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23.1.1894 Zweites Blatt
 
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estattetes Lager von hs-AMM onleuchter (in den gang- thrungen, Glas u. \. ro.), Landarmen u. s. ro. in rmen und beivahtter Aui- emens- und Weaham- eften Huetffyn Gas der K/Wrper wird m\t it vorbereitet tizm M T^MW-Actiu 1), \ow

Ä -hchG»ch tgften Conßruclionen für übliche Zwecke.

Apparate können in unseren i in Betrieb gezeigt werden.

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Nr. 18 Zweites Blatt. Dienstag den 23. Januar

1894

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bt< MontagS.

Die Gießener

werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.

Gießener Anzeig er

Keneral-Wnzeiger.

Bierteljähriger ASonnementsprei» i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezo-« 2 Mark 50 Pfg.

»ednetion, Sxpkditio» und Druckerei:

Zch»tstr«ßeAr.?.

Fernsprecher 5L

Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.

Feuilleton.

Das Amulett.

Eine Pferdegeschichte von Th. Müller-Plaktensteiner.

(Schluß.)

Wollen Excellenz gütigst verzeihen, ich glaube behaupten zu dürfen," flötete Adjutant v. Stritter, an den diese Worte gerichtet waren,daß es noch derselbe George Brown ist, den der Herr Oberstlieutenant immer ritt . . . allerdings sehr zu seinem Bortheil verändert."

Teufel, Sie können Recht haben, Stritter," gab die Excellenz, als man inzwischen nähergekommen war, zurück, merkwürdig ... na, werden ja sehen!"

Die Jnspicirung begann und verlief in der üblichen Weise, und nun war der große Moment gekommen, in dem die E^cellenz den Commandeur des Regiments austreten ließ und dem Oberstlieutenant das Commando übergab.

Herr Oberstlieutenant von Kronen!"

Excellenz befehlen?"

Wie ein Wetterftrahl schoß Kronen auf die Excellenz los, par-irte kräftig, aber elegant, und empfing die Befehle des hohen Herrn. _

Es ging prachtvoll- die hohe Sicherheit, welche Kronen in sich fühlte, theilte sich dem ohnehin vorzüglichen Regiment mit, und was die Reiterei betraf, so möge nur erwähnt werden, daß der Regimentsadjutont es nur seinen nagel­neuen Sporen zu verdanken hatte, wenn er einigermaßen initkam.

Die Kritik, welche Seine Excellenz darauf vor ver­sammeltem Offiziercorps abhielt, ließ ringsum die liebliche Röthe der Freude auf den braunen Wangen erglühen und nur ein paar jüngere Lieutenants, welche nie aufhören können, ;u raisoniren und welche in Gedanken schon über die Beichte Krönens hinweggeschritten waren, murmelten etwas vonganz apart eminentem Schwein . . . Die Excellenz hatte dem Oberstlieutenant zum Schluffe die Hand gedrückt der Regi- yrentscommandeur war jetzt sicher.

Hratisöeikage: Gießener Kamikienötätter

1.

2.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folg enden tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Vureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

61441 Vogels eeunde. Schiffers Vogelfutter, nur echt in wp Regelten PacMdnmit dem Vogelneste" (eingetragene Schutzmarke), ist unübertroffen im Alleinverkauf zu Oriqinalpreisen bei A. u- Wallenfels, Gießen, Marktplatz 21

Zwischendecke) gelegen sind und von den möblirten Wohnungen diejenigen, deren Miethpreis für das Zimmer den Betrag von monatlich 8 Mark nicht überschreitet. Das Mndestmaaß von Luftraum, welches bei solchen Wohnungen für jeden Bewohner zu fordern ist, hat das Gesetz nicht festgesetzt. Es wird dies zunächst von Fall zu Fall durch uns und eventuell in einer zu erlassenden Polizeioerordnung allgemein bestimmt werden, sobald auf Grund der Erhebungen über die Mieth- wohnungen und nach Besichtigung derselben die für die hiesige Stadt zu stellenden Anforderungen im Einzelnen genau er»

angegeben wird:

a) ob drei oder weniger Räume zum Wohnen ver- miethet werden sollen;

b) ob Räume an Schlafgänger vermiethet werden sollen;

c) ob Räume als Schlafräume für Gesellen, Gehülfen, Lehrlinge oder sonstige Arbeiter, die bei dem Arbeitgeber wohnen, sowie für Dienstboten be­stimmt sind.

