Nr. 166 Erstes Blatt. DonmrSta« de« 19. Juli
Der Oiehener Aureiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
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Mehener Anzeiger
Aenerat-Wnzeiger.
1894
Vierteljähriger Monnemcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit
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Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren
chratisöeikage: Hießener Aamitienötätter.
fünf Tagen.
v. Gagern.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
trafen von der hiesigen
Omnibus-Gesellschaft dort angekaust wurden.
** Für Huudebefitzer. Bekanntlich ist das unbeaufsichtigte Herumlaufenlassen der Hunde zur Nachtzeit durch Local- Reglement verboten. In letzter Zeit hat aber solches so wenig Beachtung gefunden, und das Gekläffe der Hunde auf der Straße so zugenommen, daß die Schutzmannschaft angewiesen worden ist, unnachsichtlich einzuschreiten und evtl. Anzeige gegen diejenigen Hundebesitzer zu erheben, welche Nachts, d. h. nach 9 Uhr Abends, ihre Hunde unbeaufsichtigt auf der Straße umherlaufen lassen.
*♦ Rudersport. Mit größerer Begeisterung und unter großartigerer Betheiligung der Einwohnerschaft Gießens ist wohl selten ein Gießener Kind empfangen worden, als wie der Meister von Deutschland, Herr Alb. Rübsamen, am gestrigen Dienstag Abend. Tausende und Abertausende bildeten ein vtelreihiges Spalier von dem Bahnhofsperron ab bls zum Neustädter Thor und ganze Menschenftröme flutheten vor und hinter, wie auch zu beiden Seiten des Lampion- zuges, mit welchem die activen Mitglieder der Rudergesell- schäft ihren jugendlichen Meister vom Bahnhofe abholten. Fast kein Haus in den Straßen, welche der Zug pasfirte, war ohne Flaggenschmuck, bengalische Flammen und Feuer- werk beleuchteten ohne Unterbrechung die unzähligen mit Tüchern winkenden und Blumen werfenden schönen Freundinnen des Rudersports, welche die Fenster der Häuserfaeaden in unzähliger Menge besetzt hatten. Es war ein Empfang, der, weil ungekünstelt und unvorbereitet, ein desto herzlicherer und großartiger war und unsere Gießener Ruderer, in erster Linie Herr Rübsamen, können mit berechtigtem Stolze auf diesen Ehrentag, den die Einwohnerschaft Gießens ihnen be- reitet hat, zurückblicken. — Eine offizielle Begrüßung am Bahnhofsperron, welche geplant war und welche auch, Herr Oberbürgermeister Gnauth durch seine Anwesenheit zu beehren die Güte hatte, konnte leider durch den Vorstand der Rudergesellschaft nicht stattfindrn, denn kaum wurde der mit dem Brtllantstern des Deutschen Ruderverbandes geschmückte Meister, Herr Rübsamen, an der Coupethüre bemerkt, als auch schon die den Perron Kopf an Kopf füllende Menge auf ihn losstürzte, auf die Schultern hob und unter Voranmarsch der Musik sich in Bewegung setzte. Die lampiontragenden Ruderer halten große Mühe, sich einen Weg zu bahnen und erst außerhalb des Bahnhofs kam einigermaßen Ordnung in den undämmbaren Menschenstrom. Ein ganz besonderes Lob gebührt den Organen des Polizetamts, welche mit Ausbietung aller Kräfte und unter größten Anstrengungen eine freie Bahn für den Zug durch die Mafien offengehalten hatten. Das Corps „Hassia" betheiligte sich in langer Wageureihe, welche dem Zuge, so viel wir bemerken konnten, vorausfuhr. Brausende Zurufe „Hip Hip Hurrah!" begleiteten denselben auf seincm ganzen Wege und erschallten in noch verstärkter
