Organisationsform für die Wahrung der Interessen der herrschenden Klassen ist, mir aller Schärfe zu kritisiren und zu bekämpfen; es ist weiter Pflicht der Vertreter der Partei, alle geeigneten Mittel zu ergreifen, um bestehende Nebel und andere Zustände im Sinne unseres Programms zu schaffen, da ferner die Regierungen als Leiter von Klaffenstaaten die focialdemokratischen Bestrebungen auf das Heftigste bekämpfen und jedes Mittel, daß ihnen zweckmäßig erscheint, ergreifen, um die Socialdemokratie, wenn möglich, zu vernichten, so ist die nothwendige Folge, daß die Vertreter der Partei in den Landtagen den Regierungen ein Zeichen des Vertrauens nicht geben können und, da die Bewilligung des Gesammt- budgets als Vertrauensvotum gilt, in der Gesammtabstimmung gegen das Budget zu stimmen haben. Ein späterer Zusatz- antrag Stadthagens, der aber von B e b e l bekämpft wird, will statt „da" die Bewilligung „soweit" die Bewilligung u. s. w. setzen. Der Antrag Bebel läßt also die Rüge für die Bayern fallen.
(Fortsetzung in nächster Nummer.)
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Gießen, den 25. October 1894.
** Hochzeitsgefcheuk für Prinzeß Alix. Die Spende, welche die Frauen Darmstadts der Prinzessin Alix zur Hochzeit überreichen wollen, besteht in einer Ansicht von Romrod, wo die Prinzessin viele glückliche Tage verlebt
war. Dieselbe stieg ohne alles weitere mit einem Billet | vierter Klasse in einen Wagen erster Klasse. Von dem Schaffner sofort auf den Jrrthum aufmerksam gemacht, meinte die gute Frau, jedenfalls im Hinblick auf ihr „Neuseidenes", das sie zwecks Theilnahme an einer Hochzeitsfeier anhatte: „Bemühe se sich nur näit weirer, der Platz eas mir ja gout genung!"
— Climbach, 23. October. Am vorigen Sonntag wurde hier ein Knabe von einem mit ihm auf der Scheuerbühne ringenden Kameraden in die Tenne geschleudert und erlitt beim Falle eine so starke Gehirnerschütterung, daß er in der darauffolgenden Nacht nach schwerem Leiden starb. Der Bruder des Verunglückten hat im vorigen Jahre durch einen Axthieb eines anderen Knaben beim Holzklemmachen mehrere Finger verloren, und so warnt dieser neue Unfall in derselben Familie um so mehr vor leichtsinnigen Bubenstreichen.
R. Reichelsheim i. d. W., 22. October. Zur Förderung , unserer Eisenbahnangelegenheit fand gestern wieder eine Versammlung im „Gasthause zur Post" dahier statt. Sie ist dadurch veranlaßt worden, daß die Chefs der drei Kreise Gießen, Friedberg und Büdingen, sowie ein Vertreter der Eisenbahnabtheilung des Finanzministeriums mit den Bürgermeistern der betheiligten Gemeinden am vergangenen Donnerstage zu Echzell eine Berathung hatten, in welcher die Bauangelegenheit weiter gefördert wurde. Es steht jetzt zweifellos fest, daß die Wetterauer Bahnen mit zu den ersten gehören, welche in Angriff genommen werden.
hat. Dasselbe wird aus dem Atelier Eugen Brachts hervorgehen. Dom Comite der „Aliceschule" empfängt sie eine aus grünem Seidenpeluche und vieux rose mit Hoch- filberstickerei künstlerisch ausgeführte Renaissancetruhe, an deren Vorderseite sich das russische und das hessische Wappen befinden. Die kostbare, Peinlich accurate Stickerei stellt den Schülerinnen der Darmstädter Aliceschule, aus deren Händen sie hervorgegangen ist, ein ehrenvolles Zeugniß aus."
* * Neues Theater. Freitag den 26. October kommt der urgelungene Schwank von O. Blumenthal und G. Kadel- burg: „Großstadtluft", mit Herrn Alexander Otto als Fritz Flemming zur Aufführung. Freunde der heiteren Muse wollen diese Vorstellung nicht versäumen.