In dem oben erwähnten Baugesuche eine besondere Ver­fügung in gesundheitlicher Hinsicht über die Benutzung der Räume (neben dem Gesuche um baupolizeiliche Ge­nehmigung) beantragt wird.

Die baupolizeiliche Genehmigung allein schließt die vorbemerkte Verfügung nicht in sich und greift dieser nicht vor.

Die Räume, für welche die Verfügung beantragt wird, find ihrer Bestimmung gemäß genau zu bezeichnen. Gießen, den 16. Januar 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Vermaischtes

* München, 18. Januar. Gestern wurde die Obduktion der Leichen der Frau Josefa Tänzer und ihrer beiden von ihr ermordeten Kinder vorgenommen, wobei sich ergab, daß die Kopfbildung der Frau eine normale war. Leber und Milz waren krank- ebenso zeigten sich Erkrankungen des Unterleibs - überdies litt die Unglückliche an einem Kehl­kopfpolyp. Die Frau neigte schon seit längerer Zeit der Melancholie zu, was auch durch den Sectionsbefund bestätigt wurde. In der Schublade des Tisches, der sich im Schlaf­zimmer befand, fand man den RomanDas Drama von Meyerling" vor, mit deffen Lectüre sich die Unglückliche in den letzten Tagen beschäftigte. Auf dem Tische lagen ihre Brautkleider, Schmuckgegenstände rc. In vorgefundenen Briefen sprach sie die Absicht aus, sich und ihre Kinder umS Leben zu bringen. Der Tod dürfte bei den Kindern sofort eingetreten sein, während die Frau selbst noch einige Zeit gelebt und mit dem Tod gerungen zu haben scheint. Ei« Einschläferungsmittel u. dgl. ist nicht angewandt worden. Die beiden Kleinen waren am Nachmittag vor der verhäng- nißvollen Nacht noch mit dem Kinde der nebenan wohnenden Familie beisammen, in deffen Gesellschaft sie heiter und gnter Dinge bis zum späten Abend spielten.

* New York, 6. Januar. Großartige PensionS- sch windel ei en find von der Untersuchungsbehörde deS Pensionsamtes in Iowa ans Licht gefördert worden. Es wurden am Bundesgericht zu Dubuque gegen den ehemalige» Pensionsanwalt van Leuwen und die bisherigen ärztlichen Untersuchungsbeamten Keffel von Cresco und Pegg von Decorah nicht weniger als 42 verschiedene Anklagen erhoben. Die Beträge, welche dieselben gestohlen haben sollen, belaufen sich auf 80000 Dollar jährlich. Ganz gesunde Leute, wo­von viele überhaupt niemals zu einer Pension berechtigt waren, wurden als gänzlich verkrüppelt bezeichnet. Die Gelder theilten laut der Anklageschrift van Leuwen, Keffel und Pegg mit den Pensionirten. Nicht weniger als 500 der­artige Betrugsfälle sind dem Pensionsamte bekannt geworden, jedoch noch nicht alle genügend untersucht, um weitere An­klagen zu rechtfertigen. Die Thätigkeit der Angeklagten erstreckt sich über eine Reihe von Jahren und dieKunden" vertheilten sich auf den ganzen Nordwesten.

messen werden können.

