dass unsere liebe
755
ebenen er.
ückeswagen
d Frau geb, Troost.
745
n s. )et
, uub Marim-ZtttisS
tbends 8 Uf>r.
WKH«» Derjlorstand^_
Danksagung-
n einer Mnnn ßjd)t^eUi ttttn nbucfl/ b hxsttgen Ech^ lvden ®ar- «Jf ^.schwüre aul k Ät MngroS-Sl-» baut ein, ’X jrW £MÄ**"* MZS'L
; w *r’*'1
11 esSSw***1;
0
«94
Nr. 22 Zweites Blatt. Samstaq 27. Januar
Der Otthoer -n»eiger erscheint täglich, mit Au-nahme de« Montags
Die Gießener A-mitieaösLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Meßmer Anzeig er
Kenerat-A!nzeiger.
Lietteljähriger ASounemeutspreisi 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.
Redaction, E^pediti« und Druckerei:
SchulÜrahe Ar.7. Fernsprecher 6L
Aints- und Anzeigeblatt für den Tkreis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi- Borin. 10 Uhr.
Gratisbeilage: Gießener Kamilienblätter. |
Alle Annovcen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtliche»» TKeil.
Gießen, den 24. Januar 1894.
Setr.: Die Ausführung der Landesfeuerlöfchordr.ung; hier das Abonnement auf die hessische Feuerwehrzeitung.
DaS Grobherzogliche Kreisamt Gießen
en die Grs-H. BftrgmtidfUreW* des Atdfei.
Die in Büdingen erscheinende Feuerwehrzeitung bringt Aufsätze und Belehrungen, welche für die Mitglieder der euenvehren, namentlich für die Eommandanten, recht nützlich End. Denjenigen von Ihnen, welche diese Zeitung bisher iroch nicht gehalten haben, empfehlen wir daher wiederholt H6 Abonnement (halbjährlich 2,50 Mk.) zum Nutzen Ihrer Feuerwehren.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, Mfc Herr Landwirthschastslehrer Leithiger von Alsfeld
1. Sonntag den 4. Februar 1894, Nachmittags 3 Uhr, :»nen Vortrag im „Englischen Hof" zu Grünberg über ta« Thema: „Welche Ansichten haben sich in den letzten fahren auf dem Gebiete der Rindviehzucht Geltung verschafft."
2. Sonntag den 18. Februar l. I., Nachmittags 2 Uhr, (inen Vortrag in dem Saale des Herrn Wirths Theiß zu AVeitershain über Bodenbearbeitung und Kartoffelbau,
3. Sonntag den 4. März l. I., Nachmittags 3 Uhr, ei nen Vortrag in dem Saale des Herrn Wirths Konr. Weil III. z« Laug-Göns über Gründung einer Zuchtgenoffenschaft z»r Zucht des Simmenthaler Viehes,
4. Sonntag den 11. März l. I., Nachmittags 3 Uhr, eintn Vortrag im „Englischen Hof" zu Grünberg über r lUterbau auf dem Ackerlande,
5. Samstag den 17. März l. I., Abends 7 Uhr, einen Vortrag in dem Saale des Herrn Wirths Heiland zu Lich liier die Anwendung künstlicher Dungmittel, halten wird.
Alle Mitglieder des landwirthfchaftlichen Vereins, der landwirthschaftlichen Localvereine, sowie alle Freunde der Llmdwirthschaft werden zu diesen Vorträgen hierdurch freundlichst ^geladen.
Die Herren Bürgermeister der vorgenannten und der j diesen benachbarten Gemeinden werden ergebens! ersucht, diese j Bekanntmachung zur Kenntniß der Landwirthe in ihren | Gemeinden zu bringen und auf möglichst zahlreichen Besuch der Vorträge hinzuwirken. i
Gießen, den 23. Januar 1894.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereines Gießen. _________________________Jost.__________________________
Bekanntmachung,
betreffend den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.
Nachdem die neue Polizeiverordnung vom 13. December v. Js. in Kraft getreten, ziehen wir die auf Grund der früheren, nunmehr nicht mehr zu Recht bestehenden Polizei Verordnung von uns ertheilte Erlaubniß zum Befahren dec inneren Theile der Stadt Gießen zurück. Neuere Gesuche um Ertheilung dieser Erlaubniß find bei uns schriftlich mit Gründen versehen, einzureichen.