* * Militärdieustuachrichten. Prinz zu Isenburg und Büdingen-Birstetn, Sec.-Lt. vom 1. Garde-Regt. zu Fuß, mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform des Hus.-Regts. Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. Hess.) Nr. 14, zu den Offizieren ä la suite der Armee versetzt. May, Sec.-Lt. von der Res. des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 (II. Berlin), zum Pr.-Lr., Hill, Vicefeldwebel vom Landw.-Bez. Frankfurt a. M. zum Sec.-Lieut. der Res. des Infanterie - Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Cella- rius, Pr.-Lt. von der Res. des Jnf. Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116 (Arolsen) zum Hauplm., Hirsch, Vtcefeldw. vom Landw.-Bez. Gießen, zum Sec.-Lt. der Res. des Jnf.-Reg. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Wenzel, Vicefeldw. von demselben Landw.-Bez., zum Sec.-Lt. der Res. des 4. Großh. Hess. Jnf.-Reg. (Prinz Carl) Nr. 118, Lutz, Sec-Lt. von der Res. des Großh. Hess. Train-Bats. Nr. 25 (Gießen), zum Pr.-Lt. befördert.
* * Ein Hauptgewinn von 200,000 Mk. der preußischen Klaffenlotterie fiel auf die Nr. 29 061.
* * Lebensmittel-Preise Ende September 1894. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- statistik kosteten:
Ochsenfleisch per Pfund
Rindfleisch per Pfund
Kalbfleisch per Pfund
Schweinefl. per Pfund
Hammelfleisch per Pfund
Gemischtes Brod
Roggen- Brod
Butter per Pfund
Milch 1 Liter
Eier
1 Stück
Städte mit Octroi Darmstadt
76
70
76
70
70
12
11
116-128
18
6-7
Mainz
72
60
70
70
65
12
10,5
89-106
18
5-7
Offenbach
76
66
76
80
60
12
10
110-121
21
6-8
Worms
74
70
80
72
68
9
9
111-125
18
5-8
Gießen
Städte ohne
76
70
69
71
64
11
9
101—113
18
6-7
Octroi Bingen
75
70
70
70
60
10 l
8
100—113
19
5-7
Bensheim
76
70
70
64
60
11,5
9
97-103
17
6-7
Alzev Friedberg
68
64
65
65
60
15
10
101—114
17
8-9
75
70
70
60
65
11,5
10
120-130
18
7
Alsfeld
70
65
70
65
—
11
10
95-105
16
6
Lauterbach
70
70
60
66
60
12
9
120
16
6
Bad-Nauheim, 24. October. Ein gelungenes Stückchen, das beweist, daß es heute noch Leute gibt, die die einfachsten Etsenbahnregeln nicht kennen, trug sich letzten Sonntag auf der Fahrt von hier nach Butzbach zu. Stiegen da zwei Bewohner des Dorfes M. in den Zug, um nach ihrer Heimath zurückzukehren. Auf die Frage des Aelteren an seinen Begleiter, ob er auch ein Billet dritter Klasse habe, antwortete dieser mit Ja. Als nun der Schaffner die Karten abforderte, zeigte der Landmann ein Billet vierter Klasse. Auf den Vorhalt des Schaffners, daß er doch mit diesem Billet nicht dritter Klaffe fahren dürfe, antwortete der Mann ganz verwundert: „Aich hun doach ean Nauem doas Billet uff Boutschbach genomme un kann doach aach meatfahr'n!" Der Schaffner konnte dem Mann absolut nicht klar machen, was es für eine Bewandtniß mit den verschiedenen Wagenklaffen und Billetten hat. Endlich gelang dies seinem Reisegefährten, indem er denselben darauf aufmerksam machte, daß sein Billet nur 20 Pfg. koste, während das Billet dritter Klasse doch 40 Pfg. koste. Unter allgemeiner Heiterkeit der Anwesenden entgegnete der Belehrte: „No, do wär' mehrsch aach näit druff akomme; awwer übrigens eas mir doas ganz oanerla, ob aich häi seatze oder drüwwe; aich kann maich aach e 'uüwer (in den Vierte- Klasse Wagen) mache." Dieser Vorfall erinnert an eine ähnliche Geschichte hier vor einigen Jahren, wo die Heldin . der Geschichte die Frau Bürgermeister eines Nachbardorfes 1
Vermischtes.