HL Unternehmer von Neu- ober Umbauten solcher Wohnungen und Räume, die unter das Gesetz gehören werden, ersuchen wir zur Vermeidung späterer Anstände eine besondere diesseitige Verfügung jeweils darüber zu erwirken, ob und unter welchen Bedingungen die neu zu errichtenden oder um- zubauenden Räumlichkeiten als in baulicher Hinsicht den gesundheitspolizeilichen Anforderungen entsprechend erachtet werden. Sofern die Neu- oder Umbauten bereits aus Grund der baupolizeilichen Gesetze und Verordnungen an sich der polizeilichen Genehmigung bedürfen, ist es nöthig, daß

in dem bei uns einzureichenden Baugesuche besonders

2lmtlid?er Theil.

Bekanntmachung.

betreffend Gesetz vom 1. Juli 1893 über die polizeiliche Be­aufsichtigung von Miethwohnungen und Schlafstellen.

Nachdem die in unserer Bekanntmachung vom 16. v. Mts. ongeorbnete vorläufige Aufnahme ber hier in Betracht kom­menden Räume durch die Schutzmannschaft stattgefunden hat, bringen wir weiter zur öffentlichen Kenntniß, daß der uns zur Verfügung stehende technische Beirath Traber mit den Functionen des Wohnungsinspectors von uns bestimmt worden ist und sofort mit der Untersuchung der betreffenden Räume beginnen wird.

Mit dem 1. October v.J. ist der Artikel 1 des Gesetzes vom I.Juli 1893 in Kraft getreten, welcher den Ortspolizei- behörden, sowie deren Beauftragten die Befugniß einräumt, he dem Gesetze unterwarf nen Wohnungen, sowie Schlaf- raume einer Untersuchung in der Richtung zu unterwerfen, ob aus deren Benutzung zum Wohnen oder Schlafen Nach- theile für die Gesundheit ober Sittlichkeit nicht zu be­sorgen sind.

Die übrigen Vorschriften des Gesetzes treten mit dem 1 April 1894 in Wirksamkeit. Aus diesen Vorschriften heben wir Folgendes jetzt schon Jnteressirende hervor:

I. Unter das Gesetz fallen zunächst alle sogenannten

Schlafstellen.

Als Schlafstellen sind im Allgemeinen solche Räume an­zusehen, welche wesentlich nur zum Schlafen an eine ober mehrere Personen vermiethet werden, wobei ein ausschließ­liches Verfügung-recht des Schläfers über den Raum nicht besteht. Es ist hierbei einerlei, für wie lange die Vermiethung der Schlafstelle stattfindet, und ob dem Schläfer gestattet ist, i» dem Schlafstellenraum ab- und zuzugehen, Kleidungsstücke ober dergleichen Gegenstände darin aufzubewahren und sich selbst auch am Tage vorübergehend dort aufzuhalten. Für diese Schlafstellen hat das Gesetz bestimmt, daß die Polizeibehörde festzustellen hat, wieviel Luftraum für jede aufzunehmende Person vorhanden sein muß und daß minde­stens IO Cnbikmeter Luftraum für jede in einem Schlafraum zuzulassende Perfon erforderlich sind.

n. Von den Miethwohnungen fallen namentlich die­jenigen unter das Gesetz, welche aus 3 ober weniger Räumen (einschließlich Küche) bestehen ober aus Räumen, welche nicht unter­kellert sind, ober aus Räumen, die direct unter Dach (ohne

George Brown war heute das erstemal, seitdem ihn v. Kronen hatte, gänzlich matsch, er stolperte sogar und der letztere war froh, als er absitzen und George, der trotz des ruhigen Heimreitens noch furchtbar schwitzte, dem ganz entsetzt dreinschauenden Dämelmann übergeben konnte.Macht nichts, Dämel," meinte er,ich mußte ihm wieder einmal zeigen, wer eigentlich der Herr ist na, ordentlich abreiben."

Oben wurde er von Fran und Tochter schon an der Corridorthüre empfangen.