Gießen, den 24. Januar 1894.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Vermischtes.
* Ei« neuer BetaubungSapparal für Schlachtvieh wurde kürzlich im Erfurter Schlachthause erprobt. Diese von : einem Schweizer Patronensabrikanten erfundene kleine Maschine ■ lehnt sich an das Syüem der Schlachtmaske an, nur mit dem ; Unterschiede, daß hier an Stelle des Bolzens eine Patrone tritt, welche am Kopfe einer Röhre sitzt und durch einen ! leichten Schlag mit einem Holzhammer entzündet wird. Die . säst ohne Knall explodirende Ladung treibt das Stahlgesckoß ; in den Kops des Thieres, welches rote vom Blitz getroffen \ niederstürzt. Zweifellos hat der neue Apparat eine bedeu- i tende Zukunft, denn er ermöglicht die Betäubung schmerzlos ' und sicher und erspart dem Thiere alle Qualen. i
Landwirthschastliche Winke und Kathschlage.
V. Vom westlichen Nutze deS BogelSbergeS, Mitte Januar. \ In dm Nrn. 290 (erstes Blatt) und 303 (zweites Blati) Ihrer Zeitung haben Sie aus dlrjentgen Punkte bingemteskn, wo der obrrhessische Landwirth ansetzen muß, um solche Nothstände, wie sie das Jahr 1893 •
bracdte, zu verhwdcrn. Wir muffen noch Einiges btnzuiügen, um die Sache gründlich durchzuarbeiten. Hierher gebört die Grün düugung und der Bau von Zwischenpstanzen. lieber bte Gründüngung brachte der „Gießener Anrelger" tm vorigen Jahre eine ganze Reihe von Aussätzen, wo alles genau und sachlich dar- gestellt ist. Schreiber dieser Zeilen hat im vergangenen Sommer eine Probe gemacht, welche ausgezeichnet aus fiel und zwar folgendermaßen: Sobald die Halmfrucht abgemLht, wurden dir Stoppeläcker umgebrochen und mit Erbsen eingeiät. Das seuchtwarme Wetter Ende Juli broch'e die Erbsen rasch zum Keimen und Ausgehen. Sie standen dicht wie ein Pelz, wuchsen üppig empor und wurden >-liefet anderthalb Meter lang. Vorher schon fütterten wir die Erbsen, welche in halber Hohe abgemäbt wurden, so daß auch noch genügende Massen für die Düngung des Grundstücks zurück blieben. Wir hatte» bis lange nach Martinstag grünes Futter; wir machten eine große Grube voll ein, indem wir die Erbsen mit Gras, Dickwurzelblätter , Zuckerrüben- und Weißrübenköpfen zusammenstampstcn und haben dabei «irrige gut gedüngte Aecker, welche tm nächsten Frühjahr mit Kartoffeln bepflanzt werden. Die Grube mit dem eingemachten Grünsutter wird etwa in Monatsfrist zur Berfütterrmg kommen. Hätten wir das Grünsutter im September und October nicht gebraucht, so wäre die Gründüngungsmasse noch viel größer geworden und man hätte sie auf den Steckern selbst fast nicht alle unterbringen können. Aus diesem practrschen Beispiele ergiebt sich, daß mit der Gründüngung und der Zwischencultur ein Zweifaches gewonnen wird: Hutter und Dungstoste. Hat man von ersterem genug, dann benutzt man die ganze Grünmasse zum Düngen. Ist Bedürfniß für Futter vorhanden, so verbraucht man es, spart ein großes Stück Geld und behält dabei immer noch ein wohlgedüngtes Giundstück. Da der Acker abtr bereits eine Halmfruchternte gebracht hat, so liefert er mit Zuhilfenahme der Gründüngung und Zw'schencultur anderthalb «rnten und einen wohlvorbereiteten Hackfruchtacker für das rrüchste Jahr.
Literatur nnd Annst.