* Oberursel, 21. October. Ein auswärtiger Landwirth, der am vorigen Montag zur Viehprämiirung hier war und auch für eine schöne Kuh einen Preis erhalten hatte, ging, als er nach Haus kam, mit noch einigen Freunden ins Wirthshaus, woselbst er einige Viertel Aepfelwein zum Besten gab. Als die Gesellschaft in richtiger Stimmung war, machte Jemand den Vorschlag, die prämiirte Kuh auch theilnehmen zu lassen. Gesagt, gelhan. Die Kuh wurde geholt, in das zu ebener Erde gelegene Wirthszimmer gebracht, woselbst ihr 3 Schoppen Hohenastheimer verabreicht wurden, welche sich dieselbe auch sehr gut schmecken ließ. Ehre dem Ehre gebührt!
* Frankfurt a. M., 24. October. Ausgeplündert. Ein Schweizer aus dem Canton Bern traf gestern Vormittag hier einen jungen Mann, der ihn einlud, ein Glas Bier mit ihm zu trinken. Der Unbekannte führte den Schweizer, wie der Polizeibericht erzählt, in ein Haus der Buchgasie und dort begann ein Zechen. Als der Schweizer trunken war, wurde er auf ein Bett gelegt, wo er einschlief. Beim Erwachen merkte er, daß ihm das Portemonnaie mit 9 Mk. und ein Schein über zwei bei der Bahn zur Aufbewahrung gegebene Koffer fehlten. Bei der Nachfrage auf dem Bahnhofe stellte sich heraus, daß die Koffer bereits abgeholt waren. Sie enthielten Kleidungsstücke im Werthe von 180 Mk
* Hanau, 21. October. Zur Ver gebung der Bahnhofrestauration auf dem hiesigen Hauptbahnhose hat am Samstag in Frankfurt ein Termin stattgefunden. Zu demselben waren 35 Angebote eingelaufen, dagegen nur 9 Bewerber persönlich erschienen. Das geringste Gebot war 3000 Mk. Das höchste 20 000 Mk. Die meisten Offerten sind zwischen 5 bis 7000 Mk., dann kommen 2 zu 10 000 Mk., 1 zu 12000 Mk. und endlich 1 zu 20 000 Mk. Der Zuschlag soll erst in einigen Wochen ertheilt werden.
* Altena, 20. October. Eine große Seltenheit ist es sicherlich, daß aus einer Familie vier Söhne gleichzeitig ihrer Militärpflicht genügen. Dieser Fall liegt bei dem Fabrikmeister Küpper in Rahmede vor. Zwei Söhne dienen bei der Garde Feldartillerie in Berlin, ein anderer bei der Artillerie in Wesel und der jüngste der vier ist bei dem 80. Infanterieregiment in Wiesbaden eingetreten. Zwei der Söhne sind Zwillinge.
* Naumburg, 18. October. „Weil er wieder ins Zuchthaus wollte", hat der Handarbeiter Hädrich aus Remsdorf bei Zeitz im Sommer dss. Js. eine Scheune des dortigen Rittergutes an gesteckt und dadurch einen Schaden von 20,000 Mk. verursacht. Der ergraute Verbrecher (er ist schon 64 Jahre alt) hat allerdings einen erheblichen Theil seines Lebens schon hinter Schloß und Riegel verbracht, u. a. sechs Jahre und später sieben Jahre im Zuchthaus gesessen^ kurz nach Verbüßung dieser Strafe hat er das oben erwähnte Verbrechen begangen, zu deffen milderer Beur- theilung er noch ansührt, er habe es am Tage verübt, weil ein nächtlicher Brand das Publikum zu sehr in Schrecken gesetzt haben würde. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den alten Zuchthäusler zu 10 Jahren Zuchthaus.