Eisenb ahnv erwaltun g mit 3 596000 Mk. Mehr Ueber- schuß abgeschlossen, auch die Einnahmen aus dem Bankwesen haben den Etatsansatz um 1475 000 Mk. überstiegen. An verschiedenen Berw altungs-Einnahmen (mit Einschluß der oben erwähnten eigenen Einnahmen der Militärverwaltung) sind 1662000 Mk. mehr aufgekommen- desgleichen bei dem Reichs-Jnvalidenfonds an Zinsen 268 000 Mk., so daß zur Deckung der oben erwähnten Mehrausgabe bei diesem Fonds eine Erhöhung des CapitalzuschufieS nur um 1535 000 Mk. erforderlich war. Außerdem sind noch an Zinsen aus belegten Reichsgeldern, Ueberschüssen aus früh eren Jahren und onstigen Einnahmen zusammen 355500 Mk. mehr ein* gegangen, wogegen an Matricularbeiträgen die durch den dritten Nachtrags-Etat bewilligten 550000 Mk. nicht erhoben wurden. Im Ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reich verbleiben, im Vergleich zum Etat 20803 222,79 Mk. mehr zur Reichskasse geflossen, und eS ergiebt sich nach Gegenrechnung der Mehrausgaben von 6 603 242,61 Mk. für den Reichshaushalt des Etatsjahres 1893/94 ein Ueberschuß von 14199980,18 Mark.
Cocafcs rrirö ptdtHitjUßef.
Stehen, den 18. Juli 1894.
*♦ Theodor Loos f. In vergangener Nacht ist sanft, nach kurzem Todeskampfe, der der Einwohnerschaft Gießens und der Umgebung als Localdichter wohlbekannte Schriftsetzer- Theodor Loos sen. im nahezu vollendeten 75. Lebensjahre entschlafen. Der Verstorbene war über ein halbes Jahrhundert in der Druckerei des Gießener Anzeigers beschäftigt und seinen zahlreichen Mitarbeitern während dieser langen Zeit ein biederer College- im Jahre 1883 feierte er sein 50jähriges Berufsjubiläum unter ehrender Theilnahme seiner Arbeitgeber und Collegen. Herr Loos widmete sich in den ihm neben seiner langjährigen Berufsthätigkeit verbleibenden Musestunden mit Vorliebe der Poesie, und viele Früchte seines dichterischen Schaffens kamen durch die „Gießener Familienblätter" in die Oeffentlichkeit, während seine Gelegenheitsgedichte noch in vielen Familien Gegenstand der Erinnerung an frohe und ernste Feierlichkeiten bilden. In seinen Gedichten, die nur zu einem Theile veröffentlicht wurden, drückt sich sein tiefempfindendes Denken und Fühlen als Mensch und Familienvater aus und diesem Denken und Fühlen entsprach sein Handeln. Tief betrauert von seinen Hinterbliebenen, seinen Mitbürgern, seinen Berufsgenossen und seinen zahlreichen Freunden, ist unser lieber, trotz der Gebrechen des Alters stets heitere und liebenswürdige Theodor Loos von hinneu
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Weisungen unter Mitberücksichtigung der nachträglich für das Jahr 1890/91 vorgenommenenAbrechnung auf 338 758 801 Mk., das sind 10 459199 Mk. weniger, als im Etat vorgesehen. Die dem Reich verbleibenden Steuern haben sämmtlich gegen den Etat Mehrerträge ergeben und zwar die Zuckersteuer 4668000 Mk., die Salzsteuer 1733 000 Mk., die Maischbottich- und Branntweinmaterialsteuer 1381000 Mk., die Brau st euer 1057000 Mk., der Spiel karr en stempel 74000 Mk., die Wechselstempelsteuer 328000 Mk. und die statistische Gebühr 67 000 Mk. Die Post- und Telegraphenverwaltung hat mit einem Mehr-Ueberschuß von 3138000 Mk., die Reichs- druckerei mit einem solchen von 15000 Mk. und die
Deutscher Reich.