— St« Poetenwiukel am Sthei«. Wer kennt nicht das Wirthshaus „Zur Krone" zu Aßmannshausen, jene allbeliebte Stätte, die auch der eiligste Rheintourist nicht unbesucht läßt. Und wen» ihm das Glück hold ist, so trifft er dort den einen ober ander« deutschen Dichter an, der aus dem im Römer funkelnden Weine ne«e Begeisterung für die edle Sangeskunst schöpft. Ein solche interessante Scene hat Fritz Gehrke in seinem Bilde: Aßmannshausen, ein Poetenwinkel am Rheine, festgebalten, das das soeben zur Ausgabe gelangte erste Heft des neuen Jahrgangs der Galonaus» gäbe von Zur Guten Stunde (Berl'n W. 57, Deutsches Ver- lagöhaus Bong u. Co., Preis des Heftes 60 Psg.) schmückt.
SfiihWt
direkt au8 der Fabrik also aul erster Hand v von Elten & Keussen, Crefeld, io jedem Maaß au beziehe». Man verlange Muster mit Angabe del Gewünschte».
Feuilleton.
Frsnkfarter Theaterbrief.
(Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
(Nachdruck verboten.) Eleonore Düse in Frankfurt a. M.
Dr. M. Eleonore Düse bedeutet bereits ein besonderes Copitel in der Geschichte der Schauspielkunst. Das Lessing'sche Epigramm, daS der Verfasser der „Hamburger Dramaturgie" ühiem Schauspieler widmet: Kunst und Natur sei auf der Bühne Eines nur; wenn Kunst sich in Natur verwandelt, Haan hat Natur mit Kunst gehandelt" — es ist viel nachte sprachen und nachgeschrieben worden, aber seine Erfüllung bat man sehr, sehr selten erlebt. Wir glauben, diese Erfüllung »er auch erst möglich, als im Publikum der Resonanzboden für eine solche natürliche Kunst sich bildete. Was hätte man otit dieser Einfachheit in den Tagen der „Rachel" angefangen?! Man hätte sie vielleicht kaum verstanden! Wie weit liegt *on die Art der „Ristori", deren ältere Theaterbesucher sich recht wohl erinnern, ab 'von der ihrer jüngeren Lands- nännin Eleonore Düse! Eine ganze Welt der Empfindung mb Darstellungstechnik trennt die beiden großen Italienerinnen iea einander! Eleonore Düse — das ist die Kunst, die wir teilte brauchen, die Kunst der feinen, nervösen Innerlichkeit, chne die großen Allüren äußerlichen Pathos. Wir wollen dieses äußere Pathos, diese Wirkung mit großen Mitteln !eii»eSwegs ganz zu den Tobten werfen. Aber sie hat ein gaiz bestimmtes Gebiet, sie ist am Platz für eine „Antigone", iMedea", „Iphigenie", für die modernen Frauen in modernen Slßcken paßt sie nicht.
Bei der Düse sollte man eigentlich nie fragen: was ipielt sie, sondern was ist sie? In Frankfurt a. M. war Hie bei ihrem ersten Erscheinen die bekannte, und sobald eine kwße Künstlerin sie sich zu eigen macht, noch immer nicht iexroeltte DnmaS'sche „Cameliendame", am zweiten Abend Sudermanns „Magda" in der „Heimath", am dritten Scordous „Fedora", am vierten Vergas „Santuzza" Ml Goldonis „Locandiera" und endlich zum Schluß Landons Tollköpfchen „Cyprienne". Für die Düse be
deuteten diese fünf Abende eine Kette großartiger Triumphe und für die Frankfurter eine Reihe von Kunstgenüssen, wie sie sich nur in langen Pausen einzustellen pflegen.
Man weiß nicht, ob man hier noch das Recht hat, von reproducirender, von bloß nachahmender Kunst zu reden, ob in der Düse nicht etwas steckt, das schon dem frei schaffenden Dichtergenius verwandt ist. Man fühlt sich jedenfalls geneigt, anzunehmen, daß wenn die phänomenale Begabung dieser Frau sich auf ein anderes Gebiet als auf das der Schauspielkunst geworfen hätte, sie sich auch in ihm schöpferisch erwiesen haben würde.