* Entwischt, erwischt! Ein Schutzmann hatte den Auftrag erhalten, einen in der Schwedterstraße in Berlin wohnenden Arbeiter zur Verbüßung einer eintägigen Haftstrase zu verhaften. Zur Ausführung dieses Auftrages ließ sich der Beamte durch den Nachtwächter das Haus öffnen. Die Beamten hatten kaum das Haus betreten, da kam ihnen jener Arbeiter mit der Meldung entgegen, daß in dem gegenüber belegenen M.'scben Restaurant eben ein Einbruch vollführt worden sei. Die Beamten wollten dem Arbeiter keinen Glauben schenken, plötzlich aber wurde die Roülade des M.'schen Restaurationsgeschäftes in die Höhe gezogen und zwei Bassermannsche Gestalten, mit schweren Bündeln beladen, traten ins Freie. Als die Diebe sich ertappt sahen, stürmten sie in eiligster Flucht von dannen. Nun begann eine wilde DiebeSjagd, an welcher sich auch der rasch herbeigeeilte Wirth beteiligte. Auf dem sogenannten Danziger Felde, an der Prenzlauer Allee wurden die Diebe nach heftiger Gegenwehr unter Mithilfe jenes Arbeiters ergriffen. Als man nun aber, nachdem die beiden Gesellen in Sicherheit gebracht, nach den fortgeworfenen Bündeln forschte, erwies sich diese Mühe als nutzlos, denn ein Unberufener hat die herrenlosen Bündel als gute Beute erklärt. Aber auch dieser wurde ^alsbald in einer Destillation angehalten und zur Wache gebracht. Der
Restaurateur M. 'hat für den Arbeiter die drei Mark Polizeistrafe entrichtet und ihm dadurch die eintägige Haftstrafe erspart.
* Zwei bemerkeuswerthe Hasenjagden. Bei der kürzlich in Nenndorf bei Güsten abgehaltenen großen Treibjagd wurden der „Köth. Ztg." zufolge in vier Treiben circa 1800 Hasen zur Strecke gebracht. In einem einzigen Treiben wurden 774 Hasen erlegt. Es ist dies ein Ergebnis wie es auf irgend einem Jagdterrain wohl noch nicht annähernd vorgekommen ist. — Bei der am 18. October in Neinstadt abgehaltenen Treibjagd wurden 1200 Hasen zur Strecke gebracht.
* Für Briefmarkensammler wird folgende Meldung ans London von Jntereffe sein: Die Briefmarkensammler Stanley Gibbons haben die berühmte Sammlung australischer Marken des Vicepräsidenten des Londoner PhilaletiftenvereinS, Castle, für Lstr. 10000 angekaust. Dies ist der höchste Preis, welcher jemalsjfür eine Briefmarkensammlung gezahlt worden ist.
* Riesenwasserleitung. Vor einigen Tagen wurde die neue Wasserleitung der Stadt Manchester eröffnet. Sie gehört zu den größten Wasserwerken, welche jemals in England gebaut wurden. Manchester wird jetzt sein Waffer aus dem Thirlmere See beziehen, welchen die Stadt zu dem Ende hat ankaufen müssen. Der über Thäler, Eisenbahnen und Flüsse gehende Aquäduct ist 95 englische Meilen lang und der längste, den es überhaupt giebt. Die Baukosten haben 2 500 000 Pfund. Sterl. betragen.