Nun, Carl, glücklich durch?"

Aber, liebe Frau, hast Du denn auch nur einen Augen­blick zweifeln können?"

An Dir sicher nicht, aber George . . ."

Hahaha, George! Na, seht ihn Euch mal an, ich denke, der Racker hat für lange Zeit an der Lection genug."

v. Kronen sollte die Freude, das Verdienst der Bekehrung Georges voll und ganz für sich in Anspruch nehmen zn dürfen, nicht lange genießen.

Man saß gerade bei Tische, als, was sonst nie erlaubt war, Dämelmann nach vorangegangenem Klopfen ganz con- fterntrt ins Zimmer trat. Seine borstigen Haare standen noch mehr in die Höhe wie sonst, die Augenbrauen saßen ihm auf der Mitte seiner niederen Stirn, der Mund, der gerne geredet hätte, wenn es die übergroße Aufregung zugegeben, zitterte, und es dauerte eine geraume Weile, bis Dämelmann nach vorausgegangenem Knickser, indem er einen sonderbaren Gegenstand in die Höhe hielt, herausbrachte:

Entschuldigen, Herr Oberstlieutenant, der George ist fürchterlich gedrückt, gedrückt auf beiden Seiten und ich ka . . . kann nichts dafür, denn ich weiß absolut nicht, wie das da unter die Satteldecke gekommen ist."

v. Kronen bemächtigte sich des von Dämelmann hoch- gehaltenen Gegenstandes zwei Säckchen durch eine Schnur verbunden und sah denselben kopfschüttelnd an, endlich sagte er:Hat eines von Euch eine Ahnung, was das sein kann?"

Da brach dieMale" in Thränen aus:Ach lieber, guter Papa"

Dämelmann raus!" befahl der Oberstlieutenant, und als der Bursche gegangen war, gings weiter:Ach, lieber Papa, verzeihe!"

Ja, aber was ist's denn, was soll ich denn verzeihen?"

Siehst Du, lieber Papa, was Du da so erstaunt i» der Hand hältst, ist ein von mir gefertigtes .... Amulett ich wußte durch die Mama von der Bedeutung des heu­tigen Tages in Deinen Kleidern es zu bergen, fand ich keine Gelegenheit ... so ging ich denn in den Stall und legte es George heimlicherweise unter die Satteldecke über den Rücken, als Dämelmann den Sattel aus seiner Stube holte ... so war das Amulett doch bei Dir ich Habs so gut gemeint ... und es hat ja auch geholfen

v. Kronen durchzuckte bei der Klarlegung dieser unver- mutheten Bundesgenossenschaft das Gefühl gekränkten Stolzes. Also doch nicht! Dann aber, was war da zu thun, um die Mundwinkel seiner Frau zuckte es ohnehin schon verdächtig genug brach er in Lachen aus.

Teufel, da mußte er freilich den Rücken hergeben, das Zeug ist ja furchtbar hart und fast eigroß, ich kann den Dämel nicht begreifen, daß er das nicht im Satteln gemerkt hat . . . was ist denn eigentlich in den beiden Säckchen, Male?"

Jordankiesel, bester Papa, ... ich bekam sie von Emma Santen, deren Vater voriges Jahr die Stangen'sche Palästinareise mitmachte ... sie wollte sich einen Brief­beschwerer daraus machen lassen, ich habe diese Profanation aber nicht gelitten . . . und so bekam ich sie."

* * *

Warum eigentlich George Brown bei der Jnspicirung so sehr gut ging, erfuhr Niemand weiter, zu was auch? v. Kronen wurde Commandeur und schaffte sich nun noch ein zweites, durchaus zuverlässiges Pferd an, er wollte dem Zufall für die Zukunft doch nicht gar zu viel zumuthen, nachdem er eingesehen, daß seine Reitkunst ihn schließlich doch im Stiche gelassen hätte.