriffen. Die Ange­griffenen flüchteten in das Local des Autonomieclubs, die Verfolger zerschlugen die Fensterscheiben deS Clubgebäudes. Weitere Demonstrationen wurden durch daS Einschreiten der

Biertkljähriger AAoancmcntspreir:

2 Mark 20 Psg. mit

Lririgrrlohn.

Durch dir Post brzogrrr 2 Mark 50 Psg.

Äfbachon, Exprditioa und Druckern:

KLukarahc 7Hr.7.

Frrniprrchcr 51.

Deutscher Reich.

Berlin, 24. Februar. Der Kaiser überbrachte heute Morgen dem Reichskanzler persönlich seine Glückwünsche.

Berlin, 24. Februar. Bei der Gratulation, welche der Kaiser heute dem Reichskanzler anläßlich besten Geburts- , rages überbrachte, überreichte der Monarch ihm als Geburts- lagSgeschenk einen Humpen und zwei Pokale aus grünem 1 Glase, die für diesen Zweck nach den Intentionen des Kaisers : hergestellt wurden.

Berlin, 24. Februar. Die Budgetcommission des I Reichstags hat die Forderung für den Bau einer Kriegs­schule in Potsdam gestrichen.

Berlin, 24. Februar. Frau Dr. Prager, die vor etwa zwei Jahren in Gemeinschaft mit ihrem Bruder einen Mord­versuch gegen ihren Mann ausgeführt hatte und zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war, ist begnadigt worden.'

Berlin, 24. Februar. In der heutigen Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses gab Minister v. Berlepsch unter dem Beifall des Hauses die Erklärung ab, daß die Regierung die Umänderung der Schiedsgerichte bet der Alters- und JnvaliditätSversicherung wohlwollend in Er­wägung ziehen werde. Abg. Schenkendors befürwortete lebhaft eine Gehaltserhöhung der Lehrer der gewerblichen Schulen. Auf diese Anregung hin konnte Geh. Rath Lehnert die erfreu­liche Mittheilung machen, daß die Regierung sich mit der Durchführung der Gehaltsaufbesterung bereits beschäftige.

Berlin, 24. Februar. Die Abendgesellschaft, welche derMinisterpräsident des preußischen StaatSministeriums, Staatssekretär im Reichsschatzamt Dr. v. Bötticher, gestern gegeben hat, nahm einen anregenden Verlauf. Der Kaiser hatte daS Fest mit seiner Gegenwart beehrt und verweilte auf demselben einige Stunden bis 123/< Uhr. Vor Beginn der Tafel unterhielt er sich mit verschiedenen Herren. Nach Aufhebung der Tafel wurden Gruppen gebildet. Der Kaiser besprach mit einzelnen Herren die verschiedensten Themata, unter Anderem auch politische Fragen. Er äußerte sich in wohlwollendem Sinne über die Lage der Landwirthschaft, streifte mancherlei Punkte auf dem landwirthschaftlichen Ge­biete und betonte gleichzeitig die Nothwendigkeit der Annahme des deutsch-russischen Handelsvertrages. Wie dieKreuz- Zeitung" meldet, kam der Kaiser int Verlaufe der Unter» baltung mit den Ministern auch auf die Socialdemokratie zu sprechen. Nebenbei gab der Monarch der Meinung Ausdruck, daß die frühere gesetzliche Prügelstrafe doch sehr viele gute Consequenzen gehabt hätte. Wie daS Blatt ferner hört, fiel es allgemein auf, daß der Reichskanzler, mit dem der Kaiser nicht ganz so warm wie sonst zu verkehren schien, bereits nach 10 Uhr sich entfernte.