Neber ihre „Magda" ließe sich allein ein ganzer Aufsatz schreiben, ebenso über ihre „Cameliendame". In den letzteren Rollen kommen überhaupt neben der Düse nur noch die Sarah Bernhard und die Franceschina Prevosti in Frage. Aber die Kunst der Französin hat den Zenith überschritten und zu diesem Zenith selbst ist sie auf ganz anderen Wegen gelangt als die Düse sie wandelt. Und die „Prevosti" hat als Sängerin denn doch zu sehr auf den musikalischen Theil ihrer Ausgabe zu achten, als daß sie sich auf diese Fülle von Nüancen einlassen könnte. Sarah Bernhard hat in ihren Leistungen „Gipfel", sogenannte Bravourstücke; die verschiedenen Todesarten gehören zu den letzteren. Aber auf der Bühne ist heutzutage das Leben schwerer als das Sterben. Bei der Düse braucht man nicht erst auf den Eintritt der „Katastrophe" zu warten, um sich hingerissen zu fühlen, man sagt sich nicht: auf gepaßt, jetzt kommtS. Nein, es kommt nicht in einem bestimmten Moment, es ist immer da, sobald sie selbst aus der Bühne ist, nämlich das Große, Wahre, das Lebendige mit Einem Wort!
Aus den fünf Rollen, in welchen ihre Individualität sich in Frankfurt spiegelte, greifen wir nur eine, die Sardou'sche „Fedora" heraus, für gewöhnlich eine ausgebauschte Effectrolle, aber bei der Düse ein armes, bemitleidenswerthes Menschenkind, dem feine besten Gefühle zum tragischen Ver- hängniß werden sollen. Die Fürstin Fedora Romazoff glaubt ihren Bräutigam Wladimir von einem Nihilisten, dem Grasen Loris Jpanoff getödtet. Sie folgt dem Jpanoff bis nach Paris, weiß seine Liebe zu gewinnen, um ihn desto sicherer in die Falle zu locken und als sie vermöge ihrer Verbindungen
mit der russischen Geheimpolizei seine unschuldige Familie i»S Verderben gestürzt hat, muß sie erfahren, daß der von ihr so tief betrauerte Bräutigam ein Schurke gewesen und Jpanoff ein Ehrenmann ist, der an ersterem keinen politischen, sondern einen privaten Strafact vollzogen hat, weil Wladimir ihm seine Frau verführt. Das Schicksal FedoraS ist in hohe« Grade tragisch und diese Tragik wird von der Düse rein innerlich ersaßt. Das Stück setzt gleichsam mit vollem Orchester ein und gibt reichlich Anlaß zu stimmlicher und mimischer Pathetik.
Die Düse bleibt ruhig. Ruhe und Kälte sind bekanntlich nicht ganz dasselbe; aber nicht bei jeder Natur wird die innere Erregung zur äußeren Aufregung. Eleonore Düse vergißt keinen Augenblick, daß sie sich vor der Thür eines schwer Verwundeten, der jeden Augenblick seinen Geist aufgeben kann, befindet. Da ist das laute Klagen nicht am Platz. Als bann im vierten Act auch ihre Stunde gekommen ist, zieht sie die Qual des Todeskampfes nicht unnöthig in die Länge. Im Uebrigen ist sie in jedem Nerv das, was Loris Jpanoff im Allgemeinen von der Slavin aussagt: „Eine Slavin — das ist das Ideal des Weibes, das wahre Weib mit allen seinen plötzlichen Sprüngen und Gegensätzen, mit seinen Schwingen und Tatzen — und kosend und streichelnd, und heuchelnd und schmeichelnd, und schmiegsam und biegsam, und hinterlistig und ergeben, wild im Haß, heldenhaft in der Liebe, mit dem Verstand eines Mannes und dem Aberglauben eines Kindes."
Diejenigen, welche die Kunst der Düse als eine speciell italienische aufzufassen beliebten, mußten sich durch die „Fedora" und die „Magda" überzeugen lassen, daß sie sich auch mit dem slavlschen und germanischen Weibtypus auSkennt.
Colossal war der Andrang zu den Düse-Abenden. Die Kaffenbeamten hatten einen nicht beneidenswerthen Stand, daß sie bei den vielen Wünschen, Anfragen, Bestellungen nicht die gute Laune einbüßten, sondern bei allem „Sturm und Drang" mit Ruhe und Zuvorkommenheit ihre Obliegenheiten erfüllten, verdient ein besonderes Lob.