* An der deutfch.sranzö'fischen Grenze. Anläßlich der vielbesprochenen Begegnung deutscher und französischer Soldaten an der Schlucht in den Vogesen schildert ein Stuttgarter im dortigen „Neuen Tageblatt" ein ähnliches friedliches Bild, das sich ihm im vergangenen Sommer an der gleichen Stelle darbot. Der Stuttgarter erzählt: Die „Schlucht", französisch Col de la Schlucht, ist einer der wenigen Pässe, die Frankreich und Deutschland an der Vogesengrenze verbinden, und ein wegen seiner landschaftlichen Schönheit besonders viel besuchter Punkt. Geht man auf der schönen Straße, etwa eine halbe Stunde von der Grenze an, entlang, so bietet sich durch die Bäume dem überraschten Auge eine entzückende Aussicht auf die beiden lieblichen Seen von Longemer und Gerardmer. Auf der Paßhöhe selbst steht auf französischer Seite ein großes Gasthaus, das von allen Fremden besucht wird, während die kleine Schänke auf deutschem Boden nur Arbeiter, Soldaten rc. betreten. Unmittelbar am Hause stehen die Grenzpfähle mit dem stolzen Reichsadler und dem schmucklosen „France". An diesen Trennungszeichen der Völker vorüberzugehen und den fremden Boden zu betreten, ist den Soldaten beider Heere aufs Strengste verboten. An jenem Sonntage nun, als ick an der Schlucht verweilte, sah ich drei französische Infanteristen, einen Unteroffizier, kenntlich an den gelben Litzen an Kragen und Slermel, und zwei Gemeine von ferne das Gasthaus betrachten, ohne näher zu kommen. Schließlich salutirte der Unteroffizier Jn strammer Haltung und rief mir etwas zu. Ich trat zu den Rothhosen und fragte nach ihren Wünschen. Sie wollten wissen, ob das Gasthaus auf deutschem ober auf französischem Boden stehe und ob auch keine Zollbeamten dort seien. Diese haben wahrscheinlich die Pflicht, Sotdaten, die ihnen an der Grenze begegnen, anzuzeigen. Sehr schüchtern und erst nachdem auch der Kellner ihnen versichert, daß die Luft rein sei, traten sie ein. Als sie sich gütlich gethan und wieder aufbrechen wollten, redete ich sie an; der mir zunächst Stehende, ein auffallend hübscher junb strammer Blondkopf, der gar nicht sehr welsch aussah, stellte sich sofort in militärischer Haltung vor mir auf, als ob ich sein Lieutenant gewesen wäre und beantwortete meine Fragen in derselben kurzen Weise, wie es der Soldat dem Vorgesetzten gegenüber thut. Sie waren vom 45. Regiment aus Remtremont, einem kleinen Orte, etwa 45 Kilometer von der Schluckt entfernt. Inzwischen hatten sich auf deutscher Seite ebenfalls Söhne des Mars eingefunden: Dragoner und Jäger aus Colmar, etwa ein Dutzend Leute im Ganzen. Diese verlockte es sehr, die Grenze zu überschreiten; aber sie wagten es doch nicht und begnügten sich damit, sich in einer Linie quer über die Straße dicht an den Grenzpfählen aufzustellen und waren in einer gewissen neugierigen Aufregung, als ich ihnen sagte, daß gleich ein paar Franzosen aus dem Gasthaus treten würden. Als dies geschah, entfaltete sich vor meinen erfreuten Blicken eines der buntesten und hübschesten Bilder, das ich jemals zu sehen Gelegenheit gehabt hatte: einer der Franzosen hatte einen Photographieapparat aus seiner Garnison mitgebracht, um ein Stück Deutschland zum Andenken an diesen SonntagS- ausflug mitnehmen zu können, und nun kam ihm die Gunst des Schicksals gar soweit entgegen, daß er deutsche Soldaten photographiren konnte. Er stellte sich in der Mitte der Straße auf und richtete seinen Apparat. Als die deutschen Brüder merkten, um was es sich handelte, packte sie der Ehrgeiz. Sie nahmen eine möglichst stramme ober möglichst forsche Haltung an, setzten die Mützen unb schoben bie Koppel zurecht unb hielten bann bem rothhofigen Photographen in mustergültiger Weise. Es war ein gar freunbliches Bildchen, da störte kein Säbelgeraffel und fein Revanchegeschrei, nur die gegenseitige Bewunderung fand in diesem Begegnen unverhohlenen Ausdruck. Und da in gegenseitiger Achtung der Völkerfriede am sichersten ruht, mußte einem Jeden, der fein verblendeter Chauvin war, das Herz aufgehen bei diesem friedlichen Anblick.
* Ein Torpedoboot aus Aluminium, welches für die französische Marine gebaut wurde, ist 18,28 Meter lang und mit Dreifach-Expansionsmaschinen ausgerüstet. Der Schiffsrumpf ist aus einer Ccgtrung von 94 pCt. Aluminium und 6 pCt. Kupfer gefertigt. Obgleich die Querschnitte der hauptsächlichsten Constructlonstheile gegenüber Stahlbooten des gleichen Typus um 25 pCt. vergrößert worden sind, hat sich dennoch das Gesammtgewicht des Fahrzeuges triefen gegenüber um 50 pCt. ermäßigt. Man erzielt mit dem Boot eine Geschwindigfeit von über 20*/z Knoten. Der Preis dieses Fahrzeuges ist allerdigS ein ganz exorbitanter