Berlin, 17. Juli. Die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Etatsjahr 1893/94 haben sich nach dem Finanzabschluß der Retchshauptkafie, abgesehen von den auf außerordentliche Deckungsmittel angewiesenen Ausgaben, im Vergleich zum Etat in runden Summen wie folgt gestaltet: Für das Reichsheer sind bei den Contingents- Verwaltungen von Preußen, Sachsen und Württemberg an fortdauernden Ausgaben (mit Einschluß der diese Verwaltungen angehenden Titel des allgemeinen Pensionsfonds) 5915000 Mk. mehr und an einmaligen Ausgaben 1571000 Mk. weniger erforderlich gewesen. An Einnahmen sind im Bereiche der Militärverwaltung 916000 Mk. mehr aufgekommen. Bei dem Reichsheer stellte sich hiernach das Gesammtergebniß gegen den Etat um 3 428 000 Mk. ungünstiger. Insbesondere sind bei der Naturalverpflegung, den Ausgaben für Reisekosten, Tagegelder und Transportkosten, sowie bei dem Artillerie« und Waffenwesen und dem allgemeinen Pensionsfonds erheblichere Mehrbedürfnisse hervorgetreten, welchen indeß Ersparnisse nur bei der Geldverpflegung, sowie bei der Bekleidung und Ausrüstung der Truppen gegenüberstehen. Die Ausgaben der Marine, einschließlich ihres AntheilS am allgemeinen PeusionsfondS, haben den Voranschlag um 360000 Mk. überstiegen. Beim Auswärtigen Amt betragen die Mehrausgaben 2 656000 Mk., bei den Fonds des Reichs- Schatzamts 1531 000 Mk. und bei dem Reichs-Invaliden fonds 1803000 Mk. Eine nennenswerthe Er- fparniß ist bet den Fonds des Reichs amts des Innern dadurch entstanden, daß die Ausgabe zu Unterstützungen an Familien der zu Friedensübungen einberufenen.Mannschaften um 1015000 Mk. und der Reichszuschuß zu den Jnvaliditäts- und Altersrenten der Arbeiter um 1 334 000 Mk. hinter dem Etatsansatz zurückgeblieben ist. Bei der Reichsschuld ist hauptsächlich in Folge des Umstandes, daß die Anleihe nicht in dem vorausgesetzten Maße zur Ausgabe gelangt ist, eine Minderausgabe von 1 784000 Mk. eidgetreten. Die übrigen, bei den Hauptabschnitten der Ausgabe eingetretenen Abweichungen vom Etat ergeben noch einen Mehrbedarf von 42 000 Mk. Im Ganzen übersteigen die Mehrbedürfnifie bei den hier in Betracht gezogenen Ausgabefonds des ordentlichen Etats die daselbst vorgekommenen Ersparnisse um 6603242,61 Mk. Die Zölle und die Tabaksteuer, von deren Ertrag der Reichskasse nur der feste Antheil von 130 Millionen Mark verbleibt, sind hinter dem Etat um 4517 000 Mk. zurückgeblieben, wovon 4495000 Mk. auf die Zölle und 22 000 Mk. auf die Tabaksteuer entfallen. Bei den den Bundesstaaten im vollen Reinertrag zustehenden Steuern sind gegen den Etat aufgekommen: bet der Verbrauchsabgabe vom Branntwein 188000 Mk. mehr, bei den Stempelabgaben für Werthpapiere rc. 5 780 000 Mk^ weniger. Diese Abweichungen von der etats- mäßigen Voraussetzung finden im Reichshaushalt ihren Ausgleich durch entsprechende Ermäßigung bezw. Erhöhung der unter den Ausgaben angesetzten Uebcrweisungen an die Bundesstaaten. Im Ganzen stellen sich diese Ueber-
geschieden. Er ruhe sanft!
** Omnibus • Verkehr. Heute Vormittag Bern bürg drei Omnibusse ein, welche von
N-rreste 2Tad>rid><cn.
WolffS telegraphisches Correfpondenz- Bureau.