Berlin, 24. Februar. Die Budgetcommission des Reichstages lehnte heute die Forderung sür den Neubau des Gencralcommando-Gebäudes in Metz (erste Rate 14000Mk.) ab, strich ferner 2 Millionen an der Forderung für artille­ristische Zwecke, P/i Millionen an der Forderung sür Hand­waffen, sowie 2 Millionen an der Forderung für die artilleristische Ausrüstung neuer Befestigungen und die Der- befferung der artilleristischen Ausrüstung der wichtigeren Festungen. Bei mehreren Titeln des ordentlichen Etats wurden aus Antrag des Abg. Richter insgesammt 600000 Mk. gestrichen. Dte Berathung des preußischen Militäretats und des Epraordinariums des Militäretats ist nunmehr beendet.

Ausland.

Pari«, 24. Februar. Die Anklagekammer hat beschlossen, Emile Henry vor den Assisenhof der Seine zu stellen. Die Verhandlungen beginnen am 8. März. Da der Advokat Robert die Vertheidigung ablehnte, soll der Rechtsanwalt Hornbohl die Vertheidigung führen. Gestern wurden vier veitere Verhaftungen von Anarchisten vorgenommen. Die Polizei weigert sich, Namen zu nennen.

Paris, 24. Februar. Der Kriegsminister führte in der Armeecommission auS, daß Frankreich hinlänglich mit Locsmotiven und Transportmitteln versehen sei, um im Kriegsfall bei der Mobilmachung die Truppen in kürzester Zeit an ihren Bestimmungsort zu bringen. Deutschland.habe zwar eine große numerische Ueberlegenheit, doch brauche man sich in Frankreich deswegen keine Sorgen zu machen- die Grenze werde gut bewacht und im Angriffsfalle aufs tapferste vertheidigt werden. Die heutigen Morgenblätter drücken sämmtlich ihre Befriedigung über diese Erklärung aus.

Paris, 24. Februar. Die hiesige russische Botschaft hat Nachrichten erhalten, nach denen sich das Befinden des Ministers v. Giers etwas gebeffert haben soll.

dschld.- U.Ö

.'-Bvik-

fimbbr. do. ;81900

Alle Annoucm-Burcanx dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Polizei verhindert.

London, 24. Februar. Aus Rio de Janeiro wird ge­meldet, daß das JnsurgentenschiffMerkurie" von Batterien der Festung Pondo beschossen wurde. Infolge der Explosion des Dampfkessels soll daS Schiff gänzlich zertrümmert und mit den Matrosen gesunken sein. Nachrichten aus Valparaiso besagen, daß der Belagerungszustand in Chile, mit Ausnahme von Santiago, für die Zeit vom 26. Februar bis zum 6. März aufgehoben werden soll, um den Wahlen einen ungestörten Verlauf zu sichern.

Abbazia, 24. Februar. Der deutsche Kaiser hat auf drei Monate Arthur Renards prachtvolle neue Yacht Christable" gemietet, welche bereits Anfangs März nach Fiume abdampft. Für die Kaiserin, die mit großem Gesolge eintreffen soll, ist die Villa Angwlina gemietet worden. Außerdem ist für daS Gefolge ein Theil des Hotels Quernaro und die neue Villa Friedrich Schülers hergerichtet. Die Miether, weiche die Apartements bisher bewohnten, müssen diese bis zum 5. März räumen. Wie hier verlautet, wird der Czar, trotzdem thm die Aerzte große Schonung em­pfahlen und von jeder größeren Reise abriethen, doch noch nacy hier kommen und sollen bereits Umfragen wegen der Wohnungsräume stattgefunden haben. Die Kaiserin von ^Deutschland wird, wie eS heißt, von Abbazia nach

S* gSlä Dcent und m iimu, .Wen E gjlonat blnltt mSüL ' AM. Merl !* 8üt Glf: JS iibititjjjL ftÄ* da M täglich fttlattnbtn «Wen flnb lb! Junflfn b(Mg Neu- dsm W-ist-nd ba tagen matt aul blt M Wbt ittam ewn wtrbt.

Ubation bürflc sich lu :tn olftcltOrn Zusatz

Cocalt» unö Provinzielle-.

Hießen, den 26. Februar 1894.

