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26.4.1894 Zweites Blatt
 
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m 96 Zweites Blatt. Donnerstag den 26. April

1894

Ter Hietzoer A«zeiger cr1d)nnl täglich, mit Ausnahme be- Montag-.

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Darmstadt im FestKlnde.

(Origtnalbericht für denGießener Anzeiger".) (Schluß auS Nr. 94.)

Dr. M. Gestern nach Theaterschluß, als da- Publikum, angefüllt von den Eindrücken, die sich Gemüth und Sinnen geboten, nach Haufe strömte, ward feinen Augen noch einmal das Schauspiel zu Thetl, welches uns schon am Freitag so entzückt hatte. Wieder schwamm die Stadt, d. h. die be« lebteften Straßen, in einem Meer von Licht. Electrifche Scheinwerfer sendeten vom Stadtthurme aus TageShelle auf die Plätze, sinnige Inschriften grüßten hier, bunte Trans­parent» zogen dort die Aufmerksamkeit auf sich. Zu Ehren de» russischen Thronfolgers und seiner hohen-Braut war die Wiederholung der Illumination veranstaltet worden.

Am Bahnhofe gab es gestern offiziellen Empfang. Als die hohen Berlobteu ihren Einzug hielten, bildete das Publikum trotz vorgerückter Stunde wieder freiwilliges Spalier. Muster­hafte Ordnung herrsche auch bet dieser Gelegenheit, wie denn überhaupt zu einem Eingreifen der Schutzmannlchaft während der ganzen Festlichkeiten kein Anlaß war.

Die Prinzessin-Braut hatte ein weißes Kleid angelegt mit ebensolchem Cape, bet Großfürst Thronfolger trug rothe Husarenuniform. Bet der Fahrt vom Bahnhose nach dem Neuen Palais saßen im ersten Vierspänner die Großherzogin und Prinzessin Alix, ihnen gegenüber der Großsürst-Thron­folger und unser Grobherzog. Im zweiten Wagen folgten: Prinzeß Irene, Großfürstin Elisabeth, ihnen gegenüber Groß« fürst Sergiu». Im dritten Wagen saßen: Prinzeß Ludwig von Battenberg nebst hohem Gemahl, im vierten Prinz Wil­helm von Hesien. Die Wagen mit dem Gefolge reihten sich an.

Heute ist verhältnißmäßig stiller Tag. DaS Volksfest auf dem Exercirplatze nimmt noch seine Fortsetzung, aber trotz seiner CarousirlS, Bärenmenagerien, Momentphotographen, Meerungeheuer, Schieß, und Wafietbuden, Bier- und Wein­schänken, ist doch der Elan deS ersten TageS, an welchem

auch die Neuvermählten dem Platze ihren Besuch abstatteten und inmitten der freudig bewegten Volksmenge enthusiastische Huldigungen empfingen, geschwunden. Vorüber find die Wett« und Sacklaufen, daS Wurstschnappen, daS Stangenklettern, daS Seilziehen rc. rc., und von demVolksfest" mit feinen originellen Spielen ist nur noch der höhere Mcßbudentrödel übrig geblieben.

Nichtsdestoweniger hört das Kommen und Gehen nicht auf, wennschon der Zufluß von Menschen um daSNeue Palais" herum ein ungleich stärkerer ist. Auf dem Wil« helmtnenplatze spielt eine Militärmusik die süßen Weisen au» Lohengrin" : HochzeitSlied, HochzeitSmarsch daS ist die Stimmung, die in der Luft liegt 1

Der Großfürst Thronfolger verläßt Darmstadt schon um 5 Uhr. Wieder ist eine große Menschenmenge zusammen« geströmt, die der Abfahrt beiwohnen möchte.

Unversehrt steht noch der ganze Festschmuck da und bei Einbruch der Dämmerung giebt eS wieder vereinzelte Illu­minationen. Gegen halb 9 Uhr begeben sich Großherzog und Großherzogin in daS Local der Vereinigten Gesellschaft, wo ihnen zu Ehren ein großer Galaball stattfindet.

Prächtig war der Saal decorirt. Don der Decke herab zogen sich boldachinartig Fichlenguirlanden; die Ecken deS Saales waren mit Blattpflanzen und Glühlampen geziert. Der Ball begann um 8 Uhr und wurde eröffnet von Herrn Ballcommiffär Mangold und Frl. Eigenbrodt. Die Zuschauergalerte, zu welcher die Karten nur mit höchster Vor­sicht (für j eine Mitgliedsfamilie nur eine Karte) ertheilt worden waren, hatte daS Publikum jedoch schon um 5 Uhr vollständig besetzt. Die Herrschaften kamen während der ersten Polka. ES erfolgte die übliche Begrüßung. Drei junge Damen: Frl. Urich, Frl. Locher und Frl. v. Mar« quard, weiß, rosa und grün gekleidet, traten hervor, Über­gaben Bouquets und erstere sprach folgendes von Ober« landeSgerichiSrath Lüty verfaßtes Gedicht:

Reicher Seaen kommt geflosien, Wenn Der Minne duftig R-iS Um zwei edle Fürstensprossen Dauernd sich zu ranken weiß.

Wenn nicht Scepter blo», auch Seelen,

Von de- Zwange» Feffeln frei, Sich verstehn und sich vermählen In des Vcbenfl holdem Mat.

Dich umblüht ein folcher Segen,

Hohes Paar, zu Dank und Preis, Und fo jubelt Dir entgegen Heut auch unser froher Kret».

Laß Dich grüßen, laß Dir reichen,

Wa» der frifche Frühling beut, Deine» Liebe»frühling»zetchen Gönn ihm, daß es Dir sich weiht.

Mit Dir zieht und Deinem Wallen Gleich wie Sonnenalanz da» Glück! Kehr' drum oft in diese Hallen, Hohe» Paar, zu un» zurück.

ES folgte die erste Quadrille, welche Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin mit Herrn Provinzialdirector v. Marquard und Seine Königliche Hoheit der Großherzog mit Frau v. Marquard tanzten.

Die Großherzogin unterhielt sich auf liebenswürdigste Weise mit verschiedenen Damen und Herren, während im Saale Rundränze getanzt wurden.

In der zweiten Quadrille standen Ihre Königlichen Hoheiten mit Herrn und Frau StaatSminifter Finger zu« sammen, nach deren Schluß sie sich mit einem Rundgang durch den Saal von den Ballgästen verabschiedeten.

Die Großherzogin trug eine weiße Setdenrobe mit ein­gewirkten Bouquets, blauer Bordüre und Goldstickerei, kost­bares Perlencollier, geschloffen durch eine Brillantagraffe und kronartigeS Diadem. Ein im Ton dazu paffender Fächer vervollständigte daS brillante Exterieur. Se. König!. Hoheit der Großherzog waren in großer Generalsuniform erschienen.

Die Anwesenheit der Herrschaften währte etwas über eine Stunde.

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