Christiauia, 17. Juli. Die deutsche (Kaiserin ist heute Mittag hier eingetroffen. Auf dem Bahnhofe und in den Straßen wurde sie von einer zahlreichen Menschenmenge lebhaft begrüßt. Sie begab sich alsbald an Bord des „Stein". Die Stadt war festlich geschmückt.
Chicago, 17. Juli. Der Führer der Strikenden der Pullmanwerke gibt zu, daß die Strikenden unterlegen sind.
Birmingham (Alabama), 17. Juli. In den Prattminen fand zwischen den Negern, welche die Aus ständigen ersetzen sollten, und Strikenden ein heftiger Zusammenstoß statt. Letztere feuerten und verwundeten drei Neger. Als die Polizei dann schoß, entstand ein Kampf, wobei sechs Personen geiödtet und zwanzig verwundet wurden.
Depeschen des Bureau »Herold*.
Berlin, 17. Juli. Fürst Bismarck ist heute Nacht 2 Uhr mittels Extrapost von Schlawe aus in Varzin in gutem Befinden eingetroffen. Die Dörfer, durch welche der Weg führte, hatten illuminirt. Der Fürst und die Fürstin Bksmarck haben die Reise gut überstanden.
Berlin, 17. Juli. Die Berufung gegen die Urtheile der Strafkammern soll, wie man von gut unterrichteter Seite erfährt, nach Absicht der Reichsregierung bereits am 1. April 1895 eingeführt werden.
München, 17. Juli. Der Cyklon hat einen Landstrich von etwa 15 Kilometer Länge und Breite vernichtet. Der Schaden ist noch unberechenbar, dürfte jedoch kaum unter einer Million Mark betragen- in der am meisten mitgenommenen Ortschaft Forstern wird er auf 300,000 Mk. geschätzt. Der Ebersberger Forst, der schon wiederholt durch Nonnenfraß viel zu leiden gehabt hat, ist fast gänzlich zer« stört und dürfte sich kaum mehr erholen. Bis jetzt find 10,000 Mk. für die Obdachlosen aufgebracht, außer den 3000 Mark vom Prinzregenten noch 7000 Mark von Privatleuten.
Prag, 17. Juli. Ein Pilsener Jungtschechenblatt kündigt die Bildung einer großen Liga tschechischer Frauen nach dem Muster der englischen Primrosenliga an. Der Zweck der Liga soll die Hebung des Etnflufies der Frauen auf bte Gesellschaft im Interesse des Nationalbewußtseins und der öffentlichen Moral sein.
Pcst, 17. Juli. Dem „Pester Lloyd" zufolge durfte die Weizenernte über 38, die Roggenernte über 15 Millionen Metercentner feinster Qualität ergeben. Bei den Gemüsen, dem Wein und Obst richtete die andauernde Hitze colofialen Schaden an.
Rom, 17. Juli. Crispi sprach sich bezüglich der weiteren Ausgestaltung des Anarchistengesetzes dahin aus, daß ein Gesetzentwurf ausgearbeitet werden würde, wo« nach bestimmte Kategorien von Anarchisten nach Afrika depor- tirt werden sollen.
Paris, 17. Juli. Bon den dreißig Anarchisten, aegen welche am 6. August die Prozeßverhandlungen beginnen, sind 25 verhaftet. Die Tagesblätter publictren die Anklageschrift mit allen Details über das Leben und die Verbrechen der Angeklagten. 25 Advocaten führen die Vertheidigung.
Madrid, 17. Juli. In der „Gazetta" wird heute eine amtliche Verordnung veröffentlicht, nach welcher alle aus Danzig kommenden Güter einer Quarantäne unterzogen werden.
Theil.
Gießen, den 16. Juli 1894.
Betr.: Die Erstreckung der NersicherungSpflicht nach dem Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetze auf Haus« gewerbtreibende der Textilindustrie.
Das Großherzogliche Kreisamt Gietzeu
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 27. Juni l. IS. — Anzeiger Nr. 151 — noch nicht nachgekommen sind, erinnern wir an Erledigung derselben binnen