Gas- und Wafferpreise. Auf die im heutigen Anzeiger veröffentlichte Bekanntmachung des Städtischen Gas- und Wasserwerks GaS- und Wasserpreise betreffend machen wir unsere geehrten Leser besonders aufmerksam und dürste sich die Aufbewahrung dieser Nummer empfehlen.

Concertverein. In einer früheren Notiz haben wir Ans über die Bedeutung des OratoriumsSamson", welches der Concertverein am Samstag den 3. März zur Aufführung bringt, ausgesprochen. Wir fügen diesem heute die Mittheilung zu, daß für die Solo parthien bedeutende Kräfte gewonnen sind. Diese SoliS sind von Händel zwar nicht ganz gleich- werth auSgestattet, verlangen aber alle besonders tüchtige Interpreten. Die Ult- und Baßparthien sind wohl die umfangreichsten, diesen schließen sich die Sopran- und Tenorparthien an, erstere, Michah und Manoah, werden durch Frau Geller und Herrn Müller, letztere, Dalila und Samson, durch Fräulein Dorothea Schmidt und Herrn Bormann ausgeführt werden. Frau Geller, die wir schon einmal hier hörten, ist eine der bedeutendsten Altistinnen der Gegenwart- genoß sie schon als Opern­sängerin allseitige Werthschätzung, so hat sich diese noch gesteigert, seitdem die Künstlerin, veranlaßt durch eineNeigungs- heirath, der Bühne Valet sagte und sich ganz dem Ora­torien- und Concertgesang widmete. Schon als Lledersängerin hat Frau Geller im Concertverein allgemeines Aufsehen erregt, sie wird daher in der gewaltigen Rolle der Michah, wo ihre coloffalen Stimmmittel so recht zur Geltung kommen, geradezu enthusiasmiren. Ebenso glücklich ist die Wahl für die SopranPar thi'e - Fräulein Schmidts wohllautiger Sopran hat den bestrickenden Reiz, der uns glauben läßt, daß Held Samson den Liebesschwüren dreier Circe einst vertraut hat. Würdig ihrer Partnerinnen schließen sich die Vertreter des Manoah und Samson an. Herr Adolf

Aro i3L85

s *- »8 102.S0 102.80

Müller (Baß) ist unS ein lieber Gast, den wir stets von Neuem gerne hören, und Herr Hör mann (Tenor) ist ein ebenso trefflicher Sänger, rote jener, für uns freilich neu, jedoch anderwärts bereits als erprobter Oratonrniänger be­kannt und geschätzt. Hinzufügen wollen wir noch, daß dem Concert am Tage vorher eine Hauptprobe vorangeht, in welcher daS Oratorium in ungeschmälerter Weise zu Gehör kommen wird, aber zu wesentlich ermäßigtem Preise. Für die Schüler und Schülerinnen der Lehranstalten, und zwar diesmal auch derer der Stadtschulen, ist in dankens- werther Weise sür einen ganz geringen Betrag der Ei- tritt ermöglicht, so daß dieses hehre kirchliche Musikdrama in alle Kreise getragen werden wird.

* Kammermusik. Der vierte Kammermusikabend in der Loge findet nunmehr bestimmt am Dienstag den 27. d. M., Abends 7*/2 Uhr statt. Da Herr Polster durch Heiserkeit am Singen verhindert ist, so werden an Stelle der angemeldeten Lieder Variationen für Streichquartett von Beethoven zum Vortrag gelangen.

* Akademische Nachrichten. Der an Stelle des ver­storbenen ordentlichen Professors Lellmann an d'e Universität Gießen berufene Chemiker Professor Carl ElbS in Frei- bürg i. B. wird seine Thätigkeit Hierselbst im nächsten Semester beginnen. Professor Elbs hat sich durch seine wissensch.st- lichen Leistungen unter seinen Fachgenossen einen geacht.ten Namen erworben. Er veröffentlichte u. A.:Beiträge zur Kenntniß des Amarins"-Beiträge zur Kenntniß deS Chlor­pikrins"-Die synthetischen DarstellungSmethoden der Kohlenstoffverbindungen" Bd. I 1889, Bd. II 1893 -Die Accumulatoren. Eine gemeinfaßliche Darlegung threr Wirkungsweise, Leistung und Behandlung" 1893. Außerdem, veröffentlichte Elbs eine Anzahl kleinerer Abhandlungen in denBerichten der deutschen chemischen Gesellschaft in Berlm". Von größeren Abhandlungen imJournal für praktische Chemie" seien erwähnt,:Beiträge zur Kenntniß aromatischer Ketone"-Beiträge zur Kenntniß der Homologen des Anthra- cens und Anthrachinons" -Utber die Abkömmlinge beS Diphenyltrichloräthans und ihre Umwandlung in Stilbene." Kleinere Veröffentlichungen, meist electrochemischen Inhalts, finden wir ebenda. In derChemiker-Zeitung" erschien 1893 ein AufsatzHeber die zweckmäßigste ElectricitätSquelle für chemische Laboratorien". Auch einige kleinere Mittheilungen aus dem Gebiete der Elektrolyse sind daselbst niedergelegt.

** Zaristisches. Der nächste Vortrag für Gerichtö- acceffiftcn wird Dienstag, den 27. Februar, Abends 5 Uhr im Justizgebäude dahier von Herrn Landgerichtsrath Dr. Linkenheld gehalten werden und zwar über:DaS Verfahren in Nachlaßsachen, insbesondere über Jnventar- errichtung."

* Parlamentarisches. Der Gesetzgebungs-Ausschuß hat die Wahlen der Socialdemokraten Cramer (Offenbach-Land) und Orbig (Gießen-Land) für ungültig erklärt. Für beide Wahlkreise werden jedenfalls durch Beschluß der Stände- kammer Neuwahlen angeordnet.

» Die vom nationalliberalen Verein auf gestern Abend in das ,,Hotel Einhorn" einberufene Versammlung eröffnete der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath Dr. <54 äf er, mit einer Ansprache, in welcher er mittheilte, daß die Wahl deS Herrn Orbig im Ausschuß deS Landtags für ungültig erklärt fei, sodaß eine Neuwahl bevorstehe, sowie daß der Vorstand eine Feier von Bismarcks Geburtstag beschloffen habe, hierauf sprach Herr Generalsekretär C. Patzig auS Berlin über diepolitische Lage". Der Redner skizzirte im Großen und Ganzen die Ausgaben der Nationalliberalen Partei, zunächst diejenigen, welche aus der Annahme der Militärvorlage tm vorigen Jahre entstanden sind. Er constatirte hierbei, daß eine rechte Befriedigung über das Zustandekommen der Militärvorlage eigentlich bet keiner Partei aufgekommen sei, man habe zu derselben zu vielerlei kleine Gruppen gebrascht, auch habe die Mehrheit der Wähler nicht hinter der Vorlage gestanden. ES handele sich heute mehr wie je darum, die Errungenschaften der Jahre 1867 bis 1871 zu vertheidigen gegen äußere und innere Feinde, die Verhältnisse seien heute derart, daß die offenen Gegner des ReichSgedankenS, Anhänger SiglS in Bayern, Welfen, Polen, als solche erkannt werden müßten. Die Elemente, die die großen Errungenschaften erhalten und auSbauen sollten, seien im Parla- mente in der Minderheit, im Lande zerworfen, in Apathie und Pessimismus versunken. An Stelle deS früheren starken Reichsregiments stünden Personen, die wenig mite nander harmonirten, eS herrsche Verärgerung und Verstimmung be­sonders auch über die nicht befriedigende Finanzpolitik, über die man bei Behandlung der Militärvorlage zu rasch hinweg-

kl912

Nb stelle

imliit thltn Jungen

DS«

Kflben1uS(n e. gr uh

nßO. 1200.76 201% 154.- 155 -

' ' . ! 82.60 77.60

7 Oratisbeikage: chießener AamiÜenökätter.

: ä tf. 'S"

।198,5

* 8t5_

>siil